Ich schnitt wieder kleine Bäume mit der Astschere aus. Der Hang ist ein wunderbarer Ort, auf dem ich irgendwann, vielleicht in diesem Jahr noch, eine Holzbank hinbauen wollte. Auf der Holzbank werde ich dann in der Abendsonne sitzen. Man schaut von dort aus über eine Wiese, hinter der sich der Fluss schlängelt. Die Abendsonne wird dort scheinen, in den Wochen um die Sonnenwende wird man die Sonne dort stundenlang am Horizont entlangstreifen sehen. Zuerst muss ich aber den Baum entfernen, er ist nämlich genau dort hingestürzt.
Am Abend kamen unsere Nachbarn aus Berlin. Deswegen bereiteten wir die Schlafzimmer und das Gästehaus vor und wir kochten veganes Chili vor, damit es noch ein paar Stunden zum Ziehen hat. Unsere Nachbarn sind auf der Suche nach einem Waldhäuschen. Dabei werden wir sie begleiten und unterstützen.
Für heute war bereits eine Besichtigung geplant. Ein ziemlich verfallenes Haus, etwa 45 Minuten von uns entfernt. Der Termin war erst um 14 Uhr. Am Vormittag gingen der Sohn der Nachbarin und ich zum Hang unterhalb des Hauses, da er sich für den umgestürzten Baum interessierte. Er bot sich an, mit mir gemeinsam den Baum wegzuarbeiten.
Mein ursprünglicher Plan war, mit der Elektrokettensäge zu arbeiten. Dafür sammelte ich alle verfügbaren Kabeltrommeln zusammen, ich kam aber nur auf etwa 35 Meter. Der Baum ist allerdings doppelt so weit entfernt. Jetzt habe ich die Wahl, weitere 35 Meter (oder mehr) Kabel anzuschaffen, oder eine Kettensäge mit Benzinmotor. Nach einigem Herumdenken, entschied ich mich für beide Varianten. Viel Kabel kann niemals schaden und eine richtige, benzinbetriebene Kettensäge auch nicht.
Der Sohn der Nachbarin ist ein athletischer, junger Mann. Er bearbeitet den Baum mit einer Axt. Ich erzählte ihm, von meinem Plan, eine Bank hier hinzustellen. Er fragte mich, ob ich die Bank kaufen oder selbst bauen wollte. Tatsächlich hatte ich vor, die Bank selbst zu bauen. Das kann nicht so schwierig sein. Ein dickes Brett und ein weiteres Brett für die Lehne. Irgendwie würde ich die Teile schon miteinander verbunden bekommen. Er schlug mir vor, dass wir uns im Juni einen Sonntag in seiner Werkstatt in Oberschöneweide nehmen, wo wir dann zusammen eine Bank bauen. Er hatte schon konkrete Ideen, wie wir die Teile in Berlin vorfertigen, die ich dann einfach als Einzelteile im Juli nach Schweden transportieren kann. Das war ein wirklich toller Vorschlag.
Am frühen Nachmittag fuhren wir zur Besichtigung in Richtung Osten. Wir hatten uns noch etwas zusätzliche Zeit eingeplant, weil wir ein Naturschutzgebiet besuchen wollten. Dort verliefen wir uns ein wenig, fanden dann aber wieder auf den richtigen Pfad zurück.
Vom Haus, das wir besichtigen würden, wussten wir, dass es zwar stark renovierungsbedürftig, bei einem Preis von 50.000€ aber ziemlich günstig ist. Der Weg, der zu dem Haus führte, war eine abgelegene Schotterstraße. Als wir dann vor dem Haus standen, hatte ich das Gefühl, mich in einem der Horrorfilme, die wir unterjährig immer schauen, wiederzufinden. Die Maklerin zeigte auf eine unmittelbar neben dem Haus stehende Scheune. Von dieser sagte sie, dass sie der Besitzerin des Hauses gehörte. Die Besitzerin sei Jägerin. Die Scheune diene als Versammlungsort für ihren Jägerverein. Zum Kauf stünden nur die Wiesen in unmittelbarer Nähe des Hauses, der umliegende Wald gehöre nicht zur Parzelle dazu. Der Wald gehöre weiterhin der Besitzerin, die es als ihr Jagdgebiet nutze.
Später, als die Maklerin abgereist war, wagte der Sohn einen Blick in die Scheune. Dort standen Sofas und Grillzubehör. Ich erzählte von dem Buch, das ich neulich las, in dem amerikanische Wildjäger an organisierten Jagden auf Büschmänner in Zentralafrika teilnahmen. Jemand erwähnte Sarajevo, wo sich, wie sich jetzt herausstellte, reiche westeuropäische Männer, die Erlaubnis von serbischen Militärs erkauften, um auf Menschen in der Stadt schießen zu dürfen. Mit diesen Gefühlen fuhren wir dann wieder zurück nach Hause.
In der Zwischenzeit erfuhr ich über den Ticker, dass Hertha gerade 6:1 in Bielefeld unter die Räder kam. Es ist ein Saisonabschluss der schlechten Laune. Währenddessen traf meine Fußballfreundin Sabine bei einem Spaziergang auf Felix. Die schrieb mir davon, dass sie ihn dann einfach ansprach und sie sich danach nett unterhielten. Danach bloggte Felix darüber und jetzt schließt sich ein Kreis, von dem ich vorher nicht wusste, dass es ihn geben könnte. Das finde ich lustig.
Nun.
Abends grillten wir. Eigentlich wollten wir nur Salat essen. Dann schlug ich vor, den Grill anzuschmeißen, auf den wir ein bisschen Gemüse legen würden. Als wir im Supermarkt waren, kauften wir auch gleich Würste und Grillkäse mit. Daraus folgte dann, dass wir schlichtweg grillten, Alkohol tranken und dazu einen Salat aßen.






