Ich will keinen Löffel zu Spaghetti

Ich will in einem italienischen Restaurant keinen Löffel zu Spaghetti. Ich will nicht, ich will nicht, ich will nicht. Auch nicht wenn das in Deutschland ist. Ich will nicht.
Punkt.
Nein, kein Punkt, sondern Komma: und wenn ich noch einmal einen Löffel bekomme, dann bestelle ich eine Zange dazu. (so, jetzt werden sie zittern)

Meine nächsten verkochten Nudeln preise ich dann einfach als reduzierte Pasta an.

Redukt

Gesternabend meine Möhrensuppe vom Vortag zu einer Nudelsauce reduziert und in Marmeladegläsern abgefüllt. Redukt, redukt, den halben Abend glückseelig gerührt. Fühlt sich an wie Hexerei.

(und wenn es im Kühlschrank nichts mehr zum Reduzieren gibt, dann bin ich irgendwann selbst dran)

eine wahrlich erotische Sauce

Wie meine treue Leserschaft wahrscheinlich wissen wird, besitze ich eine äusserst glückliche Hand in der Küche, die schon etliche Heiratsgesuche per Email reinflattern liessen und wovon man sagt, dass schon sämtliche Menschen willsenschwach umgefallen seien. Nichts ist jedoch weniger wahr, als diese vermeintlich glückliche Hand. Ich bin ein absolutes Disaster am Herd, aber da ich dies alles hinter der Fassade des Küchenpunkrock verberge, merkt man es mir nicht an. Ich koche halt mit Liebe. Mit Liebe verwandle ich die Küche in einen riesigen Schweinestall, ganz verliebt rühre ich meinen Risotto zu Tode und merke es erst, wenn sich der Kochlöffel plötzlich vor lauter Angebranntem nicht mehr bewegen lässt. Von der Liebe singen Maria Callas und ich, während ich den Fisch in der Pfanne wende und all das spritzende Fett die Küchenwände verschmiert, oder wenn das Gemüse in der Pfanne und ich uns eine ganze Flasche Weisswein teilen. Aus Liebe lasse ich es brutzeln und rauchen. Je lauter es in der Küche hergeht, desto mehr Freude herrscht in meinem Hause.

Was ich jedoch gerade eben gekocht habe, hat mir völlig die Stimme verschlagen. Sogar Maria Callas unterbrach ihr “Casta Diva” aus den Lautsprecherboxen und staunte erstmal. Ich dachte mir heute nämlich einmal eine Sauce zu kochen.
Nachdem ich vor einigen Monaten von dem sehr netten Herrn, der hier manchmal unter dem Namen “Der Langweiler” kommentiert, ins Restaurant “Vienna” in Eimsbüttel eingeladen wurde, hat sich für mich eine neue Welt des Kochens aufgetan. Das weiss ich seit heute.
Wir hatten an jenem Abend sehr viel getrunken, der Herr Langweiler entpuppte sich nämlich alles andere als langweilig, überdies hatte er eine äusserst sichere Hand bei der Auswahl der Topinambur- und Birnenschnäpse. Zwischen den Schnäpsen und den Hektolitern Rotwein bekamen wir ein Essen serviert, bei dem es mir, gleich wie heute, die Sprache verschlug. Es war vor allem diese Sauce, von der ich nachher noch wochenlang, mitten in der Nacht, schweissgebadet aufwachte. Gleich wie es früher nur feuchte Träume zu tun pflegten. Eine Sauce die meine Sinne vernebelte, eine Sauce, die fünfmal ihren Geschmack veränderte während sie sich über meine Zunge ausbreitete.
Als der Herr Langweiler und ich zur Sperrstunde, uns an Stühlen und Tischen festhaltend, versuchten das Lokal zu verlassen, sah ich am Ende des Raumes den Küchenchef ganz alleine sitzen und irgendwelche Geheimnisse auf Papier zu schreiben. Vielleicht schrieb er Rechnungen oder er entwarf neue, noch erotischere Gerichte, ich weiss es nicht. Was ich in dem Moment jedoch unbedingt wissen musste, war, wie ich mir diese Sauce selbst, zuhause zusammenbrutzeln konnte. So sank ich vor ihm in einem Stuhl nieder und schwärmte erstmal drei Minuten lang von der Sexualität dieser Sauce und bat ihn anschliessend, nein ich flehte ihn an, mir die Zubereitung dieser zu erklären. Er lächelte freundlich und erklärte mir ohne zu zögern und sehr detailiert die Rezeptur. Ich hörte gespannt zu und bekam schon beim blossen Hinhören wieder Hunger, wobei ich fast zu schmelzen drohte und man mich beinahe als Mequitosauce vom Boden hätte schlecken können. Ich war begeistert, wenn der Kater vorbei wäre, dann wollte ich mich gleich dranmachen und einen Riesenkleks Erotik auf den Tisch zaubern.

Am nächsten Tag wachte ich auf und das Rezept war aus meinem Kopf verschwunden. Erst dachte ich noch es sei bloss der riesige, fette Kater, der sich in meinem Kopf breitgemacht hatte und jegliche Erinnerung verdrängte. Als der Kater jedoch drei Tage später vorbei war, klaffte da immer noch diese Lücke. Ich wusste nur noch einige Kleinigkeiten, dass eben Sahne dazugehörte und Brühe. Das wichtigste von allem hatte ich zum Glück nicht vergessen: das Wort Reduzieren! Meine treue Leserschaft weiss vielleicht was reduzieren heisst, meine Leserschaft ist ja ein Haufen gebildeter Leute, aber für mich war das neu, und wie er mir dieses Reduzieren erklärt hatte, wusste ich sofort, dass dies etwas für mich sei. Reduzieren heisst einfach köcheln lassen und rühren, bis das Wasser verdampft ist.
Reduzieren, das ist was für mich. Ich könnte nämlich mein ganzes Leben lang rühren. Gemüse rühren, dem Dampf zugucken wie er aus der Pfanne hochsteigt, rühren und eine traurige Weise summen, rühren bis man ein Loch in die Pfanne gerührt hat. Deshalb brennen auch meine Speisen immer an.

Heute durfte ich jedoch rühren wie es mein Herz begehrt, denn heute machte ich diese Sauce, jedenfalls so wie sie durch den Sieb aus Birnenschnaps und Rotwein in meinem Gedächtnis hängengeblieben ist.
Eigentlich ganz einfach:
Etwas Olivenöl in eine, ich nenne sie jetzt mal Saucenpfanne, heiss werden lassen und dann 250ml Sahne hinzugeben. Dann köcheln lassen, auf kleiner Flamme. In der Zwischenzeit einen ganzen Würfel Gemüsebrühe in heisses Wasser verrühren, wenn der Wurfel dann aufgelöst ist, in die Saucenpfanne giessen. Und dann heisst es: Redukt! Rühren und rühren und köcheln lassen, bis es sich anfühlt wie ne Sauce.

Das war es schon, klingt nicht ganz so spannend und ist auch bestimmt ganz falsch zubereitet, aber Blumekohlknöllchen haben noch nie so sexy geschmeckt wie gerade eben. Noch nie.

Fleischklumpen

Da nach den Kaminwurzen, der Speck nun auch fertig ist, und damit beinahe der ganze Fleischberg abgetragen, ist nur noch die eine leckere unbekannte Wurst übriggeblieben, die ich mir als besonderen Leckerbissen aufbewahren wollte.

Ich kenne diese Wurst nicht. Weder aus meiner Kindheit, noch von sonstigen Informationskanälen die mir momentan nicht einfallen. Aber da die Wurst im Überlebenspaket meiner Mutter enthalten war, muss es sich einfach um irgendwas traditionelles Südtirolerisches handeln. Bestimmt sone Bergbauerwurst vom Vinschgau, oder pustertaler Delikatesse mit wenig Fett für die neue Generation körperbewusster Knödlfresser wie mich.
Vorhin packte mich der Nachmittagshunger, bei uns auch Merende genannt, da schnitt ich die Wurst aus der Packung heraus und sah erstmal, dass es keine Wurst war, sondern ein geräuchertes Stück Fleisch. Ich war überrascht, konnte es der Form wegen aber nirgendwo einordnen. Rund, zwanzig Zentimeter lang, aus einem einzigen Stück Fleisch. Ein knochenloses Schweinebein, haha. Es roch vortrefflich, wie Speck, aber irgendwie frischer, mit einer leisen Andeutung von Pfefferminze. So schnitt ich mir ein Stueck ab und kaute ein Stück Apfel dazu. Ein wirklich wunderbares Stück Fleisch, dachte ich mir die ganze Zeit dabei, und nam noch ein Stück, während ich versuchte mir ein Bild zu machen was für Fleisch das wohl sein könne. So kaute ich, versunken in tiefster kulinarischen Erotik mit Blick auf die geräucherte Essensware, bis das Stück Fleisch vor mir Form anzunehmen schien. Und prompt spuckte ich es aus meinem Mund! Ein Ochsenpimmel war das! Der Penis einer männlichen Kuh. Ich spülte meinen Mund mehrmals um, drückte die halbe Zahnpastentupe in meinen Rachen und massierte mit der Zunge meinen Gaumen, bis ich das Gefühl losgeworden war, den Schwanz eines Huftieres gekaut zu haben.

Der Schock löste sich aber bald, und ging gleich in Interesse über. Ich war mir der Sache mit dem Pimmel ja nicht ganz sicher. Vielleicht war es auch bloss ein äusserst raffiniert aus einem Kalb herausgeschnittener Muskelstrang. Das würde die konische Form erklären.
Doch die endgültige Antwort konnte nur Frau Mutter wissen. Also nahm ich das Telefon. Ging keiner ran. Natürlich.
Daher setzte ich mich an den Laptop und rief google zu Hilfe. Google, sag mir was zu “Wust Pimmel Südtirol“. Google fand tatsächlich was. Nichts hilfreiches, aber an erster Stelle meine eigene Seite. Huch, schreibe ich wirklich über solche Sachen? Ich schäme mich ja zutiefst.

Dann kam die Dame des Hauses, erblickte die Wurst und rief: “Ah, da habe ich gerade Bock drauf!”, schnappte sich das Messer und schnitt hinein. Ich gesellte mich zu ihr, und sagte ganz geheimnisvoll und unverbindlich, dass es eine äusserst leckere Wurst sei, aber sie solle erstmal reinbeissen. Nein, ich wollte sie nicht warnen, sie sollte ihr Urteil selbst fällen. Ich war mit meinem Peniswahn bestimmt bloss paranoide. Doch sie ist ein gewieftes Mädl und guckte mich mit einem argwöhnischen Blick an: “Sag mir bitte bevor ich reinbeisse, das was du zu sagen hast”.
“Och nee, ich hab mir bloss so meine Gedanken gemacht. Ist aber wirklich leckeres Fleisch.”
Ihr argwöhnischer, mittlerweile böse gewordener Blick klebte an mir wie die klebrige Zunge eines Chamäleons. Ich musste mit der Sprache rausrücken.
“Nunja die Form” sagte ich und machte eine wellenartige Bewegung über den Fleischklumpen. “Erinnert mich halt irgendwie an einen Penis eines grosse Tieres.”
Sie schmiss das Messer hin und nahm einen Meter Abstand von der Anrichte. Dann näherte sie sich behutsam dem Fleisch, begutachtete es kurz, und verliess dann die Küche.
Und nun liegt das Ding da verwaisd herum, niemand will es essen, und meine Mutter nimmt das Telefon immer noch nicht ab.

Noch mehr Sex

Parmesankaese im Salat! Welch eine Entdeckung.
Das ist fast so viel Sex wie kleine Knoblauchstuecke in heisses Olivenoel zu schmeissen. Nur ein bisschen anders. Waehrend Knoblauch in heissem Olivenoel eher sinnlicher Sex ist, getraenkt in ewigdauernder Erotik, spielt Parmesankaese im Salat, in einer viel rauheren Liga. Wie ein schneller Fick. Feurig und nass vor Schweiss.
Ich bin gar kein so ein schlechter Liebhaber wie man meint.