Ich will keinen Löffel zu Spaghetti

Ich will in einem italienischen Restaurant keinen Löffel zu Spaghetti. Ich will nicht, ich will nicht, ich will nicht. Auch nicht wenn das in Deutschland ist. Ich will nicht.
Punkt.
Nein, kein Punkt, sondern Komma: und wenn ich noch einmal einen Löffel bekomme, dann bestelle ich eine Zange dazu. (so, jetzt werden sie zittern)

Meine nächsten verkochten Nudeln preise ich dann einfach als reduzierte Pasta an.

Redukt

Gesternabend meine Möhrensuppe vom Vortag zu einer Nudelsauce reduziert und in Marmeladegläsern abgefüllt. Redukt, redukt, den halben Abend glückseelig gerührt. Fühlt sich an wie Hexerei.

(und wenn es im Kühlschrank nichts mehr zum Reduzieren gibt, dann bin ich irgendwann selbst dran)

eine wahrlich erotische Sauce

Wie meine treue Leserschaft wahrscheinlich wissen wird, besitze ich eine äusserst glückliche Hand in der Küche, die schon etliche Heiratsgesuche per Email reinflattern liessen und wovon man sagt, dass schon sämtliche Menschen willsenschwach umgefallen seien. Nichts ist jedoch weniger wahr, als diese vermeintlich glückliche Hand. Ich bin ein absolutes Disaster am Herd, aber da ich dies alles hinter der Fassade des Küchenpunkrock verberge, merkt man es mir nicht an. Ich koche halt mit Liebe. Mit Liebe verwandle ich die Küche in einen riesigen Schweinestall, ganz verliebt rühre ich meinen Risotto zu Tode und merke es erst, wenn sich der Kochlöffel plötzlich vor lauter Angebranntem nicht mehr bewegen lässt. Von der Liebe singen Maria Callas und ich, während ich den Fisch in der Pfanne wende und all das spritzende Fett die Küchenwände verschmiert, oder wenn das Gemüse in der Pfanne und ich uns eine ganze Flasche Weisswein teilen. Aus Liebe lasse ich es brutzeln und rauchen. Je lauter es in der Küche hergeht, desto mehr Freude herrscht in meinem Hause.

Was ich jedoch gerade eben gekocht habe, hat mir völlig die Stimme verschlagen. Sogar Maria Callas unterbrach ihr “Casta Diva” aus den Lautsprecherboxen und staunte erstmal. Ich dachte mir heute nämlich einmal eine Sauce zu kochen.
Nachdem ich vor einigen Monaten von dem sehr netten Herrn, der hier manchmal unter dem Namen “Der Langweiler” kommentiert, ins Restaurant “Vienna” in Eimsbüttel eingeladen wurde, hat sich für mich eine neue Welt des Kochens aufgetan. Das weiss ich seit heute.
Wir hatten an jenem Abend sehr viel getrunken, der Herr Langweiler entpuppte sich nämlich alles andere als langweilig, überdies hatte er eine äusserst sichere Hand bei der Auswahl der Topinambur- und Birnenschnäpse. Zwischen den Schnäpsen und den Hektolitern Rotwein bekamen wir ein Essen serviert, bei dem es mir, gleich wie heute, die Sprache verschlug. Es war vor allem diese Sauce, von der ich nachher noch wochenlang, mitten in der Nacht, schweissgebadet aufwachte. Gleich wie es früher nur feuchte Träume zu tun pflegten. Eine Sauce die meine Sinne vernebelte, eine Sauce, die fünfmal ihren Geschmack veränderte während sie sich über meine Zunge ausbreitete.
Als der Herr Langweiler und ich zur Sperrstunde, uns an Stühlen und Tischen festhaltend, versuchten das Lokal zu verlassen, sah ich am Ende des Raumes den Küchenchef ganz alleine sitzen und irgendwelche Geheimnisse auf Papier zu schreiben. Vielleicht schrieb er Rechnungen oder er entwarf neue, noch erotischere Gerichte, ich weiss es nicht. Was ich in dem Moment jedoch unbedingt wissen musste, war, wie ich mir diese Sauce selbst, zuhause zusammenbrutzeln konnte. So sank ich vor ihm in einem Stuhl nieder und schwärmte erstmal drei Minuten lang von der Sexualität dieser Sauce und bat ihn anschliessend, nein ich flehte ihn an, mir die Zubereitung dieser zu erklären. Er lächelte freundlich und erklärte mir ohne zu zögern und sehr detailiert die Rezeptur. Ich hörte gespannt zu und bekam schon beim blossen Hinhören wieder Hunger, wobei ich fast zu schmelzen drohte und man mich beinahe als Mequitosauce vom Boden hätte schlecken können. Ich war begeistert, wenn der Kater vorbei wäre, dann wollte ich mich gleich dranmachen und einen Riesenkleks Erotik auf den Tisch zaubern.

Am nächsten Tag wachte ich auf und das Rezept war aus meinem Kopf verschwunden. Erst dachte ich noch es sei bloss der riesige, fette Kater, der sich in meinem Kopf breitgemacht hatte und jegliche Erinnerung verdrängte. Als der Kater jedoch drei Tage später vorbei war, klaffte da immer noch diese Lücke. Ich wusste nur noch einige Kleinigkeiten, dass eben Sahne dazugehörte und Brühe. Das wichtigste von allem hatte ich zum Glück nicht vergessen: das Wort Reduzieren! Meine treue Leserschaft weiss vielleicht was reduzieren heisst, meine Leserschaft ist ja ein Haufen gebildeter Leute, aber für mich war das neu, und wie er mir dieses Reduzieren erklärt hatte, wusste ich sofort, dass dies etwas für mich sei. Reduzieren heisst einfach köcheln lassen und rühren, bis das Wasser verdampft ist.
Reduzieren, das ist was für mich. Ich könnte nämlich mein ganzes Leben lang rühren. Gemüse rühren, dem Dampf zugucken wie er aus der Pfanne hochsteigt, rühren und eine traurige Weise summen, rühren bis man ein Loch in die Pfanne gerührt hat. Deshalb brennen auch meine Speisen immer an.

Heute durfte ich jedoch rühren wie es mein Herz begehrt, denn heute machte ich diese Sauce, jedenfalls so wie sie durch den Sieb aus Birnenschnaps und Rotwein in meinem Gedächtnis hängengeblieben ist.
Eigentlich ganz einfach:
Etwas Olivenöl in eine, ich nenne sie jetzt mal Saucenpfanne, heiss werden lassen und dann 250ml Sahne hinzugeben. Dann köcheln lassen, auf kleiner Flamme. In der Zwischenzeit einen ganzen Würfel Gemüsebrühe in heisses Wasser verrühren, wenn der Wurfel dann aufgelöst ist, in die Saucenpfanne giessen. Und dann heisst es: Redukt! Rühren und rühren und köcheln lassen, bis es sich anfühlt wie ne Sauce.

Das war es schon, klingt nicht ganz so spannend und ist auch bestimmt ganz falsch zubereitet, aber Blumekohlknöllchen haben noch nie so sexy geschmeckt wie gerade eben. Noch nie.

Kochlöffel

Wenn Frau Mai mir den Kochlöffel zuwirft und dabei solch schmeichelnde Worte spricht, dann kann ich natürlich nicht gar nicht anders als auffangen.
Gleich am Anfang die Kandidaten, die den Kochlöffel wiederum von mir verabreicht bekommen, sonst verschwinden die ganz nach unten. Erstens der Traumdieb, weil der immer so schöne, runde Sätze macht und sich das ja irgendwie positiv auf die Kocherei auswirken muss. Dann soll auch der Herr Paulsen den Kochlöffel in die Hand nehmen, weil der ja sozusagen vom Fach ist und unter anderem so schön vom Essen erzählen kann. Und Axelk vom Apfelstrudelrestaurant bekommt ihn auch, auch wenn der mich jetzt dafür hassen wird, jedoch hat er mir einmal einen wunderbaren Römertopf gekocht, bei dem ich nur noch gestaunt und stillschweigend gegessen habe. So überrascht war ich. Bis dahin liess mich die Kunst der Fotografie und des Kochens einfach nicht vereinen. Ich wurde eines Besseren belehrt.

So und nun:

1. Was fällt dir zu deinem ersten Kochversuch ein?

Welche von den hunderttausend Spaghettatas mitten in der Nacht die Erste war, weiss ich nicht mehr. Da sie aber ungefähr alle gleich verliefen, nämlich, wie es bei uns in den südlichen Alpen Brauch ist, nach einer durchzechten Nacht, mit einer ganzen Meute Menschen zu jemanden nach Hause zu gehen und Spaghetti a la Irgendwas zu kochen essen, kann ich auch ohne weiteres jene Nacht der Spaghetti a la gar nichts mit Olivenöl nehmen. Vielleicht kann man das einen guten, weil vorsichtigen, Anfang nennen. Viel kann ja nicht schiefgehen, wenn man beim Aufreissen des Kühlschranks nur mehr saure Milch vorfindet, und die Thunfischdose vom Mitbewohner aufgegessen wurde. Dann kann man ja nur noch Spaghetti essen, und Spaghetti gab es immer auf Vorrat, und das würde ich wohl hinbekommen. Dachte ich.
Natürlich stand man bei diesen nächtlichen Frassorgien, die hauptsächlich dazu dienten, im Magen wieder festen Boden zum Weiterfeiern zu schaffen, nicht am Herd und wartete ab bis die Spaghetti richtig al dente geworden waren, sondern goss man das Glas nach, und führte endlose Diskussionen über ganz viel und noch viel mehr.
Dieser Geschichte fehlt jegliche Pointe, jedoch will ich sagen, dass man Spaghetti a la gar nichts sehr wohl vermasseln kann indem man sie zu einer Weizenpaste zerkochen lässt. Natürlich könnte man noch so einiges retten, wenn man die ganze Pampe, mit viel heissem Olivenöl in eine Pfanne schmeisst, und das ganze saftig aufbrät. Ich würde niemanden für sowas einladen, aber eine feiernde Horde Menschen braucht nur festen Boden im Magen. Weil man sich beim Braten jedoch wieder an den hitzigen Diskussionen beteiligt, kann man die Weizenpaste auch anbrennen lassen, und das ist was mir passiert ist. Eine feiernde Horde Menschen die einen festen Boden im Magen braucht, kann in solchen Momenten sehr böse werden.

2 . Wer hatte größten Einfluss auf deinen Kochstil?

Ich glaube meine Mutter. Die Küche war allerdings zu klein, als dass ich ihr über die Schulter hätte zugucken können um ihre herrlichen Kochkünste zu erlernen. Ich kopiere ihre Speisen, ohne genau zu wissen wie sie das immer machte.
Ich muss dazu sagen, dass ihr Kochstil jedoch nachgelassen hat. Die fettbewusste Zubereitung der Speisen hat mittlerweile auch das hinterste Dolomitenkaff erreicht, und damit ist nichts mehr wie es früher mal war.

3. Gibt es ein altes Foto als Beweis für frühes kulinarisches Interesse?

ja.

4. Leidest du an irgendeiner Art von kulinarischer Phobie? Gibt es ein Essen, dessen Zubereitung dich zum Schwitzen bringt?

Kulinarische Phobie? Hirnsuppe. Südtiroler Spezialität.
Ins Schwitzen bringt mich eigentlich nichts, Bevor ich Stress in der Küche bekomme fange ich an Chaos zu produzieren und parke alles mit Pfannen und Töpfen zu. Das gibt mir das Gefühl Freiraum zu haben.

5. Welches technische Hilfsmittel in der Küche schätzt du am meisten und/oder was war der größte Reinfall?

Ich bin sehr angetan von meinem neuen Kochtopf. Eigentlich eine Topf/Pfanne-Kombo. ToPFanne (ist das Wort schon patentiert?). Je grösser die Pfannen desto lieber hab ich sie. Ich liebe es wenn ich ungehemmt rühren kann ohne auf Flecken und Spritzen achten zu müssen.
Reinfall gibt es eigentlich keinen so weit ich jetzt zu denken vermag.

6. Nenne einige seltsame oder verrückte Essenszusammenstellungen, die du wirklich magst - und wahrscheinlich niemand sonst!

Ich glaube nicht, dass es besonders verrückt ist, da es in Frankreich eigentlich ziemlich üblich ist, aber ich werde in Deutschland oft komisch angeguckt wenn ich Apfel mit Käse (ein Biss Apfel und ein Biss Käse, etc.) esse. Das ist eine Kombination die im Mund wahrliche Wunder tuht. Oft esse ich auch rohen Knoblauch dazu. Aber wenn man zuviel Knoblauch ist, wird man hierzulande oft geächtet, deshalb unterlasse ich dies in letzter Zeit.

7. Auf welche drei Zutaten oder Gerichte kannst du einfach nicht verzichten?

Olivenöl und Zwiebel. Meinetwegen kann das sogar in das Dessert.(Wohl deshalb wir mir die Zubereitung der Nachspeise immer abgenommen)

8. Gibt es eine Frage, die du hier vermisst, die du gerne beantworten würdest? Wenn ja, füge sie einfach hinzu!

Oha, jetzt muss ich auch noch kreativ sein. OK, hier: “Was geht in deinen Augen nicht zusammen?”
Antwort: Obst in Salat. Obstsalat ist natürlich was anderes, aber Obst in herzhaftem Salat geht einfach nicht. Das ist wie Schnitzel mit Nutella, oder Bier mit Sahne. Und man bekommt Sodbrennen noch dazu.

9. Dein Lieblingseis…

Ich habe es nicht so mit Süssigkeiten, aber vorgestern hat uns die Fabrik Eis spendiert, und da gab es dieses Eis mit quadratischer Waffel drumrum, das war vielleicht ein erotisches Erlebnis. Ganz anders als Olivenöl mit Knoblauch, aber auch erotisch.

10. Du wirst wahrscheinlich nie essen…

Hinrsuppe. Jedoch weiss ich nicht wie stark ich mit meinen Vorsätzen bin. Ich kann nicht ausschliessen, dass in mich, nach einem Wirtschaftkollaps, in einer allgemeinen Hungersnot, über Hirne hermache. Obwohl, ich frage mich, ob ich dann noch Lust dazu hätte mir eine Suppe daraus zu kochen, oder mich nicht gleich aufs Hirn werfe. Schwierig.

11. Dein Spezialgericht…

Jegliche Art von Risotto. Wenn ich ihn nicht anbrennen lasse.

Fleischklumpen

Da nach den Kaminwurzen, der Speck nun auch fertig ist, und damit beinahe der ganze Fleischberg abgetragen, ist nur noch die eine leckere unbekannte Wurst übriggeblieben, die ich mir als besonderen Leckerbissen aufbewahren wollte.

Ich kenne diese Wurst nicht. Weder aus meiner Kindheit, noch von sonstigen Informationskanälen die mir momentan nicht einfallen. Aber da die Wurst im Überlebenspaket meiner Mutter enthalten war, muss es sich einfach um irgendwas traditionelles Südtirolerisches handeln. Bestimmt sone Bergbauerwurst vom Vinschgau, oder pustertaler Delikatesse mit wenig Fett für die neue Generation körperbewusster Knödlfresser wie mich.
Vorhin packte mich der Nachmittagshunger, bei uns auch Merende genannt, da schnitt ich die Wurst aus der Packung heraus und sah erstmal, dass es keine Wurst war, sondern ein geräuchertes Stück Fleisch. Ich war überrascht, konnte es der Form wegen aber nirgendwo einordnen. Rund, zwanzig Zentimeter lang, aus einem einzigen Stück Fleisch. Ein knochenloses Schweinebein, haha. Es roch vortrefflich, wie Speck, aber irgendwie frischer, mit einer leisen Andeutung von Pfefferminze. So schnitt ich mir ein Stueck ab und kaute ein Stück Apfel dazu. Ein wirklich wunderbares Stück Fleisch, dachte ich mir die ganze Zeit dabei, und nam noch ein Stück, während ich versuchte mir ein Bild zu machen was für Fleisch das wohl sein könne. So kaute ich, versunken in tiefster kulinarischen Erotik mit Blick auf die geräucherte Essensware, bis das Stück Fleisch vor mir Form anzunehmen schien. Und prompt spuckte ich es aus meinem Mund! Ein Ochsenpimmel war das! Der Penis einer männlichen Kuh. Ich spülte meinen Mund mehrmals um, drückte die halbe Zahnpastentupe in meinen Rachen und massierte mit der Zunge meinen Gaumen, bis ich das Gefühl losgeworden war, den Schwanz eines Huftieres gekaut zu haben.

Der Schock löste sich aber bald, und ging gleich in Interesse über. Ich war mir der Sache mit dem Pimmel ja nicht ganz sicher. Vielleicht war es auch bloss ein äusserst raffiniert aus einem Kalb herausgeschnittener Muskelstrang. Das würde die konische Form erklären.
Doch die endgültige Antwort konnte nur Frau Mutter wissen. Also nahm ich das Telefon. Ging keiner ran. Natürlich.
Daher setzte ich mich an den Laptop und rief google zu Hilfe. Google, sag mir was zu “Wust Pimmel Südtirol“. Google fand tatsächlich was. Nichts hilfreiches, aber an erster Stelle meine eigene Seite. Huch, schreibe ich wirklich über solche Sachen? Ich schäme mich ja zutiefst.

Dann kam die Dame des Hauses, erblickte die Wurst und rief: “Ah, da habe ich gerade Bock drauf!”, schnappte sich das Messer und schnitt hinein. Ich gesellte mich zu ihr, und sagte ganz geheimnisvoll und unverbindlich, dass es eine äusserst leckere Wurst sei, aber sie solle erstmal reinbeissen. Nein, ich wollte sie nicht warnen, sie sollte ihr Urteil selbst fällen. Ich war mit meinem Peniswahn bestimmt bloss paranoide. Doch sie ist ein gewieftes Mädl und guckte mich mit einem argwöhnischen Blick an: “Sag mir bitte bevor ich reinbeisse, das was du zu sagen hast”.
“Och nee, ich hab mir bloss so meine Gedanken gemacht. Ist aber wirklich leckeres Fleisch.”
Ihr argwöhnischer, mittlerweile böse gewordener Blick klebte an mir wie die klebrige Zunge eines Chamäleons. Ich musste mit der Sprache rausrücken.
“Nunja die Form” sagte ich und machte eine wellenartige Bewegung über den Fleischklumpen. “Erinnert mich halt irgendwie an einen Penis eines grosse Tieres.”
Sie schmiss das Messer hin und nahm einen Meter Abstand von der Anrichte. Dann näherte sie sich behutsam dem Fleisch, begutachtete es kurz, und verliess dann die Küche.
Und nun liegt das Ding da verwaisd herum, niemand will es essen, und meine Mutter nimmt das Telefon immer noch nicht ab.

Wirsing erledigt

Dass das Fleisch zu zäh geworden war, wagte gestern niemand zu sagen. Und ich selbst hatte es gar nicht gemerkt. Ich war wohl zu stolz auf mein erstes eigenhändig zubereitetes Fleisch. Es gab hohen Besuch vom Rhein, darum zog ich an all meinen Küchenpunkregistern um zu beweisen, dass ich nicht nur vom Essen reden kann, sondern auch kochen.
Es waren zwar nur Putenschnitzel mit Champignongsauce in einer Auflaufschüssel (Rezept bei Frau Meisterköchin), bei denen man eigentlich nichts falsch machen kann, ausser man vergisst das ganze zu salzen. Warum sie aber auch noch zäh geworden sind verstehe ich nicht. Vielleicht lag es an der Pute. Hätte ich vielleicht einen der anwesenden Männern in den Wald schicken sollen, einen Hirsch zu erlegen.
Lu und ihr M. (kann ihn mal jemand motivieren einen eigenen Blog zu führen?) waren hervorragende Esser, die einen gewaltigen Hunger mitgebracht hatten, und nicht nur das, es waren Gäste wie ich sie mir wünsche: kaum war eine Flasche Rotwein leer, wurde schon die nächste Flasche aus der Tasche gezaubert. Als Höhepunkt wurde am späten Ende des Abends sogar noch eine Flasche Becherovka auf den Tisch gestellt. Und dazu noch grossartige Geschichten von Natur und wilden Männern Männern und der wilden Natur aufgetischt.
Juliettas Schwarzwurzeln mit Mandelstücken ernteten zwar weit mehr Begeisterung als all meine Speisen zusammen, aber was solls, ich koche nicht gut, dafür aber mit Liebe. Ich muss jedoch zugeben, dass diese wirklich hervorragend schmeckten, darum verspreche ich euch, dass ich sie anspornen werde, das Rezept niederzuschreiben.
Als Trost gesellte sich nach dem Essen Herr Kid zu uns, der das Essen wegen anderen “Verpflichtungen” leider sausen lassen musste, jedoch eine grosse Affinität zu Becherovka zeigte und auch sonst viel Interesse für männliche Vorlieben zeigte. Auch ein Eisenstangenbieger wird irgendwann die Jagd erlernen.
Ich kann nur noch hoffen, dass Hamburg sich Lu am Sonntag, unten am Hafen wenigstens noch von der allerschönsten Arschseite gezeit hat. Es ist ja auch keine Art, solch ein Gräuelwetter aufzufahren, wenn hoher Besuch aus dem Rheinland kommt.

Die Speise die am wenigsten Beachtung fand war meine eigene Küchenkreation. Letzte Woche erfunden, und gestern das erstemal damit an die Öffentlichkeit getreten. Gestern gab es zwar die angepasste Version ohne Champignons, da ich davon schon einen halben Kilo zu den Schnitzeln geschmissen hatte, aber der Vollständigkeit halber im Rezept die richtige Zubebereitung:

So kocht man Mekschen Jägerwirsing


Das Bild ist leider von der leeren Schüssel, weil ich vor lauter Hunger vergessen habe, rechtzeitig ein Foto zu schiessen.

Zutaten für 4 Personen (als Beilage):
halber Wirsingkopf
Zwiebeln
Champignons
0.07kg Rucola
150g Creme fraiche
(Salz und Pfeffer natuerlich auch)

Auch ein Jäger muss mal was leichtes Essen. Den Wirsingkopf schneidet man in daumengrossen Scheiben und gibt das in kochendes Wasser.
In einer Pfanne mit Olivenöl schneidet man erst Zwiebeln rein, brät sie bis sie glasig sind und gibt dann kleingeschnittene Champignons hinzu (standardprozedur halt). Die Menge ist egal. Ich habe noch kein ideales Mass dafür gefunden, jedoch sollte man nicht damit sparen. Während die Zwiebeln und Champingnons vor sich hinbraten, soll man schon anfangen diese zu salzen, damit sich die Champignons entwässern. Sie sollen fest und salzig werden, fast wie die kleinen Fleischstücke im Ragout. Sofern man das hinkriegt. Mir ist das allerdings noch nie gelungen, aber das ist jedenfalls mein Gedanke dahinter.

Wenn der Wirsing und die Zwiebelchambignons fertig sind, diese in eine Schale zusammenschmeissen, dann ungeschnittenen, rohen Rucola und die creme fraiche dazugeben. Das alles mit Salz und Pfeffer verrühren und auftischen. Übrigens, Schnittlauch hat sich darin auf bewährt. Wenn vorhanden, schneidet etwas davon hinzu.
Man kann auch mehr cremefraiche nehmen, weil das den Rucola besser in die Speise einbindet, aber das kann für einen empfindlichen Jägermagen schnell zu schwer sein.

Alice

Ich unterhalte mich an Veranstaltungen wie Firmenpartys, Gallerieeröffnungen, oder ähnlichen sozialen Begebenheiten, in der Regel immer blendend, und vor allem reizt mich immer der Gedanke an guten Rotwein, Cocktails und herrliche Buffets in Überfluss. Stets eine willkommene Abwechslung zu meinen verwegenen Kochkünsten. Die gestrige Party hatte ich allerdings vergessen. Hätte ich mich daran erinnert, dann wäre ich vielleicht mit gewaschenen Haaren aufgetaucht, oder wenigstens sauberen Kleidern. Das einzig erfreuliche war, dass ich wiedermal vergessen hatte mir Brötchen mit auf die Arbeit zu nehmen, und zusätzlich hatte ich es in allerherrgottsfrühe auch noch verschlafen, sodass ich ohne Frühstück das Haus verliess, und mein Magen deshalb bei dieser Verkündung ganz aufgeregt vor sich hin schnurrte.
Man feierte auf Alice, da die Fabrik nun nach Berlin, München, Stuttgart und Frankfurt expandiert und das dunkelblonde DSL-Mädchen nun auch in anderen Städten als nur Hamburg, die Wände, Zeitungen, Hochhäuser, Baustellen und geheimen Mappen von pubertierenden Jugendlichen ziert.

Wie schön sie auch sein mag, ich war von ihr noch nie sonderlich angetan. Nicht weil ich es völligen Schwachsinn finde, eine hübsche, junge Frau als Marke für einen DSL Anschluss zu verkaufen, sondern weil mich diese gekünstelte Schönheit so vollkommen gleichgültig lässt. Das Mädchen ist siebzehn, werte Männer, wohnt im fernen Rom, lebt von ihrem abwesenden Lächeln und spart ihr Herz für den Prinzen im weissen Ferrari auf. Ich kenne diese italienischen Schnepfen zur Genüge, meine Lieben, da ist nichts mit unendlicher Liebe, oder Leidenschaft. Nein, da geht es um das Heiraten, mit einem grossen Bräutigamschatz im Kofferraum. Nichtmal kochen können sie.
Überdies bin ich mir sicher, dass sie in Wirklichkeit ganz anders aussieht. Fotoshop auf den Lippen und ein gekrümmtes Objektiv sind da im Spiel. Während all die Herrenscharen ganz hin und weg und ohnmächtig, sich die Werbeposter über das Büro hängen. Die ganze Fabrik ist voll davon. Und Hamburg auch. Und nun auch noch weitere Käffer in der Bundesrepublik.
Aber ich wollte essen. Und trinken.

Wir versammelten uns in einem gemieteten Saal. Gleich machte ich mich auf der Suche nach dem Buffet und den Cocktails. Überall nur hübsche, junge Frauen in breiten, roten Gürteln die uns den Weg zur Garderobe zeigten und auch sonst recht freundlich vor sich hin lächelten. Mal abgesehen davon, dass an deren Beinen viel zu wenig Fleisch hing, hatten sie auch sonst nicht viel mit Hunger zu tun.
Immerhin kamen aber bald die ersten jungen Damen mit roten Drinks auf dem Tablet heran. Wenn schon nichts gegen den Apetit, dann wenigstens gegen den Durst. Das sah nach irgendwas mit Blutorange aus. Vielleicht Vodka, oder Rum, oder gar Tequilla. Tequilla würde vielleicht nicht ganz so gut zu Blutorange passen, aber Vodka reichte mir vollkommen. Ich spurtete gleich los, zur nächsten ausgehungerten Dame hin, setzte mein heissestes Lächeln auf und erleichterte ihr Tablet um ein ganzes Glas. Sie ignorierte meine Hilfsbereitschaft. Sie hatte es eilig und ging auf die Menge zu. Das konnte nicht sein - das Glas Vodka-Blutorange war bloss der Anfang. Um meine Lippen zu befeuchten sozusagen. Ich brauchte gleich noch ein weiteres Glas, kippte den Inhalt des Glases über meine Zunge hinweg, rannte ihr hinterher, stellte das leere Glas auf ihr Tablet und nahm gleich das nächste.
Dann wurde es Zeit endlich mal das Buffet zu finden. Doch es gab nichts essbares weit und breit. Keine Platten mit Shushi, oder Rollmöpsen, oder Blätterteigdelikatessen. Welch eine Enttäuschung. Ich merkte bald, dass die Suche sinnlos war, und gesellte mich somit zu meinen Bekannten, die schon einen Stehtisch ergattert hatten und da ihr Revier markierten. Ich beschwerte mich über das fehlende Essen und trank wie ein ausgedurstetes Maultier an meinem Vodka-Blutorange. “Ja stimmt” sagte einer der Kollegen der auch mit einem Vodka-Blutorange verharrte “und nichtmal Alkohol schenken sie ein”.
Nach einigen zustimmenden Augenblicken, hielt ich inne und schielte in mein Glas. “Kein Alkohol, was?” dachte ich und hielt es an meine Nase. In der Tat, ich hatte in der Eile gar nicht gemerkt, dass dem Getränk der etwas beizige Geruch des Vodkas fehlte. Ich steckte meine Nase noch tiefer in das Glas und roch weder Tequilla noch Rum, noch irgendwas anderes gebranntes. Nur Blutorange und noch etwas fruchtiges das ich nicht identifizieren konnte. Nein, nichtmal Sekt oder sowas änliches schwamm darin herum. Dann meldete sich der Hunger wieder und ich wurde ungeduldig.
Die Feier sollte vom besonderen Gast aus Italien, dem Vorstandsvorsitzenden der Mutterfirma eröffnet werden. In der Zwischenzeit lief Alice über eine riesige Leinwand im Saal. Wie sie posierte, während des Fotoshootings zur Werbekampagne, Interviews gab auf Sat1 und vieles andere. Nur ein Kurzfilm der in einer ewigen Schleife abgespielt wurde. Alice hier und Alice da. Das DSL-Maedchen. Und viel zu mager. Mir war nach Fleisch. Fisch hätte es auch getan. Meinetwegen Obst, aber es gab immer noch kein Anzeichen einer auffahrenden Buffetkolonne. Den Männern schien der Hunger ausgetrieben zu sein. Die starrten bloss zur Leinwand und sabberten zu tänzelnden Knochen in einem braunschwarzen Kleid. Nichtmal den Alkohol schienen sie zu vermissen. Darum war Warten angesagt. Auf den Vorstandsvorsitzenden. Der würde uns begrüssen, uns einige aufmunternde Worte zusprechen, vielleicht einen Witz reissen, und dann würde bestimmt das Buffet vorgefahren werden. Ein bisschen warten konnte ich noch. Das bisschen warten, zog sich zu einer Stunde hin. Eine ganze Stunde ohne Buffet und mit Blutorangen-irgendwas. Und nervenden Kollegen. Während Alice immer noch ihre Knochen über die Leinwand schleuderte.

Doch auch das Warten hatte irgendwann ein Ende und das Licht wurde gedimmt. Vorne rechts wurde eine Türe erleuchtet und eine junge Dame in einem braunschwarzen Kleid und einer dunkelblonden Mähne sprang hervor. Oha, das war Alice! tänzelte die nicht noch eben auf der Leinwand herum? Einige hundert Männerkopfe beugten sich nach vorn und schienen wohl ebenso erstaunt wie ich. Das war ja eigentlich eine ganz nette Überrasschung. Sie hüpfte vor dem Publikum entlang, mit einem euphorischen, kindlichen Lachen auf ihrem Gesicht und betrat die Bühne.
“Hello Hamburg!” piepte sie herab. Die Männer waren nicht mehr zu halten. Ein lautes Jubeln und Klatschen brach aus. Viele standen auf und hoben ihre Arme. Die Frauen steckten mit bitterböser Miene die Köpfe zusammen oder guckten scheinbar uninteressiert in der Gegend herum.
“Hello Hamburg, I am sooooo excited to be here with you!” Das Tosen wurde immer lauter. “I am sooooo happy to be here in your sooooo beautiful city!” Ich hörte lautes stampfen der Füsse auf dem Boden. “You are all sooooo nice. Now I want to present you the CEO of Telecom Italia:” Sie rief den Namen des Typen, den ich wieder vergessen habe, verliess die Bühne und liess einen etwas älteren kahlen Mann an ihrer Stelle. Der euphorische Beifall verstummte innerhalb weniger Sekunden.
Es war etwas peinlich fuer den armen Herrn Vorstandsvorsitzenden, der glücklicherweise seine Haut rettete, indem er ganz sportlich zugab, dass er wohl nicht so spannend sei wie Alice.
Und damit fing ein uuuuuuuneeeendlicher Vortrag an. Zwanzig Minuten stand ich da, hinten in der Menge, schielte hin und wieder nach hinten, um ein Buffet zu erblicken, an welches ich mich heranschleichen könne, aber da das offensichtlich nicht kam, schmiss ich mich an eine dieser roten Servicedamen und fragte nach einem Blutorangendrink. Sie wies meine Nachfrage freundlich ab, dass während des Vortrages kein Getränkeausschank vorgesehen war. Ich fragte nach Cocktails, ob es die nachher geben würde.
“Ohja, natürlich” erwiderte sie. “Buffet auch?” fragte ich. “Ja natürlich, aber wir servieren auch ein ganzes Menu heuteabend. Gleich nach dem Vortrag.” “Aha, und wie lange dauert der noch?” wollte ich wissen. Ich hätte es vielleicht besser nicht fragen sollen. Vielleicht hätte ich es alles überstanden wenn ich die Dauer des Vortrages nicht gewusst hätte. Ich hatte ja schliesslich keine Uhr bei mir, wodurch ich in steter Hoffnung hätte leben können, dass der Vortrag jeden Moment vorbei hätte sein können. Vielleicht wäre die Zeit im Flug vergangen. Aber als sie “Zwei Stunden” sagte, zeigte mir der Magen einen Stinkefinger und schrie “Gib mir Döner”. Daraufhin war ich gezwungen die Veranstaltung zu verlassen. Und ich kam auch nicht wieder.

Geschenke fuer einen Dreissigjaehrigen

Habe ich schon einmal erwaehnt, dass ich 9 Jahre lang strikter Vegetarier war? Bestimmt schon mehrmals. Ich habe in all den Jahren das Fleisch niemals vermisst. Ich ass es einfach nicht, weil mich die Praktiken der Bioindustrie ankotzten und ich mich daher zu Fleischboykot entschlossen hatte. Leidergottes erlitt die Wirtschaft dadurch keinen Schaden, aber trotzdem habe ich in all den Jahren weiterhin als Schmecker und Feinschmecker gelebt und es hat mir vor Augen gefuehrt, dass man sehr wohl ohne Fleisch leben kann. Von einem Tag auf den anderen habe ich jedoch ploetzlich, ohne besonderen Grund, wieder zum Fleisch gegriffen. Nicht, dass mir nach Fleisch geluestete und ich es nicht mehr aushielt ohne es zu leben. Nein es war wie wenn man ein Buch ausgelesen hat und es beiseite legt. An einem etwas regnerischen Mittwochnachmittag kaufte mir eine Dose Tunfisch, weil ich das als Kind auch immer mochte. Und dann kam alles vonselbst.
Kein wichtiger Meilenstein, aber trotzdem schockiert es mich wenn dann zu meinem Geburtstag Pakete aus Suedtirol mit folgendem Inhalt ankommen:

Eine Oase der Lust. Vergleiche zum Geschlechtsverkehr unterlasse ich heute mal.
Meine Mutter meinte es bestimmt gut, ihrem Sohn ein heimatliches Ueberlebenspaket zu schicken. Es hat mich auch sehr gefreut. Ich bin ja nicht besonders waehlerisch wenn etwas gut schmeckt. Ob es nun um leichte Kost geht, oder schwere Kost, ist mir so ziemlich egal. Ich kann fuenf solcher Kaminwurzen zum Fruestueck essen oder eine kleine Schuessel Obstsalat. Hauptsache meine Geschmacksnerven werden verwoehnt.
Wozu aber die letzte Ladung Kaminwurzen und Speck gefuehrt hat, damals beim Besuch meiner Schwester Astrid zu Ostern, duerfte einigen Lesern noch in Erinnerung sein. Fuenf Kilo Bauchspeck innerhalb nur weniger Tage. Und von denen habe ich mich noch immer nicht erholt. Daraufhin habe ich meine Lieben in den Bergen gebeten mir nie wieder ein solches Paket zu schicken. Nicht einmal wenn ich darum flehe und heulend vor Sucht und Heimweh am Telefon plaerre.
Aber Mamma weiss was gut fuer ihren Sohn ist. Wenn er einsam und traurig, naechtens am Fenster sitzt und mit feuchten Augen gen Sueden gerichtet, an die Heimat denkt, da hilft es bestimmt nur, wenn man am Duft einer Kaminwurze riechen kann, die man mit zwei Haenden umschlungen festhaelt und kleine Stuecke abnagt, waehrend die Erinnerungen an die Kindheit aus der Wurst emporzudampfen scheinen.
Sie kann ja natuerlich nicht wissen, dass ich die Dinger gierig mit einem grossen Messer aus der Packung hole, waehrend mir die Zunge aus dem Mund haengt, und mir die Sabberfluessigkeit wie Reschener Etschquellwasser auf das Hemd stroemt, alsob ich voellig ausgehungert ein ganzes Schwein abschlachten wuerde. Sie kann mich nicht sehen wie ich dann drei Wuerste innerhalb weniger Minuten verschlinge und mich nachher vor Bauchschmerzen kruemme. Nein, dazu bin ich schon viel zu lange aus den Bergen weg, als dass sie sowas wissen koennte.
Und wenn man fern der Heimat ein bisschen Bauchspeck antrainiert, dann ist das ja auch ein gutes Zeichen. Das heisst, dass es mir gut geht. Und an der Menge meines Bauchspeckes gemessen, muss ich ein ueberdurchschnittlich gluecklicher Mensch sein. Auch das beruhigt sie. Solange das Fleisch mir nicht von den Knochen faellt ist alles gut.

Ich bewahre sie jetzt erstmal auf. In einem vergrabenen Tresor, in einem zugeschuetteten Bunker zehn Meter unterhalb des Kellers, und ich werde den Schluessel erstmal schlucken. Fuenf zusaetzliche Kilos gehen momentan einfach nicht. Einfach nicht.

Das ist aber ja alles nicht schlimm, auch nicht, dass ich von der Dame des Hauses folgendes Buch bekommen habe:

Das Buch stand gluecklicherweise auf meiner Wunschliste, sonst muesste ich wohl wirklich ein bisschen an meinem Persoenlichkeitsbild herumschaben. Rede ich dauernd ueber Essen? Esse ich viel? Ich esse vielleicht gerne. Vielleicht sehr gerne. Ich koche zum Glueck genauso gerne wie ich esse. Vielleicht hat sie es mir nur geschenkt, weil sie es erotisch findet, wenn ich mit meinem blauen “I bin a Suedtiroler”-Schurz und riesigem Messer in der Kueche stehe, waehrend es ueberall dampft und bruzzelt und die Pfannen scheppern, wobei ich Luciano Pavarotti und die Sex Pistols gleichzeitig interpretiere. Ja, da geht der Punk ab, bei mir in der Kueche.
Man kann es aber auch durchaus als Aufruf zu praeziserem Kochen verstehen. Wieviele Speisen habe ich schon vermasselt? Nur weil ich nicht wusste, wieviel Senf und Wein ich in die Pfanne kippen musste? Ich ass es letztendlich doch, weil neben dem Geschmack, gab es ja auch immer Vitamine in dem einfarbigen und einfoermigen Frass. Aber die verzerrten Gesichter der Mitesser sind mir nie entgangen.

Aber nein, es ist bestimmt gut gemeint. Das Buch hat mich ja sehr viel Freude bereitet. Vielleicht, damit ich in einsamen Naechten mit feuchten Augen am Fenster sitzen kann, mit Blick gen Sueden, in richtung Heimat gerichtet.
Ueberdies schwaerme ich dauernd von der Kueche aus den Bergen.
Sie wird mir erstmal eine Wunschspeise aus dem Buche kochen. Waehrend ich faul auf dem Sofa sitzen kann und ich euch von den Dueften der Kuechenpunketta aus der Kueche berichten werde.

Noch mehr Sex

Parmesankaese im Salat! Welch eine Entdeckung.
Das ist fast so viel Sex wie kleine Knoblauchstuecke in heisses Olivenoel zu schmeissen. Nur ein bisschen anders. Waehrend Knoblauch in heissem Olivenoel eher sinnlicher Sex ist, getraenkt in ewigdauernder Erotik, spielt Parmesankaese im Salat, in einer viel rauheren Liga. Wie ein schneller Fick. Feurig und nass vor Schweiss.
Ich bin gar kein so ein schlechter Liebhaber wie man meint.

Die Kategoriefunktion bei Blogeintraegen macht richtig Spass. Warum hab ich das so lange ignoriert? So kann ich nun die Gedanken mit einem einfachen Klick in Schubladen stecken, und alles scheint aufgeraeumt und eingepackt. Das selbe Gefuehl wie wenn man nach einer wilden Kochorgie die Kueche wieder blitzblank sauberwischt. Wenn ich schon im richtigen Leben keine Ordnung habe, dann hab ich es jetzt wenigstens in meinem Weblog soweit geschafft. Und sofort fuehle ich mich wie ein erfolgreicher, junger und dynamischer Kerl.
In meiner Wohnung gibt es nur die Kategorie “Uncategorized”.

Suedtiroler Tirtlen

Da die Dame bei mir zuhause gestern ihren Geburtstag feierte und mir momentan bei den Geschenkideen etwas die Phantasie entlaufen ist, schenkte ich ihr gestern, neben Obstsalat zum Fruehstueck und oralem Sex auf Kommando (man verschenkt ja am liebsten was man selbst so gerne haette), zur Abwechslung mal eine suedtiroler kulinarische Spezialitaet.Tirtlen. Ich hab die selbst zwar noch nie zubereitet, aber als Kind habe ich sie immer verschlungen, als gaebe es sie nie mehr in meinem Leben. Tatsaechlich verabschiedete sich meine Oma dann in Richtung Himmel und da meine Mutter keine Titlen machen kann, ist meine Erinnerung an die letzten Tirtlen, mit Baumhuetten bauen und Maedchenzoepfe ziehen, in weiter Ferne untergegangen. Aber Frau Risottokoenigin rief letztens die Erinnerung an die Kindheit wieder hoch, und nun ist es soweit.

Rezept fuer suedtiroler Tirtlen mit Spinat und Topfen
(Oder zumindest: So wie ich sie mache)

Die meisten Leute werden wohl erstmal in den Laden gehen muessen, da ich davon ausgehe, dass nicht jeder die folgenden Zutaten im Hause hat, was Tirtlen wiederum fuer ein spontanes Essen mit Freunden mitten in der Nacht ungeeignet macht. Fuer naechtliche Essorgien empfehlen sich weiterhin Spaghetti. Jedenfalls, fuer 4 Personen muss das folgende auf den Einkaufsplan:

150 mg Weizenmehl
250 mg Roggenmehl
passierter Spinat
250mg Topfen (oder Quark)
Salz
Sonnenblumenoel
Zwiebeln

Als allererstes muss man einen Teig machen. Man nehme dazu das Mehl und das Wasser. Man kann auch zwei Essloeffel Oel mitgeben, und statt Wasser Milch eingiessen. Es muss ein fester Teig werden, der nicht klebt, also passt auf, nicht zuviel Wasser oder der Milch zu benutzen. Man kann sich lange darueber streiten wie man einen Teig macht, aber ich schmeisse die Teigzutaten in eine grossen Schuessel und fange an zu kneten, bis er einigermassen fest wird. Also, bis keine kleinen Stuecke mehr herumspritzen, sondern man den Teig ohne weiteres aus der Schuessel nehmen kann und damit knetend herumlaufen.
Habt ihr die Haende schon gewaschen? Gut, weil jetzt waere es zu spaet. Wenn man es vergessen hat, verschweigt man es besser, und waescht sich nach dem Teigkneten gleich stillschweigend die Haende. Aber es fragt eh niemand je danach. Wenn der Teig dann nicht mehr klebt, legt man ihn zurueck in die Schuessel, legt ein (sauberes) Tuch darueber und laesst ihn erstmal 30 Minuten ruhen. Wer beim Kochen Rotwein trinkt, sollte sich den Wein bis zu diesem Moment aufsparen, da man beim Teigkneten eh keine Haende frei hat, und man sonst dauernd auf das Glas schielt, wobei man es nicht trinken kann. Nachdem man den Wein eingeschenkt und die Zigarette angezuendet hat, gibt man sich der Fuellung hin. Es gibt da verschiedene Variationen. Im Pustertal nimmt man dazu auch oft Sauerkraut, aber meine Kindheit ist gepraegt von Spinat/Topfen Tirtlen, deshalb machen wir diese.
Hier in Hamburg hat man erstmal das Problem Topfen zu finden. Ich las jedoch, dass Topfen lediglich etwas trockener Quark ist. Also gab ich den Quark auf ein Kuechentuch und drueckte den Klumpen vorsichtig ueber die Spuele aus. Es ist erstaunlich, dass man da richtig drauflosdruecken kann und der Quark nicht durch den Stoff nach draussen tritt. Ganz berfriedigend ist diese Methode jedoch nicht, deshalb legte ich den Batzen nachher noch auf ein Stueck doppelgefaltetes Kuechenrollenpapier. und dann noch eine Lage darueber, und quetschte ihn platt. Das Papier saugt sich immer noch mit Wasser voll. Diesen Vorgang muss man mehrmals wiederholen, bis man das Gefuehl hat, dass er sich anfuehlt wie Topfen. Dann nimmt man einen Schluck Wein.
Lasst den Topfen ruhig so offen liegen bis er an der Reihe ist. Es kam mir so vor alsob er atmen muesse. Das kann auch Schwachsinn sein, aber geschadet hat es ihm nicht. Dann muessen die Zwiebeln ran. Zwiebeln gehoeren zwar standardmaessig nicht dazu, ich glaubte mich aber zu erinnern, dass meine Oma immer Zwiebeln nahm. Macht sie am besten gaaaahaanz klein und fein, und bratet sie dann mit ein klein wenig Olivenoel in einer Pfanne an. Nur ganz leicht. In einer anderen Pfanne oder Topf, gebt ihr den Spinat. Wenn ihr es richtig machen wollt, dann nehmt ihr Spinatblaetter und passiert den mit der Hand. Da ich aber nichts zum Passieren habe, und ueberdies gar nicht weiss wie das geht, kaufte ich gefrorenen und passierten Spinat. Den in eine Pfanne geben, damit er sich vom Eis loesen kann.
Bitte weder den Spinat, noch die Zwiebeln, noch den Topfen, mit Salz oder irgendwas anderes wuerzen. Den Teig selbst soll man gut salzen, aber wenn man die Fuellung auch noch salzt, dann wird es geschmacklich sehr schwere Kost. Das Geheimnis der Tirtlen ist die Mischung aus fettiger und schwerer Huelle, mit dem sanften, topfigen, ja gar erotischen Kern. Das ist Sex, also kein verdammtes Salz! Lieber noch einen Schluck Wein, damit man nicht auf dumme Gedanken kommt.
Die drei Fuellungskomponenten erstmal getrennt kalt werden lassen. Wenn man sie schon in warmem Zustand mischt, dann geht der Topfen zu sehr in das andere ueber und das ist nicht so gut glaube ich. Die Tirtlen aus meiner Kindheit hatten wirklich so kleine Klumpen, kann ich mich erinnern. Nachdem sie abgekuehlt sind, in eine Schuessel schmeissen, und das Ding richtig versohlen.
So,wenn die halbe Stunde fuer den Teig um ist, stellt man eine moeglich breite Pfanne mit ganz viel Oel auf den Herd. Mit ganz viel Oel meine ich ganz viel Oel. Also nicht bloss den Boden, sondern richtig dreifingerdick Oel reingeben. Das Ding muss eine Frittierpfanne imitieren. Wer eine Frittierpfanne hat, nimmt natuerlich die. Diese richtig heiss machen.
Und dann geht es wieder zurueck zum Teig. Mann nimmt dann am besten gleich drei, vier, fuenf Schlucke Wein, da man sich jetzt wieder die Haende schmutzig macht. Am besten waere es natuerlich einen Kuechengehilfen zu haben, der einem dauernd den Pegel der Koerperfluessigkeit aufrecht erhaelt, aber damit sind die Gaeste ja ueberfordert.
Ziel der Sache ist es jedenfalls, kleine Scheiben von zehn Zentimetern im Durchmesser zu drehen. Dass ihr eine Unterlage braucht ist klar. Ich nahm ein Schneidebrett, das ist zwar etwas klein und man kommt sich auf den paar Quadratzentimetern vor wie ein Origamibastler, aber meine Kueche hat leider keine grossen Flaechen, Ich beschreibe es im Detail, da nicht jeder so geschickt mit Teig umgehen kann und fuer mich war es gestern das erste Mal dass ich ueberhaupt ein nudelholzaehnliches Werkzeug in die Hand genommen hatte (wenn man mal ausser acht laesst, dass der neunjaehrige Supermequito, ein Nudelholz als Geheimwaffe unter seinem Umhang trug und damit dem Boesen im letzten Moment damit ueberraschte, und die ganze Welt rettete), sodass es fuer aehnliche Anfaenger bestimmt hilfreich ist. Was haette ich gestern fuer solch eine detailierte Anleitung gegeben!
Erstmal muss man die Arbeitsflaeche mit Mehl einstaeuben, damit der Teig nicht an die Unterlage festklebt. Das habe ich bei meiner Oma gesehen. Dann ein kleines Baellchen nehmen und dies in das Mehl herumdrehen, und langsam plattkneten zu einem Runden Kreis formen. Achtet darauf, dass immer alles mehlig bleibt, sonst ist man die ganze Zeit damit beschaeftigt, den Teig von Fingern und Werkzeug zu entfernen. Jedenfalls war das bei meinem Teig so. Es kann sein, dass man mit mehr Erfahrung einen besseren Teig hinbekommt, aber das wird erst die Zukunft zeigen.
Dann steckt man den Korken der geoeffneten Weinflasche wieder zurueck in die Flasche und waelzt damit ueber den Teig, einen zehn Zentimeter breiten Kreis. Sie koennen auch groesser sein als zehn Zentimeter. Bei mir wurden sie auch groesser, aber ich glaube, das ultimative Ziel ist es schon, diese auf zehn Zentimeter runterzutrimmen.Der Tradition wegen. Und es ist einfacher sie im Oel umzudrehen, vor allem wenn man schmale Pfannen hat, so wie ich.
Ihr werdet merken, dass das Etikett der Weinflasche die Arbeit stoert. Nicht nur weil die Flasche anfaengt zu fuseln und sich Paierstuecke in den Teig mischen, das koennte man noch irgendwie vertuschen, sondern der Teig klebt sich am Papier viel schneller fest als auf dem Glas. Komisch, was? Ich haette auch gesagt, dass das Glas, wegen der glatten Oberflaeche, viel eher klebt. Leider ist es nicht so. Nun kann man natuerlich die Flasche unter heisses Wasser geben und das Etikett abschaelen, aber das ist wiederum so schlecht fuer den Wein. Bei uns in den Bergen hat man ja immer schwarzgebrannten Schnaps auf Lager, immer ohne Etikette, aber hier ist das ja nicht so. Dshalb heisst es schrubben. Ausser man hat noch weitere Flaschen Wein auf Lager, welch ein Glueck, und kann sie kurz ins heisse Wasser stellen.
Das hat den Vorteil, dass man die Haende wieder sauber hat, und noch ein Glas nachschenken kann. Die Pfanne mit Oel muesste inzwischen sehr heiss geworden sein, also schaltet man die Flamme besser aus. Ihr seid ja noch nicht soweit. Da es sehr warm geworden ist in der Kueche und alles sehr anstrengend ist, nimmt man gleich noch ein Glas Wein.
So, dann knetet und rollt man wieder. Man braucht fuer ein Tirtl mindesten zwei solcher Scheiben. Wenn zwei fertig sind, gibt man die Zwiebel/Topfen/Spinatmischung darauf, breitet sie mit einem Loeffel aus bis zu ein oder zwei Zentimeter vom Rand, gibt dann die andere Scheibe obendrauf und presst die Raender mit einer Gabel fest, damit es geschlossene Behaelter werden. Nun das Oel wieder auf hoechststand bringen und das Tirtl hineingeben und sich an das Naechste wagen. Ihr werdet merken, dass es mit jeder Scheibe schneller geht. Man muss sich nur an die Bewegung des Knetens und Formens gewoehnen.
Wenn das zweite Tirtl auch fertig ist, und ihr es zur Pfanne bringen wollt, werdet ihr leider sehen, dass das erste Tirtl in der Pfanne schon voellig schwarz geworden ist.Tja es geht sehr schnell. Das wusste ich auch nicht. Ich dachte das braucht bestimmt so lange wie Pommes. Deshalb macht man am besten erst die Tirtlen, und schmeisst sie erst nachher ins Oel.
Eigentlich war es das nun schon. Die Tirtlen muessen Goldbraun frittiert werden und koennen dann auf einem Teller gestapelt werden. Essen tut man sie mit Messer und Gabel, oder mit der Hand. Besondere Tischregeln gibt es dafuer nicht.
Schlecht ist es auch nicht, wenn man Salat dazu macht. Tirtlen sind etwas schwer, daher ist die Leichtigkeit des Salates eine willkommene Abwechslung. Zum Trinken ist Bier irgendwie besser als Wein. Aber kwatsch, das ist natuerlich Geschmackssache, jedoch kam es mir so vor, alsob Bier etwas neutraler schmeckt und man den erotischen Geschmack, dieser schwere Schale / sinnlicher Kern -Sache, besser zur Geltung kommen laesst.

Und zum Verdauen spielt man natuerlich eine Runde Schnelln.

Ueberdies sollte man vorher wissen, dass die Kueche nachher ein Saustall sein wird.

1. Dezember

Es ist immer wieder das selbe mit diesen Adventskalendern. Erstens ist immer dann der erste Dezember, wenn ich gerade seit einigen Tagen, die Schokolade aus meinem Umfeld verbannt habe, und dann gehe ich in den Laden und die roten, grossen Dinger mit 24 Tuerchen und dem Weihnachtsmann vornedrauf, laecheln mich schon von der Ferne an. Immer wieder. Und dann aergert es mich gleich wieder, dass ich das Tuerchen fuer den ersten Tag nicht finden kann, weil die “1″ die kleinste und duennste Zahl ist, die meistens sehr geschickt, zwischen dem riesigen Bauch des Nikolauses und dem Kinde auf der Schaukel im Hintergrund, verborgen ist. Wenn ich die “1″ dann endlich gefunden habe und gierig das Tuerchen oeffne um nach der Schokolade zu greifen, stelle ich jedes Jahr wieder enttaeuscht fest, dass es nur ein winziges Stueckchen ist, meistens in der Form einer kleinen Adventskerze, oder eines Tannenzweiges, so mickrig, dass es auf der Zunge so schnell zergeht, dass man nicht mal “Scheiss Adventskalender schonwieder!” sagen kann.

Und so haben wir heute, laut meinem Adventskalender, wie jedes Jahr wieder, schon den sechsten Dezember.

Es ist nur ein Ei. Oval, klein, wurde vor einiger Zeit von einer Henne gelegt und kam nachher ueber Umwege in meinem Kuehlschrank zurecht. Das kleine, unschuldige Ding hatte auch gar nichts boeses vor, haette ich es nicht verwaisen lassen, und nur ihre anderen fuenf Brueder, vor einiger Zeit, zu einem wunderbaren Ruehrei mit Schnittlauch und Champignons verarbeitet. “Vor einiger Zeit” dachte ich heute und rechnete die Zeit zurueck, um mir das letze Ruehreifruehstueck ins Gedaechtnis zu rufen. So zaehlte ich die Monate rueckwaerts, 3 2 1 schweins, und erinnerte mich an den warmen Fruehsommertag - ein Kater der sich anfuehlte wie ein Messer quer durch den Schaedel, und ich hatte eigentlich viel mehr Bock auf Pizza, aber da ich so fuerchterlich dreinschaute, konnte ich mich unmoeglich ausser Haus blicken lassen, und deshalb kurzerhand beschloss, die Eier zu nehmen welche ich einige Tage vorher gekauft hatte um Carbonara zu kochen. War es Juni? Oder war es gar im Mai? Der Mai war auch sehr warm glaube ich.
So wird das kleine, unschuldige Ding zur chemischen Waffe. Es ist schon Schade, dass gerade weit und breit keine Wahlen stattfinden. Ich werde es wohl noch eine Weile weiterzuechten, mein kleines, unschuldiges Ding.

antikoerper

Ich bin gluecklicherweise aeusserst selten krank. Vielleicht weil ich ein geistesbeschraenkter Suedtiroler bin, der zu dumm ist um krank zu werden, wie Heinrich Heine diese Eigenschaft meines Volkes beschrieb. Ich kleide mich im Sommer wie im Winter gleich. Ausser es wird ganz kalt im Januar, da ziehe ich ein zweites T-Shirt darunter an, und fuer extreme Kaelte habe ich eine unschicke Winterjacke. Vielleicht habe ich mich einfach nur aus Eitelkeit abgehaertet. Winterjacken sehen ja immer Scheisse aus. Aber letztes Wochenende habe ich wohl etwas uebertrieben. Vom ganzen rumspazieren an der windigen Elbe, naechtliches Fahrradfahren und rumstehen in der eisigen Kirche waehrend der Generalprobe und dem Konzert. Gestern bin ich krank geworden. Ich habe einen juckenden Klumpen in meiner Nasenhoehle, die Lunge fuehlt sich schwer an und meine Haut ist heiss wie Salbeithee.
Ich habe vor vielen Jahren eine wunderbare Methode gefunden, mich vom Leiden zu befreien. Ich nehme niemals Medizinen, nein, wenn ich krank bin, und damit meine ich die ganze Palette von Grippe bis hin zu dubiosem Lungenstechen, dann koche ich einfach ein paar Liter Wasser in einer Pfanne auf, schuette es nachher in eine Schuessel, haenge mein Gesicht mit einem Badetuch darueber und inhaliere den Wasserdampf. Damit befreie ich mich von jeglicher Krankheit. Grippe ist natuerlich schweres Zeug und geht nicht so schnell weg, aber die meisten kleineren Uebel verschwinden auf diese Art innerhalb von zehn Minuten. Bei Bauchschmerzen inhaliere ich den Dampf, schliesse die Augen und Stelle mir vor wie die kleine Mequito-Antikoerper-Armee durch die Blutbahnen reitet und den boesen, boesen Schmerz in die Zange nimmt. Ich fuehle dabei regelrecht wie der Schmerz von den Speeren der kleinen Mequito-Antikoerpern zerstochen wird. Ein wuester Kampf um Leben und Tod. Die kleinen Mequitos stuermen, mit langen Speeren und hochmodernen Laserkanonen bewaffnet, hintendran die Posaunen, damit der Kampf auch mit der noetigen musikalischen Tragik untermalt wird, umzingeln den Feind im Bauch und stechen zu. Es fliesst Blut, es fliegen abgehackte Arme durch die Luft, der Schmerz wehrt sich, voellig ueberrascht von der Heftigkeit dieses Angriffes. Ich schicke nochmals eine Division nach, die erste Offensive hat grosse Verluste erlitten, aber trotzdem ist der Feind der Unterlegene. Die zweite Division Mequito-Antikoerper schlaegt noch viel haerter zu, obwohl der Schmerz sich gar nicht mehr wehren kann. Gnadenlos. Ja, pervers gewalttaetig, zerstechen meine kleinen Soldaten den Feind und zerstueckeln ihn in winzige Teile, die dann vom anschwemmenden Blut ueber Leber und Nieren nach draussen gespuelt werden.
Ich gehe nachher aufs Klo, pinkle den ganzen Schmerz heraus und weg isser. Ich koennte mich mit dieser Methode bestimmt auch von Pest und Cholera befreien, da bin ich mir sicher. Meine Schwester hat allerdings auch andere Waffen auf Lager. Sie folgt gerade einen Kurs fuer Akupunktur. Und weil ich gestern krank wurde, hat sie mir die Lungen-, Dickdarm- und Herzmeridianen zerstochen und die lokale Nerven stimuliert. Eine grossartige Sache.

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Die Zicke / moody princess

Mademoiselle Basilikum wurde von Tag zu Tag zickiger. Es fing damit an dass sie mein Singen nicht mehr mochte. Das kann ich noch gut haben, da sie nicht die erste ist, und ich dementsprechend abgehaertet bin. Und dann liess sie sich oefter haengen. Jaja ich weiss, die Sonne fehlt, aber wir koennen dadurch doch nicht alle gleich rumhaengen als haette es jahrelang nur geregnet. Und schon bald wurde alles nur noch schlimmer. Vergass ich sie mal zu waessern, ging sie beinahe ein. Gab ich ihr mal richtig viel, damit sie in durstigen Momenten genuegend Reserven hatte, weigerte sie schlichtweg das Wasser aufzusaugen, und liess einfach tagelang einen zwei Zentimeter hohen Wasserspiegel im Topf liegen. Bis sie gesternabend ploetzlich innerhalb einer Stunde alles aufsog. Heutemorgen wollte ich ihr wiedermal was vorsingen, dann erblicke ich sie schon von Weitem, voellig deprimiert vor sich hinhaengend und schrumpelig, als haette ich ihr das groesste erdenkliche Unrecht getan.
Ich mache da keine faxen. Waehlerische Leute mochte ich noch nie. Und wenn sie glaubt, die Prinzessin spielen zu muessen, dann ist sie bei mir am falschen Ort. Ich zeigte ihr das kleine Kartoffelmesser und drohte ich den Hals durchzuschneiden wenn sie weiter so launisch waere.
Eine Stunde spaeter verging mir die Geduld, schnitt sie in den Mixer, fuegte Knoblauch, Piniennuesse, Olivenoel und Salz hinzu, und zerschlug sie zu koestlichem Pesto. Alle Geduld hat ein Ende.

Risotto al Radicchio

Wie ich meiner Branchenkollegin vom Grossen Fressen versprochen habe, hier die Fotos von meinem Zwischenstop am Isemarkt, welcher ausartete in einem koestlichen Risotto al Radicchio, den ich heute erst zubereitet habe. Nach vielen Jahren in Holland und Spanien (ich gebe zu, in Spanien habe ich mich nie darum gekuemmert) auf Radicchio verzichtet zu haben, weil ich ihn nirgendwo zu kaufen bekam, machte ich am Donnerstag eine verblueffende Entdeckung, wobei ich nun auch die Erklaerung dafuer habe, warum ich nirgendwo Radicchio finden konnte:
M: Man hat mir gesagt, dass ich hier auf dem Markt Radicchio finde.
V: Radikkio?
M: Ja, wissen Sie, das weinrote Gemuese, schmeckt etwas bitter, wie Loewenzahnblaetter.
V: Raditscho meinen Sie?
M: Haha, uhm. Ja genau. Haben Sie das? Oder wissen Sie welcher Stand das hat?
V: Natuerlich habe ich Raditscho (zeigt auf eine Kiste mit Rotkohl)
M: Nein, ich meine nicht Rotkohl, sondern Radikkio, das man in Italien immer isst. Zum Reis.
V: Ja hier, Raditscho. Risotto mit Raditscho.
Etwas verwirrt laufe ich zur Rotkohlkiste hin, hebe einen Kopf auf, drehe ihn mehrmals und stelle fest, dass er in der Tat etwas anders aussieht als Rotkohl.
M: Ich meine aber die etwas laenglichen roten Dinger.
V: Sie meinen den Trevisano, das ist einfach eine Sorte. Aber den habe ich nicht.
Ich bin voellig verbluefft. Wahrscheinlich bin ich jahrelang einfach an Radicchio voruebergelaufen, mit dem Gedanken es waere Rotkohl. Nachdem ich mich mehrmals vergewissert hatte dass es sich tatsaechlich um Raditscho handelte, bezahlte ich und fuhr weiter.
Die Fotos vom schoenen Isemarkt im Comment.

(2) ich versuch es wieder / I’m trying it again

Ja, es ist wieder soweit. Ich versuch es wieder. Diesesmal eine Version in Luxusverpackung. Vielleicht haelt sie mir diesmal besser. Gluecklich strahlt sie am Fenster, und wartet auf die Sonne. Was mir heute auffiel ist, dass sie einen Geruchsstoss von sich gibt wenn ich ihr ein Lied vorsinge. Alsob sie gluecklich wird. Ich frage mich ob das normal ist, oder ob sie bloss eine sehr liebesbeduerftige Dame ist. Ich mag sie. Was sie aber noch nicht weiss, ist, dass ich sie eigentlich nur halte um sie zu einem koestlichen Pesto zu zerhacken. Vielleicht sollte sie das aber nicht wissen, da ich es mag wenn sie geliebt werden will. So hab ich wenigstens jemand der meine Stimme zu schaetzen weiss.