zier (ein pornographischer Versuch)

[der Mann der immer kann; die Frau die immer will]

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ir redeten plötzlich angeregt über schmutziges Zeug, nachdem er die ganze Zeit schon auf meine Beine geschielt hatte und nach dem zweiten Glas dann sagte, das Wippen meiner Beine mache ihn nervös, ich solle damit aufhören. Als Scherz nur, aber ich fühlte wie sehr es ihn erleichtert hatte, es anzusprechen.
Später ging er auf die Toilette, was ich dazu nutzte einen Knopf meiner Bluse zu lösen und meinen Rock ein wenig nach oben zu korrigieren. Als er wiederkam, hatte ich meine Beine überkreuzt an der ganzen Seite des Tisches entlang positioniert. Er kam nicht an seinen Stuhl ohne mich zu bitten, meine Beine beiseite zu nehmen.

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einer Meinung nach waren es die Zeichen gewesen. Wie sie sich an die linke Brust griff und diese mit einem unverschämten Grinsen hochdrückte, obwohl sie eigentlich ihr Herz andeuten wollte, weil sie von der Liebe sprach. Sie schien selbst erschrocken von dieser Geste, doch umspielte sie ihren Fehltritt verblüffend charmant, indem sie theatralisch die Schuld von sich wies und dabei sagte, die Titte sei ihr im Weg gestanden. Wir lachten. Noch.
Später wurde sie offensiver, wie sie ihre Beine zur Schau stellte, wippend vor meiner Nase auf und ab. Man kann nun sagen, ich sei leicht zu verführen gewesen, ich will das ja gar nicht abstreiten, doch wies ich sie darauf hin, sagte, sie spiele mit meinen Gefühlen, wenn sie so offenherzig mit ihren schönen Beinen wippe, und natürlich konnte ich mir das Wort schön nicht verkneifen, waren sie ja auch, und klar, es war alles gespielt, ich wollte ja nicht, dass sie damit aufhöre. Dies brachte sie leider dazu mit dem Wippen aufzuhören, jedoch auch neugierig auf ihrem Stuhl nach vorne zu rutschen, was weite Teile ihrer Oberschenkel entblößte. Ich schaute weg, schaute wieder hin und sie wollte nur wissen was das sei, mit uns Männern und dieser Sache mit den Beinen. Ich antwortete, ich wisse nicht was mit den Männern los sei, aber ich jedenfalls, ich müsse bei schönen Beinen ans Ficken denken.

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enig später öffnete ich die zweite Flasche Wein und meine Bluse. Ich meine einen erschrockenen Blick in seinen Augen erkannt zu haben. Das amüsierte mich und deshalb lachte ich. Doch er schien nicht zu wissen worüber ich lachte. War ja auch egal. Ich war es plötzlich satt geworden zu reden, deshalb schenkte ich den Wein ein und verschwand mit den beiden gefüllten Gläsern ins Schlafzimmer.

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ir war unklar wie ich das zu interpretieren hatte. Auch wenn es wirklich offensichtlich war. Es war nur schwer vorzustellen, dass sie mich jetzt ohne Glas in ihrer Küche sitzen lassen wollte. Ich zögerte eine halbe Minute, doch dann stand ich auf und schritt in den Flur. Im Flur sah ich ihren Rock auf dem Boden liegen und wenige Meter weiter ihre Unterhose. Am Ende des Flures kam aus einem Zimmer ein bisschen Licht, in jenem Zimmer stand sie, hielt mir mein Weinglas entgegen und lächelte, wie man manchmal lächelt wenn man einen Scherz gemacht hat von dem man nicht genau weiß ob er gelungen ist.

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ortlos küsste er mich auf die Lippen. Der Kuss schmeckte ein bisschen nach einem Mann der jetzt und sofort vögeln will, aber nicht weiß wie er das am besten sagt und deshalb einfach mal drauflosküßt. Ein bischen hart und teilnahmslos. Aber recht hatte er. Nähe ist schließlich ein guter Anfang. Besonders mochte ich es, seine Erektion zu spüren. Als ich mich beim Küssen gegen ihn andrückte und mit meiner Hüfte seine harte Latte bemerkte. Ich konnte es nicht sein lassen und drückte absichtlich noch ein wenig dagegen.
Er hätte mich sofort nehmen können, die ganze Küsserei war überflüssig geworden, zu lange saß ich schon neben ihm.

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it einem Zungenschlag auf meine Lippen ließ sie von mir ab, drehte sich um und ging auf dem Bettrand in die Knie. Dann bückte sie sich vorne über und streckte mir ihren Hintern entgegen. Sie forderte mich auf etwas zu machen. Mach etwas, sagte sie und hielt dabei ihr Gesicht vergraben, als fürchte sie die Konsequenzen.
Ich kniete mich hin und betrachtete ihre Vagina. Ihre Vagina war aufgegangen, fleischig geworden. Im spärlichen Licht der gelben Lampe konnte ich eine glitzernde Flüssigkeit erkennen die zwischen den Schamfalten hervortrat. Die gebückte junge Frau atmete nicht. Sie schien nur darauf zu warten, dass irgendwas geschehen würde, möglicherweise, dass Funken fliegen würden.
Also zog ich mit meinen Händen ihre Pobacken auseinander und legte meine Zunge auf ihren Anus.

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ie konnte ich ahnen, dass er mich so lange einfach so knien ließ. Ich war berauscht, ich saß seit Stunden mit aufgeweichtem Willen herum, ich wollte ihn in mir fühlen. So hielt ich ihm meinen Arsch hin. Er regte sich lange Zeit nicht, doch wußte ich, worauf er schaute und ich meine zu wissen woran er dachte: Fleisch. Mein Arsch sieht gut aus wenn ich mich bücke, er ist normalerweise ein bisschen zu, wie soll ich sagen, länglich? Doch gebückt scheint er das ganze Sitzfleisch das sich sonst über die Länge verteilt, zu einem runden Ballen zu versammeln.
Doch es dauerte ewig. Er schien zu zögern. Ich hörte nichts, weder das Aufknöpfen der Hose noch seinen Atem, es tat sich nichts. Ich schämte mich in jenem Moment, in jenen gefühlten Stunden, doch konnte ich nichts mehr rückgängig machen, ich hatte bereits zu viel von mir preisgegeben. Ich weiß noch, dass ich mir kurz überlegte aufzuspringen, alles abzusagen, mich zu entschuldigen, mir den Rock anzuziehen und in der Küche zu verschwinden, in der Hoffnung er würde es verstehen und daraufhin die Wohnung verlassen – als er sich plötzlich hinkniete. Ich konnte es fühlen, dass er näher herangekommen war, er schien meinen Schambereich zu mustern.
Schließlich legte er seine Zunge auf meinen Anus.
Ganz kurz nur. Danach leckte er sanft, fast zu sanft, um den Anus herum, spitzte dann die Zunge und machte ein paar weiche Versuche damit einzudringen.

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it meinen Fingern holte ich ein wenig Flüssigkeit von ihrer Vagina und strich sie auf ihren Anus. Als ich den Zeigefinger reinsteckte kniff sie ihre Pobacken leicht zusammen und entspannte sie gleich darauf wieder. Und endlich konnte ich sie atmen hören. Obwohl, das Atmen war nur von kurzer Dauer und sofort in ein Stöhnen übergegangen, leise zwar, aber ein Stöhnen eben, alsob ihre Lust sich in Symbiose mit der lebensnotwendigen Sauerstoffzufuhr befinden würde. Jetzt hatte ich eine Patientin die mir ausgeliefert war.

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as er mit Zeug meine, fragte ich ihn. Zeug halt, wiederholte er seine Frage und zählte Spielzeug auf. Dildos, Kugeln. Dann zögerte er kurz, und sagte: irgendwas. Ich griff routiniert, und ohne meinen Leib verstellen zu müssen unters Bett und zog eine Kiste hervor. Zu spät dachte ich an die große Menge die ich darin aufbewahrte, vor allem dachte ich an die extravaganten Variationen. Leicht amüsiert stellte ich mir seinen erschrockenen Blick vor, schloß wieder die Augen, und ich fühlte mich eine unglaubliche Schlampe.

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ühelos zog sie eine riesige Kiste unter dem Bett hervor. Dildos, gynäkologische Werkzeuge, Kugelketten, zangenartige Utensilien, vieles davon hatte Noppen. Ich kann mich erinnern wie mich der Gedanke an ihre einsamen Nächte erregte, der Gedanke daran, wie sie alleine in ihrem finsteren Zimmer, um ihre Lust zu stillen, genoppte Dildos ritt, wie sie in aller Stille kam, ein lautes Stöhnen unterdrückte, weil Wichsen immer zu intim ist um laut zu sein. Vielleicht war es der Gedanke an dieses Bild einer verzweifelten Frau, zu unrecht vermutlich, was wusste ich schon über sie, der mich als erstes zum Seil greifen ließ.

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omöglich hätte ich mich befreien können, er war kein Meister der Fesselkunst, und ich gebe zu, dass ich froh darum war. Verstehen Sie mich nicht falsch, ich mag es wirklich sehr gefesselt zu werden, ausgeliefert zu sein, es ist dieses gewisse Gefühl mißbraucht zu werden, ein Objekt zu sein, das kann sehr anregend sein. Doch kannte ich ihn ja kaum, und dann wird das problematisch. Was wußte ich schon über ihn, nun gut, wir hatten ein paarmal gechattet, ein paar Emails waren hin und her gegangen, ich hatte mir einen generellen Eindruck geholt, und auch sonst, an jenem Abend, schien er mir keineswegs ein Gestörter zu sein, wie man so sagt. Doch dann liegt man eben da, kann Arme und Beine nicht mehr bewegen, und dermaßen verbogen, dass man die beiden intimen Körperöffnungen wie auf einem Präsentierteller einem fremden Mann zur Verfügung stellt. Da fängt man dann an zu denken unter den geschlossenen Augenlidern. Man denkt an Lustmorde, an all die Szenen die man sich beim Lesen von Artikeln über Lustmörder so hübsch und detailiert ausgemalt hat. Da war ich eben froh zu wissen, wie leicht ich mich wieder aus den Fesseln hätte winden können.

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eisterhaft verbunden hatte ich sie. Ich setzte mich für eine ganze Weile abseits auf einen Stuhl und betrachtete mein Kunstwerk. Aus ihren beiden Körperöffnungen ragten zwei Dildos hervor. Ein ziemlich Dicker für vorne, und ein Schmalerer für hinten. Nur hatte ich sie zweckentfremdet. Der Große steckte hinten. Ich wußte nicht wirklich was als nächstes zu tun sei. Etwas machen sollte ich, etwas machen, ich wollte hauptsächlich meinen Schwanz in sie reinstecken und auf ihrem hübschen Hintern kommen.
Aber wenn ich das einfach so getan hätte, sie einfach bespringen, wäre ich ihr vermutlich als mediokrer Liebhaber in Erinnerung geblieben. Und das ist manchmal bitter.
Danach sah ich mich jedenfalls um, ich fand eine Fotokamera und lichtete mein Kunstwerk damit ab. Von mehreren Seiten. Einige ganz üble mit Blitz.

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ichsgeräusche. Er war nicht bei mir, doch hörte ich das schnelle, rythmische Schnalzen feuchter Vorhaut. Was ich dabei dachte? Ob es mir gefiel? Nun. Ja, durchaus. Ich vermißte allerdings körperlichen Reiz. Im Normalfall ist ein wichsender Liebhaber äußerst stimulierend, in jenem Moment war ich jedoch schon zu sehr erregt, alsdass dies einen Mehrwert gebracht hätte. Ich kniete da ziemlich verlassen. Und Dildos vibrieren nicht. Und ich triefte. Nein schreiben sie besser hin ich sei erregt gewesen. Triefend klingt gleich so verzweifelt.

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ir fehlte die Nähe. Aber das wusste ich erst am nächsten Tag. Also körperliche Nähe. Ich muss Haut spüren, Brüste, Beine, Po. Ich kann nicht einfach nur etwas machen. Deshalb ging ich zurück ins Bett, legte mich vor sie hin, nahm sie bei den Haaren und steckte meinen Dingsda in ihren Kopf.

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ie mir die Luft wegblieb. Er hatte sich vor mich gelegt – oder gesessen, so genau weiß ich es nicht mehr, und dann hatte ich plötzlich seinen Schwanz in meinem Mund. Gefiel mir natürlich. Vielleicht weil er auf einmal da war, also so richtig da, aber ach, ich mag einfach Schwänze. Und was mir in jenem Moment auch gefiel: ich konnte wenig anderes tun als daran zu lutschen. Meine Arme waren so verbunden, dass ich mich entweder darauf stützen konnte, oder seitlich wegrollen. Ich stütze mich aber darauf, weil ich ja die ganze Zeit über von hinten be– hm, –arbeitet wurde, oder bearbeitet werden wollte. Ich hätte mich nun wegrollen können, aber das hätte wiederum das Lutschen erschwert. Ein Kreuz manchmal.

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angels Erregung ließ ich dann von ihr ab. Keine Ahnung warum. Irgendwie war mir das zu öde. Daher machte ich mich wieder hinten bei ihr zu schaffen, da gab es vielleicht mehr zu sehen. Und weil sie lauter stöhnte, je fester ich die Dinger in sie reindrückte, suchte ich jenes dicke Ding in ihrer Kiste, das Ding das ich vorhin schon gesehen hatte das aussah wie ein Stöpsel.
Und dann drückte ich diesen trichterförmigen Stöpsel ganz langsam in sie rein. Ganz langsam. Ich merkte wie sehr sie das mochte, wie sie immer lauter stöhnte. Ich tat eigentlich nicht viel ausser das Teil festzuhalten. Sie drückte dagegen. Nun gut, ich half ein bisschen nach, ich drückte mit, und ich bin immer wieder verblüfft wie dehnbar ein Schließmuskel ist, wenn man nur langsam zur Sache geht, aber ich habe ja immer Angst, dass ich da etwas kaputt mache. Wenn man in Lust und in Rage nicht mehr genau weiß wo die Grenzen liegen.
Doch ehe ich mir wirklich ernsthafte Gedanken darum machen konnte, weil ich eher ihrem immer lauter werdenden Stöhnen zuhörte, zitterte sie plötzlich — und dann weinte sie.

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ar ich erst noch willensschwach, so war ich alsbald willenlos geworden als er sich wieder hinter mich stellte und mir den Arschstöpsel reinschob. Auch in meiner Möse steckte etwas, oder jedenfalls war da etwas, aber ich konnte das alles nicht mehr unterscheiden. Er drückte nach vorne und ich hielt dagegen. Ich merkte wie der Stöpsel immer tiefer ging, langsam, aber immer tiefer, und dann wusste ich irgendwann nicht mehr was und wo, ich fühlte mich, als hinge ich willenlos an diesem Stöpsel wie an einem Tropf im Krankenhaus, ein Tropf der betörendes und verbotenes Zeug in mich hineintröpfeln ließ. Komische Metapher, ich weiß.
Manchmal, wenn der Orgasmus besonders heftig ist, dann verliere ich völlig die Contenance. Dann muss ich weinen. Das hatte ihn ein wenig irritiert.
Doch für Irritationen gab ich ihm nicht viel Zeit.

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unter entwand sie sich der Fesseln, drehte sich um und wies mich an mich hinzulegen. Als wäre alles nichts gewesen. Als wären meine Fesseln Kinderspiel gewesen, als wäre sie nicht gekommen, alsob sie nie geweint hätte.
Sie setzte sich seitlich neben mich und nahm meinen Penis in den Mund. Ich fand es toll ihr dabei zuzusehen. Sie blies sehr andächtig. Sie blies sehr, wie soll man sagen: geil. Man merkte, dass sie es gerne tat, dass sie Spass daran hatte. Läge es an mir, hätte sie mich den ganzen Tag lang bearbeiten können.

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eil er nicht kam, obwohl er schon eine Weile lang schwitzte und stöhnte, doch meine Hand und mein Mund sich langsam versteiften, flüsterte ich ihm ins Ohr, dass ich alles in meinen Mund abkriegen wolle, die ganze! dicke! Ladung! Ich sprach jedes Wort mit Ausrufezeichen aus, und das zeigte endlich Wirkung. Sein Atem wurde lauter und die Arschbacken kniff er zusammen, wie er die Beine streifte und mit diesem entsetzten Blick mich ansah, während ich meine schweinischste Miene aufsetzte und die Lippen zum Vollmund gestülpt über seine Eichel bewegte. Männer. Die Hure spielen geht immer. Je mehr man es deren Wichsvorlagen gleichtut, desto eher funktionieren sie, und nicht nur im Bett.

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ittlerweile saugte sie an mir, ein Lutschen war es schon lange nicht mehr, und dann forderte sie mich dazu auf in ihren Mund zu kommen. Nein es war weniger eine Aufforderung als ein Flehen. Sie brauche es, sagte sie. Dieser Gedanke erregte mich sehr. Ich schaute ihr dabei zu. Und beim Gedanken in ihren Mund zu spritzen, beim Bild des Spermas auf ihrer Zunge, auf ihren Lippen, wie es womöglich aus den Mundwinkeln herausfloss über ihr verschwitztes Kinn ronn, entlud sich dann mein ganzer sexueller Reiz der vorangehenden Stunden. Die Bilder. Ihr Hintern, ihr Anus, ihre Brüste, ihr Schnaufen, das Bild ihres Gesichtes als sie kam, auch das Weinen, der ganze finstere Schmutz der sich in den letzten Stunden in meinem Kopf breitgemacht hatte, entlud sich in ihrem Mund, wie das Auswringen eines nassen Handtuchs, bis alles weg war, der ganze Reiz durchgespült und ausgelöscht.

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as ich auch immer falsch gemacht hatte. Er kam nicht. Möge es der Wein gewesen sein, oder mögen es die Vorbehalte gewesen sein die er den ganzen Abend schon mit sich herumzuschleppen schien, kann sein, womöglich bin ich nicht die Art von Frau die er wirklich lieben würde, ja, ich bin nun auch nicht die Schönste, ich habe fast keine Brüste, meine Hüften sind schmal, mein Gang ist breit, mein Sexleben nicht umsonst miserabel.
Ich führte unbemerkt meine Hand zwischen meine Beine und befeuchtete den mittleren Finger. Ich war immer noch erregt, ich war immer noch fleischig, aber so ist das, kommt die Frau, muss auch der Mann kommen, und dann ist es vorbei. Der Orgasmus, die schönste Art zu sagen der Sex sei vorbei. Und so nahm ich meinen befeuchteten Finger wieder heraus, setzte ihn auf seinem Anus auf und steckte ihn hinein.
Dann kam er.

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eine Kräfte hatten mich verlassen, ich war alles losgeworden. Aus ihrem linken Mundwinkel trat Sperma hervor, während sie ihre Kopfbewegung verlangsamte. Ich setzte mich sofort auf, ich konnte das nicht mitansehen, ich ekelte mich vor mir selbst.
Ich fragte sie nach Taschentüchern, wo sie welche liegen habe, doch sie lächelte abwesend, fast ein wenig verlegen, wies ab, und wischte sich mit dem Bett das Gesicht.

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achdem er gekommen war, war er wie verwandelt. Erst schien es ihn ungemein zu kümmern, dass mein Mund wieder sauber werde und dann nahm er mich liebevoll in seine Arme, und ich merkte wie er versuchte den Finger den ich in ihn gesteckt hatte zu überprüfen, indem er –ich glaubte zu spinnen– meine Hände küsste. Und dabei die Finger sorgfältig musterte. Der Finger war sauber, glaube ich jedenfalls, ach, wie auch immer, aber ich konnte es mir nicht verkneifen ihn zu verstecken, als wäre eventueller Dreck daran Entblößung seiner Begierde. Mir war es recht, besser als umdrehen und pennen, obwohl, ich weiß nicht, ich wäre gerne ins Wohnzimmer gegangen und hätte den Fernseher eingeschaltet.

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Die neue Playlist in Katastrophenmusik umbenannt, damit ich mich leichter davon wegklicken kann wenn der Atem wieder zu schwer wird, damit ich mich daran erinnere, die Leichtigkeit nicht mit der Schwere auszutauschen, wo doch die großen Dinge nicht notwendigerweise schwer sein müssen, sondern oftmals leicht wie rote Ballons da oben schweben, denen man so gerne nachschaut wenn man unten liegt und sich von den Tagen erzählt, von den Tagen die man auseinandernehmen will, auseinandernehmen und alle einzelnen Stücke umdrehen, und daran riechen meinetwegen, am liebsten gar fressen oder mit aufgerolltem Falschgeld in die Nase ziehen, suchtgefährdet wie ich bin.

Und weil ich dann wieder weiß was ich damals auch schon wußte, die Dinge vergehen, vergehen immer, und dann denke ich ein bisschen darüber nach, denke wieder an die Leichtigkeit, die Leichtigkeit der großen Dinge, die Dinge man nicht versuchen soll aufzuschreiben, oder schlimmer noch, sie auszusprechen. Nur die richtigen Dinge sagen, und dabei gar nicht merken wie sehr man beschenkt wird.

Und danach denke ich, dass ich gar nicht weiß wovon ich rede.

Katastrophenmucke 1 | 2 | 3

(achja, und dann ist ja noch die Sache mit dem neuen Jahr)

dann die Lichter

Ich könnte jetzt hunderte Fotos hochladen. Vom letzten Wochenende. Als ich für zwei Tage in meine Heimat fuhr. Auf den Tschögglberg, um die Gläser zu heben, auf meine Schwester, die diese nimmerendenwollende Studienjahre in Wien mit Bestnote abgeschlossen hat. Ich könnte Fotos hochladen von diesem einzigartigen Ort, das Wirtshaus am Tschaufen, auf diesem lichten Hügel oberhalb der Klippen die steil und tief ins breite Etschtal abstürzen. Wie Julietta und ich draußen auf der Wiese saßen, die Spitze des Penegal suchten, ich ihr die Burgen zeigte und benannte, die man zu unseren Füssen im ausgestreckten Tal den Jahrhunderten trotzen sah. Man kann das ganze Überetsch überblicken, die Dörfer wie Flecken auf einem Teppich, und von Bozen nur den allgegenwärtigen sommerlichen Dunst der sich ins Etschtal hineinstreckt.
Später der lange, gedeckte Tisch auf der Wiese. Wie wir alle da saßen, Familie, Schwiegerfamilie, Großeltern, Enkel, die Nachbarn. Das Essen in 5 Gängen vom jungen Pater, der stundenlang in der Küche kleine Kunstwerke fabrizierte. Wie es mich faszinierte in dieses liebevoll zubereitete Fleisch zu beissen, mich den fleischigen Freuden dieses zutiefst geistigen Menschen hinzugeben. Dann der Guate Rotwein der uns in der Nachmittagssone ganz sanft auf die Augenlider drückte. All die rotbackigen Kinder die dort gerade aufwachsen, von denen man später mal sagen wird, die seien nie krank, die haben ja ihre ganze Kindheit im Schlamm gewühlt. Wie unbeholfen die kleinen Mädchen in ihren Kleidchen wirken in die man sie gesteckt hat. Rosa Kleidchen und auf dem Hintern natürlich der obligatorische Schmutzfleck. Die Knie verbeult.
Und wie nachher die Freunde aus den Tälern und aus den Städten kamen. Atemlos, weil man auf den Tschaufen nicht mit dem Auto hinauffahren kann. Die Freude des Wiedersehens bei Grillwurst, Grillauberginen und Kartoffelsalat. Wir spielten Karten, ich lernte das Wattn. Und verlor natürlich. Als ich kurz davor war zu gewinnen wurde ich vom rauchenden Brotofen abgelenkt. Brotofen, dachte ich und staunte als mir bewusst wurde, dass da ein eigenes, kleines Gebäude neben unseren Tischen stand in denen Brot gebacken wurde.
Wie die Nacht hereinbrach, ohne dass ich es wirklich merkte, weil der Rotwein schon lange Schatten über mich geworfen hatte, wie wir wieder zu zweit auf der Wiese saßen, nur diesmal die Sterne über uns, und im Etschtal die Lichter der Überetscher Dörfer schillerten und die Lampen der Strassen die diese wie eine Lichterkette verbanden, als würden sie wachen. Im Hintergrund der Penegal, die Mendel, weiter links das Weiß- und das Schwarzhorn, dunkel hervorgehoben im vom Mond erleuchteten Alpenhimmel. Während oben am Haus die Leute feierten. Später sangen meine Schwestern und Schwiegerschwestern die Beatles. Und Schlaflieder. Ich war gerührt und dachte für einige Momente es seien Engel, so klar waren ihre Stimmen und so seelig sangen sie. Ich habe sie alle fotografiert. Und den Engelchor habe ich sogar gefilmt.

Nachts schliefen wir alle im Heustadel. Einige legten ihren Schlafsack auf die Wiese. Beim Einschlafen knisterte es. Als ich morgens das Stadeltor öffnete, schien mir die Sonne ins verschlafene Gesicht und unter mir waren im breiten Etschtal die Lichterketten dem neuen Tag gewichen.

Ich könnte auch Fotos hochladen vom Abschied am Bozner Bahnhof, wie ungerne wir uns alle trennten, sogar in Gruppen vor der Kamera posierten, wie man sagte, man sähe sich bestimmt bald wieder, und wie man dann doch immer weiß, dass es wieder viel zu lange dauern wird.

Aber ihr ahnt es. Es hängt über diesen Text wie diese altmodische Stichwaffe jenes unsympatischen Griechen: Ich habe im Zug die Fotokamera verloren.

die letzten Stationen

Diese Abschiede. Dieses Ablaufen der letzten Stationen, zum letzten Mal ins Büro, zum letzten Mal den Rechner hochfahren. Diese Abschiede. Wie hell das Raucherzimmer eigentlich ist. Und dann, beim Abtauchen der Sonne hinterm Michel, plötzlich merken, dass ich in den beiden Jahren immer vergessen habe, diesen Sonnenuntergang zu fotografieren, diesen roten Feuerball den man dort oben im zwölften Stock in der Hamburger Kirchturmsilouette versinken sieht. Ich tröste mich damit, dass es ohnehin nur kitschig ist.

Diese Abschiede. Von den Kollegen die man mochte, immer wieder das “man sieht sich mal” wiederholen. Dann diese verblüffende Tragik bei denjenigen zu denen man sagt, man sehe sich nicht mehr. Und mit einem langen und nachdenklichen Lächeln beiderseits hängenbleibt, bei dem man nicht genau weiß ob man sich nun freuen solle oder ob diese Nachdenklichkeit letztendlich nicht plötzlich eine merkwürdige Art von Wehmut geworden ist. Und noch ein ernstgemeintes “machs gut” nachwerfen.

Michelina die sich über die Blumen freut, Franco über den Wein. Franco hat mir meine Lieblingspasta gekocht. Wie unentspannt ich meine Zeitung lese während ich auf das Essen warte.
Und danach dieses schöne, übertriebene und erwartete: wir werden dich vermissen. Und ich solle vorbeikommen wenn ich mal in Hamburg sei, Franco würde mir Pasta Norcina kochen.

Die letzten Stationen. Es lieber verschweigen. Der Abschied von meiner Kioskfrau bekäme eine zu schwere Bedeutung. Sie würde mir nicht mit derselben Langeweile die ich an ihr so sehr mochte, den Tabak über den Tresen schieben. Sie würde vielleicht lächeln. Der Gedanke daran lässt mich erschauern.

Abschied von Flicker [hr hr]

ach Last

Immer diese merkwürdige Wehmut die aus der Ferne ruft, schon Tage vorher, seit ich die Zugkarte mit Endbestimmung Bozen in der Hand halte, seit ich an die Dinge denke die ich mitnehmen will, die Schuhe, die Bücher, die Hemden und dann das Foto meiner kleinen Schwester das schon seit Monaten an meinem Schreibtisch hängt und ich ihr schenken wollte, weil es wahrscheinlich das einzige ist, auf dem nur wir beide abgelichtet sind, ohne Familie, ohne den Anderen die sich ins Bild stellen um Grimassen zu schneiden, ohne diesem immer anwesenden Hintergrundrauschen, nur wir beide, als wäre ich nie weggezogen, als hätte ich sie nie als siebenjährige ohne den großen Bruder gelassen, den sie sich womöglich gewünscht hat, wie es sich wahrscheinlich jedes siebenjährige Mädchen wünscht, und erst so langsam, nach all den Jahren in denen ich sie nicht habe aufwachsen sehen, in denen ich ihre ersten Schritte hinaus ins Leben verpasst habe, sie nicht einmal Warnungen von mir in den Wind hätte schlagen können, weil ich schlichtweg nicht da war, und am Telefon immer nur Mama, oder Papa, oder die größere Schwester, die Kleine will Dich auch noch sprechen, und oftmals nicht wissen was einem Mädchen in der Pubertät so widerfährt, ungeschickt danach fragen wie es ihr denn so ginge, während es im Hintergrund weiterrauscht, und die Ruhe nicht da ist.

Jetzt elf Jahre später werde ich ihr ein Foto schenken. Ein Foto auf dem gar nichts rauscht, höchstens die Bäume ganz hinten, die aber eher zu lauschen scheinen, während man uns ertappt, an einem der wenigen Momente an denen wir wirklich Schwester und Bruder waren.

Und dann lächerlicherweise zu viel Zeit damit verbringen ob man es auf A3 oder 4 vergrößern soll, ob A3 die Schwere nicht zu viel hervorhebt, die Schwere die man gerade wegvergrößern will, indem man die Dinge klein haltet, indem es nur diesen kleinen Moment wiedergeben soll, der vielleicht schon viel zu groß ist, gemessen an den vielen kleinen Dingen die man sich nie gesagt hat.

Vorhin die Dame in den Zug nach Amsterdam gesetzt, wie schwer die Abschiede wieder wiegen, wie viele kleine Tricks ich gelernt zu haben glaubte, die Abschiede lediglich als diese neue Phase des aufeinander Freuens zu sehen, die Zeit als diesen Fluß zu sehen, der halt vor sich hinfließt, so wie man auch die Elbe liebt wenn sie unter schwerem Nebel unter den baumelnden Beinen am Hafen vorbeizieht, und beim Ruf mich an gleich wieder daran zu scheitern, jeden Zaubertrick vergessen, weil dieser davonfahrende Zug keine vernebelte Elbe ist, sondern eine eiserne Raupe die davonkriecht und alles mitnimmt, weil es sich letztendlich doch immer wieder meldet, das Herz.

Und in zwei Stunden bringe ich mich selbst in den Zug, und mit dem Foto in der Hand werde ich wohl auch mitkommen.

Vergesst nicht die Kerzen wieder auszupusten wenn ihr ins Bett geht. Weihnachtsbäume zischen ganz laut wenn sie brennen.

Alles Gute. Demnächst wieder.

ein verregneter Sommer

I.
Es plätscherte draussen schon seit vielen Tagen, als ich plötzlich und unangekündigt meinen Unmut verlor, in jener Nacht in der es auf einmal dämmerte, nachdem ich zweimal zu tief in ihre verregneten Augen geschaut hatte und schon weinselig dahinnieselte, noch der festen Überzeugung, ich liesse das mit der Liebe jetzt mal sein und widmete mich den richtigen Dingen, für ein standfestes Bein, die Lacher auf meiner Seite und ein anständiges Rückgrat auf meinem Arsch. Stattdessen verschob ich mein Wunschdenken auf Weihnachten zweitausendirgendwas, als ich sie auf ihre roten Lippen küsste.

II.
Wir verbrachten die Tage in grau. Für mich war sie Regen. Die grosse Schwingtür zum Balkon stand oft offen, während es draussen regnete, die Gardinen wehten im Wind, und sie sass inmitten meines grossen Zimmers auf dem Boden, den Rock ausgebreitet, barfuss, und zeichnete. Sie sprach nie viel, auch nicht, wenn wir alleine waren. Sie mochte diese Gewissheit, mich da zu haben, dass ich auf dem Sofa sass und schrieb, dass ich sie hin und wieder danach fragte, ob sie einen Tee wolle, wobei sie immer nickte, oder wenn wir stundenlang im Bett lagen, nackt, an die Decke starrten, während es draussen plätscherte, sie mit ihrem Kopf auf meinem Bauch lag und gedankenverloren meinen Penis streichelte wie ihr eigenes Haar und ihn dann in den Mund nahm. Bis ich kam. Und danach verträumt lachte, weil das alles war, was sie wollte, als sei ihr kleines Glück erfüllt. Dieses verregnete Beisammensein ohne viele Worte, bei dem Sex oft spielerisch naiv wurde. Auch wenn sie mich anrief, sprach sie von der Sehnsucht, ihren Kopf auf meinen Bauch zu legen, mir zuzuhören wie ich eine Melodie summe, ihren Kopf streichelnd aus dem Fenster schaue, und dabei einzuschlafen.
Sie besuchte mich fast jedes Wochenende, unsere Städte lagen drei Stunden voneinander entfernt. In den Tagen dazwischen schrieben wir uns Mails, Dutzende täglich. Sie war glücklich darüber, in meinem Bett schlafen zu können, ihre Alpträume verschwänden, wenn sie bei mir schliefe, ihre Alpträume, die sie immer quälten, sie nachts oft mehrmals aus dem Schlaf rissen. Wenn es ganz besonders schlimme waren, rief sie mich an und wir redeten lange, über ferne Länder, über lustige Menschen, die wir kannten, und meistens sagte sie, sie wolle ihren Kopf auf meinen Bauch legen und manchmal schlief sie damit ein. Nur “Gute Nacht” sagen, das durfte ich nie, weil ich sie dann alleine gelassen hätte, in ihrem dunklen Zimmer, in weiter Ferne.
Tagsüber wollte ich, dass sie mir von ihren Träumen schrieb; alles aufschreiben sollte sie, nicht vergessen was sie nächtens plage, nie davor weglaufen, als hätte ich Ahnung davon. Jeden Vormittag kam erst ihre Guten-Morgen-Mail und eine halbe Stunde später ihr Alptraum. Immer geordnet, als sei es ab jetzt ihre tägliche Aufgabe, wie das Zähneputzen, mit der Betreffzeile “mein heutiger Alptraum”. Und oft folgten darauf im dreissig-Minuten-Takt eine oder zwei, manchmal gar drei oder vier weitere, mit der selben Überschrift. Anfangs antwortete ich oft auf ihre Schilderungen der schlechten Träume, versuchte mich damit auseinanderzusetzen, natürlich ohne Erfolg. Aber das schien sie nicht zu kümmern, sie schrieb und schrieb, und es schien ihr Freude zu bereiten diese Mails für mich zu schreiben, als täte sie es gar nicht für sich selbst, sondern als ob sie sich in dieser Rolle gefiele, diese Aufgabe zu erledigen.
Nach sieben Wochen brach sie die Routine. In der Betreffzeile der ersten Mail am Morgen stand: “Kein Alptraum heute?”. Kein weiterer Text. Ich weiss noch, wie unpassend ich das Fragezeichen fand, als sei sie erstmal verwundert gewesen und müsse erst lange darüber nachdenken, bevor sie sich freuen könne. Die Alpträume kehrten dann auch am zweiten Tag nicht zurück und auch nicht am dritten Tag. Am vierten Tag schrieb sie, jetzt seien sie weg.
Meine Freunde mochten sie. Auch wenn sie nie ein besonderes Verhältnis zu jemandem aufbaute. Sie nahm keinen Platz ein, machte sich schmal, verhinderte jegliche Unannehmlichkeit, indem sie in den Ecken sass, wenig sprach, um nichts Falsches zu sagen und doch den Eindruck erwecdkte, unentwegt an allem teilzunehmen. Und immer wurde sie ausdrücklich eingeladen, wenn es eine Feier gab, oder wenn Freunde auf der Bühne spielten, “nimm SIE auch mit”, weil sie so selbstverständlich dazugehörte, so plötzlich, als sei sie schon immer da gewesen, und doch ging es immer über mich, immer sollte ICH sie einladen, nie wäre jemand auf den Gedanken gekommen, sie selbst anzurufen, obwohl sie mit den Frauen die Nummern ausgetauscht hatte, weil man sich wiedermal sprechen wollte, die Neue, sie war doch so nett, sie sollte dabei sein, und sie kam immer, sie war glücklich, mit mir auf Konzerten den Klängen zu lauschen, in dunklen Ecken den Menschen und gefärbten Lichtern auf der Bühne zuzusehen, die Hüfte im Rhythmus zu wiegen und im Rotweinnebel zu versinken.

III.
Als wir einmal betrunken waren, in einer Nacht mit argentinischem Tango auf einem dieser antiken roten Sofas sassen und mich eine fatalistische Laune ergriff, weil eben alles so vergänglich war, und weil ich plötzlich wusste, dass ich sie nicht wirklich liebte, sondern nur dem Regen in ihren Augen verfallen war, da sagte ich es ihr, unüberlegt und dahingeworfen zwischen Aschenbecher und Martini, dass ich sie nicht lieben könne, dass sie mich trotz ihrer langen Beine und ihrer sinnlichen Lippen eigentlich unglücklich mache. In wenigen kargen Sätzen nur, als hätte sie das ohnehin wissen müssen, wegen der Art, in der wir uns liebten, wie wir die Tage verfliessen liessen, wie unverbindlich und vergänglich unsere Worte immer waren.
Und so hob ich mein Glas und prostete im Stillen auf das verschwundene Glück in die Leere hinein, weil das mit dem Glück ja eh immer so eine Sache ist, die gerade bei Schönwetter wieder abzieht, und mir nicht gegönnt war und mich dabei fröhlich machte, als würde ich gerne darüber lachen.
Sie veränderte ihre Haltung nicht, führte das Glas Martini langsam zu ihrem Mund und sah weiterhin den tanzenden Paaren zu.
Als ich mich, innerlich noch prostend, in meiner schwermütigen, fröhlichen Rotweinmelancholie zu ihr umdrehte, konnte ich förmlich sehen wie ihre Augen plötzlich anschwollen und ihr Gesicht in einer Flut von Tränen ertrank. Ich erschrak, wie ich sie so vor mir sah, wie ihr ganzes Glück, das sie zu haben glaubte, in ihren Augen zerbrach und den Mascara samt ihrem unbeschwerten Zeichnen bei mir Zuhause, aus ihrem Gesicht schwemmte, als sei ein Gewitter losgebrochen. Ich wollte nach meinen gesprochenen Worten schnappen, sie zurückholen. Doch als ich danach griff, hielt ich bloss ihren Körper, der willenlos geworden war und sich gegen nichts mehr wehrte, in den Händen. Sie war untröstlich, wendete ihr Gesicht von mir ab und ich bereute meine Worte.
Doch warum eigentlich? – Weil ich die Worte besser hätte wählen können? Weil ich auf einen anderen Augenblick hätte warten sollen, weil wir zu viel getrunken hatten und ich sie nicht traurig machen wollte? – Weil es die Wahrheit war.
Ich nahm sie mit raus, weg von den Scherben, hinaus in den Regen, zog sie an den nächtlichen Grachten entlang, ich redete nicht, weil es dann doch nichts gab, was ich hätte zurückziehen können, hätte sollen, lief nur neben ihr her, während sie stampfend voranschritt, mit gesenktem Kopf, vor Wut, vor Tränen, mir alle dreissig Meter mit beiden Fäusten an die Brust schlug, auf den Rücken, wie ich halt gerade stand. Auf den Brücken hielt sie manchmal an, schaute in das Wasser, spuckte ihren Blicken hinterher, sagte dann nichts. Nichts, ausser lautem Schluchzen. Und ich schaute ihren Blicken nach.
Nach etlichen Brücken und Grachten und Gassen kamen wir uns dann wieder näher, hielten einander irgendwann wieder die Hände, wärmten einander.
Und lagen später nebeneinander im Bett, nackt, weil wir immer nackt im Bett lagen, starrten an die Decke, als ob alles, was man sich nicht zu sagen hatte, dort oben verschwinden würde, in den Zwischenräumen der Löwen und Rosen im Stuck. Ich streichelte ihre Brust, küsste ihre linke Warze, sie lächelte, und weinte, ich sagte bloss, sie solle das alles nicht so schwer sehen, dass Liebe bloss vergänglich sei, in ein paar Tagen, Wochen, könnten wir wieder an den Grachten spazieren, ohne Schmerzen, weil sie sich vielleicht in jemanden verguckt hatte, der sie eher lieben würde als ich es je tun könne. Sie nickte und wir hielten einander fest, als wäre alles wieder gut, und morgen wäre alles, wie es nun mal sein würde. Sie drehte sich um, mir den Rücken zugewandt, drückte sich an mich heran und so lagen wir eine ganze Weile und hörten einander beim Atmen zu, obwohl es eher ihr Herzklopfen war, das ich an ihrer Brust spürte, dem ich lauschte.
Dann zog sie ihre rechte Pobacke hoch, griff nach meinem Penis und legte ihn dazwischen. Ich hatte gleich eine Erektion und hielt mich an ihrem Hüftknochen fest. Sie presste ihren Hintern in meinen Schoss.
An einem regnerischen Tag hatte sie mir mal gesagt, dass sie Flieder mochte, Flieder, wegen der ganzen weissen oder roten Punkte in all dem wilden Grün, weil es eigentlich bloss ein Strauch sei, der sich fühle wie eine wunderschöne Blume und ein grosser Baum zugleich, und trotzdem nicht zu wissen scheine, wofür er sich nun entscheiden solle. Flieder mache sie immer glücklich. Ich drückte sie mit der Brust nach unten aufs Bett, legte mich auf sie und drang in sie ein.
Einen Flieder würde ich ihr pflanzen, für ihren Garten, der in Wirklichkeit lediglich ein winziger, zubetonierter Innenhof war, den sie halt Garten nannte, weil sie Basilikum und Rosmarin in einer Vase wachsen liess und man sich bei Schönwetter darin sonnen konnte. Ja, einen Flieder würde ich ihr kaufen. Das Gesicht leicht zur Seite geneigt stöhnte sie mir leise zu, ich solle meinen Penis hinten rein tun, in den Anus, weil das nicht so weh tue: das erregte mich und ich zögerte keinen Augenblick, suchte behutsam nach der richtigen Öffnung und drang schliesslich dort ein, wobei ich mich wieder über sie hinweg legte, meine Arme unter ihr hindurch, sie fest an meinen Körper drückte, und dann überflog mich dieser Gedanke, wie komisch das doch sei, dass es sie hinten weniger schmerze als vorne, welch eine verblüffende Sexyness sie manchmal in wenigen Worten zu Tage legen konnte, wie gerne ich eigentlich mit ihr schlief, und ich ihr das deshalb sagte, im Rausch des Aktes –
“Du erregst mich so sehr.”
“Ich weiss, warum genau?”
“Wie du mich von hinten haben willst.”
“Vorne geniesse ich zu viel von dir. Das ertrage ich nicht.”
Ich glaube, ich verstand es nicht sofort. Ich keuchte noch etwas und erschlaffte dann augenblicklich.
Sie weinte.
Mir war zum Heulen.

IV.
Das nächste Wochenende sagte ich ab, ich könne sie nicht empfangen, ich sei anderweitig verpflichtet. An der Bar, diesen merkwürdigen Schatten in meiner Brust wegzuspülen. Am Tag darauf kam morgens eine E-Mail. In der Betreffzeile stand “Mein heutiger Alptraum”. Ich drückte auf den Antwortknopf und verharrte lange Minuten mit den Fingern an der Tastatur, bekam aber keine einzige Taste eingedrückt. Da liess ich die Antwort ausbleiben.
Wir telefonierten ab und an. Ich wies sie ständig ab. Ich könne an jenem Wochenende nicht, an jenem auch nicht. Dann stand sie eine Woche später vor meiner Wohnungstür. Ich liess sie herein, sie setzte sich auf das Sofa und zündete sich eine Zigarette an, nervös zitternd, schaute zu Boden. Draussen regnete es. Erst als ich sie fragte, wie es ihr denn so gehe, hob sie zögernd ihre Stimme und wollte wissen, was sie falsch gemacht habe, fragte aber nicht, als ob ich ihr eine Antwort darauf geben solle, sondern leise und mit aufkommender Feuchtigkeit in ihren Augen, als wolle sie nur hören, dass ich sie sehr wohl immer noch liebte, als solle ich sagen, ich wolle es noch einmal versuchen, es sei bloss eine Laune von mir gewesen.
Aber meine Erklärungen trafen weder sie noch den Punkt, weil meine Erklärungen den Regen beschrieben, den sie immer mit sich herumtrug, diese grauen Tage, die ich immer so liebte, für die ich sie so hasste, weil am Ende immer nichts übrig blieb – von mir. Sie stand auf, umarmte mich, ich erwiderte die Umarmung, entwand mich kurz darauf wieder und setzte mich auf das Sofa.
Sie blieb dort stehen und weinte, griff sich mit einer Hand ins Gesicht zog ihr Kleid aus, und das bisschen das sie noch darunter trug, ohne, dass ich es wirklich merkte. Und so stand sie da, mitten in meinem Zimmer, nackt, und sah mich an, als solle ich sie nehmen, als sei sie ganz die Meine, ich müsse sie nur wollen.
Ich hielt es nicht mehr aus. Und bat sie, zu gehen.
Der kleine Fliederstrauch, den ich ihr zwei Monate später hatte schicken lassen, kam zurück. Die Karte, die daran baumelte, war zwar rot, liess mich aber nichts Erfreuliches ahnen. Ich liess einige Stunden verstreichen, bevor ich sie las und erfuhr, dass “ich” ihr Alptraum sei.
Danach öffnete ich die Balkontüren, in der Hoffnung, der Regen hätte endlich aufgehört.

wie das unter Freunden so war

Obwohl er nun schon zehn Jahre tot ist, habe ich ihn eigentlich noch nicht begraben, meinen Freund, den ich eigentlich nie als einen Freund angesehen hatte, wobei die anderen Leute um uns herum immer sagten wir seien beste Freunde, weil, wasweissich, wir beide vielleicht immer so viel tranken, oder wenigstens so taten, als sei das die einzige Erfüllung in unserem Leben, dieses andauernde Betrunkensein, dieses stets sich wiederholende “lass uns was zum Trinken besorgen”, am Nachmittag, auf Reisen, bei nächtlichem Rumsitzen in den dunklen und ausgestorbenen Gassen in Bozen, bei Häuserräumungen, und zuhause bei Freunden, immer dieser Pegel, der uns die ganzen Jahre begleitete, um alles um uns herum erträglicher zu machen, weil der Wein wie eine Geräuschkulisse wirkte, wie in einem Cafe, weil man sich dann auch viel besser unterhält, wenn um einen herum die Welt dieses entfernte Blabla von sich gibt und man dadurch in den eigenen Gesprächen schaukelt wie in einer Wiege. Nicht, dass wir viel miteinander sprachen, dafür waren wir viel zu kurzatmig, ständig musste was geschehen, immer dieses Gefühl man würde was verpassen, etwas verpassen das eh nie da war und wenn es einmal da war, das Glück, auf einer grossen Feier, in einer wunderbaren Runde Menschen, dann war man immer noch nicht glücklich genug, weil “lass uns was zum Trinken besorgen”, die Geräuschkulisse erhöhen, denn ganz nah dran am Glück war man erst wenn der Leib dann nicht mehr mitspielte, der Film unterbrochen war und man am nächsten Tag in einer Bierlache erwachte. Da war man nah dran am Glück und die ganzen Bekanntschaften die man kennengelallt hatte, womöglich geknutscht, oder sonstwie die ganze Freude daran abgelassen hatte, blieben übrig wie dicke Nebel, von denen nur hängenblieb was man noch aufbewahren wollte für die schönen Gedanken, die man mitnimmt, auf der Suche nach diesem Glück.

Als ich ihn kennenlernte, mochte ich ihn nicht, wie er daherkam, laut und dumm. Er war etwas jünger als ich, trug einen säuberlich gestylten und gefärbten Irokesenkamm, während mich damals schon die Sehnsucht plagte, der ich mit verwaschenem grünen Haar in Hauseingängen schlief und dabei Samuel Becket las, da wartete ich nicht auf so einen, statt Godot kam er daher, mit seinem OiOi und Exploited Punk, das nervte mich, blosse Mode, Muttersöhnchen, ich hob meine Nase, er stank nichtmal, und doch blieben wir irgendwie aneinander hängen, erst am Wein, dann am Weltschmerz, für ihn die Welt, für mich der Schmerz, und an anderen Tagen anders herum, oderso.

Als wir uns kennenlernten war er sozusagen direkt aus einer Entziehungskur in die Kneipe gekommen, in der wir uns das erste Mal trafen. Er hatte ein wenig zu viel Gefallen am Heroin gefunden und mit dem Zeug ganz fürchterlich übertrieben, sodass er sich in kürzester Zeit schon in eine kriminelle Laufbahn hineinmanövriert hatte. In Bozen, das damals dieses graue Loch voller ethnischer Konflikte zwischen verkappten Burschenschaftlern und italienischen Fascisti war, gab es damals nicht viel anderes zu tun als sich zu besaufen, oder sich im Bahnhofspark die Nadel zu geben. Manchmal schien mir das die einzige Wahl, wenn man wenigstens ansatzweise ein soziales Umfeld zu haben wünschte, ohne sich mit rechtem Gesindel herumzutreiben und Stellung zu beziehen zu müssen, ob nun die deutschen oder die italienischen Ortsnamen zuerst auf den Ortsschildern geschrieben werden sollten. Einige versuchten es mit der Kunst, oder mit der Literatur, die zogen alle nach Bologna oder nach Wien und kamen meistens nicht mehr wieder. Jürgen versuchte es halt mit Opiaten. Weil er damals noch minderjährig war, und selbst wohl auch einsah, dass sein Ausflug mit seiner Heldin völlig schief gegangen war, hatten ihn seine Eltern kurzerhand in eine Klinik gesteckt, in der er dann auch freiwillig verblieben war.

In den Kreisen in denen ich mich bewegte, war Heroin verpönt, das war die Droge der Nicht-Denker, der opportunistischen Gestalten die im Bahnhofspark herumhingen, die dich heute als Freund umarmten und morgen um Geld betrogen, kleine Sklaven von sichselbst, ein winziger kapitalistischer Mikrokosmos, den man so sehr verabscheute. In meinen Kreisen wollte man die Welt verbessern, da rief man Parolen, da kämpfte man gegen die Faschisten, da wollte man was tun. Hauptsächlich tat man jedoch lediglich saufen. Meist von morgens bis abends. Was wohl Jürgens Rettung war. So sagte er jedenfalls später.

Ich hatte damals jemanden gefunden, der gleich mir, immer weg wollte, immer weg aus den Bergen, zu den besetzten Häusern nach Mailand, zum Trinken an die ligurische Steilküste, immer geradeaus, immer weiter, auch wo es nicht mehr weiter ging, wir gingen zu zweit, weil das wesentlich einfacher war, weil wir einen derartig miesen Eindruck gemacht haben mussten, dass uns die Schaffner oft gar nicht nach einer Fahrkarte zu fragen wagten und uns deshalb meistens weiterschlafen liessen oder hin und wieder mal in den Bahnhöfen mit zwei Carabinieris auftauchten, die dann die Drecksarbeit erledigten und uns aus dem Zug warfen, weil Fahrkarten zu kaufen uns irgendwie zu blöde war, es war ohnehin schon schwierig genug an Geld zu kommen, so dass wir alles lieber gleich in fünfliter Pullen Wein steckten, anstatt es der Italienischen Eisenbahn zu geben. Und Arbeitslosengeld gab es in Italien nie, überdies wäre uns das noch viel blöder gewesen, erst den Staat zu verachten, dann auch noch Unterhalt zu verlangen.

Mit der Zeit fing ich an ihn zu mögen, mit der Zeit fing seine Gradlinigkeit an mich zu amüsieren, seine Art rein gar nichts zu reflektieren, aber immer diese Aufbruchstimmung ohne irgendwas zu wollen, “komm lass uns für ein paar Wochen nach Rom fahren ein bisschen saufen und kiffen” um dann in Firenze hängenzubleiben und an allen Sehenswürdigkeiten vorbeizulaufen ohne sie zu bemerken, womöglich gar dran zu pinkeln, weil es da nunmal immer so viele dunkle Ecken gab, und auf der anderen Seite immer diese Unzufriedenheit, dieses Rumgenöle und Gefluche, dioccane hier und dioccane da, wenn ihn etwas nervte, und es nervte ihn dauernd was.

Man traute es ihm nicht zu, aber ab und zu hatte er durchaus seine romantischen Momente, vor allem bei Sonnenuntergängen, da erfasste ihn manchmal ein verblüfftes Staunen, wie geil das doch dioccane sei, “da oben, diese ganzen roten Wattehaufen, mamma, mamma, wie auf Trip”, starrte in Richtung Horizont und fing gelegentlich an, von einigen wenigen Frauen zu schwärmen, dass er sie vielleicht doch einmal wieder besuchen sollte, vor allem die Deutsche, die mochte er eigentlich richtig gerne.
Manchmal liess er sich ohne zu protestieren seine Pickel ausdrücken, meistens musste ich ihn jedoch auf den Rücken schmeissen und mich auf seine Brust knien, weil er sich sträubte, konnte ich ja verstehen, äusserst zimperlich ging ich nie mit ihm um, obwohl es mir leid tut, dass ich ihn einmal mit einem Faustschlag fast die Nase gebrochen habe. Heute tut es mir erst leid, nicht damals. Damals hatte er es verdient, weil wir am Brenner auf den nächsten Zug warteten und die Kippen alle waren. Er hatte als einziger noch etwas Geld, nur zweitausend Lire zwar, aber das war genug für eine Schachtel Kippen. Jedoch nölte er herum, er wolle nun ein Eis, keine Kippen und ich drohte ihm ihn zu erwürgen wenn er sich so ein dämliches Eis kaufen würde, was er sich natürlich nicht zweimal sagen liess und fünf Minuten später grinsend und eisschleckend zu mir zurückkam. Die Nase blutete dann sehr stark, was man erst gar nicht sah, weil sein halbes Gesicht mit Eis verschmiert war. Vanille, und das Rote muss wohl Erdbeer gewesen sein, oder Himbeer, etwas anderes Rotes gibt es glaub ich nicht. Die Nase schwoll auch etwas an, ich hatte ihn bloss nicht richtig getroffen, aber wenigstens war das Eis auf den Boden gefallen und somit hatten wir beide nichts mehr, er kein Eis und ich keine Kippen. Nur schmerzte ihm dioccane die Nase. Ja, heute tut es mir leid. Auch wenn er es damals verdient hatte.

Wenn wir so weitermachen wie bisher, so sagte ich ihm einmal, dann seien wir beide in einigen Jahren tot. Kalt und steif unter der Erde, dort, wo uns die Maden zerfressen. “Hö hö” lachte er und “Hö hö” lachte ich. Er zog dann ein nachdenkliches Gesicht und sagte, dass das aber schon Scheisse sei, das mit den Maden, er möchte nicht, dass seine Tattoos eines Tages verlorengingen, er wünschte sogar, dass ich ihm seine Tattoos rausschneiden solle, falls er sterben sollte, worauf ich wissen wollte, was die Nachwelt mit seinen doofen Posertattoos dann anstellen sollte. Drauf zu pinkeln schien mir das einzig Vernünftige zu tun.
Was damit zu tun sei wusste er auch nicht, pinkeln jedenfalls nicht, es sei halt schade sie verfaulen zu lassen. Es war ein nachdenklicher Moment. Sein Tattoo der Band “Exploited”, der Totenkopf mit Irokesenkamm, war ihm heilig.

Was dann noch bleibt, sind die Fragmente der Erinnerungen, ich kann die Tage noch förmlich riechen, wie staubig sich unsere Tage immer anfühlten, stundenlang im Nirgendwo auf der Autobahn auf anhaltende Autos warten, wie wir uns nachts beim Schlafen umarmten wenn es kalt war, und das Ufo das er gesehen hatte, beim Pinkeln in den Dünen, wie er zurückkam und mich weckte und von der grossen, roten Scheibe erzählte, die über ihn hinweggeflogen war und dahinten irgendwo niedergegangen sein musste. Das war das zweite Mal, dass ich ihm die Nase hätte brechen wollen, vor allem weil er wollte, dass ich aufstand und mit ihm mitginge das Wrack aus dem Weltall zu suchen. Oder wie wir uns gegenseitig auf den Treppen der Bozner Herz-Jesu-Kirche tätowierten, mit Tinte und Nadel Wörter und Zeichen auf unsere Arme stachen, weil wir immer dafür stehen wollten, für das, was wir taten, und uns auch dementsprechend brandmarken. Oder als wir mitten in der Nacht auf der Staatsstrasse von Meran nach Bozen standen und in Hoffnung auf eine Mitfahrgelegenheit versuchten Autos anzuhalten, was bei unserem Anblick ein aussichtsloses Unternehmen war, hielten nur die Carabinieri, und Schweine wie die eben immer sind, zerschlugen sie damals unsere halbvolle Whiskeyflasche, einfach so, weil es eben Schweine sind und unsere Visage denen nicht passte und sie wohl frustriert waren, weil sie uns sonst nichts anhaben konnten, nachdem sie uns bis auf die Unterhosen auf andere berauschende Mittel durchsucht hatten. Und da lagen sie dann, die Scherben, in einer Lache Whiskey, der in alle Richtungen floss, das Gesöff das uns als einziges noch am Leben halten konnte, in jener langen Nacht auf der Staatsstrasse von Meran nach Bozen. Wie er damals fluchte, so viele Wörter in so vielen verschiedenen Tonarten und Lautstärken, länger als eine Viertelstunde, an einem Stück durch, eine Litanei an Beschimpfungen, dass ich erst genervt wurde und hoffte ihm mögen endlich mal die Worte ausgehen, so viele gab es doch gar nicht, und ich dann irgendwann einfach nur noch darüber lachen konnte, über ihn, über uns, über die verdammte ganze Welt.

Wären wir irgendwo auf unseren Reisen geblieben, in irgendeiner der Städte zu denen es uns immer hinzog, wäre vielleicht alles anders ausgegangen, vielleicht wären wir dort in eine WG, in eine der riesigen italienischen Stadtwohnungen eingezogen, hätten uns verliebt und wären irgendwann abgekühlt und alles wäre gut geworden, man glaubt ja gerne daran, dass der Verlauf der Zeit ein blosser Irrtum gewesen ist. Stattdessen verschwand einfach die Lust am Herumstreunen, dieses ewige Herumirren als gäbe es wirklich nie einen Plan oder ein Ziel, weil jedes grossartige Erlebnis musste einem in den Schoss fallen, nichts sei vorauszusehen, was ja auch so war, aber ich war der ganzen Leute, die wir trafen, müde, ein Gesicht nach dem anderen, die ganze Aufregung und all die Abenteuer wurden vorhersehbar, wiederholten sich, letztendlich war man immer bloss betrunken, oder wieder verliebt in irgendjemanden in weiter Ferne, das ganze wilde Leben war spiessig geworden, weil wir in Muster verfielen, und letztendlich einer Routine hinterherliefen.
Wir zerstritten uns in Rovereto, nachdem wir zwei oder drei Tage mit ein paar Mailänder Gesinnungsgenossen am Gardasee, na was schon, getrunken hatten, und auf Pilzen einander zugeredet hatten, von Abenteuern erzählten und ich war schon des Erzählens müde, schonwieder diese gleiche Geschichte, ich wollte nicht mehr, mich nicht fühlen wie ein Abenteurer der sichselbst wiederkäut, weil alles, was er macht, darin besteht, das selbe Abenteuer Tag für Tag wieder zu erleben. Wir konnten noch einige Jahre in diesem Zweivierteltakt weiterhin Pillen schlucken und diesen Hunger, der uns trieb, mit Traubenschnaps ertränken, wir würden dann irgendwo im Viervierteltakt verenden, ohne jemals etwas dazugelernt zu haben. So sagte ich ihm das und er schien mich nicht ganz zu verstehen. Was denn los sei mit mir, ob ich nun abgehoben werde. Ach was Streit, das war es gar nicht, es war eher völliges Unverständnis füreinander, alsob sich plötzlich ein riesiger Graben auftut, nach all den Jahren der Selbstverständlichkeit, nach all den Jahren des Gefühles, immer alles richtig gemacht zu haben, weil wir eben taten, was wir wollten ohne uns um irgendwelche Konsequenzen zu kümmern oder an die Zukunft zu denken, weil das Leben eben geradeaus ging.

So fuhr ich wieder nach Bozen und er fuhr in den Appennin.

Erst drei Monate später trafen wir einander wieder und mir kam es vor als wären es Jahre gewesen, viele Jahre, wir standen voreinander wie Fremde, ich sagte ihm, ich würde erstmal nach Wien ziehen und dann weitersehen, ich sei das Nichtstun satt, ich wolle Theaterstücke schreiben, oder meinetwegen zum Zirkus und Feuer spucken. Es lag diese Erkenntnis zwischen uns, dass sich unsere Wege ab nun trennen würden, dass wir plötzlich realisierten, dass dieser Schritt vorauszusehen gewesen ist und unweigerlich irgendwann passieren musste, nur, dass wir es nie gemerkt hatten, alle Worte, die wir tauschten, klangen nach Abschied, eine hingenommene Trennung, und dann die dauernden Fragen “wirst du…?” und “glaubst du…?”, als gäbe es noch diese Hoffnung, sich irgendwann wiedermal zu treffen. Als Freunde.
Dann verschwand er für einige Wochen, und als er zurückkam, ergatterte er eine Stelle in einem Obstmagazin - zum Schleppen. Das erste Mal, dass ich ihn arbeiten sah. “Ein bisschen Geld verdienen und im Sommer für ein paar Wochen weg”. Abends sass er in der Kneipe, mit Freunden und trank. Dann zog ich nach Wien.

Er war schon seit etwa zwei Wochen tot, als ich ein halbes Jahr später von der Nachricht erfuhr. Ich war in Brüssel und telefonierte mit einem Freund, der sich aufregte, dass man mich nie erreichen könne, und er hatte mich vorher gewarnt, er habe eine schlechte Nachricht, ich solle mich hinsetzen, oder mich wenigstens darauf gefasst machen, dass ich nachher noch ein Bier trinken müsse um das Ganze besser schlucken zu können. Jürgen sei gestorben, vor zwei Wochen, auf dem Parkplatz des Ex-Monopolio, man habe ihn da mitten auf dem Weg gefunden, er habe im Todeskampf wohl gemerkt, dass es ihm nicht gut ging und noch versucht raus auf die Strasse zu kriechen, da im Licht, wo man ihn eventuell sehen konnte um einen Krankenwagen zu rufen. Als man ihn fand, war er jedoch schon tot gewesen.
Ich wusste erstmal gar nicht was ich sagen sollte, wiederholte mehrere Male ein mmh, und sagte, dass das grosse Scheisse sei, auch dass ich nun ein Bier bräuchte, oder nein, besser einen Whiskey, oder zwei, drei. Auf meine Nachfrage hin, woran er denn überhaupt gestorben sei, sagte der Freund “Überdosis”, was mich sehr wunderte, weil er, das letzte Mal als ich ihn gesehen hatte, nicht den Eindruck machte, dass er wieder mit Junkies rumhängen würde. Aber dem war anscheinend auch nicht so, es schien sein erster Schuss gewesen zu sein, seit damals, und ich müsse ja wissen, seine Leber seit der Hepatitis… die hatte es wohl nicht mehr ausgehalten, ein anderer würde bestimmt überlebt haben, aber er halt nicht. War er schon begraben? Ja klar, draussen Überetsch, das Begräbnis war natürlich die Reinste Heulerei gewesen, die ganze Meute versammelt, auch F., mit der er gerade was angefangen hatte. Was die F.? Ja genau. Wie gehts ihr? Dreckig. Ja, klar, du ich muss jetzt unbedingt was trinken, ich ruf dich in ein paar Tagen wieder an. Ja, ciao.
Ich konnte nicht trauern. Es schien mir fast, als sei das für ihn noch der einzige stilvolle Ausweg gewesen, mit der Alternative in Aussicht, in der Obstfabrik plötzlich auf Sparflamme getaktet, Stück für Stück zu verkümmern.
Vielleicht sagte ich mir das aber auch bloss, um nicht trauern zu müssen, oder einzusehen, dass die Freundschaft zwischen uns vollkommen am Ende gewesen ist, oder gar weil mich manchmal das Gefühl nicht loslässt, dass ich ihn wenigstens nach Wien hätte holen sollen und dann alles anders abgelaufen wäre.

Wahrscheinlich würde er jetzt aber ohnehin nur sagen “dioccane so Scheisse, dass die Tattoos jetzt verfaulen” - und sich über diesen pathetischen Text furchtbar aufregen.

Amrumer Tagebuchnotizen

Amrum heisst auf Amrumerisch Öömrang. Und Friesengeist ist Korn mit Zucker. Schmeckt auch einige Gläser weiter nicht besser.

(Weitere Notizen und Fotos in den Kommentaren)

der Vorrat

Täglich verlangsame ich meine Schritte, wenn ich an dem kleinen Kleefeld zwischen der U-Bahnhaltestelle und meinem Fahrrad vorbeilaufe. Es könnte ja sein, dass über Nacht ein kleines Vierblättriges gesprossen ist. Weil ein bisschen Glück, das könnte ich gerade gut gebrauchen. Ich würde es einstecken und mir denken, dass alles gut wird, was nicht mehr gut ist.

Das letzte Mal als ich ein vierblättriges Kleeblatt gefunden habe, ist gar nicht so lange her. Einige Jahre, ich war weg von zuhause und lag im Gras, spielte mit einer Nichte und als ich mich auf den Bauch drehte, guckte mich ohne jegliche Vorankündigung ein vierblättriges Kleeblatt an. Ich glaube es war sogar das einzige Mal, dass ich ein vierblättriges Kleeblatt gefunden habe, das Glück musste ich mir immer anderswo herholen, aber darüber bin ich mir gar nicht mehr so sicher. Ich pflückte es und ich war froh, im Glück zu sein.
Dann sah ich, genau neben dem Fundort ein weiteres Vierblättriges. Soviel Glück, dachte ich mir, das muss eine wunderbare Zeit werden.
Noch verblüffter war ich allerdings, als ich an derselben Fundstelle noch weitere vierblättrige Kleeblätter fand. Ich pflückte sie alle, sieben an der Zahl, und konnte mich vor lauter Glück gar nicht fassen. Einen ganzen Vorrat an Glück hielt ich da in der Hand, daran konnte ich ganze Jahre lang zehren.

Ich war damals verliebt, schnitt deshalb ein rechteckiges Stück Karton zurecht, legte die sieben Kleeblätter darauf und überzog es mit einer durchsichtigen Klebefolie. Das ärgerliche waren bloss die Luftbläschen, die ich nie wirklich rausbekommen hatte, obwohl ich die Folie mit einem Lineal aufgetragen hatte. Ich war eben schon immer ein etwas schlampiger Bastler. Zurück zuhause wollte ich den Karton mit den Blättern, meiner Geliebten schenken, sie solle es als Lesezeichen verwenden, weil sie immer Bücher las, im Bus, in der Pause und am Bahnhof, und somit würde auch ein ganzer Vorrat Glück, immer bei ihr sein. Ein Lesezeichen machte bei ihr sowieso mehr Sinn als eine Halskette, weil sie genauso oft ein Buch bei sich trug, wie andere etwas um den Hals. Sie bekam meinen ganzen Vorrat Glück, weil ich lebte doch schon vom nie enden wollenden Glück, sie lieben zu dürfen.

Etwas mehr als eine Woche später hat sie mich verlassen. Es muss ein sehr grosses Glück für sie gewesen sein. Aber vielleicht hab ich das mit dem Glück auch bloss falsch verstanden.

Arbeit am Verdruss

Und Frau Meisterköchin vermisse ich immer noch schmerzlichst, seit nun fast einem halben Jahr, jeden Tag aufs Neue.
Aus Protest hab ich sie jetzt, wenn auch durchgestrichen, wieder in die Blogroll aufgenommen. Man könnte sonst auf blöde Gedanken kommen.

Berlin

Als ich ‘93 nach Berlin zog, war ich achtzehn und hatte einige Monate vorher im Streit das elterliche Haus verlassen, weil ich nun eben achtzehn war und endlich dieses magische Alter erreicht hatte, das mich auch gesetzlich für mich selbst verantwortlich machte. Gesetzlich für mich selbst verantwortlich, das klang ähnlich wie Freiheit, nur besser. Und so entledigte ich mich aller Unfreiheiten, brach die Lehre ab, brach alles ab, das Band zu den Eltern, und nahm in jenem Sog auch gleich die Freundschaften mit, die schon länger keine Freundschaften mehr waren.
Ich wohnte mit einem Freund in seinem rostigen Ford Fiesta auf einem Parkplatz in Bozen, wo früher mal ein besetztes Haus gestanden hatte, das einzige das Südtirol jemals zu Gesicht bekam, das Ex-Monopolio. In den frühen Achtzigern als Terroristenhochburg verschrien, wobei es eigentlich bloß eine kurzlebige, kreative Aktion eines kulturellen Dachverband ohne Dach war, ein Projekt, das sich selbst innerhalb eines Jahres ausverkauft hätte, wenn es nach zwei Monaten nicht geräumt worden wäre, weil in den Bergen damals, und vielleicht auch heute noch, die Zeit für einen kulturellen Umsturz einfach nicht gegeben war. Aber seit der Räumung und anschließenden unmittelbaren Abriss, klaffte da diese Baulücke seit Jahrzehnten so vor sich hin, während die Landeshauptstädtler ihre Autos dort parkten, weil sonst ja nur Unkraut wuchern würde. Dieser neue Parkplatz war schließlich mitten in der Altstadt. Nur nachts, ließ man das Auto da besser nicht stehen, weil dort die Junkies in den ausgebrannten Wagen schliefen und die Ratten dort hausten, weil es keinen Asphalt gab, sondern nur die Erde, und den plattgefahrenen Schutt des früheren Gebäudes, so dass es immerfort staubte, und wenn es regnete war der Ort eine einzige Pfütze.

Ich ließ mich treiben, meine Lehre hatte ich abgebrochen, weil, was wollte ich schon in der Druckerei, wenn die Revolution da draußen irgendwo lauerte. Nicht in Bozen natürlich, sondern da draußen hinter den Bergen, im fernen Deutschland, wohl in Berlin, da wo die Bilder von den brennenden Barrikaden herkamen. Meine Lehrer hatten meinen Eltern früher immer nahegelegt ich solle doch studieren, erstmal in die Oberschule, die Matura absolvieren, und dann würde mich die Lust am Lernen schon ergreifen. Ich hätte ja viele Fähigkeiten und zeige überaus großes Interesse an Erdkunde, Geschichte und Sprachen. Das hielt sie jedoch nicht davon ab, mich mit einem großen “Genügend” auf dem Zeugnis von der Pflichtschule zu schicken, mit dem verblümten, schriftlichen Verweis, ich tauge nur für die Arbeitswelt.
Vielleicht hatten sie bloß die Schnauze voll von mir, weil ich ihren Motivationsreden nicht zu folgen gedachte. Mag sein.
Aber auch in der Arbeitswelt wurde ich nicht glücklich. Als sich meine Haare erst weiß, dann grün verfärbten, rief mich schließlich der Geschäftsführer meiner Lehrstelle ins Büro und legte mir nahe, dass er etwas gegen meine Haarfarben unternehmen müsse, dass das so einfach nicht ginge, dass er mich vor den Kunden verstecken müsse, falls mal einer durch die Fabrik lief. Zwei Stunden später reichte ich meine Kündigung ein.
Und so verbrachte ich meine Tage im Ford Fiesta, las Baader-Meinhof-Komplex und Nietzsche, betrank mich abends auf dem Walterplatz, oder wir machten Wohnungsparty mit ein paar Freunden im Ford Fiesta, zu Ton Steine Scherben und Slime.

Bis der Freund und ich beschlossen nach Berlin zu fahren. Er hatte ein Jahr vorher, beim Äpfelpflücken ein paar Berliner kennengelernt und seitdem waren diese Bekannten aus dem hohen Norden immer wieder ein Thema gewesen, als ob man etwas Gutes in Aussicht hätte, woran man sich in schlechten Zeiten festhalten kann. Man hatte Bekannte in Berlin, das war etwas Wertvolles, das war mir mehr Wert als verliebt zu sein.

An einem Mittwochmorgen, oderso, nach dem letzten Tag seines Zivildienstes, drehte er nach dem Aufwachen, anders als sonst den Schlüssel um und wir gingen eine zwölfstündige Autofahrt an. Wir hörten deutschen Punkrock, tranken ausnahmsweise mal keinen Rotwein aus der Flasche, sondern Wasser, oder Cola, weil es sich bei solch großen Abständen nicht empfiehlt betrunken am Steuer zu sitzen, weil man schließlich nicht bloß auf einer Landstraße von einem Berg herunter auf den nächsten hinauf fuhr, sondern auf der Autobahn, auf der Autobahn nach Berlin, und das war eben wie aufregend, wie früher Urlaub ans Meer, oder halt hinüberfahren in eine andere Welt, Aufbruch in eine bessere und schlechtere Welt. Schon ab dem Brenner schien die Welt sich zu verändern, wenn man Berlin in Aussicht hatte. Die Berge wurden immer kleiner. Irgendwann waren wir in Deutschland und bloß noch Hügel um uns herum, bis dann auch das lang ersehnte Flachland kam. Und Rio Reiser sang aus den blechigen Lautsprecherboxen des schwarzen Ford Fiestas.
Mein Freund wollte bloß eine Woche bleiben, deshalb legte ich ihm gleich schon nahe, dass ich nicht daran dachte, mit ihm zurückzufahren, sondern erstmal in Berlin zu bleiben. Weil ich weg musste, weil ich in den Bergen gerade nichts verloren hatte, weil ich mich eingeschränkt fühlte, weil ich andere Ideen darüber hatte wie ich mir die Welt und die Welt um mich herum gestalten wollte. Ich wollte keinen vorhersehbaren Lebenspfad durchlaufen, ich wollte mich auf kreativer Art und Weise durch das Leben schlagen.

Dann tauchte irgendwann, schon spät in der Nacht, diese riesige Stadt auf. Erst viele Autobahnkreuzungen, mit Schildern nach links und nach rechts, nach Berlin-Wannsee, nach Berlin-Neukölln, Berlin-Pankow, Berlin-Moabit, Berlin-Mitte, Berlin-Lichtenberg, dieses Berlin hatte viele Herzen die schlugen, und viele Adern, durch denen wir uns bald treiben liessen, ja schon auf der Autobahn, wo ich nur die Schilder gesehen hatte, trieb ich schon durch einer dieser Adern. Dahinter pulsierte irgendwo dieses Berlin mit seinen vielen Herzen, das mich gerade aufzusaugen schien, weil ich seinem Gravitationsfeld schon ausgeliefert war, und die Lichter der vorbeiziehenden Häuser mich schweigend begleiteten auf den Weg in das immer lauter schlagende Mittelherz. Mein Freund und ich wir schwiegen. Andächtig beobachteten wir wie die Stadt uns aufnahm und uns den Weg zum Ziel wies.

Ich hatte nie das Gefühl, wirklich angekommen zu sein, auch nicht, als wir tatsächlich am Ziel waren, in der Dunckerstraße ausstiegen und mein Freund mir sagte, dass er die Hausnummer gar nicht genau wisse, irgendwas mit siebzig, in einem Hinterhof. Ich wollte gar nicht ankommen sein, ich suchte einfach nach dem richtigen Haus, als ob es der nächste Schritt auf der langen Reise wäre. Ich mochte die spärlich beleuchtete Straße, die verlotterten Häuser, die offenen Tore durch die man in dunkle, verwilderte Hinterhöfe kam, wo dann noch ein weiteres Haus stand, das in der Nacht noch viel verwahrloster aussah, wir liefen durch die schlecht beleuchteten Treppenhäuser, auf der Suche nach einer Klingel mit dem Namen des Bekannten, von Stockwerk zu Stockwerk, jede Tür war anders, die eine beklebt mit hunderten Aufklebern, die andere schwarz angemalt, eine zugenagelt, eine andere Rot, AntiFa-Sticker, Parolen, aufgesprühte Sprüche, dann ein weiterer, noch weiter dahintergelegener Hinterhof, meistens hörte man irgendwo Musik, ohne genau zu wissen woher sie kam, die Stadt war wie ein riesiger und geheimnisvoller Organismus, voller Details und Bilder.
Schließlich fanden wir ein paar Häuser weiter die richtige Tür, wurden herzlos, jedoch freundlich empfangen als ob wir die Nachbarn von nebenan wären, eine Wasserpfeife mit Haschisch wurde uns vor die Nase gestellt und die anwesenden Leute sprachen mit uns und alles ging in Nebel auf.

Und der Nebel blieb, die ganzen nächsten Tage, Wochen, Monate. Wir wurden gleich in den Freundeskreis aufgenommen, ich konnte manchmal gar nicht wirklich sprechen, so sehr war ich immer noch auf Reisen. Und die Menschen kamen mir alle so weise vor und hatten alle so viel erlebt, sprachen eine Sprache die zwar dieselbe war wie meine, die aber so viel schöner und bestimmter floss, als meine Sprache die nach Bergen klang und sich anhörte wie ein verkrampfter Versuch, ebenso eine selbstverständliche Gelassenheit anklingen zu lassen. Ich habe diese warme Arroganz, wie ich sie damals empfand, nie imitieren können, so sehr ich mich auch angestrengt habe. Ich hörte einfach nur zu, auch wenn sie von Kalle und Motze sprachen, die ich alle nicht kannte, und ich dem Erzählten eigentlich gar keine Beachtung schenkte, sondern bloß den Klängen horchte und dem Nebel nachschaute. Das waren keine Hippies, wie sie bei uns in den Bergen waren, die sich herrichteten um so auszusehen wie sie eben aussahen, nein, das waren Leute die schmutzige Kleider hatten, weil sie keine Waschmaschinen besaßen und nur einmal alle heilige Zeiten die ganze dreckige Wäsche packten und zum Waschen brachten. Das Leben klebte ihnen regelrecht an der Haut, und die Wohnungen waren nicht geschmackvoll eingerichtet, sondern hatten sich im Laufe der Zeit von alleine geformt, zu dem was sie geworden waren, eine wilde Ansammlung von ungebrauchten Gebrauchsgegenständen die sich weiterformten mit der Zeit, ohne dass dem jemand wirkliche Aufmerksamkeit schenkte, wie ein Wald meinetwegen, der auch nur eine Symbiose von wachsen und absterben ist.

Mein Freund verließ die Stadt nach einer Woche und ich übernahm die Wohnung eines verwahrlosten Punks in der Marienburgerstrasse, der die Stadt oder das Land verlassen musste, da er irgendwas angestellt hatte, ich weiß nicht mehr was, und wohin er gehen würde, das wusste auch niemand. Ich habe ihn seitdem auch nie mehr gesehen. Einen Schlüssel hatte ich nie bekommen, die Tür hatte gar kein Schloss, weder die Haustür, noch die Wohnungstür. Die Wohnung wurde mir schlichtweg mündlich übergeben. Jeder schien diese Art von verlotterten Wohnungen zu haben. Ein großes Zimmer, eine Küche, und ein Gemeinschaftsklo im Zwischengeschoss. Ich habe nie nachgefragt wem die nun gehörten, oder wieviel man dafür Miete bezahlte. Sie waren einfach da und die Wohnungen boten Platz.

Auch wenn ich nun eine Bleibe hatte, die ich etliche Monate benutzen konnte, hielt ich mich kaum darin auf. Höchstens zum Schlafen, wenn ich Nachts noch genug Kräfte hatte, mich nach Hause zu schleppen, sonst blieb ich einfach dort liegen, wo ich hingefallen war, auf einer Party, bei einem Bekannten, oder sonstwo. Das machte jeder. Die Wohnung war eine regelrechte Müllhalde gewesen als ich sie übernommen hatte. Natürlich kam ich nicht auf die Idee sauberzumachen. Ich dachte einfach das wäre gut so, Chaos war ja überall und, dass der Vormieter einen Eimer voll Fäkalien in der Küche stehen hatte, war bestimmt in Ordnung. Zwar fand ich es etwas ärmlich von ihm, dass er nachts nicht in die geteilte Toilette ins Zwischengeschoss laufen könne um seine Ausscheidungen loszuwerden -das waren schließlich nur ein knappes Dutzend Stufen- aber ich fand es auch nicht schlimm, so war das halt, man ließ jeden tun was er tun wollte, und weil die Küche sowieso ein ekliger Ort war, von faulenden Speisen und generellem Abfall übersäht, mit Insekten und komischen Verfärbungen die sich über Herd, Schrank und Boden hinzogen, deshalb also ließ ich die Küche eben Küche sein. Ich glaube ich habe bloß zweimal die Küche betreten, einmal zur ersten Begutachtung und das zweite Mal, als ich ein Messer suchte um mir ein Brötchen zu schmieren. Was ich jedoch in der Schublade vorfand, verdarb mir jeden Appetit, worauf ich einfach die Tür hinter mir zuzog und mich dem Besuch im Schlafzimmer zuwandte.

Das Brandenburger Tor habe ich nie zu Gesicht bekommen, ich wusste gar nicht was das war. Jetzt im Nachhinein betrachtet, kannte ich es natürlich schon, das steinerne Gebäude mit den vielen Säulen und irgendwas mit Engeln oder anderem Geflügel obendrauf, da wo ein großer Bogen Mauer drumherum gebaut war, was man manchmal auf Fotos oder Postkarten sah. Nur, wo das stand, das hätte ich nicht sagen können. Berlin war für mich die Stadt der Feuer und der angemalten Fassaden, nicht des Brandenburger Tores. Ebensowenig hatte ich eine Ahnung vom Reichstag. Allerdings hatte ich die Gedächtniskirche am Kurfürstendamm zu Gesicht bekommen. Nicht dass ich gewusst hätte was das war, aber sie gefiel mir ganz gut, nachdem mir meine Begleitung im Vorbeigehen erklärte, dass diese Kirche den Krieg gedenken sollte. Ich mochte die Tragik die von der Kirche ausging, wie sie da stand, ganz verrußt und der feinen Schnörkeln entledigt. Aber der Großteil des Westens der Stadt, vor allem um den Kudamm herum, erregte bei mir Widerwillen, und wir liefen dort nur vorbei, weil wir da irgendetwas, das ich schonwieder vergessen habe, zu erledigen hatten.

Bis auf diesen einmaligen Besuch des Kudamm, der umliegenden Gegend, und einige Ausrutscher nach Kreuzberg („Ihr kriegt und hier nicht raus! Das ist unsa Haus!“), habe ich den Osten der Stadt -also Prenzlauer Berg, Mitte und Friedrichshain- gar nie verlassen. Vielleicht weil der Osten der Stadt in den ersten Jahren nach der Wende viel aufregender war, oder jedenfalls kam es mir so vor, ich weiß es nicht sicher, ich habe den Vergleich nicht, aber es gab keinen Grund in den Westen zu verreisen, wenn ich ganze Nächte auf dem Helmholtzplatz in Gesellschaft und mit ein paar Schultheiss verbringen konnte, während oben, im niemals dunkel werdenden Himmel über Berlin, die paar Sterne, die hell genug waren, um die Dunstglocke und Lichter der Stadt zu überstrahlen, vor lauter Hasch und LSD, hin und her tänzelten. Wenn es regnete oder kalt war, dann ging man mit dem tagsüber erlotterten Geld in die Schliemannkneipe in der Schliemannstrasse —die heute, dem Zeitgeist gemäß Schliemanncafe heißt— und kaufte sich einen doppelten Whiskey für 2,50 Mark. Da gab es auch eine Kellnerin, die immer den Eindruck machte, als ob sie sich jedesmal über meinen Besuch freuen würde, und mir oft ungefragt einen Whiskey einschenkte, vor allem wenn ich verdattert dreinguckte. Jedoch, sobald ich mir ein paarmal meine Schüchternheit vom Leibe getrunken, und versucht hatte, ihr in einem Gespräch etwas näher zu kommen, entgegnete sie mir immer mit einer so abweisenden Kälte, dass ich gleich einen Schnaps nachgiessen musste, um sämtliche schockgefrorene Organe in meiner Brust wieder zum Auftauen zu bringen.

Meine zwanzig Mark, die ich bei meiner Ankunft in Berlin bei mir hatte, waren natürlich schnell aufgebraucht, auch wenn das Bier und das Leben billig war. Aber Geld spielte damals keine Rolle. Das war bloß ein Mittel, sich ein Getränk in der Kneipe zu leisten, oder sich was warmes zum Essen zu beschaffen. Das kalte Essen ließen wir im Supermarkt in tiefe Innentaschen der Jacke verschwinden. Ich hatte mir vorgenommen, kreativ zu sein beim Anschaffen von Geld, ich wollte auf dem Alexanderplatz Musik spielen, oder mit ein paar Freunden irgendetwas ausdenken, ein Theaterstück, oder sonst etwas mit Kunst. Aber mein Leben in Berlin ging in einer steilen Linie sehr schnell bergabwärts, und so fand ich mich schon nach wenigen Wochen, nachts auf dem Rosa-Luxemburg-Platz zurück, wir einen einsamen, betrunkenen Naziskinhead, der an der Straßenbahnhaltestelle sitzend auf seine Bahn gewartet hatte, die Brieftasche aus der Bomberjacke prügelten. Mit Schlägen wurde nicht gespart, man wusste genau, dass er das in der umgekehrten Situation auch machen würde. Jedenfalls redete man sich das ein. Dass wir dadurch nur zu noch mehr Hass und Verfeindung ankurbelten war uns egal, falls wir überhaupt daran dachten. Das Glatzenklatschen wurde zum regelrechten Sport. Ich befreundete mich mit einigen Hausbesetzern aus dem Friedrichshain, die gewisse Strassen kannten, wo sich die Nazis sicher wähnten und daher auch vereinzelt bewegten. Dort lauerten wir ihnen auf. So ähnlich muss sich wohl das Jagen auf wilde Tiere anfühlen, wie wir da springgestiefelte Bomberjacken durch Seitenstraßen, Hinterhöfe und Treppenhäuser hetzten. Ich muss heute noch an das Bild dieses einen Naziskins denken, dieses Bild, das mich noch lange verfolgte, wie er zusammengekauert in einer Ecke unter der Treppe saß, seinen Hände zitternd über den Kopf gelegt und wimmerte, dass er kein Nazi sei, sondern bloß ein Fußballfan, wir sollen ihm doch nichts tun. Aber wieso sollten wir ihm auch glauben, wenn wir gar nicht glauben wollten. Überdies begleitete uns zweifellos das Gefühl, etwas Gutes für die Welt zu tun. Vor allem sah ich mich in meinen Taten regelmäßig bestätigt, in einer Nacht beispielsweise, als ich nichtsahnend die Prenzlauer Allee überquerte, auf der anderen Straßenseite eine Gruppe Bomberjacken mit Hunden stehen sah, und ich dann hinter mir, laute, unverständliche Rufe hörte. Ich drehte mich daraufhin um, und sah an der Currywurstbude weitere Bomberjacken in meine Richtung blicken. Die Gruppe auf der anderen Straßenseite kam auf mich zu und die anderen legten ihre Currywurst beiseite und taten dasselbe. Von dem Moment an kann ich mich nur noch erinnern, dass ich lief und lief, und jedesmal wenn ich mich umdrehte, sah ich Hunde und große, glatzköpfige Männer mit schwingenden Knüppeln. Das Patrouillieren solcher Schlägertrupps in voller Ausrüstung war damals keine Seltenheit, aber es geschah nicht oft, dass sie bis zum Prenzlauer Berg vordrangen. Ich hatte Glück, dass es damals eine verlassene Tankstelle an der Ecke Wisbyer Str. / Prenzlauer Promenade gab, die völlig mit Gebüsch und hohem Unkraut zugewachsen war. Ich schmiss ich mich ins Gebüsch und blieb selbst von den Hunden unentdeckt, obwohl ich vor lauter Angst und Dreck am Leib, aus hundert Metern Entfernung gestunken haben musste.

Des Geldes wegen waren Nazis eine schlechte Beute. Höchstens auf deren Bankkarten gab es vielleicht Geld, aber das fanden wir nie heraus, obwohl wir so naiv waren und immer die Karten in den Automaten schoben und anhand von Vermerken auf Notizzetteln in der Brieftasche, glaubten, den Code entschlüsseln zu können. Alles was blieb, war, dass wir sabbernd vor dem Bankomatenbildschirm verschiedene Nummern eingaben, bis nach dem dritten Versuch die Karte gesperrt blieb.
Es war ein Hin und Her von jagen und gejagt werden, bis auf ein einziges Mal, bei dem es nach regelrechter Razzia aussah. Ich betrat ohne böse Vorahnung einen Dönerladen in der Dunckerstraße, und trippte völlig auf LSD vor mir her, setzte mich in eine Ecke und wartete auf das Essen, als ich plötzlich durch eine einfallende Fensterscheibe aus meinen Träumen gerissen wurde. Als ich meine Augen soweit hinbekommen hatte, dass sie halbwegs naturgetreue Farben und Formen widergeben konnten, sah ich, wie fünf Nazis mit langen Baseballkeulen das Lokal erstürmten.
Einer davon drosch gleich auf den Türken ein, der ganz vorne beim Fleischspieß mir mein Essen zubereitete und —obwohl er ein langes Messer in der Hand hielt— sich bloß duckte, und seine Arme, samt Messer zum Schutze über sich hielt. Trotz Drogen begriff ich sofort, was geschah, vielleicht war es eine Art Instinkt, den ich mir mit der Zeit angeeignet hatte und der bei Glatzköpfen sofort auf Automatismus schaltet (später als ich nach Holland zog und dort die Mode des glatzköpfigen Techno-Gabbers aufkam, brauchte ich Jahre, um nicht jedesmal einen Herzstillstand zu bekommen, wenn ich nachts auf Gruppen von denen stieß) mein Herz schien jedenfalls für einen Moment stillgestanden zu haben, ich glaube, ich schlotterte von oben bis unten und nahm schließlich die Beine in die Hand. Wie ich aus dem Laden herauskam — ich weiß es bis heute nicht. Ich lief einfach los, auf den Eingang zu, vor dem sich die glatzköpfigen Schränke aufgebaut hatten, und stand plötzlich unversehrt draußen vor dem Lokal. Ich rannte weiter in eine Kneipe in der Stargarder Straße, die ich manchmal besuchte, weil dort ein oft ein Mann saß, der mich für wenig Geld tätowieren wollte, und wo ich wusste, dass es dort Leute gab, denen die Nachricht von schlägernden Nazis in der Dunckerstraße sehr zu Herzen gehen würde. Viele der Anwesenden eilten daraufhin sofort zu Hilfe. Aber es waren schon weitaus mehr Leute alarmiert gewesen: ich konnte mehrere Gruppen an der Kreuzung mit der Dunckerstraße sehen, die sich in Richtung Süden bewegten. Wahrscheinlich war die Schlägerbande schon seit einiger Zeit unterwegs gewesen. Ich war mit mir selbst völlig überfordert nach diesem Zwischenfall. Das LSD spielte den ganzen Rest der Nacht grausame Spielchen mit mir, Verfolgungswahn, jeder Mensch den ich begegnete schien glatzköpfig zu sein, und selbst zurückgezogen in der Wohnung eines Freundes, bei dem ich angeklopft hatte weil ich mich nicht alleine nach Hause traute, erschien mir jedes Geräusch außerhalb des Hauses in Verbindung mit unmittelbar angreifenden Rechtsradikalen zu stehen.
Ich weiß nicht mehr was mit den Nazis in jener Nacht noch weiter geschehen ist. Ich hatte nie mehr nachgefragt weil es mich eine ganze Zeit lang nicht interessierte. Mein Horrortrip in jener Nacht hallte noch lange nach.
Es war das letzte Mal, dass ich LSD genommen habe.

Tagsüber saßen wir auf dem Brunnen vor dem Kaufhof am Alexanderplatz herum -dort wo ich ursprünglich eigentlich Musik machen wollte, wozu aber inzwischen jegliche Motivation fehlte- und schnorrten die Leute um Geld an. Der Plan, mich kreativ durchs Leben zu schlagen, war schon lange missglückt, bevor ich es überhaupt ahnte, wie das halt so ist, wenn man sich treiben lässt und keinerlei Antrieb hat.
Inzwischen war ich zusammen mit einem Freund, der sich bei mir in der Marienburger Straße einquartiert hatte, in eine andere Wohnung an der Prenzlauer Promenade umgezogen, das Haus neben der rettenden Tankstelle damals, eine Einzimmerwohnung die wieder von einem Bekannten, der für unbestimmte Zeit verreist war, hinterlassen wurde. In kurzer Zeit wohnten wir in jener Wohnung zu siebt oder acht, zusätzlich einiger Hunde. Das waren keine Freunde, sondern bloß irgendwelche Bekannte, die bei uns hängengeblieben waren, weil wir uns wenigstens darum kümmerten, dass wir Trinken, Kippen und Hasch in Hause hatten. Das macht Freunde. Der Eimer am Morgen ließ sie für den Rest des Tages schweigen und deshalb bemerkte ich sie auch nicht weiter, wodurch es mir auch nicht auffiel, dass ich mich daran hätte stören können. Bei mir vernebelte der Eimer am Morgen und der Eimer zu Mittag und alle Joints dazwischen lediglich meinen Tatendrang. Der Tag fing immer später an, und im Herbst wurden die Tage, sodass es plötzlich auch keine Möglichkeit mehr gab, sich beim Supermarkt ein paar Marken zu erschnorren, weil alles schon geschlossen war.

Im Friedrichshain holte ich mir dann die Schleppscheiße. Eine Krankheit von der ich bis heute noch nicht ganz genau weiß woher sie kommt und was sie nun genau verursacht. Es hat irgendwas mit Vitaminmangel zu tun, scheint aber auch ansteckend zu sein. Weil Mädchen mit Schleppscheiße, die küsste man nicht. Dass es auch ohne küssen ging, merkte ich, nachdem ich in einer wüsten Bruchbude die Nacht neben einer jungen Frau verbrachte, die mich zwar nicht weiter interessierte, mich aber vor einer Nacht, auf der mittlerweile kalt gewordenen Straße, verschonte und mich mit ins Bett nahm. Einige Tage darauf bekam ich an meinen Handgelenken Eiterflecken. Ich hatte da sowieso schon kleine Wunden, die ich von Mercedessternen bekam, die wir abbrachen, den inneren Stern herausschlugen und den übriggeblienen Kreis als Armreifen trugen. Meine Haut reagiert allergisch auf Mercedessterne, eine Reaktion auf die ich damals mächtig stolz war. Heute nennt sich das ganz langweilig: Nickelallergie. Und da müssen sich wohl die Schleppscheißviren oder -Bakterien oder welche Monster auch immer, sich eingenistet haben. Die Wunden wurden schnell größer, bald waren auch meine anderen Mitbewohner davon befallen.
Im Friedrichshain gab es damals eine Art religiöses Jugendhaus, in dem man Kickern konnte und wo sie einen auch wegen Schleppscheiße versorgten.
Man behandelte mich und ich nahm dort auch meine erste Berliner Dusche. Und auch die Letzte.

Immerhin gab es in diesem abwärtsführenden Schacht einen kurzen Lichtblick. Das war auf dem Rückweg aus dem Friedrichshain, als ich von einer Hardcoreparty in einem militanten, besetzten Haus in der Kinzigerstraße, die K9, in das ich vielleicht bald einziehen konnte, zurückkehrte, und ich mich mit zwei jungen Punketten und einem verwilderten Kerl von der Party in der S-Bahn vorfand. Ich weiß ehrlich gesagt nicht mehr, warum wir zusammen in der Bahn saßen. Vielleicht weil ich das eine Mädchen hübsch fand und ich mich in irgendetwas reingeredet hatte. Es geschah dann etwas, mit Polizei oderso, und wenn ich versuche die Geschichte zu rekonstruieren, dann waren es vielleicht auch bloß uniformierte Kontrolleure der BVG. Es entstand jedenfalls verbaler Streit, dann hielt die Bahn überraschend schnell im nächsten Bahnhof, und wir stürmten Hals über Kopf aus der Bahn heraus. Der verwilderte Kerl wurde festgenommen und wie sich in Nachhinein herausstellte, saß er anschließend 48 Stunden in Untersuchungshaft. Außerhalb des Bahnhofes, in Sicherheit, lieferten sich die beiden Punketten eine aufgeregte Diskussion, eine davon schien mit dem Kerl liiert zu sein und machte sich große Sorgen, vor allem weil sie jetzt keinen Schlafplatz hatten, sie kamen ja aus Bayern und Hessen und wussten deshalb nicht wohin. Ich bot ihnen einen Schlafplatz an, aber die Liierte wollte davon nichts wissen. Die andere hingegen, glücklicherweise jene die ich hübsch fand, schien einem Bett sehr zugeneigt zu sein. Die Diskussion der beiden artete bald zum Streit aus und schließlich ging die Hübsche mit mir mit. Das war der Lichtblick. Dass sie die restlichen Wochen noch bei mir blieb, hätte eigentlich auch ein Lichtblick bleiben sollen, wurde aber bloß ein trüber Abschnitt meines abwärtsfließenden Flusses. Sie war faul, saß den ganzen Tag mit den anderen bei mir im Zimmer herum, und langsam assimilierte auch ich mich, rauchte den Eimer um zu schweigen, raffte mich aber wenigstens dazu auf, fast jeden Dienstag und Donnerstag zur Suppenküche für Obdachlose in der Wollankstraße zu fahren, damit ich wenigstens noch was warmes zwischen die Kiefer bekam. Aus welchem Grund auch immer, es war immer noch genügend Bier zuhause, damit man einen betäubenden Rauschpegel aufrecht erhalten konnte, weil das ganze Kiffen nur die Nerven aufrauhte und zu lästigen Streitereien führte, bei denen sich jeder im Recht fühlte, jedoch nie richtig etwas ausgeredet wurde, sondern sich bloß tagelang anknurrte, weil man für tiefere Versöhnungsgespräche einfach zu abgestorben war. Mit der Zeit verschwanden die meisten der einquartierten Leute bei mir, weil sich niemand mehr um das Trinken der anderen kümmerte, sondern alles eine trübe Gesellschaft geworden war.

Irgendwann wurde tiefer Herbst, die Wohnung kalt und mir fiel auf Grund der fehlenden Heizung nichts ein, was ich dagegen unternehmen konnte. Auch konnte ich mich nicht dazu aufraffen, in eine andere Wohnung zu ziehen. Wirkliche soziale Kontakte pflegte ich schon lange keine mehr, die Leute um mir herum kamen mir vor wie Pflanzen mit denen man sich dauernd streitet, weil Streit vielleicht noch das einzige Zeichen war, das einem das Gefühl gab, noch am Leben zu sein. Schließlich, wurde ich nach mehrmaligem Frieren und mangelnder Nahrungsaufnahme derart Krank, dass ich mich ein letztes Mal aufraffte und ohne mich von jemanden zu verabschieden in die S-Bahn stieg, bis Wannsee fuhr, und mich dort an die Autobahn stellte.
Keinen von denen habe ich jemals wiedergesehen und auch sonst ist mir niemand geblieben in jener Stadt.

Mit diesem kurzen Vorwort wollte ich eigentlich nur sagen, dass ich am nächsten Samstag in der früh, nach Berlin fahre, wo ich meine Schwester treffen werde, die extra aus Wien anreist um ein paar Biere zu trinken, wie ich schon vor einigen Wochen berichtete. Und ich werde diesmal das Brandenburger Tor besichtigen. Ich freue mich sehr.

Die Kategoriefunktion bei Blogeintraegen macht richtig Spass. Warum hab ich das so lange ignoriert? So kann ich nun die Gedanken mit einem einfachen Klick in Schubladen stecken, und alles scheint aufgeraeumt und eingepackt. Das selbe Gefuehl wie wenn man nach einer wilden Kochorgie die Kueche wieder blitzblank sauberwischt. Wenn ich schon im richtigen Leben keine Ordnung habe, dann hab ich es jetzt wenigstens in meinem Weblog soweit geschafft. Und sofort fuehle ich mich wie ein erfolgreicher, junger und dynamischer Kerl.
In meiner Wohnung gibt es nur die Kategorie “Uncategorized”.

Nog meer Utrecht

Mehrere (und schoenere) Fotos bei Julietta

“Wij zitten gewoon lekker te niksen”

In Utrecht tragen die Frauen diesen Winter kurze Roecke und hohe Stiefel. Ein wahrlich schoenes Land. Gewoehnungsbeduerftig fand ich es nur wieder, belegte Broetchen mit Messer und Gabel zu essen, sonst war alles wie gewohnt. Es war schoen dass die Stadt sich nicht veraendert hat. Alles war nahezu so wie ich sie hinterlassen hatte.

Internetwerkstatt PUSCII war dicht. Wir fanden das furchtbar und beschlossen den Laden zu oeffnen, da wir ja eh nichts besseres zu tun hatten als uns in Utrecht wohl zu fuehlen, und ich hatte den Laden ja jahrelang geschmissen, soviel konnte sich da nicht veraendert haben. Also klingelten wir an, dass uns jemand von den Bewohnern den Schluessel runterschmeissen sollte, aber keiner war zuhause.

Der alte Grieche mit dem langen Gyrosmesser guckte nur launisch und brummte “Bist du nicht in Italien?”. Es freute mich zu wissen, dass er immer noch so war. Dass es ihn jetzt nach all der Zeit erst wundert, dass ich immer noch in Utrecht bin, hat mich auch gefreut. “Griekse Tosti?” fragte er. Julietta und ich nickten. Dann laechelte er. Griekse Tosti, also Griechischer Toast, ist ein saftiger Leckerbissen, und gibt es nur bei seinem Imbiss am Ganzenmarkt.

Das da oben war mein erstes Zimmer. Hier war ich gluecklich.

Die Oude Gracht

Die Kromme Nieuwe Gracht

Der Dom

Dieses Haus wollte ich immer besetzen, das Papsthaus. Es stand lange leer, aber bei den wackeren Nachbarn war nichts zu tun. Die Polizei war immer da, bevor die Tuer nachgab. (Nein, da war damals noch kein Glas drin)

Das beste Stammlokal. ACU.

Noch ein schoenes Nachtfoto.

Ich bin zu muede von der Reise jetzt, um von Details und allen Saufgelagen zu berichten. Ueberdies schreibe ich bekanntlich immer ungerne Reiseberichte. Und wenn, dann schaffe ich Reiseberichte erst ein halbes Jahr spaeter.

Utrecht

Morgen fahre ich zum ersten Mal, seit ich vor fast drei Jahren Utrecht verlassen habe, wieder nach Holland.
Ich war zwanzig Jahre alt. An einem Tiefpunkt angelangt, da ich weder studiert hatte, noch sonstwas konnte, das mich irgendwo haette hinbringen koennen. Ich sass in Wien fest, zerstritten mit einem Freund und eine Liebe der ich nachhing, war aussichtslos geworden. Es war einige Tage vor Weihnachten und ich rief einen Bekannten in Holland an, den ich vor einem Jahr auf einem Festival bei Verona kennengelernt hatte. Ich wusste, dass er in einer besetzten Schule in Utrecht wohnte, und fragte ihn ob er ein Gaestezimmer haette wo ich mich fuer ein oder zwei Monate einquartieren koenne. Ich braeuchte frische Luft, musste aufbrechen, irgendwohin, am besten in den Norden, weit, weit weg von den Bergen, wo wirklich gar nichts nach Kindheit oder nach Vergangenheit roch. Es war kein Problem.
Einige Tage spaeter sass ich im Flugzeug nach Bruessel, mein erster und letzter Flugzeugflug, und kam dann einige Stunden spaeter in Utrecht an. Mein ganzes Hab und Gut hatte ich bei mir. Einen Rucksack mit zwanzig Buechern, mein Tagebuch, etwa 5 paar Socken, 5 Unterhosen, ein Walkman, meine drei Lieblingskasetten und eine Trommel, die ich in der anderen Hand hielt.
Ich war auf der Suche nach einem neuen Leben. Zwar wollte ich immer noch Haeuser besetzten und die selben Sachen tun, aber ich musste etwas los werden in mir drin. Irgend eine alte Haut abstreifen, die mich von oben bis unten ueberzog und sich anfuehlte wie ein Latexschicht, die sich schon mit der Haut verwachsen hat. Ich wusste nicht was in Holland auf mich warten wuerde. Ich nahm alles entgegen, was mir ueber den Weg lief.
Und so segelte ich auf ein neues Leben zu. Ich kannte niemanden, ausser meinen Gastgeber, mit dem ich aber weiter nicht befreundet wurde. Holland war schoen, und ganz anders als die Laender die ich bisher kennengelernt hatte. Die schmalen Haeuser mit den spitzen Daechern, das Wasser das sich ueberall hindurchschlaengelte, der Wind roch nach See, die Menschen irgendwie schoen kuehl aber bestimmt, der Kaese hiess Kaas, und alle fuhren Fahrrad.
Ich machte schnell Freunde, lernte in den Kneipen fliessend Niederlaendisch und nach zwei Monaten steckte ich zusammen mit ein paar Freunden ein Brecheisen in die Tuer eines huebschen, kleinen, leerstehenden Hauses in der Utrechter Innenstadt. Dann war ich gluecklich.
Mein ganzer Kopf schien vom Wind ausgepustet zu werden, und mein Gemuet roch nach See. Bald verliebte ich mich, eine Liebe die mir zwar mehr Schmerzen als Freude bereiten wuerde, aber sie hielt lange. Und war in gewisser Hinsicht auch wieder gut fuer mich. Vielleicht waere sonst vom Seewind nur das Salz in meinem Kopf haengengeblieben.
In Utrecht hatte ich Platz - Platz fuer die Sachen die ich machen wollte. Ich engagierte mich bei vielen Initiativen, schrieb fuer eine subversive Zeitung, oeffnete bei uns im Haus eine Kneipe, malte schlechte Bilder, und der urbane Kampf auf den Strassen schien so quicklebendig wie nirgendwo anders. Zweihundert Leute bei einer Haeuserraeumung zu mobilisieren war kein Problem. Eine Lesung zu organisieren hiess nur, dass man einen Palet als Buehne aufstellen brauchte und Flyers austeilen, dann kamen die Menschen.
Ein Freund und ich hatten die Idee einer Internetwerkstatt. Eine Art Internetcafe, aber dann alles Do-It-Yourself, und schaebig. Alte Rechner, improvisierte Bar, Linux, schlechte Beleuchtung, aber guten Kaffee. Und gratis Internet. Wir bezahlten keine Miete, und das besetzte Haus befand sich schraeg gegenueber dem Rathaus, am Platz, und wir arbeiteten alle auf freiwilliger Basis. Der Laden wurde sehr beliebt und war immer voll. Neue Leute kamen hinzu, wir bekamen neue Rechner, Kuenstler gestalteten das Innere und malten Bilder an die Aussenwand, wir uebernahmen die Technik fuer andere non-profit Organisationen, kauften Bandbreite, schlossen andere Haeuser an unser Netzwerk an, hielten Lesungen ueber Open Standards und gaben Linux Kurse, et cetera et cetera.
Ich war zum richtigen Hollaender geworden. Ich konnte mit Regenschirm Fahrrad fahren, ich ass Patatje Oorlog, und ich fand Heineken Scheisse.
Nach fuenf Jahren zerbrach meine Liebe, und Stueck fuer Stueck hatte ich in den Niederlanden alles erreicht was ich machen wollte. Mein Kopf war befreit von all dem Ballast der an mir festklebte. Es wurde wieder Zeit fuer einen Umbruch. Paris, eine Stadt die ich in jenen Jahren mehrmals besucht hatte und mir sehr ans Herz gewachsen war, rief mich. Doch ich scheiterte daran, in Paris Fuss zu fassen. Mittlerweile fand ich in Holland einen guten Job, ich hatte ploetzlich richtiges Geld und verdiente mehr als ich ausgeben konnte. Und dann verliebte ich mich wieder, aber mein Entschluss das Land zu verlassen, war genommen.
An meinem letzten Tag in Utrecht war ich alleine. Ich hatte die Zugkarte nach Madrid in der Tasche, einen Koffer mit Kleidern und Buecher, den Rucksack den ich bei der Ankunft in Utrecht schon hatte, voll mit Kleidern und eine kleinere Tasche, mit meinem Tagebuch und Reiseproviant. Meine Firma kuemmerte sich um die groesseren Sachen. So fuhr ich, voellig ueberladen, auf dem Fahrrad zum Bahnhof, wollte das Fahrrad abschliessen, realisierte aber, dass ich nicht mehr zurueckkommen wuerde um es wieder aufzuschliessen, also steckte ich nur das Schloss zu und liess den Schluessel stecken. Dann stieg ich in den Zug, den ich um ein Haar verpasst haette, und liess die Stadt an mir vorbeiziehen. Ich wollte mindestens zwei Jahre wegbleiben, um Utrecht gefuehlsmaessig abgeschlossen zu haben. Warum ich mir das vorgenommen habe, weiss ich nicht. Ich habe einen Hang zu solchen dramatisierenden Massnahmen.

Morgen komme ich wieder, liebes Utrecht, und werde mich an deine engen Gassen erfreuen, werde an der Oude Gracht entlanglaufen, von der Stadhuisbrug ins Wasser spucken, und sieben Jahre meines Lebens abwandern, Stueck fuer Stueck, von Haus zu Haus, werde wieder in deinen Kneipen sitzen, wo ich mich so gerne betrunken habe, und nach Hause torkeln, waehrend die Strassenlaternen sich zwischen den Eichen, in den Kanaelen, widerspiegeln.
Und wenn ich was vergessen habe, dann nehme ich es mit.

in venedig.

Es ist schon lange her. Ich war noch nicht einmal achtzehn glaube ich. Oder ich war es gerade geworden. Schon damals zog es mich jedes Jahr wieder nach Venedig. Zum Fasching. Bloeder haette es natuerlich nicht sein koennen. Alsob ich jedes Jahr nach Muenchen zum Oktoberfest gefahren waere. Aber damals faszinierte mich Venedig zu Fasching immer wieder. Ich war zwei oder drei Jahre vorher zum ersten Mal da gewesen, irgendeine Saufgeschichte,