aus meiner Kindheit / from my childhood
Thursday 30. September 2004
Als der Mek noch Meki war. mehr im Comment.

Als der Mek noch Meki war. mehr im Comment.

Ein Mitarbeiter zu einem der Chefs, einen Bayern:
“Hello Mister”
“Ich bin nicht der Mister. Ich bin der Melker”
Manchmal ist es schwer einen Lachausbruch zu unterdruecken. Vor allem fuer mich, bei schlechten Witzen. Und am allerwenigsten moechte man bei einem Witz von grossmaeuligen und selbstverliebten Chefs lachen. Vielleicht hat es der doofe Mitarbeiter, der zu Chefs immer freundlich ist, der sogar eine eigene Chefstimme entwickelt zu haben scheint, die sich anderthalb Toene hoeher befindet als wenn er zu seinen Kollegen spricht, einfach nicht besser verdient. Ich brach in lautes Gelaechter aus. Der Chef, hielt mit seinem Bodybuilder-gang kurz inne, guckte zu mir her, und laechelte Stolz, vielleicht etwas verbluefft, ueber seinen eigenen Witz, schaute sich kurz um eine Frau zu finden die seinen grossartigen Auftritt mitbekommen haben koennte, sah aber nur den Mitarbeiter der etwas erroetet da stand und nicht so recht wusste ob er nun mitlachen sollte, oder ob er der verarschte war.
Ja, es ist wieder soweit. Ich versuch es wieder. Diesesmal eine Version in Luxusverpackung. Vielleicht haelt sie mir diesmal besser. Gluecklich strahlt sie am Fenster, und wartet auf die Sonne. Was mir heute auffiel ist, dass sie einen Geruchsstoss von sich gibt wenn ich ihr ein Lied vorsinge. Alsob sie gluecklich wird. Ich frage mich ob das normal ist, oder ob sie bloss eine sehr liebesbeduerftige Dame ist. Ich mag sie. Was sie aber noch nicht weiss, ist, dass ich sie eigentlich nur halte um sie zu einem koestlichen Pesto zu zerhacken. Vielleicht sollte sie das aber nicht wissen, da ich es mag wenn sie geliebt werden will. So hab ich wenigstens jemand der meine Stimme zu schaetzen weiss.

Ich hatte gestern diese fuerchterliche Laune. Beim Aufstehen schon. Stritt mich mit Julietta erst verbal, ging danach zur Arbeit und stritt mich ueber E-Mail weiter, zerstritt mich ganz boese mit meinem Vorgesetzten ueber eine Kleinigkeit die man auch sehr einfach ausreden haette koennen und reagierte sehr gereizt auf Fragen seitens der Kollegen.
So schrieben Julietta und ich einander boese Mails, wahrend ich Kunden am Telefon hatte. Das geht einfach. Wenn man sauer ist braucht man ja nicht viel zu denken, sondern kann ein anspruchsloses Gespraech mit dem Kunden fuehren, und gleichzeitig boese Worte und Ausrufezeichen tippen. Eines der Kundengespraeche ging gerade zu Ende und ich drueckte auf den “Reply”-Knopf einer Mail, und ich schrieb dass ich im Recht waere und ich genau wuesste was ich taete. Dann klingelte das Telefon und ich schrieb die Mail eilig, mit einem wuetenden Kopf zu Ende. Ich schloss mit den Worten “das ist mit Scheissegal!!!”. So nahm ich den Hoerer ab und sagte mit freundlicher Stimme: “Schoenen guten Tag, das ist mir Scheissegal!” Nachdem ich diese Worte ausgesprochen hatte, realisierte ich gleich schon was ich da gesagt hatte. Am anderen Ende der Leitung war erst Stille. An meinem Ende der Leitung auch. Ich hoerte den Kunden Luft holen und nach einer kurzen Denkpause hoerte ich ein etwas verwirrtes “ääh” vom ihm. Hatte ich jetzt meinen Namen eigentlich genannt? Nein, hatte ich nicht, ich Glueckspilz. Ich gab dem Kunden noch zwei spannungsgeladene Schweigesekunden, hielt dann meinen Atem an und legte auf.
“Wer geteilt ist hat nicht mitzuteilen”
(Einstuerzende Neubauten - Halber Mensch)
Wie toll ist es doch draufzukommen, dass man den billigen Sekt, den Leute immer zu Einladungen mitbringen (und dann ein Jahr lang im Schrank rumsteht, weil das Gesoeff, mit dem ganzen Gebrause sowieso nicht zum saufen taugt) sehr gut zum kochen von Gemuese verwenden kann.
Oder ist das jetzt eine kulinarische Suende?
Vor sieben oder acht Jahren fuhr ich mal einen ganzen Monat nach Suedtirol, meine Familie zu besuchen und Urlaub zu machen, da ich gerade meine Arbeit gekuendigt hatte und ich schon den Vertrag bei meinem neuen Arbeitsgeber unterschrieben hatte, wo ich aber erst drei Monate spaeter anfangen sollte. Also begab ich mich in die Berge. Schon am ersten Tag entdeckte ich das tolle Musikprogramm auf dem Laptop meiner Schwester, wobei man aufwaendig Noten setzen und so ein Lied komponieren konnte. Fuer mich ging damals eine neue Welt auf, da ich mich jahrelang ueber die Musiker in den Bands bei denen ich mitwirkte, aergerte, weil die nie etwas spielten wie ich es wollte. Und da war eben dieses Programm, das genau das tat was ich ihm sagte. Darauf verschwendete ich den ganzen Urlaubsmonat in der Kueche meiner Mutter beim Notensetzen auf einem Computerbildschirm, anstatt mich zu erholen, oder die Beziehung zu meinen Lieben zu pflegen. Ich war dem Programm voellig ausgeliefert. Ich schrieb das Lied fuer meine Schwester Sigrid. Ein Ska fuer Kinder. Und welch eine Freude ergriff mich gestern wo ich das Lied wiederfand.
Das Leben ist mir nicht wohlgesinnt wenn ich gestern zu Kerstins Fotoausstellung wollte, ein Termin der schon lange in meiner immaginaeren Agenda stand, wo ich mich mit Axel treffen sollte und bei einigen Bieren die Fotos bewundern und mich den allgemeinen Feierlichkeiten des Logo-Jubilaeums hingeben, wo ebendiese ausgestellt waren, und auf dem Weg von meiner Spaetschicht zur Ausstellung ich beim Bankautomaten einkehrte, wo ich mir gleich ein besseres Hemd ueberzog anstatt meines durchgeschwitztes Fahrradhemdes, und ich mir einen fuenfziger aus dem Automaten ziehen wollte damit ich mich dieser Feier auch richtig hingeben konnte, wobei die Karte mit einem Piepton wieder aus dem Automaten gespuckt wurde und mir der Bildschirm mit gemeinen und in rot geschriebenen Buchstaben vorwirft kein Guthaben auf meinem Konto mehr zu haben.
Man koennte sagen “Ach Mek es gibt schlimmeres”. Das ist in der Tat wohl so. Aber das Leben ist mir sehr wohl schlechtgesinnt wenn mir Axel heute auf meine Entschuldigungsmail von gestern antwortet und sagt “…hmm, schade. gestern waere ja alles umsonst gewesen, da haettest du keinen cent gebraucht.”
OK ich weiss, da kann man immer noch sagen “Ach Mek, es gibt schlimmeres”. Aber trotzdem.
Ich war zwar nur zwei Wochen weg, aber ich habe nach meinem Gefuehl eine Weltreise gemacht. Ich war nach meinem Gefuehl Monate, sogar Jahre weg, habe die 7 Weltmeere durchsegelt, fremde Kulturen kennengelernt, in Laendern gewesen wo ich die Sprache nicht verstehe, die Arbeit und meine Kunden voellig verdraengt und vergessen, keinen einzigen Gedanken daran verschwendet, und dann kam ich am Montag auf der Arbeit an, mit dem Kopf noch ganz auf hoher See und in den Duenen von Nida, und bekomme nur lauwarme Begruessungen wie “Ah hallo, hab dich schon ein paar Tage nicht gesehen. Warst du Krank?”.
Wir leben in einer komischen Welt mit anonymen Arbeitsplaetzen.
Trotzdem bin ich schon wieder in die Arbeitswelt eingetaucht und den Urlaub hab ich schon fast wieder vergessen. Waere da nicht der Rucksack der immernoch unausgepackt im Wohnzimmer steht.