[Do, 12.3.2026 – Facebooklöscher, Oberschränke, Maklerinnen]

Schon länger nervt es mich, dass ich so viel Text auf Facebook stehen habe. Zusätzlich zu den 16 Jahren, in denen ich bereits mehr oder weniger (eher weniger) auf Facebook poste, begann ich im Herbst vor dem Release der Novelle, jeden Tag die Blogeinträge auf Facebook zu posten. Einfach so, Fulltext. Immer reinkopiert. Alles. Es war mir nie so wichtig, dass sich Menschen direkt in mein Blog reinklicken, mir reicht es völlig aus, wenn es gelesen wird. Wo diese Texte gelesen werden, im Feedreader, als E-Mail oder über Aggregatoren, ist mir ziemlich egal. Aber es nerven mich zunehmend zwei Dinge an Facebook: Erstens dieser Lock-in-Effekt bei sozialen Medien. Für viele Leute, insbesondere ganz junge oder ganz alte Menschen, ist Internet fast gleichbedeutend mit Social Media. Das normale, offene „Browser-Internet“ verliert in diesen Altersgruppen an Relevanz. Das Internet geschieht über Plattform-Apps. Insta, Facebook, TikTok, Twitter, WhatsApp, Discord, sogar Nachrichtenseiten wie Spiegel oder Zeit haben ihre eigenen Apps. Wenn ich auf Facebook Links fürs normale Internet poste, wenn ich also User dazu verleite, die Plattform zu verlassen, wird der Beitrag auch weniger Menschen ausgespielt. Ich habe das mit verschiedenen Blogtexten ausprobiert und ich kann es an den neu eingeführten Insights schlichtweg nachvollziehen. Abgesehen davon, öffnet sich beim Klicken eines Links in Facebook (aber auch Insta) ein interner Facebook-Browser, anstatt des Standardbrowsers, damit sie (sie!) auch außerhalb der Plattform noch mitprotokollieren können, was wir da so treiben.

Die zweite Sache, die mich stört, ist, dass ich deren KI mit meinen Texten füttere. Ja, sie können das natürlich auch alles aus dem Netz abgreifen, aber ich will sie damit auch nicht noch direkt füttern.

Nun kann man in Facebook nicht mehr einfach alle Beiträge, oder, sagen wir, hunderte Beiträge, gleichzeitig löschen. Theoretisch kann man das natürlich unter „manage Posts“ tun. Aber versucht da mal, mehr als 10 Posts auf einmal zu löschen. Genau. Auch im Internet findet man viel Frust darüber und keine richtige Lösung. Es gibt eine Bezahlsoftware, über die man ein Monatsabo abschließen kann, die das erledigen kann, aber darauf hatte ich keine Lust. Dann fiel mir KI ein und so ließ ich mir von Anthropics Claude ein Programm schreiben, das alle Einträge meiner Blogposts löschen soll. Jetzt rödelt es und löscht so vor sich hin.
Zugegebenermaßen funktionierte es nicht auf Anhieb, aber im Dialog mit dem Chatbot konnten wir (die KI und ich) nach mehreren Fehlversuchen alle relevanten Posts – fast tausend waren es – löschen.

Jetzt geht es mir gut.

Dafür sorgten andere Themen für Frustration. Es ist meine letzte Woche, bevor ich wieder einer geregelten Arbeit nachgehe. In dieser Woche wollte ich ein kleines Bauprojekt in meinem Arbeitszimmer fertigstellen. Nichts Großes, ich wollte lediglich Oberschränke selbst bauen, in denen ich alle Koffer wegschlichten kann. Wie das mit selbstgebauten Lösungen aber so ist: Es dauert. Und man muss während des Projektes improvisieren und ständig zum Baumarkt fahren, weil irgendwelche Details fehlen, irgendein Spezialbohrer, irgendeine Spezialschraube, Spezialhaken, Spezialdübel. Zum Glück geht die Hündin immer gerne mit, vor allem, weil Fressnapf auf dem Weg liegt. So spare ich mir die Gassirunden.

Deswegen komme ich gerade nicht zum Schreiben.

Gleichzeitig ist der Prozess des Wohnungsverkaufes unfassbar träge und kompliziert. E-Mails und Telefonate mit der Bank. Anfangs wollte ich die Wohnung ohne Maklerinnen auf den Markt bringen, aber ich merkte schnell, wie aufwendig das ist, und ich habe wirklich keine Lust auf Besichtigungstourismus. Als ich die Anzeige schaltete, meldeten sich nur eine Handvoll unseriöse Interessenten, die die Anzeige nicht richtig gelesen hatten, und sonst waren es zu 90 % Makler. Zuerst ignorierte ich sie, aber nach reiflicher Überlegung entschied ich mich jetzt doch dafür. Und so kontaktierte, die erste Maklerin, die mich anschrieb. Die treffe ich dann morgen.

Was ist sonst noch passiert? Ich war bei der Zahnärztin. Bei den Frauen, für die ich Herr Pfeiferhihi bin. Ich war heute pünktlich und das war es der Rezeptionistin wert, mich dafür zu loben. Dabei ist mir das wirklich total unangenehm, es kann gut sein, dass ich da noch nie pünktlich war, ich finde es sehr unanständig von mir, aber ich sagte auch, dass ich beschlossen habe, ein besserer Mensch zu werden.

Am Abend traf ich meinen Freund Heiko. Wir redeten natürlich über unsere Häuser im skandinavischen Wald. Ich fühle mich dabei sehr erwachsen. Er wird diesen Sommer ein Dach über seine Veranda bauen. Das ist wirklich sehr erwachsen. Wir hingegen werden im Mai nur das Gästehaus tapezieren. Ich möchte diesen Sommer noch eine Veranda im Wald bauen. Ohne Dach. Nur eine Plattform, von der aus wir auf den Fluss schauen können, während wir ein Bierchen zischen. Aber ich ahne, dass daraus nichts wird. Ich brauche dafür einen besseren Plan. Vielleicht reichen meine Kapazitäten aber für eine Holzbank unten am Hügel. Dort scheint an Sommerabenden die Sonne her. Auch dort kann man gut ein Bierchen zischen.

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