9 September Donnerstag/Thursday – Ska

Vor sieben oder acht Jahren fuhr ich mal einen ganzen Monat nach Suedtirol, meine Familie zu besuchen und Urlaub zu machen, da ich gerade meine Arbeit gekuendigt hatte und ich schon den Vertrag bei meinem neuen Arbeitsgeber unterschrieben hatte, wo ich aber erst drei Monate spaeter anfangen sollte. Also begab ich mich in die Berge. Schon am ersten Tag entdeckte ich das tolle Musikprogramm auf dem Laptop meiner Schwester, wobei man aufwaendig Noten setzen und so ein Lied komponieren konnte. Fuer mich ging damals eine neue Welt auf, da ich mich jahrelang ueber die Musiker in den Bands bei denen ich mitwirkte, aergerte, weil die nie etwas spielten wie ich es wollte. Und da war eben dieses Programm, das genau das tat was ich ihm sagte. Darauf verschwendete ich den ganzen Urlaubsmonat in der Kueche meiner Mutter beim Notensetzen auf einem Computerbildschirm, anstatt mich zu erholen, oder die Beziehung zu meinen Lieben zu pflegen. Ich war dem Programm voellig ausgeliefert. Ich schrieb das Lied fuer meine Schwester Sigrid. Ein Ska fuer Kinder. Und welch eine Freude ergriff mich gestern wo ich das Lied wiederfand.

Sonate fuer Sigrid

30 August Montag/Monday – Hambuich

Und ich fuehlte mich wie Christoph Kolumbus wo die Faehre aus Lithauen gestern Abend in die Kieler Bucht einfuhr. Wie Kolumbus stand ich vorne auf dem Deck und wartete darauf dass das Land in Sicht kaeme. Bei ihm war es die Fliege die sich auf seine Hand setzte und er dann wusste dass das Land sehr Nahe sein musste. Bei mir war es eine Wespe die mir direkt und unangekuendigt ins Ohr flog. Ich wusste gar nicht dass die Scheissbiester sich so weit vom Land weg aufhalten.
Heute erstmal arbeiten, damit ich auch gleich ohne Pause und Moeglichkeit den Rucksack auszupacken in den Genuss des grauen Alltags komme. Ich habs mir nicht besser planen koennen.
Ein Reisebericht und die dazugehoerigen Fotos folgen demnaechst. Ich muss erst die Digitalkamera entwickeln (haha, Scheisswitz, ich weiss) und meinen Kopf ordnen.

19 August Donnerstag/Thursday – Warszawka

Oestlich der Oder werden ploetzlich die Handys moderner, die Klingeltoene polyphoner, die Displays bunter und die Autos viel schneller und lauter.
In Warszawa’s neu gebaute Altstadt und faszinierender 60er und 70er Sowjet-Neubauwueste, Julias und ihrer Mutter Gastfreundschaft genossen, und von deren Hundschaft abgeschleckt, polnischen Doener gegessen, alte Freunde getroffen, viel gelaufen. Jetzt sind wir seit zwei Tagen in Vilnius, Gintare und Kostia und Jurga. Viel zu erzaehlen, aber keinen Elan. zu Muede bin ich und zu heiss ist es hier. Fotos spaeter.

13 August Freitag/Friday – Urlaub/Vacation

Morgen verlasse ich Hamburg und dessen Umgebung das erste Mal seit Dezember. Uns winken Warschau, Vilnius, das Lithauer Land, Riga, Klaipeda und in zwei Wochen die Faehre zurueck nach Kiel. Und das Atomkraftwerk Ignalia werden wie auch besuchen. Wenn ich nicht vom Anblick nur verstrahle melde ich mich.

Lutti (2)

Und dann nahm ich das Telefon in die Hand, stammelte erst ein paar Wörter auf Ladinisch vor mich hin um meine Zunge sich wieder an diese Sprache zu gewöhnen (Im Gadertal, sowie in drei anderen Taelern der Dolomiten, spricht man eine sehr alte Sprache die früher ein lateinischer Dialekt war und sich wegen der geographischen Isoliertheit dieser Täler bis hin zur heutigen Zeit konserviert hat. Auch in der östlichen Schweiz und im Nord-Friaul wird diese Sprache noch gesprochen und ist unter dem gemeinsamen Nenner Raetoromanisch bekannt, das kommt daher, dass es die Sprache der römischen Provinz Raetia war, die das ganze Alpengebiet umfasste und sich bis nach Bayern hinzog. Nach dem Zerfall des römischen Reiches bekamen die germanischen Sprachen im Norden der Alpen den Einfluss und die anderen Teile entwickelten sich mit der Zeit zum Französischen, Slawischen und Italienischen. Bis auf diese paar alpenländische Gallier die hinter ihren Schluchten und Bergen derart abgeschlossen waren, dass sie von der Auflösung des römischen Reiches Jahrhundertelang nichts mitbekommen haben.
Vom Klang her klingt es oft wie eine Mischung aus Französisch und Portugiesisch, hat mit jenen Sprachen aber nur insofern was gemeinsam, dass es romanische Sprachen sind. Geschrieben sieht es aus wie Französisch, wegen der vielen Akzente und Dächern auf den Buchstaben, aber verwant ist es wohl am nähesten mit dem Italienischen, da sie beide direkt aus dem Lateinischen hervorgegangen sind. Ladinisch, auch bekannt als „Dolomiten-raetoromanisch“ ist jedoch nicht zu verwechseln mit dem jüdischen Ladinisch, was etwas vollkommen anderes ist. Ich bin kein ethnischer Ladiner, ich habe ja auch einen hundertprozentig teutonischen Namen, meine Familie zog jedoch, als ich im 3 Jahre alt war, in eines der ladinischen Täler und so wuchs ich dort auf. Bis ich, wie letztens gesagt, vierzehn wurde.) und wählte Lutti’s Nummer.
Er war sehr erfreut. Natürlich.
Wir erzaehlten einander vom Leben, was in den fünfzehn Jahren alles passiert ist und ich konnte feststellen dass er eigentlich ja ziemlich glücklich ist. Nicht übermaessig, aber es ging halt alles so seinen Gang und alles war gut. Nach fünfzehn Jahren war er jetzt auch der Beinahe-Chef der Metzgerei. Das verblüffende war jedoch folgendes:
M: Komm mich mal besuchen
L: Jasicher, muss ich tun. Ich habe anfang Oktober Urlaub und eh noch nichts geplant.
M: Ist ja grossartig
L: Dann nehm ich Moje und Majo mit und wir kommen nach Hamburg
M: super. Scheisse das ist dann ja schon in sechs Wochen
L: Scheisse ja da hast du recht
So schnell kann das manchmal gehen