[humptydumpty]

Am gestrigen Samstagmorgen war ich früh unterwegs. Sogar die Geschäfte hatten noch geschlossen. Ich gehe Morgens eigentlich nie in ein Geschäft. Daher wusste ich gar nicht, wie spät Geschäfte überhaupt öffnen. Während ich vor dem Eingang des Galeria Kaufhof am Alex stand und zusammen mit einigen wenigen Schicksalsgenossen auf die Türöffner wartete, sah ich dann Humptydumpty wieder.

Humptydumpty heißt natürlich nicht so. Aber so nannten wir ihn damals, weil er dem richtigen Humptydumpty aus Alice in Wunderland so ähnlich sieht. Remember? Das Ei mit Armen und Beinen? Wobei der Vergleich natürlich seltsam ist. Der Humptydumpty vom Alex hat keine Beine mehr. AUßerdem sitzt er in einem Rollstuhl. Aber es liegt vermutlich an seinem kahlen, auffallend eiförmigen Kopf und seiner langen, rutschbahnartigen Nase. Vermutlich liegt es auch an diesem schelmischen Grinsen, das mich immer an Wesen aus meiner Kindheit denken ließ. Keine wohlgesinnten Gestalten. Solche die nachts durch die Wälder streunen oder im Unterholz leben. Also so, wie ich sie mir immer vorstellte. Als wir ihn vor vielen Jahren das erste mal sahen, sagte jemand, schaut der sieht aus wie Humptydumpty und wir schienen alle den gleichen Gedanken gehabt zu haben.

Er wohnte in dieser Seniorenresidenz unweit des Alex direkt gegenüber meiner ehemaligen Firma. Es wohnten dort auffallend viele Menschen ohne Beine. Ich konnte sie von meinem Schreibtisch im ersten Stock aus sehen. Humptydumpty und seine beinlosen Heimgenossen saßen meist den ganzen Tag draußen und rauchten Zigaretten. Sie schauten gerne den jungen Frauen nach. Sie redeten nie viel, aber sie saßen da vorm Heim in ihren Rollstühlen und rauchten.
Damals rauchte ich selber noch. Wir hatten kein Raucherzimmer, deshalb rauchten wir unten auf der Straße. Wir hatten diesen großen Aschenständer. Humptydumpty rollte oft auf unsere Straßenseite herüber und puhlte die Kippen aus den Ascher. Er hatte sich am kleinen Finger den Nagel wachsen lassen. Etwa drei Zentimeter lang. Der Nagel war braun und hatte sich gekrümmt, er sah aus wie eine Kralle. Mit dieser Kralle kratzte er die Kohle von den Kippen und krümelte den Tabak in seinen Schoß. Wenn er genug Tabak darin versammelt hatte, zog er Drehpapier hervor und drehte sich eine Zigarette. Anfangs bot ich ihm immer ungefragt eine Zigarette an. Ich fand das so arm. Anfangs nahm er sie stets an. Es wirkte widerwillig, doch er nahm sie an, er bedankte sich nie. Irgendwann lehnte er ab. Er grummelte etwas in sich hinein und winkte ab. Dann hörte ich damit auf.

Manchmal sah ich Humptydumpty mit seinen Kumpels durch das neue, glitzernde Alexa düsen. Ihre Urinbeutel baumelten immer unter den Sitzen ihrer Rollsessel. Sie waren so schnell, es wirkte als würden sie Rennen fahren.

Das mit den fehlenden Beinen beschäftigte mich. Ich googelte das einmal. Man kann Beine durch übermäßiges Rauchen verlieren. Wenn man Pech hat. Das ist ein schleichender Prozess. Man merkt es zuerst daran, dass man keine langen Strecken mehr laufen kann. Die Strecken werden immer kürzer. Bis die Beine weg müssen. Es kann aber auch ganz anders ablaufen. Es war jedenfalls das Jahr als ich zu rauchen aufhörte. Sage ich jetzt mal so dazu. Auch wenn es nicht damit zusammenhing. Klingt nur gut.

An diesem Samstag wirkte er glücklich. Er saß auf dem Alex, in seinem Rollstuhl und war der Morgensonne zugedreht. Er hielt die Augen geschlossen und rauchte.

[wenn wir reisen]

Was wir auf unseren Städtereisen so machen? Eigentlich so gut wie gar nichts. Wir besuchen keine Museen, keine Kirchen, keine Sehenswürdigkeiten von Innen, wir haben kein Programm. Wir spazieren eigentlich nur. Und wenn wir vom Spazieren müde sind, dann essen wir und wenn wir gegessen haben trinken wir. Wir spazieren eigentlich nur herum und essen und trinken. Wir spazieren stundenlang. Eher langsam, schauen in die Fenster hinein, reden über die Dinge die wir sehen, vergleichen sie, versuchen alles was wir sehen zu verstehen, oder auch nicht. Die Routen sind nicht unbedingt geplant, allerdings auch nicht willkürlich, wir suchen uns ein paar Ziele aus, einen Platz, ein Hochhaus, eine Bar, ein Stadtteil, wir lesen im Hotelbett darüber, dann gehen wir hin, manchmal erreichen wir die meisten dieser Ziele, manchmal nur wenige. Manchmal folgen wir den Massen, manchmal sehen wir etwas, das unsere Aufmerksamkeit einfängt, eine Sichtachse oder ein Dach aus der Ferne, dem folgen wir dann. K hängt sich gerne bei mir ein, wir sind dann oft ein bisschen ungelenk beim Laufen, dafür aber langsam und ein wenig vertiefter vielleicht. In die Dinge die uns beschäftigen. Vielleicht sind wir aber auch einfach nur langsam.
Wenn wir uns irgendwo zum Trinken hineinsetzen, steigt uns das erste Bier sofort in den Kopf und wir werden cremig. Dann essen wir meist herzhafte Sachen, Burger oder Steaks und trinken noch ein zweites, drittes, viertes Bier und werden noch viel cremiger. So cremig, dass man uns auf eine Stulle schmieren kann.  So machen wir das auf unseren Reisen. Nur falls sich jemand fragt.

[Vanilleeis mit salzigem Karamell und Popcorn]

Letzten November saß ich in New York in einem koreanischen Grillrestaurant und wählte diesen eigenartigen Nachtisch von der Dessertkarte. Ich neige immer zu Experimenten, sehe ich etwas komisches oder etwas ausgefallenes, muss ich es immer probieren. Dummerweise ist das meist nicht zum Vorteil. Aber manchmal gibt es diese Lichtblicke. Als ich an jenem Novemberabend dieses Vanilleeis mit salzigem Karamell und Popcorn aß, war ich dermaßen verzaubert, dass ich glaubte, mich in ein Glühwürmchen zu verwandeln. Das Eis und das Salz zerliefen auf meiner Zunge und mein ganzen Glühwürmchendasein zerlief darin mit und in mich hinein. Ich bestellte sofort eine zweite Portion nach.

Gestern Abend habe ich es für meine Gäste nachgekocht. Der Geburtstagsnachtisch geht so:

Zutaten für acht Personen:

150g Butter
200g Sahne
250g Zucker
1,5 TL Salz

Vanilleeis
Popcornmais

Schwierigkeitsgrad: nicht schwierig

Vorbereitung:
Man nimmt am besten einen hohen Topf, beispielsweise einen Spargeltopf oder ähnliches. Karamell wird sehr heiß und sobald man die Sahne hinzufügt, entwickelt sich ein äußerst lebhafter Blubb, der heißen Dampf ausstößt, das kann ins Auge gehen. Außerdem soll man einen Kochlöffel aus Holz nehmen, nicht aus Kunststoff. Einer der Gäste erzählte, wie beim Karamellkochen einmal nur noch der Metallstiel übrigblieb. Sowas wollen wir nicht.

Los gehts:
Als erstes muss der Zucker in den Topf. Gebt Wasser dazu, gerade so viel, dass sich der Zucker vollgesogen hat. Er soll gleichmäßig über den Boden verteilt sein. Dann erhitzen und warten bis es braun wird. Am besten fasst man es zu diesem Zeitpunkt nicht an, man lässt es nur Blasen machen, bis alles braun geworden ist. Es soll nicht dunkelbraun werden, da das Karamell dann bitter wird.
Sobald man den gewünschten Braunton hat, zieht man den Top von der Hitze und gibt die Sahne dazu. Achtung, jetzt kommt ordentlich Dampf aus dem Kessel. Die Sahne gleich gut unterrühren, den Topf wieder zurück auf die Hitze und unter kleiner Flamme solange rühren bis sich die Sahne richtig in den Zucker aufgegangen ist. Gleichzeitig kann (unter ständigem Rühren) auch die Butter hinzugegeben werden.
Als letztes kommt das Salz. Das Salz so lange einrühren, bis man es nicht mehr kratzen hört.

Jetzt kann man das Karamell vom Herd nehmen. Es bleibt weich. Deswegen kann man sich in aller Ruhe dem Popcorn widmen. Also den Popcornmais entweder in einer Pfanne mit ein bisschen Öl, oder in der Mikrowelle erhitzen und ordentlich ploppen lassen. Man kann das Popcorn auch ein wenig salzen, der Effekt ist gut.

Dann das Eis in eine Schüssel geben, mit dem Karamell übergießen und das Popcorn als Deko drüberstreuen.

[...]

Diese Ohrwürmer, für die ich so anfällig bin. Es sind wirklich viele und sie sind alle furchtbar albern und repetitiv. Ich summe sie dann immer ein wenig vor mich hin. Manchmal ist es peinlich, manchmal nur ein bisschen komisch. Am achtundzwanzigsten Januar ertappe ich mich immer wieder mit dem gleichen Lied. Wenn ich ein wenig gedankenverloren in der Küche stehe und Dinge schnipsle. Wenn ich Happy Birthday summe. Vor allem das hohe Finale, wie beim Happy birthday, mister president. Immer wieder und wieder. Dann weiß ich, dass ich definitiv zu viel Geburtstag hatte.

[...]

Diese kluge Entscheidung am 24.1. vor dem Abflug nach London zu bloggen und sich fünf Euro für den Ironbloggertopf zu ersparen.

[von wegen Religion]

Die Attentate in Paris waren kein Angriff auf die Freiheit. Sie waren auch kein religiöses Attentat. Und wenn man in Frankreich derzeit von einem kulturellen Attentat spricht — auch das war es nicht. Es war ein Attentat von unausgelasteten, gelangweilten oder ausgeschlossenen jungen Männern, die nach etwas Sinnvollem suchten und der Sexyness einer wütenden und radikalen Bewegung erlegen sind.
Es sind fast immer die gleichen Muster. Die Jungs hätten genau so gut einer rechtsradikalen Lichtgestalt folgen können, einem Guru mit einer Sexsekte oder einem Guru, der zu Massenmord anstiftet. Vor fünfundvierzig Jahren bewaffneten sich die jungen, weißen Männer gegen den amerikanischen Imperialismus. Zwanzig Jahre lang. Harmloser ist es, wenn sie Kleinkriminelle werden, oder die ganz Blöden landen als Gewalttäter bei Fußballfanclubs. Früher waren sie Söldner. Piraten auch. Oder die Männergruppen, die in den Zwanzigern für jene kleine Partei namens NSDAP durch die Straßen patrouillierten. Alles in gutem Glauben. Für junge Männer mit einem muslimischen Hintergrund drängen sich seit einigen Jahren die zahlreichen, mit relgiöser Mystik überladenen Gruppierungen auf. Sie werden gebraucht, ein Gott, der ruft, eine schlechte, vom Geld regierte Welt und diese ganze Welt, die vor ihnen zittert.
Was ist geiler für junge, unausgelastete und ausgeschlossene Männer, als ordentlich den Rocknroll abgehen zu lassen.

Da ist nichts Religiöses oder Politisches oder Kulturelles dran. Es geht um junge Männer die auf Sinnsuche sind.

Was es jetzt nicht besser macht.

[so war 2014]

Januar
Im Januar begann ich eine neue Stelle. Ich leite wieder eine IT-Abteilung.
Ende des Monats sind K und ich für ein paar Tage nach Amsterdam gefahren unsere Geburtstage zu feieren. Sie wurde 40, ich wurde 39.

Februar
Aus dem Februar kann ich mich wenig erinnern. Ich war vermutlich hauptsächlich mit den neuen Aufgaben auf der Arbeit beschäftigt. Die Schonzeit war im Februar schließlich vorbei.

März
Im März bin ich den Berliner Ironbloggern beigetreten. Bloggen und wenn man eine Woche verpasst, zahlt man fünf Euro. Wenn genug Geld beisammen ist, geht man in die Gastwirtschaft und trinkt den Geldpot leer. Super, das. Ironbloggerberlin.

April
Es geht nicht gut bei meinem blauweißen Fußballclub. Es fehlen Tore, Tore, Tore. Zumindest vorne. Hinten gibt es sie, die Tore, Tore, Tore.
Wir werden die Klasse aber halten.

Mai
Im Mai nach Schottland gefahren. Diesmal haben wir die nordöstliche Seite der Highlands besucht und Orkney. Die östliche Seite ist ein bisschen langweilig. Lange Bergrücken, immer leicht bewaldet. Aber der Norden! Tongue, Ullapool, Durness. Woah.

Juni
Im Juni gefühlt nur auf innerdeutschen Dienstreisen gewesen.
Ah und dann war noch die Fußball WM. Länderspiele lassen mich aber, wie üblich, ziemlich kalt.

Juli
Der olle Götze schießt das Siegtor und Deutschland wird Weltmeister. Als einige Stunden später die Mannschaft in Berlin landet und zum Brandenburger Tor fährt, bricht bei uns in der Firma das Internet zusammen, weil alle Mitarbeiter den Stream schauen.

August
Ich fahre wieder eine Woche zu meiner Frau nach Schweden in den Wald.

Bundesligaauftakt. Wir haben ordentlich eingekauft. Internationale Spieler und Stars. Jetzt kann nichts mehr schiefgehen.

September
Mein Hopfen mag in diesem Jahr nicht so recht und ich weiß nicht warum. Er ist etwa zweieinhalb Meter hoch geworden und will nicht mehr weiterwachsen.

Oktober
Ich fliege mit K nach Chicago. Ich bin zum ersten Mal in den USA und finde es sehr super.

November
Im November sehe ich meine Frau kaum. Wir reisen beide eher viel und zu unterschiedlichen Zeiten, aber im November sehen wir uns so gut wie nicht. Zuerst war sie in Washington, dann ich in Rom, dann sie irgendwo in Bayern, dann ich in Los Angeles und New York, dann sie in Genf und in Franken.
Das hört sich alles sehr glamourös an, in Wirklichkeit ist es aber sehr anstrengend. Sieht aber gut aus, wenn man das so hinschreibt.

Dezember
Irgendwie ist der Dezember in Weihnachtsfeiern und -Umtrünken untergegangen.

JAHRESENDFRAGEN:

Haare länger oder kürzer?
Kürzer.

Mehr Kohle oder weniger?
Mehr.

Mehr ausgegeben oder weniger?
Vom Gefühl her weniger.

Mehr bewegt oder weniger?
Weniger.

Der hirnrissigste Plan?
Eine Brauerei aufzumachen.

Die gefährlichste Unternehmung?
Privat habe ich möglicherweise nichts gefährliches unternommen.
Zumindest nichts blogbares.

Der beste Sex?
Mit K. (Copypaste)

Die teuerste Anschaffung?
Ich habe das Geld noch nicht ausgegeben, aber ich überlege schon das ganzen Jahr zusammen mit Jan eine kleine Braunanlage für 2000€ anzuschaffen. Daran habe ich so oft gedacht, dass es sich wie eine tatsächlich Anschaffung anfühlt.

Das leckerste Essen?
Burger und Deep Dish Pizza in Chicago.

Das beeindruckendste Buch?
Seit Oktober 2013 habe ich kein Buch mehr gelesen. Zumindest keine Fiktion. Das hat Gründe. Ich werde das beizeiten einmal aufschreiben.

Der ergreifendste Film?
Serien zählen auch. Richtig? Da wäre »The Leftovers«. 2% der Menschen verschwinden auf unerklärliche Weise. Die Geschichte dieser Serie beginnt zwei Jahre nach diesem Verschwinden. Die Geschichte der Übriggebliebenen. Eine sehr bewegende und düstere Sozialstudie.

Die beste Musik?
Max Richter. Über den Soundtrack von »The Leftovers« aufmerksam geworden.

Das schönste Konzert?
Einstuerzende Neubauten im Tempodrom.

Die meiste Zeit verbracht mit …?
K

Die schönste Zeit verbracht mit …?
K

Vorherrschendes Gefühl 2014?
Mich für viel eingesetzt und dabei erfolgreich gewesen.

2013 zum ersten Mal getan?
In die USA geflogen.

2014 nach langer Zeit wieder getan?
In einem Punkkonzert gewesen. Am Ende des Abends hatte ich gemischte Gefühle. Es beschäftigte mich, wie seltsam das Publikum in einer anarchischen Pose erstarrt geblieben war.

Drei Dinge, auf die ich gut hätte verzichten können?
1) zwei große Ausfälle der IT Infrastruktur in meiner Firma.
2) das fühlte sich an wie drei Dinge.

Die wichtigste Sache, von der ich jemanden überzeugen wollte?
Dass ich ungerne so weit fliege (Chicago). (Überzeugungsversuch misslang).

Das schönste Geschenk, das ich jemandem gemacht habe?
Vermutlich die Reise nach Amsterdam -> ich habe nicht nachgefragt.

Das schönste Geschenk, das mir jemand gemacht hat?
Ein Braukurs.

Der schönste Satz, den jemand zu mir gesagt hat?
Ich finde, du bist ein guter Chef.

Der schönste Satz, den ich zu jemandem gesagt habe?
Baby, lass uns nach Chicago fliegen.

2014 war mit einem Wort …?
Super.

[in den Tiefen der Blogs]

Jana und Volker haben ein Ebook mit einigen ihrer Lieblingstexte aus Blogs zusammengestellt. Es heißt “In den Tiefen der Blogs” und beinhaltet auch ein paar kurze Texte von mir. Es sind die Tagebuchnotizen von meinen Ost- und Nordseebesuchen.

Das Ebook ist sehr hübsch geworden. Es kostet nichts und ist downzuloaden bei Edition Barnimkante.

(Mein Portraitfoto habe ich so freigegeben. Ich weiß allerdings nicht mehr warum)

(Vielen Dank)

[fb #5]

Ein Samstag mit Beissern und Tretern. (Walking Dead und Fußball)

#
Ich bin nicht nur ein DINK (Double income no kids), ich bin auch ein PUNK (Professional uncle no kids).

#
Aus Trostessen wird Tristessen. (Da haben sich ja zwei gefunden)

#
“Mama, was bedeutet romantisch?”
“Romantisch bedeutet: gemütlich”

(Kein Wunder, dass in Deutschland keine heißblütigen Liebhaber produziert werden)

#
Er: Betreiben Sie Risikosportarten?
Ich: Ich gucke Hertha.

Das fand er lustig. Ich nur ein bisschen.

[blubb]

Wie der Gerstensaft da auf meinem Wohnzimmerboden vor sich hinblubbert, mensch, ich könnte dem stundenlang zugucken.

[ohr]

Die Ohrenärztin hat mir zuerst die bösen Sachen aus den Ohren rausgenommen und dann die Guten Sachen in die Ohren hineingesteckt. Ich müsse die guten Sachen zwei Tage in mir behalten, sagt sie. Danach sage ich, ich würde fast nichts mehr hören, meine Ärztin antwortet mir, sie nickt und bewegt die Lippen, aber aus meinem seltsamen Aquarium klingt sie wie ganz weit weg, dumpf, mein Herzschlag übertönt sie. Sie gibt mir einen Zettel mit. Salben. Ich schwanke in die UBahn, gehe in die Apotheke, zeige der Frau an der Kasse den Zettel, sie sagt etwas, ich nicke einfach, schaue auf die Kasse, sehe den Preis und bezahle. Ich gehe ins Büro, ich werde angesprochen, ich sage, ich höre nichts, die Leute finden das lustig, ich rede so laut, so viel und so schnell, dass niemand die Chance bekommt, das Gespräch zu übernehmen, würde ich das Gespräch aus der Hand geben, würde ich hoffnungslos untergehen, die Konversationen gehen von mir aus, in den Meetings, ich sage vorher, dass ich nichts höre und fange an zu reden, superpraktisch das, ich muss nicht mehr zuhören. Hätte ich viel früher machen sollen.

[notizen, LA/NY]

Im Flieger nach Los Angeles »Boyhood« geschaut. Das ist der Film, der tatsächlich über zwölf Jahre hinweg gedreht wurde. Eigentlich habe ich nur wie ein verliebter Hamster dagesessen und Patricia Arquette beim Altern zugeschaut. Wie sie immer dicker, älter und schöner wird. Erstaunlich, das.
Ganz nebenbei erzählt der Film von der Vergänglichkeit, von der kindlichen Erwartung an die Liebe, die Enttäuschungen und vor allem über dessen Banalität. Der Film hat mich zu vielen Gedanken angeregt, ich muss das alles einmal ordnen und aufschreiben.

#
Zum ersten Mal am Pazifik gewesen. So sah der Blick aus der Firmenwohnung aus:

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#
Der Pazifik ist so laut, man kann genau so gut an einer Autobahn schlafen.

#
Ich verstehe Los Angeles nicht ganz. Leider hatte ich so viele Termine, dass ich nicht nach Downtown oder Hollywood fahren konnte. Vielleicht würde sich die Stadt mir dann eher erschließen. Diese Entfernungen. Wir fahren durch ein Meer an Flachbauten. Flachbau an Flachbau an Flachbau. Ampel an Ampel an Ampel. Es würde anderthalb Stunden bis nach Downtown dauern, es gibt nicht wirklich Bahnen. Zu Starbucks “around the corner” fährt man mit dem Auto. Es befindet sich zwei Straßen weiter. Später habe ich gesehen, dass man die Strecke tatsächlich kaum laufen kann. Es gibt nur einen Zebrastreifen, der einen Umweg bedeutet, und die Strecke ist nicht durchgehend mit Gehsteigen ausgestattet. Der Rest der Grundstücke ist privat. Mich fasziniert das total.

Das Wetter. Fünfundzwanzig Grad Mitte November, das ist schon toll. Positiv auch: Palmen. Zumindest am ersten Tag. Fotos von Palmen kann man allen Freunden ins kalte Europa schicken und alberne Grinsesmileys anfügen. Ich weiß nicht, warum man so etwas macht. Vielleicht wie mit dem Fotografieren von Essen, das drängt sich so auf. Überhaupt habe ich in Los Angeles nur Essen und Palmen fotografiert. Und ein Selfie am Pazifik. Und den Pazifik natürlich. Und meine Füße im Sand. Aber kaum etwas von der Stadt an sich. Vielleicht sagt das etwas über die Stadt aus. Sie ist nicht sehr anwesend, sie fühlt sich nicht sehr nach Stadt an, eher wie eine riesige Vorstadt, Reihenhaus an Reihenhaus. Die Hochhäuser der Downtown habe ich aus der Ferne gesehen, als wir über eine Brücke des Freeways fuhren. Zum Essen waren wir in einem Einkaufszentrum verabredet. Dort gab es Restaurants und auch Bars. Auf die Frage, ob die das immer so machen, essen zu gehen in Einkaufszentren, bekam ich unbefriedigende Antworten. Das meine ich damit, wenn ich sage, ich hätte LA nicht ganz verstanden. Ich muss da wieder hin. Ich bilde mir ein, dass dieser Erkentnisgewinn unerlässlich ist um einen Teil der Zivilisation zu verstehen. Das ist mir noch nie passiert, das Gefühl, einen Ort nicht verstanden zu haben. Mir ist durchaus bewusst, dass man als Besucher in wenigen Tagen keine Stadt wirklich verstehen kann, ich meine nur, dass mich LA völlig verständnislos zurückgelassen hat. Das fällt mir schwer zu akzeptieren.

#
Im Flugzeug nach New York saß Captain Picard zwei Reihen hinter mir. Ich muss gleich googlen wie der richtig heißt, ich kann ja nicht jedem erzählen Captain Picard hätte im Flugzeug zwei Reihen hinter mir gesessen.

#
New York saugt mich auf. Das ahnte ich schon vorher. Sicherlich bin ich geblendet von allen Bildern, die sich im Laufe der Jahre über diese Stadt angesammelt haben. Ich gehe durch die Stadt und habe das Gefühl, dass alles sehr magisch ist. New York hat eine immense Wirkung, sie ist sehr physisch. Ich bin glücklicherweise übers Wochenende da und habe Zeit, die Stadt zu verstehen. Um mir zum Einstieg einen schnellen Überblick zu verschaffen steige ich in einen dieser Hop-on-hopp-off Busse ein und fahre bei drei Plusgraden im offenen Bus stundenlang durch die Stadt. Ich nehme auch noch die zweite Tour durch das nördliche Manhattan. Irgendwo in Harlem verlasse ich als Eisklumpen den Bus und muss mich in einem Ubahn-schacht auftauen.

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[keine weiteren Notizen mehr gemacht]

Roma

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Roma.

[...]

Neulich festgestellt, dass mein Blogdesign altmodisch geworden ist. Das war mir eine unangenehme Erkenntnis. Es sah so nach Nullerjahre aus. Dann festgestellt: letztesmal 2007 daran herumgefeilt. Da gab es noch nicht mal Smartphones.
Jetzt habe ich das Blog ins nächste Jahrzehnt gehievt. Sieht OK aus, wie ich finde. Die größere Texte erschlagen jetzt nicht mehr so wie früher, es sieht alles ein bisschen freundlicher aus.

[right now]

Bei Kaltmamsell und Montez gesehen.

Ich lese … seit 14 Monaten keine Bücher mehr. Damit meine ich: keine Romane, keine Krimis, keine Literatur, keine Kurzgeschichten, keine Fiction. Auch keine E-Books. Es ist kompliziert das zu erklären. Werde ich beizeiten aber tun.

Ich trage … eine Wollhose, die mir ein anonymer Verkäufer in Chicago über die Umkleidetür gelegt hat. Die Hose sitzt so perfekt, ich will sie gar nicht mehr ausziehen.

Ich habe … ein chinesisches Handy mit zwei SIM-Karten. Das sage ich immer gerne, wenn ich nach meinem Handy gefragt werde. Ich sage voller Stolz: das ist so ein chinesisches Ding mit zwei SIM-Karten.
Ich weiß nicht, ob mich das cool macht. Manchmal schon. Manchmal eher nicht.

Ich höre … Max Richter. November.

Ich trinke … Wasser.

Ich esse … Popcorn.

Ich stehe … morgens gerne auf.

Ich gehe … Freitags oft ins Kino.

Ich lache … eher oft.

Ich sehe schaue … jetzt doch American Horror Story. Nachdem mir Staffel 1 einigermaßen gefallen hat, war mir die zweite Staffel dann doch zu sehr Horror Porn. Zwar sind die Nonnen allesamt super, aber diese Splattergeilheit ist mir zu offensichtlich, zu absichtlich. Nachdem Jessica Lange in der vierten Staffel Lana del Rey’s Gods and Monsters covert habe ich es mir jedoch anders überlegt. Ich kannte bisher nur die Originalversion. Die Coverversion ist aber noch ein ganzes Stück eindringlicher. Vor drei Wochen habe ich jemandem gesagt, in zehn Jahren würden wir “Gods and Monsters” als einen der genialsten Popsongs der Geschichte bezeichnen. Die Hermetik dieses Songs, wie die Anfangssequenzen ständig lasziv in diese Kadenz übergehen, und wie die Kadenzen in ein Thema zurückkippen, das sich dann wieder als die Anfangssequenz gibt. Das seltsam Umnachtete der Melodie, die sich an diesem bestimmenden, vielleicht sogar stampfenden, Rhythmus entlanghangelt, oder mit halbgeschlossenen Augen drüberräkelt.
Schade ist lediglich die Nennung von “Jim Morrison”, was dem Text auf eine brutale Art die Hermetik nimmt. Damit werden wir auch in zehn Jahren noch leben müssen.

Ich mag … Fischstäbchen mit Kartoffelpuree und Rosenkohl wenn ich krank bin.

Ich schreibe … gerne Postkarten. Sie sind aber nicht sehr lustig. Auch nicht interessant oder klug. Ich schreibe sie aber total gerne. Blöde Kombi, ich weiß.

Ich weiß … dass ich keine interessanten oder klugen oder lustigen Postkarten schreibe. OK, der war albern.

Ich möchte … öfter mal zum Arzt gehen.

[autofahrschwierigkeiten]

Nun war nach meiner Rückkehr aus den USA mein Auto abgeschleppt. Anfangs fühlte sich das sehr erwachsen an, hey, das erste Mal mein Auto abgeschleppt, das war fast so gut wie das erste Mal in die Werkstatt zu fahren. In meiner Straße sollten Bäume gepflanzt werden und ich hatte natürlich die Schilder nicht gesehen.

Auf der Wache sagte man mir, nach Vorlage meines Ausweises, dass man das Auto in der Gartenstraße abgestellt habe, im Weddinger Teil, also im Brunnenviertel, das sei so üblich, weil da immer Parkplätze frei wären und es keine Parkraumbewirtschaftung gäbe. Schön, super Idee, ich mag das immer, wenn Leute gute Ideeen haben. Ich war extra zu Fuß gekommen um flexibel zu sein, in die Gartenstraße, das war höchstens ein halbstündiger Fußmarsch, das war okay.

Ich hatte mich bereits auf Probleme mit dem Auto eingestellt, da ich es schon einige Monate lang nicht mehr gefahren hatte und der Wagen hatte mir schon einige male schmerzlich vorgeführt, dass der Akku nicht mehr der Jüngste ist. Und natürlich: ich so ins Auto gesetzt, Schlüssel umgedreht und nichts.

Drei mal ist mir das schon passiert. Üblicherweise ist das kein Problem. In der Straße in der ich wohne gibt es so viele Menschen, dass sich innerhalb weniger Minuten jemand findet, der mir Starthilfe leistet. Diesmal war ich aber in der Gartenstraße im Brunnenviertel, das ist dieser Teil Westberlins, der auf drei Seiten ummauert war und auf der vierten Seite von den Ringbahn Gleisen abgetrennt wird. Um die Leute von damals vor dem Wegzug zu hindern hat man die alten kaputten Häuser durch neue Betonparadiese ersetzt. So sieht es da jetzt aus, also weniger Paradies aber desto mehr Betong. Und es ist da tot. Die wenigen Autos auf der Straße waren vom Herbstlaub bedeckt, gegenüber läuft der Bahndamm der ehemaligen Nordbahn, zu Mauerzeiten als Grenzmauer umfunktioniert, ich stieg aus, schaute mich um, ob ich einen Helfer erblicken könne, aber nein, es gab niemanden. Es fuhren nicht wenige Autos, Taxis vor allem, es ist die Schleichroute nach Tegel, aber Autos heranzuwinken ist sozusagen nicht mein Stil, ich war auch unrasiert, ich sah sehr nach Samstagmorgen aus und hätte ich so einen Typen wie mich im Brunnenviertel neben der Straße winken sehen, hätte ich vermutlich aufs Gaspedal gedrückt. Ich beschloss zu warten, ich lehnte mich ans Auto und schaute auf das Handy, las Facebook, las Nachrichten, irgendeine Eingebung würde mir schon vom Himmel fallen.
Dann rief ich meine Frau an, die zuhause lag und ein wenig kränkelte, um meine Situation zu schildern, dass es nun eben ein bisschen dauern würde, sie solle sich nicht sorgen. Ich hatte nichts besonderes vor, außer einer lose Verabredung Fußball zu gucken, es war eben noch Vormittag, ich hatte viel Zeit.

Als mir nichts vom Himmel fiel beschloss ich den ADAC anzurufen. Das macht man doch so oder? Das Auto hat ein Problem und dann ruft man den ADAC an, ist das nicht so ein Lobbyverband für Autofahrer, sowas wie Fielmann für Brillenträger, Leute mit Lösungen? Beim ADAC hatte man tatsächlich eine Lösung, man würde mir jemanden schicken, ich wollte vorher aber wissen, wieviel das kostete, ich sei kein Mitglied, sondern suche nur nach einer Lösung. Man sagte mir, das sei kostenlos. Das fand ich super. Wie bei Fielmann eben. Ich wartete also auf den Rückruf.
In der Zwischenzeit lernte ich einen jungen, bulligen Mann in Trainigshose kennen. Er führte seinen großen Hund spazieren. Ich fragte ihn, ob er mir Starthilfe geben könne. Zur Sicherheit sagte ich im dritten Satz “Schöner Hund”. Er wurde sofort freundlich. Leider konnte er mir nicht helfen, er hatte keinen Führerschein mehr.

Eine halbe Stunde später rief mich der ADAC zurück. Man wollte wissen wo ich stand, ich nannte Straße und Hausnummer, fragte aber zur Sicherheit noch einmal nach dem Preis. Dieser Herr nannte mir jetzt 135€. Das ist ungefähr das 135-fache von kostenlos. (OK, Rechnung stimmt nicht). Das lehnte ich natürlich ab. Der ADAC-Mensch empfahl mir eine Taxe heranzuwinken, die hätten immer Startkabel dabei und würden immer helfen. Gute Idee dachte ich, ich legte auf und lief in das Viertel hinein auf der Suche nach einer Geldautomaten. Ich begegnete wieder dem jungen Mann mit dem Hund, der mir sagte, der nächste Automat befände sich am Nordbahnhof. Nordbahnhof, seufzte ich. Ein halber Kilometer südwärts.

Am Nordbahnhof bekam ich dann Geld. Ich dachte ich winke mir dort ein Taxi heran, das mich bis zum Auto bringt und dann Starthilfe gibt. Ich winkte unterwegs, es kam allerdings kein freies Taxi bis ich wieder am Auto stand. Also rief ich den Taxifunk per Telefon an, die mir ein Taxi zum Starthilfegeben schickten. Das ist tatsächlich ein Service, den Taxifahrer so geben. Kostet 15 Euro, ist billiger als der ADAC.
Mein Taxifahrer war ein Hertha-Fan, beim Abschied wünschten wir uns ein gutes Auswärstsspiel gegen Schalke, ich stieg dann in mein Auto mit dem nun laufenden Motor, wollte losfahren und würgte die Kiste ab. Tot. Und natürlich sprang es wieder nicht an. Ich konnte den Taxifahrer noch im Rückspiegel sehen, ich sprang aus meinem Auto und winkte ein bisschen wild. Das Taxi bremste und kam zurück. Er fand das schon lustig, ich sagte, ich sei kein sehr guter Autofahrer. Nachdem er den Motor wieder zum Laufen gebracht hatte, bat ich ihn kurz bei mir zu bleiben, bis ich losgefahren sei. Er sagte: immer feste Gas geben beim Anfahren. Das funktionierte.

Ich wusste aus den vorigen Erfahrungen, dass man ein bisschen fahren muss, um die Batterie aufzuladen. Am besten auf die Autobahn rauf und eine Stunde ordentlich fahren. Ich hatte aber Angst auf dem Weg zur Autobahn zu versagen, ich hatte Angst, auf einer großen Straße an einer Ampel den Motor abzuwürgen und mich plötzlich mitten in einer hupenden, bösen Welt wiederzufinden. Also bog ich in das Brunnenviertel hinein und fuhr um zwei oder drei Blocks. Ich fuhr immer im ersten Gang, 50 Km/h, ich fuhr völlig obertourig, das muss sich furchtbar angehört haben, aber nur so würde ich die Batterie aufgeladen bekommen. Dann gelangte ich in die Ackerstraße in eine Sackgasse, kurz vor Ende links stand eine sehr alte Frau bei einer Art Einfahrt, ich glaube, das muss ein Altersheim gewesen sein, ich fuhr in diese Einfahrt ein um zu drehen. Diese sehr alte Frau lehnte über einen Rollstuhl. Sie stand nur da, schaute mich mit einer schwer einzuschätzenden Miene an und lehnte über diesen Rollstuhl. Ich wollte den Rückgang einlegen und (Kunstpause) würgte den Motor ab.

Dummerweise stand ich jetzt ungünstig und quer in einer Auffahrt zu einem Altersheim, ich möchte mir nicht ausmalen, wie böse die Welt geworden wäre, wenn die Feuerwehr zum Altersheim hätten gelangen müssen.

Routiniert wie ich war, rief ich also wieder den Taxifunk an. Man versprach mir ein Taxi binnen zehn Minuten. In diesen zehn Minuten stand ich beim Wagen und schaute auf mein Handy. Die sehr alte Frau schaute ganze zehn Minuten lang mich an. Mir war nicht wohl. Der Taxifahrer, der diesmal kam, war ein BVB Fan. Nachdem er mir geholfen hatte, bat ich ihn, kurz stehenzubleiben und mir beim Starten zuzusehen, ich sei ein schlechter Autofahrer und eventuell würde ich den Wagen wieder abwürgen. Er fand das amüsant. Diesmal drückte ich ordentlich aufs Gas und alles lief gut. Nun fuhr ich zwanzig mal um zwei Häuserblocks herum. 50 Km/h im ersten Gang. Vielleicht fuhr ich auch dreißig mal. Als ich ein gutes Gefühl hatte, traute ich mich hinunter auf die Bernauer Straße und fuhr heim. Vor meinem Haus saß ich noch eine Weile mit laufendem Motor und schaute auf mein Handy.
Echt jetzt. Smartphones. Wohin hat man früher eigentlich geschaut?

[chicago]

Bei Banana Republic einen schicken Pullover mit Reißverschluss gefunden. Als ich mich in der Umkleidekabine beäugte, hing von draußen jemand eine Hose über die Tür. Eine Männerstimme fügte an, dass mir die Hose gut passen würde. »It will fit you, sir«. Ich war ziemlich überrascht, mir war niemand aufgefallen der mich beobachtet hatte. Überhaupt war der Laden ziemlich leer, es hatte niemanden gegeben, der sich in meiner unmittelbaren Nähe aufgehalten haben könnte.
Bevor ich mit dieser Anekdote jedenfalls weiterfahre muss ich zuerst mein Hosenproblem erwähnen. Es fällt mir grundsätzlich schwer Hosen zu finden. Ich habe verhältnismäßig kurze Beine und bin an den Hüften äußerst kräftig. Das ist ein Unmaß. Ich finde eigentlich selten Hosen, die ich nicht nachträglich bearbeiten lassen muss. Diese Hose aber. Diese Hose passte wie an-ge-gossen. It will fit you, sir. Er hat mich wohl nur kurz zwischen den Kleiderstangen gesehen und sofort muss es bei ihm in Großbuchstaben aufgeblinkt haben: HOSENPROBLEM.
Als ich die Kabine verließ, wollte ich mich bei dem mysteriösen Herren bedanken, es liefen aber nur vereinzelte Kunden durch die Hallen.


Ich bin mit diesem Bild von Amerikanern groß geworden das sie als oberflächlich bezeichnet. Das hängt möglicherweise mit einer oft als übertrieben scheinenden Freundlichkeit zusammen. Sicherlich auch wegen des Glitzerns der amerikanischen Kulturexportes, aber vor allem wegen der Freundlichkeit. Nach meiner anfänglichen Reaktion, die Freundlichkeit als Übergriffig wahrzunehmen, kam ich ganz schnell zum Schluss, dass man sich mit dieser Freundlichkeit im Alltag einen unglaublichen Gefallen tut. Sowohl für sich selbst als auch für die anderen.


RedBull verleiht gar keine Flügel. Ich habe davon im amerikanischen Frühstücksfernsehen erfahren. Die Moderatoren machten sich darüber lustig. Sie wissen natürlich nicht, dass man in Europa tatsächlih glaubt, die Amis seien Freaks.


Überhaupt: Frühstücksfernsehen.


In diesen Tagen ganz merkwürdig über Europa verstimmt gewesen. Über Traditionen auch. Wenn ich mir die Stadtplanung ansehe, die Architektur, das Geschäftemachen, das Zusammenleben der Ethnien, die Offenheit, der Sport auch, die Art wie man nach vorne schaut. Europa steht sich mit ihren heiligen Traditionen so oft im Weg.

[displays, etc.]

Der junge Mann der gestern vor mir aus der U-Bahn stieg und auf sein Telefon-Display starrte. Er ging auf die Absperrung vor der Rolltreppe zu und wäre beinahe in das dahinterliegende Loch gestürzt. Ich warnte ihn rechtzeitig, pass auf, da ist ein Loch im Boden. Er schaute auf und sagte, oh, das stand nicht auf meinem Display. Das war so witzig, dass wir uns ein paar Sekunden lang kaputtlachten, da vor diesem Loch an der Rolltreppe.

Dann unterhielt ich mich heute mit einem Kollegen über die Telefonfußgänger-Pfade in chinesischen Städten, das wohl die Sicherheit der telefonnutzenden Fußgänger erhöhen soll. Ich bin mir nicht mehr sicher, ob ich das auf postillon.de gelesen habe oder ob es eine halbwegs seriöse Meldung war, ich muss das nochmal nachgooglen, ich fragte mich nur nach der Notwendigkeit dieser Maßnahme, ich meine ich HÖRE seit meinem neuen Telefonverhalten viel dreidimensionaler, ich fragte mich, ob wir nicht besser ein paar Tote in Kauf nehmen und uns dafür evolutionstechnisch akustisch den Fledermäusen anpassen.

Andererseits heute der junge Mann in der Sanderstraße beim Überqueren der (ok, verkehrsarmen) Straße: Siri, wo ist das näheste mexikanische Restaurant?
Wie er das sagte. Mit luter Stimme, aufrecht und stolzen Schrittes. Er war alleine. Ich dachte erst, wow, ein progressiver Maximalist. Mein zweiter Gedanke war, wow, Siri, das ist möglicherweise die elegante Abkürzung vom mühsamen Weg durch die Evolution. Kurz vor dem dritten Gedanken dachte ich dann, Scheiße, Siri, ist das Sprechen in ein Telefon hinein nicht furchtbar altmodisch?

Hier noch der vierte Absatz. Es sieht irgendwie blöd aus, die drei obenstehenden Absätze mit einer Frage ohne Conclusio zu beenden.

[...]

In Tegel zeigt sich dieses Land vielleicht von der charmantesten Seite. Es ähnelt bisweilen einem Metalfestival-Zeltlager, wie die Herden sich durch die Hallen bewegen, wie die Menschen auf Koffern kampieren, wie sich die Schlangen ständig neu formen, sich kräuseln, gutgelaunte und laute Flughafendamen, die durch die Schlangen laufen und Flüge aufrufen, sich die entsprechenden Leute schnappen und in die eigens für sie geöffneten Sicherheitsschalter schleusen, diese Minischleusen mit diesen Mini-Taxfrees mit diesen Mini-Coffeetogogos, und wie das Personal den aufgeregten älteren Passagieren Zuversicht zuspricht, dass sie den Flug sicherlich erreichen werden, dieses hocheffiziente Chaosmanagement, ich wollte fast sagen PERSONALISIERTES Chaosmanagement, Punktpunktpunkt und niemals, ich sage NIEMALS, habe ich in Tegel schlechte Laune erlebt.

Das ist ein Aggregatzustand dem ich am liebsten einen Namen geben möchte.

[fb #4]

In ein Meeting gegangen, dann in ein zweites, im Anschluss Mittag gegessen, dann ein kurzes Meeting gehalten, das bis 18:00 Uhr ausgeufert ist, daraufhin zwei Mails geschrieben und nach hause gegangen. -> etwa neun Stunden.

Neulich: auf einer Geburtstagsparty gewesen. Mich um 19 Uhr hingesetzt, ein Bier bekommen, geredet, einen Hamburger bekommen, weitergeredet, ein zweites Bier, ein drittes, etc. irgendwann aufgestanden und gegangen. Auf die Uhr geschaut -> etwa 8 Stunden.

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Schokolade. Immer ein guter Grund Rotwein zu trinken. Rotwein. Immer ein guter Grund Schokolade zu essen. (Satanischer yeah-Kreis)

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Heute mit dem Fahrrad ins Olympiastadion gefahren. Das ist ja total machbar. Einmal den Kaiserdamm hoch. Von Mitte aus dauert es nicht mal eine Stunde. Bin immer wieder überrascht, was für ein Kaff Berlin eigentlich ist.

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So viele Schokokekse gegessen, dass ich mir den Appetit verdorben habe und jetzt ist Mittag. Ich kann jetzt doch nicht NICHT essen, ich esse ja so gerne Mittag, verdammt. Schokokeksen kann ich nie wiederstehen, Mittagessen aber auch nicht.

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Homer Simpson ist offenbar 39. Wir sind also Jahrgangskollegen. [...]. Das hat mich jetzt furchtbar deprimiert.

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Schmollen ist das Selbstmitleid für Stolze – sorry musste das schnell irgendwo hinschreiben. Satz kommt mit gerade so genial vor. Muss ihn mir Morgen nochmal ansehen.