[Donnerstag, 11.8.2022 – Trainingstrikot, Finderlohn, Rückenhaare]

Eigentlich wollte ich heute das zerbissene Herthatrikot ersetzen. Ich brauche ja Kleidung für das Spiel am Samstag. Zwar habe ich auch zwei richtige, blauweisse Trikots, aber wenn ich ehrlich bin, ziehe ich die nie an. Das liegt daran, dass sie mir zu offensichtlich Trikots sind. Ich liebe hingegen dieses dezente, dunkelblaue Trainingstrikot. Man könnte es fast auf einer Beerdigung tragen. Oder auf einer Fetischparty.

Weil ich heute aber mit dem Tier im Büro war, vergass ich schlicht, in den Herthashop zu gehen.

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Apropos Beerdigung. Am Abend traf ich meine Frau auf der schattigen Seite des Frankfurter Tores. Unter dem nördlichen Turm auf diesem langen, bankartigen Steinvorsprung. Dort sitzt es sich ganz prima.

Wenige Meter neben uns sass ein Mann. Er machte uns auf eine Tasche aufmerksam, die zwischen uns stand. Daran hing ein Badge mit dem Foto einer Frau und darin war ein Laptop und mehrere Papierdokumente. Er meinte, dass man da anrufen sollte. Er sagte das so, als würde er das nicht machen wollen.

Das war eine komische Geschichte. Der Mann sagte, er habe die Menschen gesehen, wie sie ohne die Tasche gingen, aber da sie jetzt nicht zurückkämen, sollte man doch anrufen. Auf dem Badge stand eine Notrufnummer, die man bei Fund des Badges anrufen solle. Und auch der Name der Frau.
Der Mann redete ständig von Finderlohn. Finderlohnfinderlohn.
Er wollte aber nicht selber anrufen. Ich rief also diese Notrufnummer an, es ging aber lediglich ein Anrufbeantworter ran, also sprach ich drauf, sagte, dass wir eine Tasche mit Laptop gefunden haben und ich einen Rückruf erwarte, sonst bringen wir die Tasche zur Polizei. Gleich danach suchte ich auf Facebook nach dem Namen der Frau und schrieb sie an. Die Nachricht blieb aber unbeantwortet. Nach 5 Minuten kam tatsächlich ein Rückruf von der Notrufnummer. Die Frau, die die Tasche verloren hatte, befand sich auf dem Weg zu einer Beerdigung. Er schlug vor, die Tasche bei mir aufzubewahren, aber wir zogen den Gang zur Polizei vor. Das sei ein netter Spaziergang und auf dem Rückweg läge das Brewdog, dann würden wir noch ein Hazy Jane zischen.

Der Mann, der nicht anrufen wollte sprach immer noch von Finderlohn. Ich sagte ihm, gib mir deine Nummer, dann frage ich nach Finderlohn, er sagte, nein, keine Nummer, ich solle einfach hier am Frankfurter Tor vorbeikommen.

Ja sicher.

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Morgen ist Firmenparty auf dem Boot. Wir tuckern stundenlang bei 30 Grad über die Spree. In der Rummelsburger Bucht werden wir schwimmen. In meiner Firma sind der Großteil der Mitarbeiter schwul. Alles gepflegte, schöne Männer. Ich werde mir die Haare auf dem Rücken rasieren müssen, sieht sonst Scheisse aus. Andererseits bin ich ja ein Daddy-Typ, wie man mir sagte, da MÜSSEN wiederum Haare dran sein. Die Welt ist wirklich schwierig geworden.

[Mittwoch, 10.8.2022 – ohne Unterhose, Dogwalkerin, Firmenparty]

Heute ging ich ohne Unterhose ins Büro. Ja, ich sags jetzt einfach mal.

In Schweden kaufte ich nämlich viele Unterhosen, was mich dazu veranlasste, die meisten Alten wegzuschmeissen. Dabei kalkulierte ich meinen Wochenbedarf etwas falsch und so zog ich gestern die letzte Unterhose aus der Kommode. Daraufhin wollte ich welche waschen, aber- nunja. Ich vergass es eben. Heute früh beim Öffnen der Kommode starrte ich dann auf viele fehlende Unterhosen.

Ich beschloss kurzerhand keine zu tragen. Es ist Sommer, es ist ohnehin zu warm. Viele Menschen tragen Tangas, die bieten genau so wenig hygienischen Schutz, als würde man gar keine tragen.

Es war dann OK.

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Die Hündin zerstörte gestern mein Hertha Trikot. Sie biss genau die Herthafahne kaputt. Als wäre es ein symbolischer Akt.

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Am Abend kam die künftige Hundesitterin zu uns. Für den ersten gemeinsamen Probelauf. Das bedeutet, sie nimmt das Tier mit und geht ohne uns für eine Stunde spazieren. Sie will die Verbindung testen.
Das funktionierte offenbar prima. Zuerst liess sie sich gut mit Leckerlis mitlocken (sie macht ALLES fürs Essen), danach auf der Strasse ging es aber weniger gut, sie zerrte und wollte zurück und bestand immer wieder darauf, bestimmte Richtungen einzuschlagen, aber letzendlich funktionierte es.

Das ist gut und auch irgendwie schlecht. Gut, dass man sie der Dogwalkerin mitgeben kann, aber auch, dass sie leicht gestohlen werden kann. Aber gut, man sagt, dass fast alle Hunde leicht gestohlen werden können. Es gibt nur vereinzelte Ausnahmen.

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Am Freitag haben wir Firmenparty. Gleichzeitig war ich am Abend mit Freunden verabredet. Weil ich die Firmenparty derzeit nicht gut schwänzen kann, sagte ich die Verabredung mit den Freunden ab. Meine Frau würde aber trotzdem hingehen. Heute stellte ich dann fest, dass die Firmenparty nicht abends stattfindet, sondern tagsüber. Damit hatte ich nicht gerechnet, ich war nicht teil des Organisationskomites, und bei Party denke ich eben an Nächte in denen man tanzt und trinkt und am nächsten Tag Kopfschmerzen hat. Eine ganztägige Feier finde ich aber auch prima. Wir haben uns ein Boot gemietet und werden über die Spree tuckern. In der Rummelsburger Bucht werden wir vom Boot aus ins Wasser springen. Ich bin seltenst in der Stimmung ins Wasser zu springen, aber ich weiss, wie toll das ist, wenn man mal im Wasser ist. Immer das gleiche Problem.

[Mo/Di, 8./9.8.2022 – Hundedating, Autodating, Bierchens, Pattaya Beach, Höhlenfilm]

Totalmente den Eintrag vom Montag vergessen. Der Dienstag fing an und ging weiter. Und weiter. Am späten Nachmittag fiel mir dann auf, dass ich den Eintrag noch nicht geschrieben hatte. Es war schon so spät und ich hatte noch ein Meeting, sodass ich beschloss, nicht mehr daran zu schreiben.

Ich war am heutigen Dienstag zuhause geblieben. Am Vormittag war ich mit dem Tier im Park, wir spazierten dort ein wenig herum, trafen andere Hunde und deren Menschen. Heute waren keine interessanten Menschen da, auch das Tier fand keine ebenbürtigen Hunde. Gestern war das anders. Ich traf eine sympathische Frau mit blauen Haaren aus Neuseeland und die Hündin verstand sich blendend mit ihrer Hündin. Wir Menschen plauderten und die Tiere spielten.
Wenn ich an normalen Tage nach Hause gehe, brauche ich nur “komm” zu rufen und losgehen, dann folgt sie mir automatisch. Gestern war das nicht so. Ich musste sie irgendwann anleinen und regelrecht aus dem Park ziehen.
Sie hatte eine Freundin gefunden.

Gestern lud ich auch die neuen Autodaten auf wirkaufendeinauto.de hoch. Ich hatte deren ursprüngliches Angebot von 3300€ verfallen lassen, da ich nach dem Angebot noch nach Bremerhaven gefahren war, was nochmal 900 Kilometer betrugen, und der Kilometerstand sollte schon aktuell sein. Ausserdem hatte ich vor zwei Jahren einen Tempomaten für 500€ einbauen lassen, das hätte ich gerne im Preis wiedergespiegelt gesehen.

Also aktualisierte ich die Daten des Autos und fügte ein Foto hinzu auf dem ich handschriftlich vermerkte, dass ich nachträglich einen Tempomaten für 500€ einbauten hatte lassen. Heute kam das neue Angebot von denen und der Preis war wegen bzw trotz der neuen Daten von 3300 auf 3000 gesackt.
Da hatte sicherlich jemand Schnaps in seinem Frühstückskaffee gegossen.
Ich muss mir noch überlegen, was ich mache, entweder ich fahre da hin und verhandle über den Preis, falls das überhaupt möglich ist, oder ich lege das Autoprofil einfach neu an.
Autoprofil. Klingt wie eine Datingseite.

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Um fünf Uhr laufe ich mit dem Hund in Richtung Ubahn, meiner Frau entgegen. Wir sitzen dann noch ein wenig im Schatten am Frankfurter Tor, beschliessen dann aber, ins Brewdog zu gehen und ein Bierchen zu trinken. Es werden dann zwei. Also pro Kopf.

Danach gehen wir nach Hause, machen uns einen Salat und schauen den neuen Film über die dreizehn Jungs aus Thailand, die 2018 in dieser Höhle festsassen. Mich hatte diese Geschichte damals ja sehr mitgenommen. Ich las den ganzen Tag über den Fortschritt, ich habe mir so oft Kartenmaterial dieser Höhle angesehen, dass ich sie wahrscheinlich nachzeichnen könnte.

Und jetzt kam der Film auf Amazon Prime raus. Der war erwarteterweise nur so mittel, die Geschichte hat mich aber wieder sofort eingefangen. Es ist irgendwas an dieser Geschichte, das mich total reinzieht. Zum einen, dass die Jungs da überhaupt aus Spass so weit rein sind, und dass sie sich dann in Panik immer tiefer in die Höhle zurückzogen, kilometerweit, auch durch Bereiche, an denen gerade mal ein erwachsener Mann durchpasst und steile Aufgänge. Dass danach, als das alles mit Wasser gefüllt war, dann auch noch Taucher so weit vordringen, weil sie tatsächlich daran glauben, dass da noch jemand ist.
Was mir dann immer den Rest gab: kurz vor dem Ende der Höhle, wo sich die Jungs gerettet hatten, einen Abschnitt, der hiess Pattaya Beach. Es gibt dort tief drin, an dieser gottvergessenen Stelle, einen Ort mit einem Namen.

[Sonntag, 7.8.2022 – Autoumstellung, Tierqual, Plank]

Da in unserer Strasse Bauarbeiten stattfinden, musste ich heute das Auto umstellen. Ich nahm das Tier mit, damit sie so oft wie möglich mit dem Auto in Verbindung gerät und irgendwann vielleicht positive Erinnerungen damit verknüpft.
-> Wenn sie sich an ihre Kindheit zurückerinnert, wie sie Hand in Hand mit ihrem Papa ins Auto stieg, er seinen Strohhut aufsetzte und coole Musik auflegte und sie dann zu zweit, nunja, um die Ecke fuhren.

Vor meinem Auto sass eine junge Mutter mit ihrer Tochter auf einer Bank und sie schleckten ein Eis. Die beiden sagten aah und ooh zu meiner Hündin.
Als ich vor dem Auto stehenblieb und die Hündin das Aufsperrklick hörte, begann sie sich zu wehren, zog an der Leine und stemmte sich mit allen vier Pfoten und ihren läppischen 10 Kilos gegen eine Annäherung an das Auto. Die beiden eisschleckenden Damen liessen bemitleidete Worte fallen. Es wurde nicht besser als ich sie gegen ihren Willen auf den Rücksitz hievte.

Ich scherzte ein bisschen mit den beiden, ich bin ja kein Tierquäler. Dann fuhr ich los, um die Ecke, parkte das Auto und wir beiden kamen wieder zurück. Nun habe ich das alte Auto ja noch nicht verkauft. Es stand genau vor meinem Neuen. Ich kam also wieder zu den beiden eisschleckenden Damen zurück und hatte das Bedürfnis, mich erklären zu müssen, da ich das Tier wieder in das Auto hineinquälen würde. Die beiden sagten wieder aah und ooh zur Hündin, aber diesmal mit einem bemitleidenden Unterton.
So sperrte ich auch das zweite Auto auf. Das Tier sprang diesmal aber einfach hinein. Voller Reiselust. Wir staunten alle. Meine Frau schaute aus dem Fenster und schloss sich dem allgemeinen Staunen an.

Und sonst so. Da wir gestern Gäste hatten, war die Wohnung super aufgeräumt. Und es gab noch offene Chipstüten, die fertiggegessen werden wollten. Ein guter Tag.

Später machten wir einen langen Spaziergang.

Und wir machten Plank-Übungen. Das erste Mal, seit wir das Tier haben. Die Hündin findet das komisch. Als wir uns beide auf den Boden legten, legte auch sie sich hin. Als wir uns schliesslich auf die Ellbogen stützten, begann sie unsere Haare zu lecken. Das war lustig. Führt uns aber nicht zum Ziel.

[Samstag, 6.8.2022 – Maxihunde, Derbyniederlage]

Der Tag fing eigentlich ganz gut an. Wir waren nach langer Zeit wieder in der Hundeschule. Wir hatten die Schile aufgrund von Urlauben und aus anderen Gründen fast zwei Monate ausgesetzt. Heute waren wir wieder da und unser Tier wurde gleich in die Maxi-Kategorie eingestuft. Maxi fühlte sich aber definitiv zu gross für sie an. Es waren lauter grosse Hunde, die aber jünger als sie waren. Zum Beispiel ein fünf Monate alter Rüde, der sie um zwei Köpfe überragte. Zweidrei Monate Altersunterschied machen in dieser Lebensphase viel aus. Ich hätte als junger Teenie vermutlich ungerne mit stupiden Riesenbabys gespielt.

War aber dennoch lustig.

Für das Spiel um 1530 hatte ich Freunde eingeladen, das Derby gegen Köpenick zu schauen. Es war ein netter Nachmittag mit Bier, Häppchen und Chips. Und mit einer Niederlage gegen diesen unsympathischen Club, der es sich zur Gewohnheit gemacht hat, ständig zu siegen.

Plötzlich ist es zwanzig Uhr, die Freunde sind gegangen und ich bin müde.

[Freitag, 5.8.2022 – Hitze, Dogwalkerin, Wiiiiiind, morgen Derby]

Die Nacht war schrecklich. Um Mitternacht waren draussen noch 31 Grad. Mein Schlafzimmer war etwas kühler. Gegen 2 Uhr fiel mir der Ventilator ein, den ich vor zwei oder drei Jahren gekauft hatte. Ich stelle ihn im Zimmer auf, dann konnte ich immerhin eine Stunde schlafen. Gegen drei zeigte mein Telefon 25 Grad Aussentemperatur an. Weil das wahrscheinlich die gleiche Temperatur wie im Schlafzimmer war, öffnete ich das Fenster. Zusammen mit der Wirkung des Ventilators, schlief ich nochmal zwei oder drei Stunden, mit mehreren Unterbrechungen.

Das Tier schlief vor mir auf dem Boden. Wir warfen uns nachts mehrmals leidende Blicke zu. Den Ventilator nahm sie interessiert zur Kenntnis. Aber durch ihr dichtes Fell, wird sich der Windchill Effekt vermutlich nicht einstellen.
Meine Frau schlief hingegen vorzüglich.

Am Nachmittag trafen wir uns mit einer Dogwalkerin. Sie würde ein oder zwei Tage die Woche mit der Hündin spazieren gehen.
Sie hat ein beinahe religiöses Konzept im Umgang mit Hunden und erklärt uns immer wieder ihre Arbeitsweise. Uns solls recht sein. Abwechslung ist immer gut und die Hündin macht jeden Scheiss gerne mit. Solange es nicht Autofahren ist. Sie wird mit der Dogwalkerin natürlich autofahren müssen. Aber auch das wird klappen.

Danach gehen wir zum Brewdog am Frankfurter Tor und trinken ein, zwei, drei Feierabendbierchen. Die Temperaturen sind mittlerweile gesunken und es weht diese unglaublich tolle Wind. Wir sitzen da und tanken Kühlheit.

Ich war schon etwas cremig als mir auffiel, dass gerade das schönste Wetter der Welt über Berlin hinwegzieht. Dichte Wolken, keine direkte Sonne, fünfundzwanzig Grad, einen freundlicher aber starker Wind, ein bisschen unheimlich, ein bisschen erlösend. Das hätte ewig so gehen können.

Und morgen ist das Derby. Ich habe Freunde eingeladen, wir werden zusammen schauen. Das Derby alleine zu schauen, bin ich psychologisch nicht bereit.

[Donnerstag, 4.8.2022 – Tiercontent]

Heute nahm ich das Tier wieder mit ins Büro. Vor allem, weil es im Büro kühler ist, als zuhause. Das Tier kommt mit der Hitze nicht gut zurecht, dann will ich ihm wenigstens ein paar angenehme Stunden bereiten.
Im Büro haben wir zwar keine klassische Klimaanlage, aber das ganze Gebäude wurde nach einem passiven Kühlungssystem entworfen. Irgendwas mit kühlenden Decken. Weil dieses System auf Kontinuität ausgelegt ist, und die Räume eher langsam kühlt statt brutal kaltbläst wie eine Klimaanlage, muss man dafür die Fenster konsequent geschlossen halten. Und hier sind wir schon beim Problem. Als ich ins Büro ging, betrug die Aussentemperatur bereits 31 Grad und die Fenster standen überall aufgerissen. Wegen Frische und so.

Heute schrie meine Hündin wie eine sterbende Sau. Das war, als wir das Büro betreten wollten. Sie ist immer sehr aufgeregt, wenn wir ins Büro gehen. Sie hat dort viele Menschenfreunde, die sie begrüssen muss und sie hat diese langen Flure, die sie rauf und runter rennen kann. In der Aufregung geriet sie heute beim Öffnen der schweren Bürotür mit den Pfoten dazwischen. Ich muss die Tür immer ein bisschen mit Wucht aufreissen, weil sie so schwer ist. Heute lief die Hündin auf der falschen Seite neben mir vorbei.
Dann schrie sie, als würde sie sterben. Sie hörte nicht mehr auf. Ich kann den Schrei gar nicht beschreiben. Es war ein durchgehendes Quieken. Dabei schaute sie mir entsetzt an und hielt ihre linke Vorderpfote hoch. Es sah danach aus, als wäre das Gelenk gebrochen. Meine Gefühle brachen in alle Richtungen aus, ich hielt ihre verletzte Pfote fest und hielt ihren Kopf fest, sie quiekte und sie quiekte, ich knetete leicht, dann prüfte ich die Beweglichkeit der Gelenke, so eine Pfote hat die Gelenke ja an anderen Stellen als wir Menschen. Nach einer Minute entsetzlichen Lärms wurde das Quieken weniger, es gab auch keine Schmerzreaktion auf die Bewegungen. Ich liess sie mit der Pfote auftreten, es schien nicht zu schmerzen. Nochmal eine Minute später war der Spuk vorbei.

Danach rannnte sie wieder als sei nie etwas geschehen.

Allerdings pinkelte sie heute zweimal in den Innenräumen des Büros. Das ist schon seit Ewigkeiten nicht mehr passiert. Eigentlich haben wir sie als stubenrein eingeordnet. Heute gleich zwei Mal und zwar ausserhalb des üblichen Pipizykluses. Einfach so, zwei Stunden nachdem wir Gassi waren, setzt sie sich neben mir auf den Teppichboden in ihre entspannte Pipipose und entleert genüsslich ihre Blase. Das zweite Mal im Flur. Allerdings nicht vor meinen Augen.

Nach dem Vorfall heute früh an der Eingangstür, nahm ich das Ganze entspannt zur Kenntnis. Zwar schimpfte ich obligatorisch (soll man ab einem gewissen Alter tun), aber ich nahm es eher gelassen hin.

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Es wird heute Abend nur langsam abkühlen. Das wird eine qualvolle Nacht. Das weiss ich jetzt schon. Bereits die letzte Nacht war qualvoll.

[Mittwoch, 3.8.2022 – Planschbecken, Hitze]

Ins Büro. Gearbeitet. Dann wieder nach Hause. Es mass 33 Grad. Unser Büro hat keine Klimaanlage. Aber weil wir alle fleissig die Fenster geschlossen halten, ist die Temperatur erträglich. Morgen wird es 37 Grad und ich werde das Tier mitnehmen.
Ich hielt nach Bademöglichkeiten Aussschau. Die dekorativen Wasserbecken am Potsdamer Platz sind von einem seltsamen und schmutzigen Film überzogen. Ausserdem baden dort auch Enten, und es schwimmen riesige und vermutlich teure Dekofische. Dann die Planschbecken an der Karl Marx Allee. Die sind für Hunde leider verboten. Deswegen poste ich auf Facebook in irgendeiner Hundegruppe Friedrichshain ob es Tipps für Hundeplanschen im Kiez gibt. Es gibt den Tipp zu den Becken östlich des Frankfurter Tores. Ich kenne die Becken vom Winter, ich wusste nicht, dass die im Sommer Wasser eingelassen bekommen.
Aber unter diesem Vorschlag melden sich Menschen, die den Hund dort haben baden lassen und daraufhin Durchfall bekamen. Hunde und Durchfall. Horror. Ich wusste noch gar nicht, dass mir sowas blühen könnte.

Wenn es ganz schlimm wird, werde ich sie einfach regelmäßig in die Dusche schmeissen. Für sie muss es unerträglich sein. Wenn ich anschaue, während sie unter Sonnenstrahlen hechelt, dann stelle ich mir immer vor, ich trüge einen dicken Wollpullover. Dann wird mir unangenehm und ich kriege Gänsehaut. Und wenn ich Gänsehaut kriege, dann sticht meine Schürfwunde.

Apropos Schürfwunde. Es geht ihr besser. Sie eiterte gestern, das ist jetzt aber vorbei. Ich säubere die Wunde und lasse sie atmen. Und wenn ich sie nicht atmen lassen kann, dann verbinde ich sie. Sie ist jetzt schon schön trocken.
Aber es wird noch dauern.

[Dienstag, 2.8.2022 – Harleyfahrrad, Ahnengalerien]

Heute wollte ich wieder ins Büro, aber ich fühlte mich noch nicht ganz fit und blieb deswegen zuhause. Ich wollte schon etwas arbeiten, deswegen meldete ich mich wieder gesund, aber ich würde Homeoffice machen. Besonders produktiv war ich allerdings nicht.

Am Morgen ging ich mit der Hündin in den Park. Unterwegs an einer Ampel begegneten wir einem Mann mit einem Fahrrad, der auf dem Lenker eine Bluetoothbox montiert hatte. Aus der Box brummte Techno. Der Mann sah aus wie das, was man landläufig als Rocker versteht. Sein Fahrrad war auch tiefergelegt und geformt wie eine Harley.

Die Hündin bekam von diesem Anblick immense Angst. Schon als der Fahrer längst weg war, bellte sie in jene Richtung und drehte sich panisch ständig um, als wir schon 10 Minuten weitergelaufen waren. Ich hatte keine Verbindung mehr zu ihr. Während der kurzen Parkrunde liess ich sie von der Leine, aber als sie einen Mann anknurrte, der in weiter Entfernung im Gras sass, beschloss ich sie anzuleinen und wieder nach Hause zu gehen.

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Ich stiess zufällig auf zwei 17 Jahre alte Texte, in denen ich mich mit der Geschichte meiner Grosseltern beschäftigte. Unfassbar gute Geschichten. Ich setzte mich gleich dran und hübschte sie ein wenig auf. Damals verwendete ich viel zu viele Adjektive. Schon richtig unangenehm zu lesen. Jetzt sind es ein paar weniger. Hier die Links:

Ahnengalerie väterlicherseits
Ahnengalerie mütterlicherseits

[Montag, 1.8.2022 – viele kleine Minirisse und die Schürfwunde]

Ich war schon auf dem Weg ins Büro, doch dann merkte ich, dass ich mich überhaupt nicht danach fühle. Es fehlte mir an Kraft, an Kraft für die Pedale, ich war müde, und ich hatte Schüttelfrost. Der Schüttelfrost beunruhigte mich, also drehte ich nach einem Kilometer um und fuhr wieder nach Hase. Es ging mir ganz offensichtlich nicht gut. Woher das jetzt genau kommt, weiss ich nicht, ich fürchte aber von den insgesamt 12 Minuten übereifrigen Fussballspielens. Die untere Hälfte meines Körpers fühlt sich wund an, ich stelle mir millionen kleiner Risschen im Muskelgewebe vor. Alle wollen jetzt gleichzeitig heilen. Es brennt.
Die zweite Theorie ist die Schürfwunde. Die Schürfwunde hat sich natürlich entzündet. Jetzt laufe ich mit einer brennenden Wundenfläche herum. Es trägt sicherlich nicht dazu bei, dass das Tier die Wunde zu lecken versuchte. Ich desinfizierte die Wunde mehrmals, ich ging in die Apotheke und kaufte verschiedene Mittel und Mullbinden. Meine Frau verarztete mich und wickelte mein rechtes Bein in eine Binde.

In der Summe hat der Körper wohl alle Abwehrraketen in mir aktiviert und das alles zieht mein Kraftlevel ziemlich runter. Am späten Nachmittag geht es etwas besser. Wir gehen mit dem Tier in den Hundeauslauf und wieder zurück. Das sind etwa 2km Fussweg. Ich humple ein wenig, aber es geht schon.

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Immer wenn ich über das Schneiden der Hundehaare schreibe, schnellen die Zugriffszahlen auf dieses Blog hoch. Immer auf den jeweiligen Eintrag. Da ich den Referrer nicht sehen kann, weiss ich nicht, wo diese Einträge verlinkt sind, ich vermute mal ein Messenger, aber Referrer werden in den letzten Jahren ohnehin nicht mehr gut angezeigt. Ich finds lustig.

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Am Abend schmerzt mein rechtes Bein. Also der ganze Bereich der Wunde. Ich lege es hoch und wir schauen 4 Folgen “This is us”. Ich muss allerdings eine starke IBU nehmen, erst danach lindert sich der Schmerz.