[My own private digitale Souveränität – Teil 2]

Hier Teil 1.

Am Wochenende hatte ich keine Zeit, das Thema digitale Souveränität weiterzuführen. Aber jetzt. Weiter geht es mit Browsern.

Chrome. Wann fing das eigentlich an, dass plötzlich alle auf Chrome umstiegen, und vor allem: Warum? Als Firefox-Benutzer verstand ich nie so richtig, warum man einen Browser verwenden sollte, der vom größten Datensammler der Welt entwickelt wird. Auch wenn Chromes Unterbau namens Chromium Open Source ist, so verwenden doch alle das bunte Chrome-Produkt von Google, mit all seinen Tracking- und Targeting-Funktionen. Ich habe an Firefox nie etwas vermisst. Einzig empfinde ich es unter den heutigen Umständen als Nachteil, dass die Mozilla Foundation ihren Sitz in San Francisco hat. Aber gut, es ist eine Non-Profit-Organisation, es hat wenigstens nichts mit den sogenannten Tech-Bros zu tun.

Trotzdem gibt es europäische Alternativen, wie den neuerdings sehr populär gewordenen und datenschutzfreundlichen „Vivaldi„-Browser aus Norwegen. Er basiert, wie Chrome, auf der offenen Chromium-Engine, aber eben ohne das Tracking. Selbiges gilt für den deutschen Ecosia-Browser. Auch mit Chromium-Unterbau, allerdings mit starkem Fokus auf Umweltbewusstsein (die Suchmaschine mit den Bäumen, siehe weiter unten).

Google weiß schon fast alles über mich. Meine Suchen, die Seiten, die ich besuche, mit wem ich das Bett teile, wo ich arbeite, welche Lokale ich besuche, wann ich mit dem Hund Gassi gehe und mit wem, welche Geräte ich besitze, welche Filme ich schaue, das ganze Netz ist von Google durchzogen. Ich will wirklich nicht noch deren Browser verwenden, um ihnen den Zugang zu mir zu erleichtern.

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Google-Suchmaschine. Stimmt. Google hat ja auch noch eine Suchmaschine. Zum Suchen verwende ich hauptsächlich Ecosia.de bzw. Qwant.com. Die beiden Firmen bauen zusammen einen europäischen Suchindex auf. Er kommt bisher nicht ganz an Google heran, aber er ist bereits sehr gut und reicht mir vollkommen.

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Twitter/X. Okay, ein No-brainer. Das fiel mir mit BlueSky und Mastodon ziemlich leicht. Viele Menschen beklagen die fehlende Reichweite und auch das einseitige Meinungsbild auf den beiden neuen Plattformen, weil die bürgerlichen Leute doch eher auf Musks Propagandaplattform geblieben sind. Ich war allerdings nie ein großer Microblogging-Nutzer. Immer noch nicht. Für mich war das kein großes Opfer.

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Amazon. Die Einkaufsplattform. Ich verwende Amazon nur noch wegen der Bewertungen. Ich lese zuerst die Bewertungen und kaufe das Produkt danach anderswo. Otto, Kaufland, Zalando, oder den zahlreichen kleinen Shops. Preislich nimmt es sich fast nie etwas. Manchmal drängt Amazon aber immer noch die Kleinen mit den Versandkosten aus dem Markt. Unschlagbar bei den Versandkosten, sagen die einen. Fuck you Amazon, sage ich.

Bücher bestelle ich online bei der Buchhandlung im Kiez und hole sie dann persönlich ab. Die mögen meine Hündin. Klingt jetzt ein bisschen simpel, aber ich mag es, wenn Menschen nett zu meiner Hündin sind.

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Netflix, Prime Video, Apple TV, Disney etc. – hier wird es richtig schwierig. Wenn wir ehrlich sind, gibt es dazu keine Alternativen. Überraschenderweise hat MagentaTV der Telekom ein wirklich gutes, unscheinbares Programm, aber es fehlen die großen, modernen Titel. Sky Deutschland wäre da noch. Aber die haben außer Fußball kaum noch etwas Gescheites zu bieten. Wahrscheinlich wird es auf absehbare Zeit auch keine Alternativen zu den großen Streaminganbietern geben, da die Film,- und Serienproduktionen aus den USA zum einen schlichtweg durchgehend besser sind, in Stil, Form und Qualität, und sie einfach dermaßen große Massen produzieren, die dann über ihre eigenen Plattformen vertrieben werden, dass da erstmal niemand mithalten kann. Zumindest würde mir kein Geschäftsmodell einfallen, mit dem man der Marktmacht entgegentreten könnte.

Andererseits: Die Streamingdienste tun erst mal nicht so weh. Das hat mit digitaler Souveränität nur sekundär zu tun. Sollte man mir drohen, Prime Video abzuschalten, dann sollen sie es eben abschalten. Problem gelöst.

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Insta, TikTok und Facebook. Die großen Social-Media-Plattformen. Diese halte ich am problematischsten. Weil es mittlerweile Propagandamaschinen sind. Der US-Supreme COurt hat in 2026 bestätigt, dass „wer den Algorithmus beherrscht, auch entscheidet, welche politische Meinung oben im Feed steht“. Aus diesem Grund wurde das amerikanische TikTok-Geschäft aus dem chinesischen Mutterkonzern herausgelöst und unter amerikanische Hoheit gesetzt. Das mag jetzt paranoid klingen, aber ich vertraue Trump und seinen Social-Media-Gefolgsleuten nicht. Vance, Bannon, Musk, Zuckerberg, sie reden alle ständig davon, dass man das Narrativ kontrollieren und die Kultur beherrschen muss, und wie unverholen sie die AfD aufbauen wollen. Ich finde das unfassbar. Vor allem, wie wenig sich darüber empört wird. Und dann kommt die Blase dazu. Alle reden immer davon, wie aktiv und erfolgreich die AfD auf Social Media ist, aber ich habe noch niemals ein Reel der AfD in meinen Feed bekommen. Der Algorithmus kennt mich. Der weiß, dass ich das ohnehin nicht mag. Ganze Schichten der Gesellschaft befinden sich in ihrer parallelen Realität.

Tjanun. Alternativen? Dünn gesät. Pixelfed, also das Insta-Mastodon, ist nett, aber das ist etwas ganz anderes. Um Insta oder TikTok abzulösen, muss man einen anderen Weg gehen. Für „Creator“ sind Insta oder TikTok eine relevante Einnahmequelle geworden. Oder wenn der Nachbarsjunge stolz erzählt, wie ein albernes Video mit ihm und seiner Schwester viral ging und er damit 3 € verdiente, dann ist das die Welt, die Social Media triggert. Das kann das offene Pixelfed nicht bieten. Wenn man aus gesellschaftspolitischer Sicht will, dass die Massen von Insta und Konsorten wegziehen, muss wahrscheinlich Geld her. Ja, langweilig.

Immerhin gibt es ein deutsches Projekt namens „Wedium„. Im Oktober in Berlin gegründet. Mit dem Ziel, ein entshittetes, faires, botloses und hassfreies Instagram zu schaffen. Kommerziell soll es werden, aber gleichzeitig auch gut. Die wichtige Frage, die sich mir stellt, ist, wie man verhindert, dass Meta oder Bytedance die Firma irgendwann aufkauft, aber sonst finde ich es aus wirtschafts- und sozialpolitischer Sicht ein sehr interessantes Projekt. Man kann sich bereits voranmelden. Aber es geht erst im Juni live. Oder so.

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Spotify. Spotify ist schwedisch. Ich bin bei Spotify geblieben. Letzten Herbst gab es eine große Kündigungswelle bei Spotify, nachdem herauskam, dass der CEO in das bayerische Rüstungs-Startup „Helsing“ investiert. Für mich war das kein Kündigungsgrund. In der heutigen militärischen Bedrohungslage, stört es mich nicht im Geringsten, wenn man in europäische Verteidigung investiert. Schließlich sind wir vor allem militärisch erpressbar geworden, siehe Grönland und Ukraine. Es ist traurig, dass wir in Militär investieren müssen, aber so hat sich die Welt gewandelt.
An Spotify stört mich hingegen, dass sie Künstlerinnen schlecht bezahlen, das ist für mich ein Kündigungsgrund. Das Problem gibt es schon lange, aber das hat noch nie eine Welle ausgelöst. Viele sind dann zu Apple Music abgewandert, aber da sind wir wieder bei USA und digitaler Souveränität. Tidal soll aber gut sein. Kommen aus Norwegen. Habe ich mich aber nicht näher mit auseinandergesetzt.

Es gäbe jetzt noch ein paar technischere Projekte, die in meinem beruflichen Kontext wichtiger sind, wie zB Teams oder Slack, das sich unter anderem gut durch Matrix/Element ersetzen lässt. Wir verwenden Matrix/Element für die Kommunikation und Kollaboration in unserem Fanclub. Funktioniert prima.

Statt Confluence gibt es xWiki

Statt Jira gibt es OpenProject

Statt MS365 gibt es OpenDesk

Statt Google Translate gibt es Deepl

Für Cloud-Dienste (Dateien) gibt es mailbox.org (siehe anderer Eintrag) und Cloudserver kann Hetzner, oder das französische OHVCloud, das fast schon mit den Funktionen von Hyperscalern wie Amazon AWS mithalten kann.

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Was ich explizit weglasse, sind KI und LLMs. Neben GPT, Gemini, Claude, Llama etc. gibt es nichts Vergleichbares. Das einzige europäische LLM ist das französische Mistral. Ich verwende es regelmäßig, aber es hinkt schon sehr hinterher und ich kann es in meinem beruflichen Umfeld kaum verwenden. Ich würde mir wünschen, dass Mistral einen Qualitätssprung macht.

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Das müsste ziemlich genau meinen Tech-Fußabdruck abbilden. Habe ich ein Fazit? Was ich so gut wie bei jedem Produkt hinzufügen wollte, ist der Zusatz „fast“. Dass es fast so gut ist, fast so umfangreich in Funktionen. Die europäischen Alternativen waren nämlich meistens Alternativen, die eine kleinere Userbase und wesentlich weniger Geld hatten. Dieser Umstand kann sich jetzt ändern. Insofern blicke ich ziemlich zuversichtlich nach vorn.

[So, 1.2.2026 – alleine sterben]

Diesmal probiere ich es wieder: früh ins Bett gehen und dann morgen um 5 Uhr losfahren.
Ich gehe gerne früh ins Bett. Insbesondere in Schweden, wenn der Himmel noch nicht ganz dunkel ist. Ich lese noch ein wenig und schlafe dann ein. Nur mache ich das nie, keine Ahnung, warum.

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Heute war es richtig kalt. Ich ging mit meinem Freund E. und unseren Hündinnen spazieren. Seine Hündin ist läufig, also mieden wir den Park, in den wir sonst immer gehen, und liefen zum Velodrom. Zwar weht auf dem Dach des Velodroms immer ein starker Wind, der den Windchill-Effekt von –15 Grad voll in unseren Knochen jagen würde, aber es ging einigermaßen. Die Hündinnen scheinen diese Temperaturen zu lieben und sind seit Wochen außergewöhnlich aktiv.

Wir kamen auf das Thema Freundschaft zu sprechen und ich sagte zu ihm, dass er mittlerweile ein Freund für mich sei. Auch fügte ich hinzu, dass ich aber nicht genau wisse, was Freundschaften genau bedeuten, also bis zu welchem Moment, jemand eine Bekanntschaft ist und was eine Freundschaft genau ausmacht, außer, dass man sich gerne und oft sieht und sich gut unterhält. Ich stelle mir das Sterbebett vor. Wer würde zu mir ans Sterbebett kommen? Ich sagte zu ihm: Von einem Freund würde ich mir schon wünschen, dass er ans Sterbebett kommt, es wäre aber nicht meine Erwartung, dass er jeden zweiten Tag vorbeikommt, einmal Abschied nehmen würde wahrscheinlich reichen, natürlich würde es mich freuen, wenn er öfter käme, aber er müsse nicht bei meinem letzten Atemzug dabei sein, dazu kennen wir uns wieder nicht gut genug, bzw dafür ist unsere Freundschaft nicht innig genug, und das meine ich gar nicht böse, das liegt ja eher daran, wie wir Männer oft Freundschaften schließen, Männer sind selten innig zueinander.

Ist es das Maß einer Freundschaft, dass man beim Sterben Händchen hält?
Es gibt Menschen, da weinen viele Leute, wenn sie sterben. Das sind liebenswürdige Wesen. Ich bin hingegen nicht richtig liebenswürdig. Also, ich werde schon von einigen Menschen gemocht, aber ich bin nicht wirklich liebenswürdig. Kann ich grad nicht besser erklären. Einige Sterbende werden beim Ableben von vielen Menschen begleitet, ich weiß aber genau, wie das bei mir sein wird. Meine Frau wird vermutlich alleine neben mir sitzen und bei meinen letzten Atemzügen meine Hand halten. Zumindest so lange sie noch da ist.

Nun glaube ich gar nicht, dass ich überhaupt von Publikum umgeben sein möchte, wenn ich zum letzten Mal atme. Aber ich möchte dennoch nicht ganz alleine sterben. Aber Sterbebett. Ist das der Ort, an dem man misst, wie innig man zu seinen Freunden war? Ich werde auf alle Fälle mein Blog mitnehmen. Vielleicht schreibe ich auch deswegen in dieses Blog, damit ich nicht alleine sterbe. Man weiß ja nie.

[Sa, 31.1.2026 – Derry, Ikonen, Hündinnenfreundschaft]

Meine Hündin hat eine neue Freundin. Üblicherweise ist sie sich zu cool dafür, um mit anderen Hunden zu spielen. Spielaufforderungen geht sie aus dem Weg und wenn Hunde zu aufgeregt sind, verdreht sie nur die Augen. Auch im Rudel mit der Hundesitterin hat sie eher die Rolle der Aufpasserin inne. Sie schaut dem Treiben der anderen Hunde zu, wenn es ihr aber zu wild wird, geht sie dazwischen und maßregelt.

Die Sitterin hat jetzt aber eine neue Hündin. Sie ist ungefähr so groß wie meine Hündin auch und etwa im gleichen Alter. Und die beiden spielen. Sie springen sich an, fordern sich zum Spiel auf, jagen sich. Ich sah das schon auf den Insta-Storys der Sitterin. Heute traf ich sie im Park. Als sich die beiden Tiere erkannten, liefen sie aufeinander zu und begrüßten sich ganz aufgeregt. Danach rannten sie herum, wie zwei Welpen.

Ich weiß jetzt auch nicht. Es gibt keine Pointe. Auch keine Erkenntnis.

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Gestern fingen wir damit an, „IT“ zu schauen, die Serie, nicht den Film. Eigentlich wollten wir ja diesen oscarnominierten Horrorfilm „Blood and Sinners“ schauen, jedoch stellten wir fest, dass wir den bereits im Sommer mal gesehen hatten. Wir waren dem Hype schon voraus. Er war ganz okay, die Musik war gut, optisch auch, die Story war ein bisschen ungewöhnlich, was ich bei Horrorfilmen auch begrüße, sonst fand ich ihn aber etwas unterkomplex. Zu unterkomplex jedenfalls, um preisverdächtig zu sein.

Meine Frau sagte allerdings, dass ich während des Filmes eingeschlafen sei. Es kann also durchaus sein, dass ich die Komplexität nicht mitbekommen habe.

„It – Welcome to Derry“ entfaltet einen größeren Handlungsbogen. Er erzählt von diesem Monster, das alle 27 Jahre erwacht, und zieht diesmal Verbindungen zu den dokumentierten Vorfällen bis zurück ins Jahr 1905. Es ist keine originale Stephen-King-Geschichte, sondern eine darauf aufbauende Serie. Stephen King zeigte sich wohl enthusiastisch über die Umsetzung des Stoffes. Und tatsächlich könnte man nach der dritten Folge meinen, er hätte das Buch dazu selbst geschrieben.

Von Stephen King begeistert mich mittlerweile ja auch seine Person. Wie er auf BlueSky unerschrocken den aufkommenden Faschismus in den USA kommentiert und gegen Trump austeilt. Klar, er hat mittlerweile genug Geld und auch das Alter, um sich nicht mehr um seine Existenz zu fürchten. Aber dennoch. Ähnliches gilt für Bruce Springsteen. Auch so eine amerikanische Ikone. Musikalisch ging The Boss immer eher an mir vorbei, aber seine Vibes sprachen immer schon eher für das Volk in den Rust Belts. Und überhaupt: Jane Fonda! Gerade deswegen sind diese Stimmen so wichtig. Es ist anders als wenn Mark Ruffalo sich erhebt oder die üblichen, jungen, schönen, liberalen Größen. Diese Alten sprechen mit einem amerikanischen Gewissen.

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Wir bauen wieder. Wir waren bei Toom und kauften Holz. Sowie eine Akku-Kreissäge von Ryobi. Diesmal waren wir weniger erfolgreich, deswegen gibt es auch keine Bilder zur Dokumentation. Wir müssen die Pläne ändern. Aber Feierabendbier tranken wir trotzdem.

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[Fr, 30.1.2026 – am Pfefferberg]

Weil es ein paar Nachfragen gab: Kreuzkümmelkäse kann man in den Niederlanden ganz normal als Käsesorte kaufen und es gibt ihn praktisch überall, wo Käse verkauft wird, auch vorgeschnitten in Scheiben oder gewürfelt als Snack. Er heißt auf Niederländisch Komijnekaas und kann auch in diversen Onlineshops bezogen werden, z. B. hier.
Empfehlen würde ich die mittelalte Variante, das heißt in Originalsprache „belegen“. In der „oud“ Variante, also alt, finde ich ihn zu intensiv.

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Gestern war ich mit Exkolleginnen in der Markthalle am Pfefferberg. Sie haben wieder einmal umgebaut. Der Bereich mit den Tischen ist nun offener, ob es aber eine Verbesserung zu vorher war, darüber sind wir uns nicht ganz einig geworden. Dafür wurde das kulinarische Angebot eingestampft. Eigentlich gibt es nur den berühmten Taco-Tresen der Taqueria „El Oso“, über die behauptet wird, sie machten die besten Tacos auf europäischem Boden, was ich wegen mangelnder Vergleichsmöglichkeiten nicht bestätigen kann. Was ich hingegen bestätigen kann, ist, dass sie wirklich ausgezeichnet schmecken. Neben der Taqueria gibt es noch einen Tresen mit peruanischem Streetfood und links daneben einen etwas undefinierten Anbieter von Chicken-Wings und Mac&Cheese. Vorn am Eingang gab es obligatorische Ramen und das war es schon. Vorne mittig, gibt es noch eine Bar, die neben Cocktails genau eine Sorte Bier anbot, und zwar ein Industrie-Helles aus dem Süden der Republik. Total uninspiriert. Man hat sich nicht einmal die Mühe gemacht, ein Zwickl oder ein Pils anzubieten, oder etwas von kleinen Berliner Brauereien. Immerhin residiert sogar das Pfefferbräu im selben Gebäude. Für einen Treffpunkt für Foodies ist das etwas schwach.

Die Tacos waren aber gut.

Nachher gingen wir ein Stockwerk höher. Wir machten einen kleinen Rundgang über das Gelände des Pfefferberges. Die Brauerei wurde 1841 errichtet, als Prenzlauer Berg noch ein Acker war. Erst zwanzig Jahre später begann man, die Brauerei mit anderen Brauereien und Häusern zu umbauen. Ich zeigte das Museum der Tchoban Foundation, dieser Bau, der auf mich immer wirkt wie Hieroglyphen-Lego. Ich finde es sehr schön. Monumental, und gleichzeitig empfinde ich es als sehr subversiv. Wir schlichen uns durch ein paar Geheimdurchgänge zurück zur Seite an der Prenzlauer. Ich kenne dieses Gelände so gut, weil es meine Schleichroute vom Due Forni zu meiner alten Wohnung in Mitte war. Danach betraten wir das KINK, eines der neuen Lokale, die sich nun auf dem Gelände befinden. Das Restaurant soll sehr gut sein, aber wir gingen lediglich in die Bar nebenan. Die Bar ist ein wenig posh, und etwas geheimnisvoll. Viele elegant in schwarz gekleidete Menschen, der Sound loungig, unterschwellig. Der große Raum ist umgeben von Galerien. Vermutlich gab man von da oben früher das Malz in den Sud. In den Galerien saßen leicht bekleidete, dicke Frauen, die von professionellen Fotografen abgelichtet wurden. Dazu tranken sie sprudelnden Wein aus hohen Gläsern.

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Eigentlich wollte ich noch den zweiten Teil über digitale Souveränität aufschreiben. Das kommt vielleicht morgen. Oderso.

[Mi, 28.1.2026, Geburtstag, Kreuzkümmelkäse]

Ah, heute war übrigens mein Geburtstag. Normalerweise nehme ich mir an dem Tag immer frei, aber so weit weg von zu Hause wüsste ich ohnehin nicht, was ich tun sollte, also ging ich einfach arbeiten. Es war auch ein seltsam schönes Gefühl, ein inkognito Geburtstagskind zu sein. Bis die HR-Abteilung sich bei mir meldete und mit einer in Geschenkpapier verpackten Bluetooth-Box vorbeikam. Das rief weitere Kolleginnen herbei und plötzlich wussten alle Bescheid. Bin jetzt 51, und alle so: WHAT?, siehst viel jünger aus, und ich so: Dankeschön und reallife-Smileys verteilt.

Direkt nach der Arbeit fuhr ich nach Berlin. Ich hatte morgens bereits mein Auto beladen und die Autofahrschuhe in den Fußraum gelegt, sodass ich wirklich nur einsteigen und den Schlüssel umdrehen brauchte.

Ich hörte zum ersten Mal seit Dezember wieder das Hörbuch von Murakami weiter. Den ganzen Januar lang wollte ich davon nichts wissen. Ich hörte lediglich Podcasts und Musik. Vor allem Musik fand ich diesen Monat wirklich erhellend, es kamen dabei viele ausgesprochen gute Gedanken in mir auf. Während Podcasts oder Hörbücher hauptsächlich Input bedeuten, die sich zwar mit den eigenen Gedanken vermischen und darauf aufbauen, aber von diesem impulsiven Treiben auf Gedankenwellen, während man Musik hört, fühlte ich mich den ganzen Januar lang illuminiert.

Zu Hause gab es Geburtstagsbier und Geburtstagssnack. Meine Frau hatte mir von ihrer Reise nach Nizza Käse mitgebracht. Kreuzkümmelkäse, weil sie über Amsterdam geflogen war. Sie weiß, wie sehr ich Kreuzkümmelkäse liebe. Üblicherweise mache ich mir wenig aus gepanschtem Käse, also mit Kräuterkäse oder Brennnesselkäse kann man mich nicht locken. Zwar esse ich die durchaus, aber es geht auch ohne. Ganz anders ist das mit Kreuzkümmelkäse. In meiner Familie gibt es Menschen, die behaupten, dass ich wegen Kreuzkümmelkäse dick geworden bin. Als ich in den Neunzigern nämlich nach Utrecht verschwand und nach einigen Jahren das erste Mal in meine Heimat zurückkehrte, hatte ich zwanzig Kilo an Gewicht zugelegt und riesige Mengen Kreuzkümmelkäse im Gepäck, weil ich ganz Südtirol davon überzeugen wollte, dass Kreuzkümmelkäse die beste Sache der Welt ist.

Das sprach sich bis zu meiner Frau herum, die in den Neunzigern in Wien lebte, und über viele Umwege und gemeinsamen Freunden, von dem Südtiroler Typen erfuhr, der nach Holland zog und vom vielen Käse dick geworden war.

Aber auch sie mag Kreuzkümmelkäse und sie stimmt mir zu, dass er nicht mit anderen gepanschten Käses vergleichbar ist.

[My own private digitale Souveränität- Teil 1]

Heute ein etwas technischerer Eintrag, weil mich das Thema der US‑Abhängigkeit im Tech-Bereich schon seit längerer Zeit beschäftigt, es aber in den letzten Monaten deutlich an Dringlichkeit gewonnen hat. Ich beobachte mit großem Interesse, wie sich verschiedene europäische Regierungen nun ernsthaft damit auseinandersetzen, weil es zu einem sicherheits- und wirtschaftspolitischen Thema geworden ist. Schleswig-Holstein stellt gerade alles um, Dänemark hat damit begonnen, Österreich, Teile Frankreichs und auch das UK sind dabei, einen Masterplan für sich zu entwerfen. Und auch die EU hat erstaunlich schnell mehrere Initiativen für digitale Souveränität ins Leben gerufen.

Ich begann schon letztes Jahr damit, mich Stück für Stück davon loszumachen. Es ist gar nicht so schwierig, man muss nur wissen, was es gibt. Man kann sich als Privatanwenderin von fast allem ziemlich gut lösen. Bis auf wenige Ausnahmen, die allerdings durchaus gewichtig sind. Aber lass uns mit EMail beginnen.

EMail. Ja, man schreibt noch Emails. Obwohl mir aufgefallen ist, dass man EMail hauptsächlich nur noch nutzt, um sich in Apps und auf Webseiten einzuloggen. Kaum noch zum Kommunizieren.

Gmail habe ich durch mailbox.org ersetzt. Mailbox ist eine Firma aus Berlin, sie und ihre Mutterfirma „Heinlein“ sitzen im Prenzlauer Berg und machen seit vielen Jahren gute Arbeit mit OpenSource und Security. Bei Mailbox.org habe ich mir für 1€ pro Monat einen Emailaccount (3 Adressen) mit Kalender gekauft. Lass uns ehrlich zu uns sein: Dass Google die halbe Welt mit kostenlosen Emailskonnten versorgt, da musste ja ein Haken dran sein. Das wussten wir ja alle, oder? Dass Google faktisch alles über uns weiß, wo wir uns befinden, welche Webseiten wir besuchen, wonach wir suchen, mit wem wir verbandelt sind, was wir denen schreiben, und sie diese Infos auch an ihre Geschäftspartner und Anzeigenbetreiber weiterleiten, sowie ihre KI damit trainieren, wussten wir ja auch. Aber irgendwie waren wir ja Freunde, oder?

Bei Mailbox.org habe ich mein Paket bald schon auf 2,5 € pro Monat upgegradet, weil da auch 5GB Cloudspeicher mit dabei sind, sowie Online Office und ein Account für Videokonferenzen. Außerdem einen Account für meine Frau. Das erschlägt einen Großteil der Tools, die ich von Google verwende: Cloud, Kalender, Gdocs.

Zugegeben: Ich werde Gmail noch ein paar Jahre weiter verwenden müssen, vor allem lesend. Da immer wieder mal eine Mail hereinpurzeln wird, deren Absender meine neue Adresse noch nicht kennen. Aber immerhin kann ich die Synchronisation deaktivieren und nur abrufen, wann es mir passt.

Google Maps. Um gleich mit Google weiterzumachen: Google Maps habe ich durch Here ersetzt. Das war früher Nokia, wurde dann von verschiedenen deutschen Autofirmen, sowie Bosch und Mitsubishi gekauft, die es für ihre Autos weiterentwickeln. Die App fürs Telefon war immer kostenlos und Karten können für den Offlinegebrauch heruntergeladen werden. Es ist nicht so umfangreich wie Googlemaps, vor allem Geschäfte und Friseure, sowie Bars werden dort nicht angezeigt, aber da muss ich durch, ich nehme an, dass sich, gerade im Hinblick auf den neuen Fokus in Richtung europäischer Technologien, hier in der kommenden Zeit vieles ins Positive ändern wird. Die Qualität der Navigation ist aber bereits spitze. Here wird übrigens am Berliner Nordbahnhof entwickelt.

Als OpenSource Lösung verwende ich auch das gestern erwähnte OsmAnd, das auf herunterladbarem OpenStreetMaps-Kartenmaterial basiert. Man kann es auch als klassisches Navi verwenden, ich nutze es aber hauptsächlich fürs Wandern im Wald oder unwegsamem Gelände, weil dort wirklich jeder Ameisenpfad eingezeichnet ist und man sich nie verläuft. Die Bedienung ist allerdings etwas umständlich und nicht ganz so intuitiv. Diese Kritik gibt es an OsmAnd schon seit vielen Jahren (ich verwende es seit über 15 Jahren). Das wird sich also nicht mehr ändern.

Android. Noch mehr Google. Das ist einer der schwierigsten Punkte. Aber ich habe mich jetzt für einen radikalen Schritt entschieden. Ich werde Android (und iOS sowieso) komplett entsagen, und habe das finnische Jolla-Phone vorbestellt. Das wird sicherlich ein größerer Einschnitt, weil ich großer Fan der Pixel-Telefone und Android war. Jolla-Phone basiert auf Sailfish-OS, einem Linux für das Telefon. Man kann darüber auch Android-Apps installieren, aber Android Auto wird fehlen. Wie ich das löse, weiß ich bisher nicht, vielleicht verwende ich mein altes Pixel mit dem kaputten Display als Android-Auto-Station mit Here-Navi und schalte sonst alle Google-Dienste aus. Mal sehen. Außerdem fehlt Google-Pay. Ich liebe es, mit dem Telefon zu bezahlen. Aber da muss ich durch. Muss ich halt meine Kreditkarte hinten ans Telefon kleben. Mir egal. Das Jolla-Phone kommt erst im Frühjahr auf den Markt, ich habe noch Zeit, mir eine Lösung zu suchen.

Microsoft Office. War ich nie ein großer Fan von. Ich verwendete seit jeher LibreOffice.

—Windows. Fairerweise muss ich sagen, dass ich nie Windows oder Mac benutzt habe. Das war also ein No-Brainer für mich und wird für viele Normalo-User vermutlich eine große Hürde sein. Ich könnte es verstehen. Ich verwende Linux seit Mitte der Neunzigerjahre und bin nie auf etwas anderes umgestiegen. Schlichtweg, weil ich Linux so stabil und einfach fand, dass ich nie etwas anderes brauchte und wollte. Dabei verwende ich die Distribution Linuxmint. Ist easy, leicht und sicher.

Lustigerweise glaube ich, dass Linux für die meisten Menschen total einfach ist. Aber es hat diesen Nimbus, ein Tüftlersystem zu sein. Einer Freundin schenkte ich neulich meinen alten Linux-Laptop und sie kam hervorragend damit zurecht. Sie verwendet den Laptop hauptsächlich für Internet und Schreibarbeit, und wenn sie mal die eine oder andere Applikation brauchte, wurde sie eigentlich immer fündig. Mittlerweile funktionieren sogar die meisten Games. Das einzige, das mir unter Linux fehlt, ist ein guter PDF-Editor. Sonst finde ich wirklich für alles einen mehr oder weniger adäquaten Ersatz.

Wenn du eine heavy Photoshop-Userin bist, oder nicht auf Excel-Makros verzichten kannst, dann wirst du dich mit Gimp oder LibreOffice aber wahrscheinlich nie anfreunden können.

Aber ja. Das Betriebssystem zu wechseln ist aufwendig und die Installation erfordert ein kleines bisschen technische Versiertheit. Nicht viel, aber schon ein kleines bisschen. Sollte hier jemand mit ernsthaftem Interesse an einem Wechsel interessiert sein, kann ich auch gerne persönlich unterstützen. Sage ich jetzt mal vorsichtig. Zumindest, wenn es nicht zu viele sind, die Interesse zeigen. Und ihr solltet aus Berlin sein, das erleichtert es.

GoDaddy und all diese Anbieter. Hetzner, Strato oder Ionos bieten das auch alles an.

WhatsApp. Hierfür verwende ich eine freie Alternative, die allerdings amerikanisch ist. Signal. Immerhin ist Signal keine kommerzielle Firma und die Nachrichten sind Ende-zu-Ende verschlüsselt, mit dem Patriot Act kann die amerikanische Regierung daher keine Chats mitlesen. Immerhin das. Die Server laufen allerdings zum Großteil auf amerikanischem Boden bei Amazon AWS. Dafür stehen die Leute hinter Signal in der Kritik. Auch könnte sich die Signal Stiftung durchaus mal Gedanken machen, den Sitz der Stiftung in die EU oder nach Kanada zu verlegen. Ich kann mir vorstellen, dass ihnen in der derzeitigen politischen Lage durchaus die Herzen zufliegen würden.

Zugegebenermaßen, habe ich mich von WhatsApp aber nicht verabschiedet. Weil da alle sind. Vor allem meine Familie, aber auch die zahlreichen Gruppenchats, denen ich mich verpflichtet fühle. Jetzt habe ich zwei Messenger. Besser gesagt drei: weil ich Telegram so mag. (Telegram möchte ich aber aus vielen anderen Gründen nicht empfehlen, siehe auch Kommentar weiter unten.) Aber ich versuche, so viel wie möglich von meiner privaten Kommunikation auf Signal zu verlagern. Vielleicht ist es ja irgendwann so weit, dass alle von WhatsApp weggehen. – irgendwann. Vielleicht bei der nächsten Drohung aus dem Weißen Haus.

Jetzt bin ich müde. Ich mache morgen weiter. Unter anderem geht es morgen an die schwierigen Batzen. Social Media. Aber auch andere Dinge.

[Mo, 26.1.2026 – Kyrill, Kosovo, Kerosin]

Ich flog mit dem Privatjet. Mit einem Privatjet zu fliegen, ist jetzt nicht eine Erfahrung, die ich unbedingt machen musste. Das ist eine dieser typischen Erfahrungen, aus der man keine Erkenntnis zieht, die höchstens anekdotische Qualitäten hat. Aber Anekdoten über Reichtum oder Luxus sind nicht meine Personality. Zum einen, weil ich mir wenig aus Luxus mache, und zweitens, und das ist vielleicht entscheidender: weil ich nicht reich bin.

Ich hatte mir einen Flug in einem Privatjet jedenfalls mit mehr Bling-Bling vorgestellt. Also mit Champagner und schick gekleidetem Personal. Aber es waren nur der Pilot und ich. Man hat da oben nicht einmal Handyempfang. Cool ist allerdings, dass man links und rechts runterschauen kann. Was vor allem bei Start und Landung sensationell ist, weil man ein total dreidimensionales Google-Maps-Feeling bekommt. Ohne den Zoom allerdings.
Ein anderer Vorteil ist die schnelle Abfertigung. Um 08:40 Uhr starteten wir im Büro und um 09:05 Uhr hoben wir bereits von der Startbahn ab. Privatflieger haben einen eigenen Bereich mit Security-Check und Polizei, und das findet alles in einem kleinen Raum statt, der die Größe und den Charme eines Vereinsheims hat.

Aber das war dann schon das Spektakuläre.

Auf dem Weg in die Firma dann der Schreck auf meinem Telefon. Serbien ist nicht EU und ich hatte vergessen, das Datenroaming auszuschalten. Das Telefon synchronisierte einmal alle Dienste: E-Mail, WhatsApp, Signal und Social Media. Bei 12 Cent pro 10 Kilobyte verbrannte ich in zehn Minuten 50 Euro. Dabei hatte ich nur auf das Wetter geschaut.

Nun.

Von Belgrad sah ich nicht viel. Einer der Dienstleister brachte mich nach unserem ganztägigen Meeting zu Fuß zum Hotel. Wir liefen einen kleinen Umweg, weil er mir die größte orthodoxe Kirche des Balkans zeigen wollte. Es ist ein auffälliger Kuppelbau. Mehr erzählte er aber nicht darüber. Er fügte lediglich hinzu, dass es zudem die zweitgrößte orthodoxe Kirche der Welt ist. Die meisten Menschen, mit denen ich in Belgrad zu tun hatte, erwähnten diese Kirche. Und alle fassten es auf dieselbe Art zusammen: die größte orthodoxe Kirche auf dem Balkan und die zweitgrößte orthodoxe Kirche der Welt.

Ich rechnete mir aus, dass die größte in Moskau steht.

Den Rest des Abends blieb ich aber im Hotel. Ich war müde vom vielen Wein des Vortages und der Tag war ja nicht unanstrengend gewesen.
Dafür nahm ich mir am nächsten Morgen noch ein bisschen Zeit. Eigentlich wollte mich die Office-Chefin mit dem Auto vom Hotel abholen, aber die 20 Minuten lief ich lieber zu Fuß. Der Erkenntnisgewinn war gering, aber die kyrillischen Buchstaben überall sind schon sehr ästhetisch. Was mir zudem auffiel, ist, dass doch ziemlich viel in lateinischer Schrift geschrieben ist. Als ich in 2019 in der Ukraine war, überraschte es mich, dass alles auf kyrillisch beschriftet war. Das traf mich völlig unvorbereitet, weil ich schlichtweg nichts lesen konnte. Und zwar nicht so, dass ich nur die Wörter nicht verstand, sondern sie schlichtweg nicht erkennen konnte. Wenn ich in einer polnischen Speisekarte „tradycyjne polskie dania“ lese, dann kann ich mir zusammenreimen, dass es sich um etwas Traditionelles Polnisches handelt, wenn ich aber lese: Традиційна українська страва, dann sehe ich da nur ein „T“ am Anfang.

In Belgard ist hingegen vieles zweisprachig beschriftet, aber vieles auch einfach nur in lateinischen Buchstaben. Es würde mich mal interessieren, wo man die Grenze zieht, also nach welchen Kriterien man welche Schrift verwendet. In einem Nebensatz meine ich schon einmal herausgehört zu haben, dass die Jungen alle lateinische Schrift lesen können und die Älteren nicht so gut, daher nehme ich vorläufig an, dass es eine Frage der Generationen ist und vielleicht auch eine Frage der geopolitischen Orientierung. Serbien ist ja das Land, das zwischen Russland und Europa aufgerieben wird. So nehme ich das zumindest von außen wahr. Ich hatte aber keine Zeit, mit den Leuten darüber zu reden.

Allerdings scheint es bei Kosovo keine zwei Meinungen zu geben. Schon auf der Autobahn in die Stadt prangte es alle paar hundert Meter als Graffiti vom Straßenrand. Mal auf Kyrillisch, mal in lateinischer Schrift: Kosovo is Serbia. Es wundert mich im Nachhinein, dass ich es in den wenigen Gesprächen mit den Locals tatsächlich geschafft hatte, dreimal den Kosovo zu erwähnen, und jedes Mal, war die Reaktion der Leute gleich. „Kosovo is our Land“. Ich blieb dann sehr höflich, weil ich mich nicht auf eine Diskussion einlassen wollte, von der ich keine Ahnung habe. Aber grundsätzlich sind mir als Südtiroler alle Unabhängigkeitsbestrebungen erst mal sympathisch. Dass diese drei Menschen, allesamt normale Leute, ganz unabhängig voneinander mit ziemlicher Vehemenz „Kosovo is our Land“ sagten, beschäftigte mich dann doch. Mit dem Fahrer am Flughafen hatte ich noch Zeit, das Thema ein kleines bisschen auszuweiten. Er erklärte mir, dass in Kosovo die 14 wichtigsten Klöster der orthodoxen Kirche und der serbischen Geschichte lägen. Später googelte ich mich ein bisschen durch Wikipedia, und was ich jetzt weiß: es ist sehr kompliziert. Klingt alles sehr nach Pulverfass für mich.

Nun.

Übrigens, kleiner Lifehack fürs Fliegen. Ich verwende schon seit vielen Jahren Osmand mit OpenStreetMaps. Damit kann man in Offline-Situationen, wie zum Beispiel beim Fliegen, immer prüfen, wo man gerade ist. Man braucht nur GPS. Das ist wirklich toll.

Auf dem Rückflug flogen wir über das Wettersystem, das gerade Süd- und Nordostdeutschland einschneite. Sah von oben gut aus. Und die Sonne schien.

Durch die Reise verfeuerten wir jedenfalls fast 2000 Liter Kerosin. Mein CO2-Karma ist für den Rest des Lebens aufgeraucht. Im nächsten Leben komme ich als Raucherlunge zur Welt.

Übrigens fragte ich mich die ganze Zeit: Woher kenne ich dieses Gesicht… gibt es doch auch als Meme. Ja klar, Tesla war Serbe.

[Sa, 24.1.2026 – in der Stadt, undsoweiter]

Also fuhr ich in die Stadt. Anstatt direkt mit Bus und U-Bahn hineinzufahren, sparte ich mir den Bus und lief stattdessen an der Alster entlang die halbe Stunde bis zur U-Bahn. Die Strecke wurde mir von Kolleginnen empfohlen, weil sie so schön ist. Man läuft da die ganze Zeit zwischen Wasser, Kleingärten und Villenhäusern. Ab Lattenkamp nahm ich dann die U-Bahn, fuhr bis Jungfernstieg und lief meine alte Fahrradstrecke über Rödingsmarkt, Baumwall und dann zur Kehrwiederspitze. Kehrwiederspitze. Den Namen fand ich damals sehr romantisch. Ich war ich sicherlich nicht der einzige.

Die Elbphilharmonie ist imposant, aber nicht so grazil wie gedacht. Sie ist etwas klobig. Das Dach ist allerdings schon sehr ikonisch. Ich würde mir wünschen, in Berlin würde man solche ästhetischen Bauten aufstellen lassen, aber alles, was irgendwie ikonisch oder schlichtweg geil aussieht, wird in Berlin nicht genehmigt, weil es nicht ins Stadtbild passt. Ich frage mich dann immer: Habt ihr schon mal das Berliner Stadtbild gesehen? Willst du da wirklich etwas passend machen?

Bei minus drei Grad wurde mir nach einer Stunde Rumlaufen ziemlich kalt, deswegen verschanzte ich mich auf dem Rückweg in der Europapassage am Jungfernstieg. Als ich in Hamburg wohnte, befand sich die Europa Passage gerade im Bau, und ich kann mich erinnern, dass mehrere denkmalgeschützte Gebäude dafür abgerissen wurden. Ganz verstanden habe ich den Move damals nicht. Das waren meine ersten Jahre in Deutschland und ich empfand deutsche Städte aufgrund der Zerstörungen im Krieg und des lieblosen Wiederaufbaus größtenteils als sehr hässlich. Ja, vor allem Hamburg. Dass man sich dann noch der letzten, und allgemein als schön empfundenen alten Bausubstanz wegen einer Einkaufspassage entledigt, war für mich nicht nachvollziehbar. Immerhin gibt es jetzt einen Food Court. Yay. Heute gab es einen großen Andrang bei einem Dönerladen namens Honest Kebab. Davor stand eine lange Menschenschlange, die sich einmal um den gesamten Food-Court-Bereich wickelte.

Ich ging aber zu Thalia und kaufte mir „Trophäe“ von Gaea Schoeters. Dieser Roman wird von allen Menschen, die ihn gelesen haben, als mega (oder mit einem anderen positiven Adjektiv) beschrieben. Es handelt von einem reichen Großwildjäger, der in Afrika ein Nashorn schießen will. Ja, genau, interessiert kein Schwein, soll aber wirklich gut sein.

Auf der Rückfahrt in der U-Bahn lag ein vergessenes, dickes Buch auf der Bank. Die Graphic Novel „The Crow“ von James O’Barr. Eigentlich wollte ich das Buch ignorieren. Ich ignorierte es etwa 5 Minuten lang, dann griff ich dennoch danach und blätterte darin. Mit der Kunstform Graphic Novel bin ich leider nicht besonders vertraut, es gibt aber ein großes Publikum dafür, also muss ja etwas dran sein. Die Bilder fand ich sehr ästhetisch. Viele haben Potenzial für Tattoomotive. Zuerst wollte ich es weglegen, als sich dann aber meine U-Bahn-Station näherte, schob ich das Buch unter meine Jacke und nahm es mit.

Danach lag ich auf meinem Bett und las darin.

Am Abend traf ich mich mit Axel. Axel war mein erster deutscher Freund, als ich in 2003 von Madrid nach Hamburg zog. Ich arbeitete damals für Sun Microsystems in Spanien und er für die gleiche Firma in Hamburg. Weil ich in Madrid gekündigt hatte, aber meine Freundin in Hamburg wohnte, konnte ich die letzten Monate meines Vertrages im Hamburger Büro verbringen, und dort lernte ich eben Axel kennen, der dieses Fotoblog auf blogger.de hatte. Wir fanden sofort zueinander und verabredeten uns schließlich auch privat, tranken abends Bier und gingen zusammen auf ein Bloggertreffen im Karoviertel, auf dem wir Kid37 und Lyssa kennenlernten. Danach trafen wir auch weitere Blogger undsoweiter. Das war eine gute Zeit.

Wir redeten gar nicht so viel über die alte Zeit, wir redeten viel mehr über das Älterwerden. Ich will das hier jetzt gar nicht ausbreiten. Aber jeder wird auf seine eigene Art alt. Ich habe immer Angst davor, im Alter einsam zu sein. Axel hat das hingegen gar nicht. Er ist gerne alleine. Auch im Alter. Das war das erste Mal, dass ich diese Ansicht hörte.

Morgen in Belgrad wird es 12 Grad messen. Mit meiner Winterjacke werde ich wie ein Barbar wirken, etwas Leichteres habe ich aber nicht dabei.

[Fr, 23.1.2026 – Oderquelle, Kaispeicher A]

Die Oderquelle in der Oderberger Straße schließt. Dort hatte ich das erste Date mit meiner Frau. Das ist jetzt fast 20 Jahre her. Jemand hatte mir das Lokal empfohlen, wahrscheinlich, weil ich damals ständig nach Restaurants suchte, die moderne deutsche Küche anboten, ich war schließlich noch relativ neu in diesem Land und neugierig. Die Oderquelle pries ihre Küche als „brandenburgisch international“ an, der Claim gefiel mir. In späteren Jahren waren wir noch oft dort, wir brachten die meisten unserer Gäste in die Oderquelle.

Viele Jahre später, als ich bereits Herthafan war, fand ich heraus, dass die Gastwirtschaft, die im Jahr 1892 in denselben Räumlichkeiten residierte, auch das erste Vereinsheim von Hertha BSC war. Vor mehr als 130 Jahren. Diese Erkenntnis verschmolz damals zu einer quasireligiösen Fügung.

Die Betreiber der Oderquelle machten aber nie etwas aus dieser Geschichte. Wenn ich es richtig in Erinnerung habe, hatten die eher etwas mit dem SC Freiburg am Hut. Das letzte Mal waren wir vor drei Jahren dort. Es fühlte sich bereits ein wenig aus der Zeit gefallen an. Nicht gut aus der Zeit gefallen, sondern eher etwas lahm. Keine alten Leute, die einfach ihr Ding machen, sondern mittelalte Leute wie ich, die mit den Berliner Neunzigern oder Nullerjahren sozialisiert sind. Aber es passte nicht mehr. Als ich vor drei Jahren dort war, hatte das Lokal keinen guten Vibe. Das Personal war mies drauf, die Gäste waren mies drauf. Draußen mittlerweile Pizza-, Burger- und Asialäden, sowie die internationalen Partypiepels. Drinnen beige Cordsakkos und schlechte Laune. Vielleicht war das auch nur der eine Abend, und mein Empfinden sehr subjektiv, möglicherweise tue ich den Betreibern unrecht. Aber die Energie schien raus.

Wahrscheinlich kommt da jetzt ein Pizzaladen rein. Oder Burger. Oder Asia.

Was ist sonst noch passiert? Der Flug nach Belgrad hat sich von Samstag auf Sonntagfrüh verschoben. Ich bin wegen der Dienstreise in Hamburg geblieben und werde morgen diese extra Zeit als Gelegenheit nutzen, mir die Stadt bei Tageslicht anzusehen, damit sich mein Empfinden für Hamburg nicht ganz so verdunkelt, wie es gerade droht. Vielleicht besuche ich die Landungsbrücken, vielleicht auch die Hafencity, die war damals noch nicht gebaut, als ich hier wohnte, ich kenne sie nur von den Bildern. Lu und ich redeten gestern auch über die Elbphilharmonie bzw. über den Kaispeicher A., wie das Vorgängergebäude hieß, dem man dann diese schicke Krone aufgesetzt hat. Dort saßen wir an der Kehrwiederspitze am Wasser und tranken Rotwein. Lu, ihr damaliger Freund M, Kid37, Axelk, meine damalige Freundin und ich. Das war eine gute Zeit.

Komisch, dass ich offenbar nicht darüber geschrieben hatte. Im Blog finde ich dazu nichts. Aber hey, bei Lu habe ich dazu noch etwas gefunden! Mit Bildern!

[Do, 22.1.2026 – Mikro, Fotomotive, Nizza, Lu]

Habe zufällig heute gemerkt, dass mein Headset in Berlin von schlechter Qualität ist. Das bedeutet, dass die Audioaufnahmen zu diesem Blog sich immer schlecht anhören, wenn ich in Berlin bin. In Hamburg habe ich das RODE Mikro dabei, weil ich im November die Novelle als Hörbuch einsprach. Es ist dann hier geblieben. Hätte mir aber auch jemand mal sagen können. Muss ich jetzt irgendwie lösen.

Ein Nachteil hier in Hamburg ist, dass ich keine Fotos mache. Ich hatte bereits im vorigen Jahr damit begonnen, die Einträge mit Fotos zu bebildern, weil mein Blog wirklich ein wenig monochrom daherkommt und durchaus etwas Farbenfreude verträgt. Aber mein Leben in Hamburg ist so düster. Nicht unbedingt schlecht, aber ziemlich düster. Wenn ich die zwei Minuten von der Firmenwohnung ins Büro gehe, erhasche ich etwas Tageslicht von der aufgehenden Sonne, und abends, wenn ich die zwei Minuten in die Wohnung zurückkehre, ist es schon dunkel. Dann bin ich auch schon zu müde für etwas anderes. Es kommt mir nichts Interessantes vor die Linse. Es gibt daher nichts, mit dem ich das Blog bebildern kann. Schlimmer hat es die Beziehung zu meinen beiden Snapchatfreunden getroffen. Unsere Flammen sind bei 600-irgendwas. Ich habe Panik davor, dass sie erlöschen. Aber ich begegne dermaßen wenigen Motiven, dass ich mittlerweile schon die Schlafzimmerdecke fotografiere, nur um den Streak aufrechtzuerhalten. Das kann ich im Blog aber nicht bringen.

Ich hoffe, dass die Erfahrungen, die ich derzeit in Hamburg mache, sich nicht negativ auf mein Hamburggefühl auswirken, das eigentlich immer sehr positiv war.

Meine Frau flog heute wegen einer Dienstreise nach Nizza. Aufgrund eines Unfalls wurde ihr Flugzeug allerdings nach Marseille umgeleitet. Das betraf natürlich auch viele andere Flüge, und so gab es in Marseille zu wenig Busse und zu wenig Personal, um die Lage zu entschärfen. Deswegen saßen sie sehr lange im Flugzeug fest. Sehr zum Unfrieden von Dutzenden Fußballfans. Meine Frau war nämlich über Amsterdam geflogen, wo Dutzende Fußballfans aus Deventer eingestiegen waren, die zum Europa-League-Spiel gegen OCG Nizza anreisten. Das Spiel beginnt um 21 Uhr, sie hatten noch vier Stunden Zeit. Ich wusste schon, dass sie das nicht schaffen werden. Meine Frau und die Fußballfans wurden nach einer langen Wartezeit im Flieger schließlich mit einem Bus die zweieinhalb Stunden nach Nizza gekarrt, wo sie gegen 22 Uhr ankamen. Da stand es schon 2:0 für die Franzosen. Ich fragte meine Frau nicht nach der Stimmung.

Ich telefonierte auch lange mit Lu. Wir hatten sehr viel nachzuholen. Nach fast zwei Stunden brachen wir allerdings ab, weil wir Hunger bekamen und es noch zu viele Dinge zu besprechen gab. Wir werden das Gespräch nächste Woche weiterführen und übernächste Woche und so weiter. Zuerst tratschten wir ein bisschen herum, auch kamen wir über eine gemeinsame Freundin zu sprechen, eine ehemalige Bloggerin, die 2008 an Krebs erkrankte. Wie sie den Kontakt zu uns allen abbrach und innerhalb weniger Monate verstarb. Wir fühlten uns damals beide etwas ausgeschlossen von ihr. Damals verstanden wir das nicht. Aber mittlerweile wissen wir auch, dass jede anders sterben will. Gerade beim Krebs, wo man nicht von mitleidigen Menschen umgeben sein will. Welche Gründe sie auch immer dafür hatte. Für sie war es richtig.

Wenn ich einmal tödlich erkranke, dann werde ich hier täglich davon berichten. Das weiß ich jetzt schon. Dann habe ich noch ein bisschen Spaß. Aber wehe, es kommt mir jemand mit Mitleid.

Weil wir gerade beim Thema sind: Frau Klugscheisser bloggt zurzeit täglich aus der, nunja, was ist es eigentlich, eine Rehaklinik für Mentales. Ich lese das gerne.