rss und Krams

Was hoere ich die Leute da draussen bloss klagen, ueber soviele Bookmarks. Dass man bei all den Blogs gar nicht mehr mithalten kann, weil es soviele geworden sind. Leute die alle moeglichen Tricks erdenken, oder eine Blogroll nur zu dem Zwecke halten, damit sie zum taeglichen Lesefutter kommen.

Leute, warum benutzt ihr denn nicht RSS? In 99 Komma Neun Neun Neun Neun Prozent der Weblogs da draussen, gibt es eingebaute RSS-feeds die dazu da sind euch das Leben zu erleichtern. Nur 5% der Leser dieser Seite benutzen RSS. Ja wisst ihr denn nicht wie das geht? Ich zeigs euch:

Men nehme erst eine Karotte und eine Packung Buntstifte… Nein, OK, ernster:
Man braucht keine grossen oder aufwendigen Programme dafuer. Fuer den Firefox zB gibt es Sage, ein kleiner Helfer der sich automatisch in den Browser einnistet und genau das macht, was von ihm verlangt wird: Dir das harte Leben mit Weblogs zu erleichtern.
Den zu installieren ist ein Kinderspiel. Klicke oben auf tools (heisst das Werkzeuge auf Deutsch?) und dann auf Extensions (das muesste bei der deutschen Version Erweiterungen heissen). Das oeffnet euch ein neues Fenster. In dem Fenster gibt es rechts unten einen Link der heisst Get more extensions. Da drauf klicken, und das oeffnet wieder ein neues Fenster.
In diesem Fenster gibt es links in der Menuleiste den Link News reading. Ja richtig, da drauf klicken, dann erscheinen alle Extensions die mit Newsreading zu tun haben.
Da suchen wir jetzt den Sage aus. Der ist ein bisschen weiter unten. Bei Sage muss man eigentlich bloss auf Install klicken und der Rest geht von selbst.
Den Firefox muss man nach der Installation von Sage aber erstmal ganz schliessen und neu oeffnen. Dann klickt man oben auf view, dann Sidebar und dann Sage. Das oeffnet Sage auf der linken Seite.

Das hinzufuegen der RSS feeds macht mir immer am meisten Spass. Ihr besucht einfach eure Lieblingsseite (natuerlich mequito.org) und klickt dann auf die Lupe. Das durchsucht die ganze Seite nach RSS feeds, und oeffnet dann ein kleines Fenster mit den gefundenen Feeds. Ihr klickt auf das gewuenschte (meistens RSS 2.0), dann auf add feed oderso und das war es dann.
Das wiederholt ihr bei allen anderen Lieblingsseiten.
Ihr habt dann links eine Liste mit all euren Lieblingsblogs. Jedesmal wenn ihr links auf dem check feeds Knopf drueckt, dann sucht es alle eure Lieblingslogs nach Neuigkeiten ab. Dann braucht ihr nur noch drauf zu klicken und es oeffnet gleich die richtige Seite.

Macht doch Spass, oder? Kein doofes bookgemarke und Zeugs mehr, bloss auf den Knopf druecken.

Leider gibt es Sage nur fuer Firefox und nicht fuer die Mozilla Suite. Auch nicht fuer den Internet Explorer. Aber da kann man eventuell den Rssreader benutzen. Leider habe ich den nicht, und Windows hab ich auch nicht, deshalb kann ich euch keine Anleitung schreiben, aber so schwer sollte das ja nicht sein.

Dass Rosa, mein Laptop, eine eigensinnige Zicke mit vielen Launen geworden ist, habe ich schonmal erwaehnt. Das ist mittlerweile so schlimm geworden, dass ich sie wegbringen musste, zu einem ofiziellen Reperateur des Herstellers, der gucken wird ob es tatsaechlich ein Hardwarefehler ist, und somit noch unter den Garantiebedingungen behandelt werden wird. Natuerlich ist es ein Hardwarefehler. Rosa stuerzt ab sobald ich sie ueberfordere. Dabei bin ich, wie damals schon erwaehnt, ein aeusserst vorsichtiger Computerer, passe mich an ihre Launen an und putze regelmaessig ihren Bildschirm. Doch mittlerweile ist sie derartig empfindlich geworden, dass sie oft schon beim aufrufen von SPON einfach ihren Geist aufgibt. Vor allem wenn da zu viele Animationen ueber den Bildschirm huschen.
Rosa habe ich nun weggebracht. Man soll mir eine neue CPU einbauen, weil ich sie in diesem Zustand nicht mehr benutzen kann. Will. Ich wusste es, dass ich einige Tage ohne sie leben muesse, aber zuhause stehen noch einige alte Computerkisten herum, das wuerde ich schon ueberleben. Ich baute die Festplatte aus und ging guten Gewissens wieder nach Hause. Um Rosa wuerde man sich kuemmern. Die Festplatte hatte ich ja schonmal bei mir, die wuerde ich einfach in eine der alten Rechnerkisten einbauen und ich wuerde mein Leben weiterleben wie bisher auch. Zwar langsamer, aber das ginge schon. Ich hatte ja ein verlaengertes Wochenende und konnte mir deshalb auch die Zeit nehmen alles umzubauen.

Es lief darauf hinaus, dass ich meine ganze Wochenendverlaengerung im Offline sass.
Erst machte meine Laptopfestplatte nur knirschende Geraeusche (ich sage euch, das hoert sich gar nicht gut an), doch aus irgendeinem Grund sprang sie dann doch ploetzlich an und der Linuxkernel flog mir ueber den Bildschirm. Juche, dachte ich erstmal. Juche, dachte ich auch immer noch, wo der Xserver (das ist bei Linux und UNIX die Ebene, womit man graphische Programme wie Webbrowser starten und die Maus benutzen kann, also alles was nicht Kommandozeile ist) nicht starten wollte. Das hatte ich erwartet, da im alten Ersatzrechner ja eine ganz andere Grafikkarte eingebaut ist und ich jetzt auch noch einen Monitor habe den ich erstmal einstellen muss. Eine Kleinigkeit die ich schon vorher mit eingeplant hatte. Nun benutze ich eben Debian Linux, schon seit immer eigentlich, weil ich ein Nerd bin und gerne Pickel haette. Der Nachteil dieser Linuxversion ist halt, dass man alles von Hand machen muss. Hardware wird nicht erkannt. Das machen nur die bunten SuseLinuxe oder Knoppixe, nicht aber mein spartanisches Debian. Aber ich als alte Linuxsocke sollte damit keine Probleme haben. Das Kommando “lspci” sollte mir zeigen was fuer eine Grafikkarte eingebaut ist:

mek@pauline:~$ lspci
-bash: lspci: command not found

Oha, lspci ist nicht installiert. Was nun? Das Kommando nachinstallieren natuerlich. Das macht man bei Debian aus dem Netz. Ueberdies habe ich davon keine CD mehr.
Mist, kein Netzwerk. Die Netzwerkverbindung ist natuerlich auch dem Laptop angepasst. Welche Netzwerkkarte ist da nochmal drin? Ah warte, ich geb mal lspci ein, oh nein, geht ja nicht. Mist.

Und das war nur der Anfang.
Irgendwann hatte ich Netzwerk, konnte mir die noetigen Sachen runterladen, hatte dann auch sozusagen passende Treiber, liess etwa 46 Mal das Konfigurationsprogramm fuer die Grafikkarte laufen, um zum 46-ten Mal bloss graue Streifen auf dem Bildschirm zu bekommen.
Frustriert oeffnete ich eine Textbrowser und suchte im Internet nach Info ueber meine Grafikkarte. Google wusste bescheid. Meine Grafikkarte wuerde nicht funktionieren. Die ist sowas von alt, die hatte nie richtig funktioniert mit Linux, es gaebe da einen alten Treiber, bei einer ganz alten Xserver-Version, damit wuerde es vielleicht gehen. Allerdings wuerde ich in zwei Wochen meine Rosa wieder bekommen, und vielleicht wieder anderthalb Tage benoetigen, um alles wieder zurueckzusetzen. Mein Gott, nein.
Nach vierzig Stunden beschloss ich, die alte Ultrasparc vom Staub zu befreien und auf dem Tisch zu stellen. Stolze 100mHz und 64MB Speicher. Die Kiste funktionierte sofort. Tat gleich alles was ich wollte. Obwohl gleich vielleicht nicht das richtige Wort ist, da sich auf dieser Maschine alles sehr verzoegert anfuehlt. Die Grafikkarte laeuft aber, und das ist gut. Wenn auch nur im 8bit Farbmodus, wodurch ich Seiten mit Fotos besser nicht angucke, ausser mir ist nach Augenschmerzen zumute. Und es verzerren sich alle anderen Farben auf dem Rechner, weil die Grafikkarte all ihre Farben fuer die Darstellung des Fotos benoetigt, die es eh nicht richtig darzustellen vermag. Das Internet ist frueher wohl nich so bunt gewesen.
Auch gibt es keine Umlaute auf dieser Tastatur, genau jetzt, wo ich gerade anfing mich konsequent an die Umlaute zu halten.
So kann aus mir natuerlich nichts werden.
Aber dafuer kann ich mich jetzt um 6:30, frohen Gemutes, mit dem Gefuehl einen funktionierenden Rechner zu haben, zu Bette legen. Gute Nacht.

Kategorie Kreativpause

Ich könnte es jetzt Schreibblockade nennen, so machen das die Leute die wichtige Sachen schreiben. Leute die sehr cool sind, sagen dazu auch writersblock, aber da ich weder cool noch wichtig bin, nenne ich das was ich habe, der einfachheit halber mal “unterbrochene Schaffensphase”. Haha, nee, das ist n Witz.
Auch gibt es für mich keinen Ruhetag, nach all dem Schaffen das ich eh nicht geschafft habe, sodass ich es nicht mal “Sonntag” nennen kann.

Dabei ist es nichtmal so, dass ich zuhause oder in meinem Leben gerade etwas aufregendes mitzuteilen habe. Nein, ich surfe rum wie doof, im Internetz und lese mich halbherzig durch die vielen Seiten hindurch und nichts davon interessiert mich auch nur im Ansatz. Mittlerweile schalte ich sogar den Fernseher ein. Und siehe da, da gibt es was für solche Leute wie mich. Programme die nicht zum Denken anregen oder zu irgendwas anderem stimulieren.

Herrgott, eine Elende ist das, wenn man nichts mitzuteilen hat. Vor allem wenn man eine Schublade dafür sucht. Ich nenne es jetzt mal ganz delikat “Kreativpause”, wie der lange Typ mit Brille im Fernseher.
Aber genau dann, wenn solche kreativen Löcher anfangen Spass zu machen, und man sich an das Fernsehprogramm gewöhnt hat, dann fängt es meistens wieder an zu jucken.

Wirsing erledigt

Dass das Fleisch zu zäh geworden war, wagte gestern niemand zu sagen. Und ich selbst hatte es gar nicht gemerkt. Ich war wohl zu stolz auf mein erstes eigenhändig zubereitetes Fleisch. Es gab hohen Besuch vom Rhein, darum zog ich an all meinen Küchenpunkregistern um zu beweisen, dass ich nicht nur vom Essen reden kann, sondern auch kochen.
Es waren zwar nur Putenschnitzel mit Champignongsauce in einer Auflaufschüssel (Rezept bei Frau Meisterköchin), bei denen man eigentlich nichts falsch machen kann, ausser man vergisst das ganze zu salzen. Warum sie aber auch noch zäh geworden sind verstehe ich nicht. Vielleicht lag es an der Pute. Hätte ich vielleicht einen der anwesenden Männern in den Wald schicken sollen, einen Hirsch zu erlegen.
Lu und ihr M. (kann ihn mal jemand motivieren einen eigenen Blog zu führen?) waren hervorragende Esser, die einen gewaltigen Hunger mitgebracht hatten, und nicht nur das, es waren Gäste wie ich sie mir wünsche: kaum war eine Flasche Rotwein leer, wurde schon die nächste Flasche aus der Tasche gezaubert. Als Höhepunkt wurde am späten Ende des Abends sogar noch eine Flasche Becherovka auf den Tisch gestellt. Und dazu noch grossartige Geschichten von Natur und wilden Männern Männern und der wilden Natur aufgetischt.
Juliettas Schwarzwurzeln mit Mandelstücken ernteten zwar weit mehr Begeisterung als all meine Speisen zusammen, aber was solls, ich koche nicht gut, dafür aber mit Liebe. Ich muss jedoch zugeben, dass diese wirklich hervorragend schmeckten, darum verspreche ich euch, dass ich sie anspornen werde, das Rezept niederzuschreiben.
Als Trost gesellte sich nach dem Essen Herr Kid zu uns, der das Essen wegen anderen “Verpflichtungen” leider sausen lassen musste, jedoch eine grosse Affinität zu Becherovka zeigte und auch sonst viel Interesse für männliche Vorlieben zeigte. Auch ein Eisenstangenbieger wird irgendwann die Jagd erlernen.
Ich kann nur noch hoffen, dass Hamburg sich Lu am Sonntag, unten am Hafen wenigstens noch von der allerschönsten Arschseite gezeit hat. Es ist ja auch keine Art, solch ein Gräuelwetter aufzufahren, wenn hoher Besuch aus dem Rheinland kommt.

Die Speise die am wenigsten Beachtung fand war meine eigene Küchenkreation. Letzte Woche erfunden, und gestern das erstemal damit an die Öffentlichkeit getreten. Gestern gab es zwar die angepasste Version ohne Champignons, da ich davon schon einen halben Kilo zu den Schnitzeln geschmissen hatte, aber der Vollständigkeit halber im Rezept die richtige Zubebereitung:

So kocht man Mekschen Jägerwirsing


Das Bild ist leider von der leeren Schüssel, weil ich vor lauter Hunger vergessen habe, rechtzeitig ein Foto zu schiessen.

Zutaten für 4 Personen (als Beilage):
halber Wirsingkopf
Zwiebeln
Champignons
0.07kg Rucola
150g Creme fraiche
(Salz und Pfeffer natuerlich auch)

Auch ein Jäger muss mal was leichtes Essen. Den Wirsingkopf schneidet man in daumengrossen Scheiben und gibt das in kochendes Wasser.
In einer Pfanne mit Olivenöl schneidet man erst Zwiebeln rein, brät sie bis sie glasig sind und gibt dann kleingeschnittene Champignons hinzu (standardprozedur halt). Die Menge ist egal. Ich habe noch kein ideales Mass dafür gefunden, jedoch sollte man nicht damit sparen. Während die Zwiebeln und Champingnons vor sich hinbraten, soll man schon anfangen diese zu salzen, damit sich die Champignons entwässern. Sie sollen fest und salzig werden, fast wie die kleinen Fleischstücke im Ragout. Sofern man das hinkriegt. Mir ist das allerdings noch nie gelungen, aber das ist jedenfalls mein Gedanke dahinter.

Wenn der Wirsing und die Zwiebelchambignons fertig sind, diese in eine Schale zusammenschmeissen, dann ungeschnittenen, rohen Rucola und die creme fraiche dazugeben. Das alles mit Salz und Pfeffer verrühren und auftischen. Übrigens, Schnittlauch hat sich darin auf bewährt. Wenn vorhanden, schneidet etwas davon hinzu.
Man kann auch mehr cremefraiche nehmen, weil das den Rucola besser in die Speise einbindet, aber das kann für einen empfindlichen Jägermagen schnell zu schwer sein.

Ich weiss immer was ich will
  Aber ich weiss nie was ich nicht will

Beim Fahrradfahren hat man immer so viel Zeit über sichselbst nachzudenken.

Alice

Ich unterhalte mich an Veranstaltungen wie Firmenpartys, Gallerieeröffnungen, oder ähnlichen sozialen Begebenheiten, in der Regel immer blendend, und vor allem reizt mich immer der Gedanke an guten Rotwein, Cocktails und herrliche Buffets in Überfluss. Stets eine willkommene Abwechslung zu meinen verwegenen Kochkünsten. Die gestrige Party hatte ich allerdings vergessen. Hätte ich mich daran erinnert, dann wäre ich vielleicht mit gewaschenen Haaren aufgetaucht, oder wenigstens sauberen Kleidern. Das einzig erfreuliche war, dass ich wiedermal vergessen hatte mir Brötchen mit auf die Arbeit zu nehmen, und zusätzlich hatte ich es in allerherrgottsfrühe auch noch verschlafen, sodass ich ohne Frühstück das Haus verliess, und mein Magen deshalb bei dieser Verkündung ganz aufgeregt vor sich hin schnurrte.
Man feierte auf Alice, da die Fabrik nun nach Berlin, München, Stuttgart und Frankfurt expandiert und das dunkelblonde DSL-Mädchen nun auch in anderen Städten als nur Hamburg, die Wände, Zeitungen, Hochhäuser, Baustellen und geheimen Mappen von pubertierenden Jugendlichen ziert.

Wie schön sie auch sein mag, ich war von ihr noch nie sonderlich angetan. Nicht weil ich es völligen Schwachsinn finde, eine hübsche, junge Frau als Marke für einen DSL Anschluss zu verkaufen, sondern weil mich diese gekünstelte Schönheit so vollkommen gleichgültig lässt. Das Mädchen ist siebzehn, werte Männer, wohnt im fernen Rom, lebt von ihrem abwesenden Lächeln und spart ihr Herz für den Prinzen im weissen Ferrari auf. Ich kenne diese italienischen Schnepfen zur Genüge, meine Lieben, da ist nichts mit unendlicher Liebe, oder Leidenschaft. Nein, da geht es um das Heiraten, mit einem grossen Bräutigamschatz im Kofferraum. Nichtmal kochen können sie.
Überdies bin ich mir sicher, dass sie in Wirklichkeit ganz anders aussieht. Fotoshop auf den Lippen und ein gekrümmtes Objektiv sind da im Spiel. Während all die Herrenscharen ganz hin und weg und ohnmächtig, sich die Werbeposter über das Büro hängen. Die ganze Fabrik ist voll davon. Und Hamburg auch. Und nun auch noch weitere Käffer in der Bundesrepublik.
Aber ich wollte essen. Und trinken.

Wir versammelten uns in einem gemieteten Saal. Gleich machte ich mich auf der Suche nach dem Buffet und den Cocktails. Überall nur hübsche, junge Frauen in breiten, roten Gürteln die uns den Weg zur Garderobe zeigten und auch sonst recht freundlich vor sich hin lächelten. Mal abgesehen davon, dass an deren Beinen viel zu wenig Fleisch hing, hatten sie auch sonst nicht viel mit Hunger zu tun.
Immerhin kamen aber bald die ersten jungen Damen mit roten Drinks auf dem Tablet heran. Wenn schon nichts gegen den Apetit, dann wenigstens gegen den Durst. Das sah nach irgendwas mit Blutorange aus. Vielleicht Vodka, oder Rum, oder gar Tequilla. Tequilla würde vielleicht nicht ganz so gut zu Blutorange passen, aber Vodka reichte mir vollkommen. Ich spurtete gleich los, zur nächsten ausgehungerten Dame hin, setzte mein heissestes Lächeln auf und erleichterte ihr Tablet um ein ganzes Glas. Sie ignorierte meine Hilfsbereitschaft. Sie hatte es eilig und ging auf die Menge zu. Das konnte nicht sein – das Glas Vodka-Blutorange war bloss der Anfang. Um meine Lippen zu befeuchten sozusagen. Ich brauchte gleich noch ein weiteres Glas, kippte den Inhalt des Glases über meine Zunge hinweg, rannte ihr hinterher, stellte das leere Glas auf ihr Tablet und nahm gleich das nächste.
Dann wurde es Zeit endlich mal das Buffet zu finden. Doch es gab nichts essbares weit und breit. Keine Platten mit Shushi, oder Rollmöpsen, oder Blätterteigdelikatessen. Welch eine Enttäuschung. Ich merkte bald, dass die Suche sinnlos war, und gesellte mich somit zu meinen Bekannten, die schon einen Stehtisch ergattert hatten und da ihr Revier markierten. Ich beschwerte mich über das fehlende Essen und trank wie ein ausgedurstetes Maultier an meinem Vodka-Blutorange. “Ja stimmt” sagte einer der Kollegen der auch mit einem Vodka-Blutorange verharrte “und nichtmal Alkohol schenken sie ein”.
Nach einigen zustimmenden Augenblicken, hielt ich inne und schielte in mein Glas. “Kein Alkohol, was?” dachte ich und hielt es an meine Nase. In der Tat, ich hatte in der Eile gar nicht gemerkt, dass dem Getränk der etwas beizige Geruch des Vodkas fehlte. Ich steckte meine Nase noch tiefer in das Glas und roch weder Tequilla noch Rum, noch irgendwas anderes gebranntes. Nur Blutorange und noch etwas fruchtiges das ich nicht identifizieren konnte. Nein, nichtmal Sekt oder sowas änliches schwamm darin herum. Dann meldete sich der Hunger wieder und ich wurde ungeduldig.
Die Feier sollte vom besonderen Gast aus Italien, dem Vorstandsvorsitzenden der Mutterfirma eröffnet werden. In der Zwischenzeit lief Alice über eine riesige Leinwand im Saal. Wie sie posierte, während des Fotoshootings zur Werbekampagne, Interviews gab auf Sat1 und vieles andere. Nur ein Kurzfilm der in einer ewigen Schleife abgespielt wurde. Alice hier und Alice da. Das DSL-Maedchen. Und viel zu mager. Mir war nach Fleisch. Fisch hätte es auch getan. Meinetwegen Obst, aber es gab immer noch kein Anzeichen einer auffahrenden Buffetkolonne. Den Männern schien der Hunger ausgetrieben zu sein. Die starrten bloss zur Leinwand und sabberten zu tänzelnden Knochen in einem braunschwarzen Kleid. Nichtmal den Alkohol schienen sie zu vermissen. Darum war Warten angesagt. Auf den Vorstandsvorsitzenden. Der würde uns begrüssen, uns einige aufmunternde Worte zusprechen, vielleicht einen Witz reissen, und dann würde bestimmt das Buffet vorgefahren werden. Ein bisschen warten konnte ich noch. Das bisschen warten, zog sich zu einer Stunde hin. Eine ganze Stunde ohne Buffet und mit Blutorangen-irgendwas. Und nervenden Kollegen. Während Alice immer noch ihre Knochen über die Leinwand schleuderte.

Doch auch das Warten hatte irgendwann ein Ende und das Licht wurde gedimmt. Vorne rechts wurde eine Türe erleuchtet und eine junge Dame in einem braunschwarzen Kleid und einer dunkelblonden Mähne sprang hervor. Oha, das war Alice! tänzelte die nicht noch eben auf der Leinwand herum? Einige hundert Männerkopfe beugten sich nach vorn und schienen wohl ebenso erstaunt wie ich. Das war ja eigentlich eine ganz nette Überrasschung. Sie hüpfte vor dem Publikum entlang, mit einem euphorischen, kindlichen Lachen auf ihrem Gesicht und betrat die Bühne.
“Hello Hamburg!” piepte sie herab. Die Männer waren nicht mehr zu halten. Ein lautes Jubeln und Klatschen brach aus. Viele standen auf und hoben ihre Arme. Die Frauen steckten mit bitterböser Miene die Köpfe zusammen oder guckten scheinbar uninteressiert in der Gegend herum.
“Hello Hamburg, I am sooooo excited to be here with you!” Das Tosen wurde immer lauter. “I am sooooo happy to be here in your sooooo beautiful city!” Ich hörte lautes stampfen der Füsse auf dem Boden. “You are all sooooo nice. Now I want to present you the CEO of Telecom Italia:” Sie rief den Namen des Typen, den ich wieder vergessen habe, verliess die Bühne und liess einen etwas älteren kahlen Mann an ihrer Stelle. Der euphorische Beifall verstummte innerhalb weniger Sekunden.
Es war etwas peinlich fuer den armen Herrn Vorstandsvorsitzenden, der glücklicherweise seine Haut rettete, indem er ganz sportlich zugab, dass er wohl nicht so spannend sei wie Alice.
Und damit fing ein uuuuuuuneeeendlicher Vortrag an. Zwanzig Minuten stand ich da, hinten in der Menge, schielte hin und wieder nach hinten, um ein Buffet zu erblicken, an welches ich mich heranschleichen könne, aber da das offensichtlich nicht kam, schmiss ich mich an eine dieser roten Servicedamen und fragte nach einem Blutorangendrink. Sie wies meine Nachfrage freundlich ab, dass während des Vortrages kein Getränkeausschank vorgesehen war. Ich fragte nach Cocktails, ob es die nachher geben würde.
“Ohja, natürlich” erwiderte sie. “Buffet auch?” fragte ich. “Ja natürlich, aber wir servieren auch ein ganzes Menu heuteabend. Gleich nach dem Vortrag.” “Aha, und wie lange dauert der noch?” wollte ich wissen. Ich hätte es vielleicht besser nicht fragen sollen. Vielleicht hätte ich es alles überstanden wenn ich die Dauer des Vortrages nicht gewusst hätte. Ich hatte ja schliesslich keine Uhr bei mir, wodurch ich in steter Hoffnung hätte leben können, dass der Vortrag jeden Moment vorbei hätte sein können. Vielleicht wäre die Zeit im Flug vergangen. Aber als sie “Zwei Stunden” sagte, zeigte mir der Magen einen Stinkefinger und schrie “Gib mir Döner”. Daraufhin war ich gezwungen die Veranstaltung zu verlassen. Und ich kam auch nicht wieder.

Im sicheren Hafen der Liebe

Sarah und ich, wie liebten einander, und hatten es zu einer Wohnung gebracht die irgendwie ganz legal war. Die Wohnung stand leer und so schleppten wir unsere Matratze, eine Pfanne, einen Aschenbecher und zwei Kaffetassen durch das Treppenhaus, in diese Wohnung hinauf und hängten ein dickes Schloss an die Tür.

Die Wohnung war ein hübsch anzusehendes Loch. Eine kleine Küche, ein fensterloses Badezimmer und ein relativ grosses Wohnschlafarbeitszimmer. Die Löcher in der Wand verhängten wir mit Sarahs Ölfarbkünsten und auf die Gräben im Fussboden nagelten wir Türen. Die Pilze, die an den Wänden wucherten, schlugen wir heraus, und die entstandenen Löcher bedeckten wir mit weiteren Meisterwerken meiner Bettgenossin. Sie hat es in der Zeit, in der wir dort lebten, nie wirklich geschafft, genug Bilder für alle Löcher zu malen, aber wir gewöhnten uns daran, wie man sich eben an alles gewöhnt.

Wir hatten einen Warmwasserboiler gefunden, der nach einigen Seitenhieben und Kinnhaken wieder funktionierte. Ein beeindruckender Zeitzeuge antiker Technik, der mehrere Wochen lang ohne Unterbrechung und äusserst fleissig Wasser erhitzte, bis er eines Tages plötzlich und unangekündigt in den Streik trat. Kein Kinnhaken half, kein Arschtritt, bis er einige Tage später plötzlich wieder funktionierte. Völlig grundlos.
Diese Arbeitsverweigerungen häuften sich und dauerten jedesmal länger.
Ich mochte das nie besonders gerne, da ich unter dem kalten Wasserstrahl der Dusche unaufhörlich schrie.
Fünf mal liess ich mir diese Ausfälle gefallen, aber dann war ich richtig verärgert. Somit hörte ich auf zu duschen.
Sarah wusste mit beruhigenden Worten meinen Ärger zu besänftigen, und sagte, dass das Duschen nicht so wichtig sei, da wir ohnehin nicht stanken, alles sollte der Reihe nach geschehen, zuerst sollten wir etwas für den Kühlschrank besorgen, uns um unser leibliches Wohl kümmern, und weil wir die Einkäufe immer zusammen zu erledigen pflegten, einigten wir uns auf Übermorgen oder Überübermorgen. Der Warmwasserboiler konnte warten.
Überdies hatte sich der die guten Karten bei uns ohnehin verspielt, weil er immer dann aufhörte seine Pflicht zu erledigen, wenn wir dreckiger waren als der verschobene Abwasch in der Küche.

Die Küche betraten wir allerdings selten, und wenn, dann nur, wenn uns gerade der Putzfimmel überkam. Und nach dieser Putzwut kochten wir eben nur so lange, wie der Müll dort zu ertragen war. Der Putzfimmel ist aber die schlechtgelaunteste aller Musen, und will immer nur so richtig küssen, wenn man warmes Putzwasser hat. Also warteten wir auf den Boiler.
Obwohl – das stimmt nicht ganz. Im Laufe der Zeit erfanden wir ein kluges System, den widerspenstigen Warmwasserboiler wieder in Schuss zu bringen:

Überflüssiges Geld legten wir in eine Schuhschachtel, denn sobald einiges Geld zusammengekommen war, wollten wir einem Warmwasserboilerklempner Arbeit geben. Ich war zwar technisch immer schon ein wenig talentiert, aber die Launen unseres Boilers überforderten mich, da musste einer ran, der diese Launen studiert hatte und die nötigen Auszeichnungen und Stempel mit sich herumtrug.
Doch das Geld wollte sich aus unerklärlichen Gründen nur äusserst langsam vermehren, manchmal verringerte sich das Gewicht der Schuhschachtel sogar, sodass unser revolutionärer Versuch, dem arbeitenden Volk die Arbeit, und somit die Macht wieder zurückzugeben, kläglich scheiterte. Aber wir waren ja eh keine Kommunisten und deshalb war das nur halb so schlimm wie es vielleicht klingen mag. Jedenfalls ergab es sich dann meistens so, dass gerade jemand zu Besuch war, der sich mit Klempnerei ein wenig auskannte und ihn kurzerhand reparierte. Das war immer wieder eine Freude. Daraufhin
investierten wir die Klempnerersparnisse in Schnaps.

Wenn der Boiler repariert war, verbrachten wir unsere Zeit erstmal damit, auf den Putzfimmel zu warten. Das dauerte für gewöhnlich nur ein paar Tage, oder Wochen. Doch wenn es dann soweit war, brach die Hölle los, und man konnte davon ausgehen, dass unser Nest, in nur wenigen Wochen, hochglänzend strahlen und nach Flieder riechen würde.
In diesen inspirierten Wochen hatten wir merkwürdigerweise selten Besuch. Wahrscheinlich wollte man uns beim Arbeiten nicht stören. Man kann beim Putzen mit herumlungernden Menschengestalten ohnehin wenig anfangen. Das wussten unsere Besucher wahrscheinlich auch.

Sarah kaufte immer nur Pfandflaschen und das rechnete ich ihr sehr hoch an. Nicht während dem Kauf der Getränke selbst, sondern nach der Putzfimmelperiode. Nach getaner Arbeit konnten wir das Pfand einlösen und uns ein mittelgrosses Arsenal an Feierabendbier zulegen. Was für ein Kapital sich durch unsere systematische, effizienzlose Unordnung aufstapelte! Als hätte man ein wenig vorgesorgt, um sich für die Zukunft einzudecken. Ein Sparstrumpf sozusagen.
Es sprach sich immer schnell herum, dass unsere Wohnung wieder sauber war, und wir am Feiern waren. Die Freunde tauchten rechtzeitig auf, und halfen kräftig mit, uns von der Arbeit zu erholen.

Die Zeit nach dem Säubern war immer die Kreativste. Es war eine helle Freude, die Bruchbude neu zu gestalten. Sarah hatte einmal die Wände der Küche in sattem, kräftigem grün gestrichen. Sie erläuterte dazu, dass die Farbe uns dazu bewegen sollte, die Küche nicht mehr in Dreck und Müll versinken zu lassen. Weil wir ja Linksradikale waren, und doch auch Steine schmissen, wenn die Politiker die Natur verschandelten. Das Bild der grünen Küche sollte bei uns Schrecken hervorrufen, wenn wir Dreck herumliegen liessen, es sollte Bilder von Gasmasken und Atompilzen aufkommen lassen und
uns zur Verantwortung rufen.
Das machte alles viel Sinn. Ich liebte Sarah für solche grosse, weitsichtige Ideen. Und tatsächlich: damit nicht mehr all die Verpackungen und anderer Müll herumlag, hörten wir auf zu kochen.

In einer lauwarmen Vollmondnacht wachte ich aus unruhigen Träumen schweissgebadet auf, und war von einem ähnlichen genialen Geistesblitz befallen. Ich schritt ins Badezimmer und fing an, die Wände anzumalen, mit einem tiefen, weiten Blau. Ultramarin. Der Hintergedanke zur Farbe war der, dass wir ein wenig entspannter mit unserem Problem des verschütteten Wassers im Badezimmer, und die daraus enstandene Feuchtigkeit im Boden umzugehen vermochten. Das Badezimmer hatte halt ein Feuchtigkeitsproblem und wir schafften es nicht, es zu verdrängen.
Der Trick wirkte. Er wirkte zumindest soweit, dass wir das Wasser auch weiterhin nicht aufwischten. Aber darüber hinwegsehen konnten wir trotzdem nicht. Daraufhin verzweifelte ich drei Tage und drei Nächte lang an meiner Genialität. Als es am vierten Tag aus dem fensterlosen Badezimmer blitze und rauchte, und ich mir bei heldenhaften Versuchen den Kurschluss zu finden, mehrmals einen Stromschlag einfing, und ich daraufhin den ausgefallenen Strom ausgefallenen Strom sein liess, benutzten wir im Badezimmer nur noch Kerzen, und die Wasserflecken verschwanden aus unserem Blickfeld. Kerzen – es hätte so einfach sein können.
Einmal, als wir bei Kerzenschein in der Badewanne sassen, sagte Sarah, dass vielleicht bloss meine Wahl der Farbe die Fehlentscheidung war. Feuchtigkeit und Wasserpfützen wären ja nicht Ultramarinblau, sondern schlicht braun oder grau oder schwarzgrün. Wahrscheinlich hatte sie recht. Aber wen kümmerte das schon, wenn man es nicht sah.

Wir bauten uns auch ein riesiges Hochbett. Nicht nur weil wir versuchten dem Müll und den ganzen Haufen an Gegenständen zu entfliehen, sondern auch weil wir einen Ort des Rückzugs brauchten. Wo wir unsere Liebe zelebrieren konnten.
Das Ding wurde wirklich riesig. Ich, als Architekt unserer Liebesburg hatte mit unserer Liebe wohl etwas übertrieben. Der Koloss nahm einen dreiviertel Teil unseres Lebensraumes ein, und uns die Luft zum atmen.
Meine Freunde – deren Freundschaft sich darauf beschränkte, dass sie für Bier auf alles Mögliche einhämmerten, sagten zwar mehrmals zwischen Alkoholdunst und Tabakrauch hindurch, dass das Ding uns erdrücken würde, aber ich ignorierte das, ich wollte eine Liebesburg. Als die Festung dann fertig war, erschrak ich, aber Sarah schien glücklich zu sein, und das war alles was zählte.
Symbolisch strichen wir das Bett rot.

Die Fische im Bad hatte alle Sarah gemalt. Ich wollte ihr helfen und malte schwimmende Aschenbecher an die Wand. Doch sie verstand meinen abstrakten Kunstsinn nicht und schickte mich weg, mit der Begründung, dass Aschenbecher unter Wasser gar nicht atmen können. Ich sah ein, dass sie recht hatte. Verzweifelt über mein verkanntes Genie, fing ich an zu trinken.

Nur mal so: GeoURL ist nach einigen hundert Jahren Neuentwicklung, wieder online gegangen. Solche Services faszinieren mich ungemein. Da habe ich das Gefuehl nicht alleine zu sein, hier drin in meinem Musikbunker. Falls ich mal mitten in der Nacht, den Schluessel zu meinem Blog verloren habe, dann brauche ich nur den Nachbarn von Breitengrad 9.944 anpingen und Fragen ob er mich hintenrum ueber den Garten hineinlaesst. Dies gilt auch für Salz, Milch oder Trackbacks.
Nein, aber im Ernst, meldet euch an!

Knochenwerfen

Eigentlich dachte ich, dass ich von diesem neuen Bloggervirus in Ruhe gelassen werde, da mein Musikgeschmack aeusserst konservativ und eintoeönig in meinem Regal herumlungert. Aber der AxelK vom Apfelstrudelrestaurant, hat mir den Knochen zugeworfen, und weil ich ja ein ganz wilder Hund bin, und heute eh nichts anderes zu schreiben habe, beisse ich mal zu. Nun, runter zu den Fragen.

1. Wieviel gigantische Bytes an Musik sind auf deinem Computer gespeichert?

mek@rosa:~$ du -sb musikhaufen/
4926866587 musikhaufen

Boah, knappe 5 gigantische Bytes. Wusste ich gar nicht. Jetzt wird natürlich erwartet, dass ich irgendwas gescheites dazu sage, sonst macht das ganze ja keinen Sinn. Nun, da ist wirklich nichts besonderes dabei. Ich übe mich schon seit Jahren darin, meinen Musikgeschmack etwas auszubreiten. Ich kann meinen Gaesten beim Essen oder Kartenspielen schliesslich nicht dauernd dasselbe Gedüdel vorspielen. Das hier ist die Sammlung.

2. Die letzte CD, die du gekauft hast…

Ich glaube das waren die Tiger Lilies. Zirkuspunk im Stil der zwanziger Jahre. Ist schon laenger her. Ich kaufe mir aber nicht oft Musik. Ich kann mit den ganzen Neuigkeiten nicht mithalten, das ist mir zu stressig. Ich hoere und hege Lieder für eine lange Zeit. Manchmal hoere ich den ganzen Tag lang das gleiche Lied. Mit dem Finger auf der “Zurück-Taste”.
Ich verdaue Musik ganz langsam, und wenn sie mir wieder raufkommt, dann geht sie in meinen zweiten Magen und ich wiederkäue sie undsoweiter. Und sie wird dabei immer schöner. So auf die Schnelle hoeren geht bei mir nicht, und Hintergrundmusik erst recht nicht. Wenn ich arbeite, ist bei mir Stille, und wenn ich Musik nur nebenher hoere, dann hoechstens beim Abwaschen.
Überdies werde ich durch meine Chorarbeit sowieso dauernd von irgendwelchen Bachmotetten oder Schubertliedern verfolgt, sodass ich mich oft gar nicht auf andere Musik konzentrieren kann.

3. Welches Liedl hast du gerade gehört, als dich der Ruf ereilte?

Keines, da ich natuerlich gerade am Rechner sitze. Das letzte war jedoch (immernoch) “Mutual Friend” von Divine Commedy, das Lied worüber ich schon vor einigen Wochen schrieb. (Das Lied ist gerade mal in meinem dritten Magen angekommen).

4. Fünf Lieder, die dir viel bedeuten oder die du oft hörst.

Watching Alice – von Nick Cave and the Bad Seeds. Das erotischste Lied das ich jemals gehoert habe. Nein, ich bin nicht notsaechlicherweise ein Voyeur.
C.C.C.P. – Maciste contro tutti. Kennt eh kein Schwein hier in Deutschland. Grossartige Musik aus meiner Jugend. Die Band gibt es nicht mehr. Zumindest nicht in der Form. Die Band wurde in Italien Ende der achtziger (bei uns in Südtirol erst anfang der Neunziger, wie alles andere da auch erst immer viel spaeter anfängt) als Kultband vergoettert. Mit dem Zusammenbruch des Ostblockes lösten sie sich dann auch auf, und benannten sich um in C.S.I. Die italienische Abkuerzung fuer “Gemeinschaft Unabhaengiger Staaten”. Philosowjetischer Punk, so nannte man das. Nein, keine Kommunisten.
Luce – von Milva Jaja ich weiss… Milva. Aber ihr Deutschländer habt leider ein Vorurteil gegenüber der Frau. Die hat auch wirklich grossartige Sachen gemacht, nicht nur die Schlager womit sie hier berühmt geworden ist. So hat sie zB. sizilianische Volksmusik neu interpretiert und sogar Berthold Brecht gesungen. Aber ich muss zugeben, ihre Schlager gefallen mir am Besten.
Redukt – Einstuerzende Neubauten Musikgruppe aus meiner Jugend. Hoere ich beinahe taeglich. Oder besser gesagt, wöchentlich. Redukt ist bloss das erste das mir gerade einfiel, von einer ganzen Reihe Stücken die mir viel bedeuten.
Prelüde in C-Dur des wohltemperierten Claviers von Bach – Das Stück könnte ich den ganzen Tag lang, und auch den darauffolgenden hoeren. Wie schon vor langer Zeit mal erwähnt gibt dieses Stueck exact mein Gemuet wider. Allerdings nicht die Originalversion auf Cembalo, sondern die Version des Klingeltones auf meinem frueheren Handy, das monophone (ist das das Gegenteil von Polyphon?) graue Ding. Wenn mich jemand anrief, dann tat ich mich wirklich schwer das Gespräch anzunehmen, anstatt es fröhlich weiterklingeln zu lassen.

5. Wem wirfst du dieses Stöckchen zu (3 Personen) und warum?

Also als erstes fällt mir da Herr Fabe ein. Weil der DJ bei Radio Flora in Hannover ist, und damals bei der Sendung mit der Bloggerlesung, so viel tolle Musik aufgelegt hat, bei der ich mir dauernd gedacht habe “warum gibt es so viel schoene Musik da draussen?”, dass ich die aufgenommene Sendung noch immer gerne abspiele. Es stoert mich schon beinahe, dass da dauernd irgendwelche Blogger (inklusive meinerselbst) dazwischenlesen.
Dann möchte ich mal wissen was die Damen da drüben bei La vie de mai und Melancholie Modeste so für Musikgewohnheiten haben. Wer schön schreiben kann, muss schliesslich auch Musik zu schätzen wissen.

Ein gutes Vornehmen zum 4. Februar. Da dies ein Tag wie jeder andere ist, habe ich beschlossen endlich mal Umlaute auf meiner Seite einzuführen. Jetzt habe ich mich endlich an die Grossbuchstaben gewoehnt, also kann ich mich auch weiterentwickeln. Ich habe nun schon seit fast einem Jahr eine deutsche Tastatur und ich könnte mich wirklich mal anstrengen, mich an die neuen Tasten da ganz rechts gewoehnen. Es ist bloss so dumm, dass ich mit zwei (manchmal drei) Fingern tippe und deshalb meinen ganzen Arm in Bewegung setzen muss um diese zu erreichen. Und ach, alles geht so automatisch hier mit dem Tippen, die Worte werden halt so heruntergesudelt und ich denke nicht an die Details. Da muss ich mich eben mal ein bisschen bemuehen. Man will ja serioes wirken. seriös wirken.

Bloss kurz einkaufen

Manchmal will ich einfach einen Einkaufswagen. Es passiert mir naemlich immer wieder, dass ich an der Kasse, in einer kilometerlangen Schlange stehe und die Ware mir bis ueber die Stirn hinausgewachsen ist. Meine Bizepse und Trizepse verkrampften sich dann und innerlich bin ich ein schweissgebadetes Haeuflein Elend, das sich wimmernd das Fliessband der Kasse herbeisehnt, um all die Flaschen und Packungen hinaufzuschmeissen. Aber natuerlich bewahre ich die lockere Mine des starken Burschen aus den Bergen. Pft, alsob mich das ganze Gewicht aus der Fassung bringen wuerde! Ich habe frueher schon mit Baumstaemmen geschmissen und bin in den Baeumen herumgeklettert als gehoere ich noch immer zu meinen haarigen Urahnen. Die jungen Hamburger hier sind alles verwoehnte Rotznasen. Die gehen nicht mehr raus auf die Schiffe und schwingen die Ketten und Piratenschwerte, wie die Vaeter deren Vaeter.
Schon mehrmals haben mir aeltere Frauen in der Warteschlange angeboten, meinen Einkaufsberg in ihren Wagen zu legen. Ich schuettle immer den Kopf und mache dabei noch einen legeren Knicks, wobei der ganze Berg in meinen Armen fast zusammenbricht, und sage Ach, da sind ja nur noch 7 Leute vor mir. Das sind hoechstens noch zehn Minuten.” waehrend ich meine Arme gar nicht mehr fuehle vor lauter Schmerz. Gleichzeitig denke ich mir immer, ich wuerde mir an den Kopf hauen, wenn ich freie Haende haette. Aber haette ich die Haende frei, dann haette ich diese Probleme auch nicht. Und so verwerfe ich den Gedanken meistens wieder und sehne mir stattdessen das Laufband herbei.

Manchmal ist mir aber nach Einkaufswagen. So einmal pro Monat. Auch ich muss mich manchmal entspannen, mich am neuen Angebot orientieren, gucken welch neue Schampoos sie fuehren, und ob es wieder Geranien im Angebot gibt. Man hat ja seine Wohlbefindungstage.
Also ging ich zu den Einkaufswagen und hatte natuerlich keine passende Muenze dafuer. Bloss zwanziger und fuenfziger, aber L*DL hat jetzt diese neuen Einkaufswagen mit dem Schlitz, anstatt die guten alten, mit der kleinen, seitlichen Schublade. Und da passen nur noch Euros rein.
Ich muss wohl irgendwie bloed rumgestanden haben, weil mich ein vierzehnjaehriges Maedchen ansprach: “Du brauchst da eine Euromuenze”. Alsob ich das nicht selbst gewusst haette, du kleines Goer, ich brauche so einen verdammten Wagen mit kleiner Schublade. Aber ich beschloss ganz einfach freundlich zu bleiben, da ich an den Tagen wo ich einen Einkaufswagen nehme, ja im allgemeinen ein sehr wohlbefindlicher Mensch bin. Ich laechelte ihr zu und sagte, dass ich leider keine Euromuenzen haette und so stellte ich mich auf einen schnellen Einkauf ein, und liess somit meine Plaene von Shampoo und Geranien verpuffen, ohne weiter auf das Maedchen zu achten.
“Hast du zwanzig cents?” fragte sie. Ja die hatte ich. “Damit kannst du auch diese neuen knacken”. Meine Aufmerksamkeit war geweckt. “Du meinst, ich kann die einfach reinstecken und das Schloss geht auf?”. Sie nickte. Ich zog eine zwanzigcent Muenze hervor und steckte sie in den Schlitz. Nichts bewegte sich. Ich ruettelte. Und schuettelte. “Das geht nicht” sagte ich zu ihr. Sie naeherte sich dem Wagen und begutachtete das Schloss. “Tja manchmal bleiben die Muenzen auch drin stecken”, sagte sie. “Na toll!” und meine Gedanken an Shampoo und Geranien loesten sich wieder in eine Wolke aus Methan und Staubpartikeln auf.
Sie stiess aber ein aufmunterndes Lachen auf und bot mir an, zusammen mit ihr den Wagen zu benutzen. Ich die linke Seite, und sie die rechte Seite. Nunja, warum auch nicht. Ich wuerde zwar keine Ruhe finden, mich mit Pflanzen und Wohlbefindlichkeitsmitteln zu beschaeftigen, aber ich braeuchte keine schweren Warenberge herumzuschleppen. Und so betraten wir den Supermarkt.

Ich schaetzte das Maedchen auf vierzehn Jahre. Von der Groesse er. Aber je laenger ich darueber nachdenke, erscheint sie mir juenger. Sie war bloss gross gebaut. Ich wuerde jetzt sagen dass sie zwoelf ist. Es schien ihr ausgesprochene Freude zu machen. “Schiebst du den Wagen?” sagte sie und lachte. Ich schob.
Sie hielt gleich bei der Marmelade inne, nahm zwei verschiedene aus dem Regal und fragte “Welche soll ich nehmen? Die Leckere, oder die mit weniger Zucker?”. Ich blieb stehen, guckte auf die beiden Glaeser, dachte nach, welche ich nehmen wuerde, und sagte: “Die Leckere”. Sie guckte auf das Glas in ihrer Rechten und seufzte dramatisch “Ja moechte ich auch gerne, aber ich muss abnehmen”. “Du bist nicht dick” sagte ich, und drehte mich zum weitergehen um. “Findest du?” sagte sie. “Ja, finde ich”. “Ach, dann nehme ich die Leckere, meine Mutter ist sowieso schon fett”. Ich schob den Wagen in Richtung Gemueseauslage. Sie lief neben mir her und betrachtete das Gemuese uninteressiert. Ich wunderte mich ploetzlich, dass sie gar nicht einzukaufen schien. “Musst du eigentlich nicht einkaufen?” fragte ich sie darum. “Oh. Ja” sagte sie und lachte. Dann sprang sie davon. Vielleicht blieb sie ja ein bisschen laenger weg und ich haette kurz Zeit mir die Geranien anzugucken. Deshalb schob ich den Wagen zu den paar aermlichen Pflanzen. Und da sprang sie mir schon vor den Wagen und hielt Nudeln, Reis und eine Dose Bohnen in der Hand, die sie mitten in den Wagen schmiss. Also mit der Teilung der Waren wuerden wir es wohl nicht so genau nehmen. Mir auch recht. Ich liess die Pflanzen sein und fuhr zurueck zum Gemuese, nahm ein paar Zucchinis, Moehren, etwas Salat und fuhr weiter zu den Milchprodukten, waehrend sie neben mir herschlenderte.
“Brauchst du Milch?” fragte sie. “Ja genau” antwortete ich und hielt den Wagen an. Flugs machte sie einen Satz zur Milch. “Einen Liter?”. “Ja, Einen Liter”. Dann packte sie einen Liter Milch und legte es zu ihren Sachen in der Mitte des Wagens. Ich liess es geschehen. Was sollte ich schon sagen. Sie fuehrte ja nichts Boeses im Schilde und ich war theoretisch in guter Laune.
“Die Dinger schmecken Scheisse” sagte sie und zeigte auf die fettarmen Brotaufstriche. Ich lachte “Haha, ja, von denen bekommt man noch mehr Hunger.” Sie lachte auch und nahm eines der fetthaltigen vom Regal, wobei sie sagte, dass sie ja nicht fett sei, wie ich ihr versichert hatte.

Langsam wurde ich ungeduldig und machte ihr klar, dass ich gleich kochen muesse und deshalb nur schnell meine Sachen zusammensuchen moechte, damit ich bald wieder nach Hause gehen kann. Sie sagte in einem bedauerlichen Ton, dass sie auch nicht viel Zeit habe, weil ihre Mutter zu Hause auf sie warte.
Ich lief kreuz und quer durch den Supermarkt, nahm Sahne, Apfelsaft, Muesli, Mineralwasser, Bier, legte es behutsam auf der linken Seite des Wagen hin, und ab und zu huepfte mir das Maedchen vor die Fuesse, lachte mich an und schmiss ihre Sachen mitten in den Wagen. Ich war bald fertig und stellte mich in die Mitte des zentralen Ganges auf und hielt Ausschau nach ihr.
Ploetzlich kam sie mit einem sehr besorgten Blick zu Vorschein. “Was ist los Maedchen?” fragte ich.
Sie kam naeher und sank den Kopf. “Ich kann die runden, bunten Schokoladen in dem roten Netz nicht finden.” “Oh, das ist doof” entgegnete ich “hast du hier vorne links schon geguckt? Da sind die Schokoladen.”
Ja, hatte sie schon, aber die waren nicht da. “Hast du den Bediensteten schon gefragt?” fragte ich. “Nein” sagte sie “kannst du ihn fuer mich fragen?”.
Ich liess mir nicht anmerken, dass ich etwas genervt war und machte sie mitkommen, zur Tuer, wo man die Pfandflaschen abgeben kann. Ich klingelte an der Tuer, der Bedienstete kam und ich forderte sie auf, ihm die Schokoladen die sie suchte, zu beschreiben. Er schuettelte den Kopf. “Nein fuehren wir nicht”.
Daraufhin wurde sie sehr unruhig. Ich nahm sie mit, in Richtung Schokolade, und wollte ihr Ratschlaege geben, die vielleicht als Alternative in Frage kommen koennten. Die runden, bunten im roten Netz sind schliesslich nicht unersetzbar. Aber sie blieb besorgt.
“Was ist denn los?” wollte ich wissen. “Meine Mutter wird mir das nicht glauben, dass es keine gibt” sagte sie “das brauche ich schriftlich. Das glaubt sie mir sonst nicht”. Ich versuchte beruhigend auf sie einzureden und sagte, dass das wohl nicht so schlimm sein koenne. Doch dann heiterte sich ihr Gesicht auf: “Du koenntest mir vielleicht auf einen Zettel schreiben, dass L*DL diese Schokoladen nicht mehr hat! Mit Unterschrift und allem.”
Ich seufzte innerlich. Ich guckte mich um. Hier mitten im Supermarkt, so einfach einen Brief faelschen? Ich kam mir vor wie ein zwoelfjaehriger. “Ach komm, das kann wohl nicht so schlimm sein, sag ihr einfach die waeren ausverkauft, Punkt aus.” Sie machte wieder ein besorgtes Gesicht. “Du kennst meine Mutter nicht” sagte sie. Da hatte sie recht – ich kannte sie in der Tat nicht.
Ich zog einen Zettel und den Kugelschreiber aus meiner Tasche und schrieb, schoen leserlich: Das von ihrer Tochter gewuenschte Schokoladeprodukt fuehren wir derzeit leider nicht. Mit freundlichem Gruss, Ihr L*DL Mitarbeiter und darunter ein unleserliches Gekritzel.
Sie laechelte und schob ihre Brust nach vorne. Sie hatte einen riesigen Busen, fiel mir ploetzlich auf. Eindeutig zu fruehreif, das Goer. Ich brummte innerlich. “Komm, lass uns zur Kasse gehen, ich bin fertig, du auch?”. Sie bejahte.

So standen wir in der Schlange, die zum Glueck nicht besonders lang war, und sie erzaehlte mir von sichselbst. Ueber Unterschriftenfaelschungen, was gar nicht so schlimm sei. Dass sie des oefteren Unterschriften faelschen wuerde. Vor allem in der Schule, wenn sie schlechte Noten bekam, und dass das noch nie aufgeflogen waere. Sie beschrieb mir wo sie wohnte, nannte die Strasse und Hausnummer und wollte dann von mir wissen wo ich wohne. “Ah, hier um die Ecke, gleich rechts” sagte ich. “Welche Hausnummer?” wollte sie wissen. “160″ log ich. Sie laechelte.
Dann konnten wir die Waren auf das Band legen. Natuerlich war das kompliziert, da wir erst alles sortieren mussten. Ihre Sachen erst, dann das NaechsterKundeSchild und dann mein Zeug. Ploetzlich schlug sie sich die Hand vor den Mund: “Ich hab die Eventnuesse vergessen”. “Die was?” sagte ich. “Die Eventnuesse” wiederholte sie “weisst du was das ist?”. Ich schuettelte den Kopf, dann zog sie ihre Einkaufsliste hervor und zeigte mit dem Finger auf das Wort Erdnuesse. “Da steht Erdnuesse, nicht Eventnuesse”. “Egal, erwiderte sie, kannst du mir die Nuesse holen? Ich kann nicht weg, ich bin fast dran.” Gut, dem war nichts zu entgegenzusetzen, und freundlich und hilfsbereit bin ich ja. Ich lief zu den Nuessen hinueber, fand aber keine Erdnuesse, und schon recht keine Eventnuesse, und lief daher zurueck. Aus der Ferne rief sie mir ueber alle Leute hinweg zu: “Kannst du uns bitte auch noch eine Packung Nudel mitnehmen? Ich habe nur eine, das reicht fuer heuteabend nicht”. UNS?? Ich dachte nicht richtig gehoert zu haben. Das ist gleich alles vorbei, du verlaesst den Laden und gehst nach Hause. Ich nahm also eine willkuerliche Nudelpackung aus dem Regal und hastete zurueck zur Kasse. Man hatte auf mich gewartet.
Sie bezahlte, dann war ich dran und wollte meine Sachen nach dem Scannen gleich in meine Tasche packen, aber das Maedchen nahm meine Einkaeufe vom Band und legte alles sorgfaeltig zurueck in den Wagen. Sie schien es zu geniessen.
Nach dem Bezahlen packte ich mein Zeug und liess sie den leeren Wagen schieben. Bei der Tuer sagte ich ihr ganz selbstverstaendlich “Ach dann bringst du den Wagen zurueck ja? Man sieht sich. Irgendwann, irgendwo.” Sie winkte mir nach und sagte: “Bestimmt”. Dann laechelte sie noch.

Blut! Blut! Blut!

Blut! Blut! Blut! Meine Blase, meine Daerme und irgendwelche anderen Innereien sind aufgefressen. Ich halte meinen Pimmel fest beim Pinkeln, und alles was herauskommt ist rot und faerbt das Pissoir der Fabrik. Mein Herz bleibt mir fast stehen. Ein merkwuerdiges Gefuehl von Leere macht sich blitzschnell in meinem Kopf breit, alsob das ganze Blut von oben, hinunterfliessen wuerde und aus der Blase herauskommt. Das Leben zieht an mir vorbei, wie ich als Kind auf der Schaukel sass. Meine Eltern spielen mit mir. Ich sehe die Schule vor mir, wie ich als kleiner Bub, mit der schweren Schultasche auf dem Ruecken, den Weg zur Bildung meistere. Voller Erwartungen mustere ich das Gebauede von weitem schon. Und dann fuehle ich auch den Schmerz in meinem Unterbauch. Ich habe es immer schon geahnt, dass mir kein langes Leben gegoennt sei, bei dem Schindluder das ich an meinem Koerper betrieben habe. Irgendwann musste da ja was durchbrechen. Voellig geschockt packe ich meinen Pimmel wieder ein Es ist jetzt aus, mein Junge, entweder es geht jetzt ganz schnell bergab und du stirbst auf dem Weg ins Krankenhaus, oder du bekommst dein ganzes Leben lang irgendwelche Pillen, die dir den Spass am Leben entziehen, jetzt ist es aus. Ich senke meinen Kopf. Irgendwie bin ich auch wieder froh drum. Ich wollte meinen Tod immer schon bewusst erleben, und mich darauf vorbereiten. Mental jedenfalls. Abschliessen mit dem Leben und mich von den Engeln hinaufziehen lassen, in Gottes Arme.

Als letzten schoenen Gedanken will ich mir den vorigen Abend einblenden und denke an das Essen, den Wein, den Film, und dann faellt mir die Speise auch wieder ein…

Ich werde mich nie an den Pinkeleffekt von Roter Beete gewoehnen.