Endlich regnet es wieder und man kann wieder ruhigen Gewissens drinnen sitzen und sich nicht gezwungen fühlen, draussen am Treiben aller jungen und gutaussehenden Menschen mitzumachen müssen. Zwar war ich am Wochenende mehrfach verhindert und hätte nichtmal hinaus gekonnt wenn ich gewollt hätte, aber wenn man in Eile über das Schulterblatt radelt und sich beim Anblick der sommerlichen Menschenmassen vorkommt als hätte man keinerlei soziales Leben mehr, dann beruhigt mich doch der Gedanke, dass wir südlich vom Brenner sehr wohl wissen, warum wir nicht in die Mittagssonne gehen.

Ich schwöre ich habe heutefrüh auch nicht gelacht, als auf der Arbeit die Kollegen nacheinander mit rotleuchtenden Köpfen hereintröpfelten. Schwierig war es allerdings schon.

Arbeit am Verdruss

Und Frau Meisterköchin vermisse ich immer noch schmerzlichst, seit nun fast einem halben Jahr, jeden Tag aufs Neue.
Aus Protest hab ich sie jetzt, wenn auch durchgestrichen, wieder in die Blogroll aufgenommen. Man könnte sonst auf blöde Gedanken kommen.

achja,

das Konzert war natürlich sehr gut. Ich will mich jetzt nicht in angeberische Details verlieren, und erwähnen, dass das Orchester dermassen begeistert war, dass der Orchesterdirigent sagte, wir seien der beste Chor, den sie jemals gehabt hätten, und dass man uns für unser Singsang eigentlich bezahlen müsste. Nein, das will ich nicht erwähnen. Aber ich muss das erwähnen wenn ich erzählen will, dass der ganze Chor daraufhin fast einstimmig ausrief: Pizza!
Jaja, das war schon witzig.

Nicht so witzig fand ich allerdings, dass ich unser Acapella-Konzert im Petersdom nicht mitsingen konnte, weil ich meine Termine verschlampt und daher die Zugkarte nach Bozen einen Tag zu früh gebucht habe.
Aber da ich ja so oft Termine verschlampe, hat das nicht weiter Gewicht.

mi piace pizza pazza in piazza a roma

(und jetzt alle)

vom Essen

Wenn ich für einige Tage wegfahre, dann nehme ich immer etwas ab. Immer. Weil ich viel laufe und mich um andere Sachen kümmere als um das Essen. Auch in Italien, wo dauernd Knoblauch- und andere Gerüche durch die engen Strassen wehen, als würde dieses Volk nichts anderes tun als sich den ganzen Tag lang mit der Futterzubereitung zu beschäftigen. Die ersten neun Tage des Aufenthaltes in meiner Heimat waren auch dementsprechend gesund. Erst in Rom mehrere tausend Kilometer pro Tag gelaufen, zwischendurch ein paar frische Tomaten vom Markt gegessen, ein bisschen Melone mit Schinken und ab und zu eine Pizza oder Risotto mit Parmesankäse, so wie es sich halt gehört. In Südtirol war es ähnlich: viel gelaufen, bergab und bergauf, frische Tomaten, ab und zu Pizza und zwischendurch natürlich die übliche Pflichtkost – ein paar Stücke Speck.
Bis zum letzten Tag.
Eigentlich fing es schon am Vorabend des letzten Tages an. Ich war schonwieder bei Vater zum Essen eingeladen, irgendwas mit Spargeln hatte er zubereitet, ich sollte um neun Uhr zu ihm kommen. Also ging ich erstmal um acht zu Hello und Francesca, die ich schon seit zwei Jahren nicht mehr gesehen hatte, und die mittlerweile schon ihr zweites Kind bekommen hatten. Zwei gute Freunde, ehemalige Irokesenträger, die es jetzt in mein Bergkaff verschlagen hat und sich nun fröhlich vor sich hin vermehren. Sie waren gerade dabei Pizza zu backen und hatten Teig und geschnittenes Gemüse über den halben Tisch verstreut. Ich hatte kaum Hunger, und das bisschen Essenslust das in meinem Magen schlummerte, wollte ich für das Abendessen bei meinem Vater aufsparen.
Nachdem man sich mehrmals nach meinem Hunger informierte und ich mehrmals abgelehnt hatte, nach dem fünften Mal jedoch kleinlaut zugab eine kleine Ecke aus Francescas Teller haben zu wollen, nur der Neugierde wegen, weil selbstgemachte Pizza immer wieder äusserst spannend ist, vor allem für mich, der mittlerweile zum nordländischen Kartoffelesser mutiert ist, wurde mir kurzerhand ein Riesenstück Spargelpizza auf einem Teller zugeschoben. Während ich den Teller protestierend annahm, kleine Stücke davon abschnitt und behutsam prüfend in den Mund schob und vor lauter Gaumenfreude stöhnte, erzählte ich weiter von Hamburg, der Elbe und dem komischen deutschen Essen. Und bald darauf war auch schon mein Teller leer. Anschliessende Versuche mir eine weitere Riesenportion unterzuschieben scheiterten. Als Francesca nach dem Essen jedoch ihren halbleeren Teller beiseite schob, und ich während dem Erzählen dauernd meine Finger in ihre Pizza steckte um die Käsekrusten abzuziehen und daran zu kauen, wurde ich nach einiger Zeit aufgefordert doch einfach Messer und Gabel zu nehmen und die halbe Pizza aufzuessen. Nein, nein, nein, aber nach dem dritten “Nein”, nahm ich das Besteck und ass.
Daraufhin war es gleich neun Uhr und ich musste zu meinem Vater. Schon beim Öffnen der Haustür wurde ich von einem teuflischen Duft von Fleisch und hunderten verschiedener Kräuter überfallen und wäre dabei beinahe aus meinen Schuhen gekippt. Da mich mein Vater bei der Begrüssung umarmte, verhinderte er das Schlimmste. Obwohl ich wirklich keinerlei Hunger hatte, von Appetit will ich gar nicht sprechen, konnte ich das Essen natürlich nicht abschlagen. Als Vorspeise gab es Spargellasagne und als Hauptgericht einen riesigen Braten mit in Bratensosse geschmortem Gemüse. Und dazu natürlich südtiroler Lagreiner Rotwein, ein wunderbares Getränk. Wenn man bei meinem Vater zum Essen oder zum Trinken eingeladen ist, dann wird einem immer ungefragt Wein eingeschenkt und Essen unter die Nase geschoben, ob man will oder nicht. Wenn der Teller leer ist, kommt gleich die nächste Portion. Auch wenn man ausdrücklich ablehnt. Aus irgendeinem Grund hatte ich es geschafft, die Lasagne abzulehnen. Wie mir das gelungen ist, weiss ich immer noch nicht, aber vielleicht lag es am Braten, auf den er besonders stolz zu sein schien.
Also legten wir uns gleich mit dem Braten an. Die erste Portion ging noch ziemlich einfach runter. Zwischen dem letzten Stück Pizza und dem Braten war mittlerweile schon eine halbe Stunde vorübergegangen, da gab es also eine Lücke im Magen wo der noch reinpasste. Für die zweite Portion, die ich nicht schaffte abzulehnen, musste ich meine Sitzhaltung verändern, damit der Magen genug Expansionsraum zwischen Rippen, Herz und Leber bekam. Wie ich dritte Portion in mich reinbekommen habe, weiss ich nicht, und will ich eingetlich gar nicht wissen. Vielleicht hatte ich bloss Glück, dass ich wenig Wein getrunken hatte, und damit nicht unnötigen Platz im Bauch verschwendet hatte.
Dann rief Francesca an und sagte, dass sie ganz vergessen hatte zu sagen, dass sie und Hello morgen heiraten würden, und ich doch um zwei Uhr zum Festessen ins Gasthaus kommen solle. Ich war so verblüfft von dieser Meldung, dass ich meine Essensverabredung für den nächsten Tag augenblicklich vergass und einfach zusagte. Heiraten? Die beiden? Obwohl die beiden schon zwei Kinder hatten und mittlerweile seit sieben Jahren zusammen wohnten, fand ich das trotzdem sehr überraschend. Gut, um zwei Uhr Festessen. Danach viel mir ein, dass Mutter für mich am nächsten Tag zu Mittag kochen wollte. Den Spargelrisotto den sie mir versprochen hatte. Aber das würde schon gehen. Den Risotto sah ich als Hauptmahlzeit und das Festessen danach würde ja eh mehr ein Fest als ein Essen sein. So dachte ich mir das aus.
Am nächsten Tag sollte ich erstmal bei meinem Vater frühstücken, da er den Rest des Tages verhindert sei, mich jedoch vor meiner Abfahrt am Abend noch sehen wollte. Da ich vom vielen Essen jedoch schlecht geschlafen hatte, kam ich erst um zehn Uhr bei meinem Vater an, der inzwischen alles gedeckt hatte. Als Überraschung gab es neben Brot, Schinken, Käse, Speck, Ei und Marmelade auch die Spargellasagne von gestern. Die müsse ich unbedingt probieren, da habe er sich was besonderes einfallen lassen um sie schön saftig zu bekommen. Ich konnte das unmöglich abschlagen, da er weiss, wie gerne ich am Morgen Herzhaftes esse. Eine Ausrede wollte ich mir gar nicht einfallen lassen, weil ich wieder richtigen Hunger bekommen hatte, und ich mir für den Spargelrisotto zu Mittag schon was einfallen lassen würde. So ass ich das dreifache was ein normaler Mensch zum Frühstück verzehrt. Die Lasagne hatte er wirklich vortrefflich hinbekommen. Das Geheimnis der Saftigkeit war, dass er den Spargel mit dem Beschamel zuerst mit Weisswein kurz vorgekocht hatte, bevor er alles zwischen die Lasagneblätter gab. Ich war sehr angetan.
Um halb zwoelf rollte spazierte ich runter zum Weissen Rössl, in dem ich mich kurz mit dem Nachbarn meiner Mutter auf einen Kaffee verabredet hatte, weil er mit mir etwas wegen Hamburg besprechen wollte. Nur kurz, etwas wegen Reisebuchungen, das er als Reiseführer wissen musste. Im Weissen Rössl wollte mir die Wirtin ihren selbstgemachten Apfelstrudel aufdrängen. Ich sei doch so selten hier, und da oben im Norden gäbe es bestimmt keinen vernünftigen Apfelstrudel. Da hatte sie zwar vollkommen Recht, aber weil mich Süsses nicht sonderlich anzieht, beharrte ich auf mein forsches “Nein”. Auch dass er aus frischen Äpfeln gemacht war anstatt alter, vergammelter Restbestände (im Mai?) konnte mich nicht umstimmen. Erst als ich sagte, ich sei ja schon so dick geworden, dass ich nicht mehr ohne weiteres dauernd jede verführerisches Speise zu mir nehmen könne, gab sie endlich Ruhe. “Stimmt” sagte sie “du bist wirklich dick geworden”. Nicht gerade charmant, aber das kann man in den Bergen ja sowieso nicht erwarten.
Um Punkt zwölf war der Risotto bei Mutter an der Reihe. Ich will darauf gar nicht mehr näher eingehen. Die treue Leserschaft wird wissen, wie sehr Risotto mein Leben geprägt hat und wie sehr ich von Risotto schwärmen kann. Und dann erst recht, wenn Mutter ihn kocht. Ich will nur sagen, dass ich gleich drei Teller gegessen habe. Erst bloss eine bescheidene Portion, dann zwei etwas unbescheidenere. Und dazu ein Glas Lagrein dunkel.
Nach kurzem Packen der Koffer war auch schon die Hochzeit dran. Die Zeremonie war nicht festlich, bloss ein standesamtliches Ringetauschen, aber alle Anwesenden schienen eh nur auf das Fest im Gasthaus hinzufiebern. Viele alte Bekannte, Freunde und Verwandte tauchten auf und es war die hellste Freude sie alle wieder zu sprechen. Zuerst beim Aperitiv, dann beim Antipasto aus Schinken und Melone, dann bei der köstlichen Lasagne mit Schlutzkrapfen, dann beim Rinderbraten mit gedünstetem Gemüse, oder wahlweise Wienerschnitzel mit Pommes (ich nahm sie beide), und anschliessend beim Eisbecher. Soviel gab es zu reden. Eigentlich hätte mir schlecht sein müssen, aber Wein gab es ja nicht nur als Aperitiv, sondern auch dazwischendurch, und mein Magen musste sich wohl auch etwas ausgeweitet haben, noch vom Vortag. Es schien alles zu passen.
Um fünf kam die Stunde des Abschieds, Mutter holte mich ab und wir fuhren zum Zug nach Bozen. Beim Bahnhof fiel mir ein, dass ich noch unbedingt südtiroler Döner zu Dokumentationszwecken testen musste. Samt Foto und Geschmackstest hier im Weblog. Daraufhin die erstbeste (einzige?) Dönerbude neben dem Bahnhof betreten, Döner bestellt und kurz vor dem ersten Biss festgestellt, dass ich die Fotokamera im Auto vergessen hatte, und somit der ganze Dönertest sinnlos war. Wer will schon einen saftigen Testbericht ohne saftige Fotos? Den Döner habe ich dann etwas lieblos hinuntergewürgt, der Fotokamera wegen, damit ich nächstes Jahr beim Test unbelasteter zu Werke gehen kann. Ich war bloss etwas verärgert, dass ich jetzt sinnloserweise noch mehr in meinen Magen gestopft hatte. Aber es passte. Mir war weder schlecht noch sonstwas, einfach nur voll.
Und so stieg ich bald in den Zug, und schwor mir, die ganze nächste Woche keinen Bissen mehr zu mir zu nehmen. Bis der Zug durch Kufstein tuckerte, ich an das doofe Lied “Mein Städtchen Kufstein” denken musste, mir dann die Strophe vom “Weinerl aus Südtirol” einfiel, und ich gleich wieder an Essen dachte. Und zwar dachte ich an das leckere Brötchen oben im Rucksack, das mir meine Mutter für die Reise zubereitet hatte. Ein gewaltiges Leabele aus Roggen, mit einem Diameter von fünfundzwanzig Zentimetern, bestrichen mit Ricotta, vermischt mit Schnittlauch aus dem Garten, ein Blatt Salat und Käse aus dem Gadertal.

Ich stand kurz auf und öffnete meinen Rucksack.

Souvenir aus Roma

Den neuen Papa, Benedetto sedicesimo, beim Pfingstsegen für euch fotografiert.
(Papa Ratzinger ist der weisse Punkt oberhalb des roten Fleckes)

Und jetzt wieder zurück bei meinen lieben Heiden.

Raucherstreik

Meinetwegen koennen sie in Italien das Rauchen in den Kneipen ja verbieten. Hier ist es meistens sowieso warm genug, dass man auch draussen sitzen kann und seit dem neuen Antirauchergesetzt ist das Leben vor den Kneipen mindestens doppelt so spannend geworden wie in den Kneipe selbst, aber, wenn man dann zu spaet erfaehrt, dass das Rauchen in Zuegen nun auch verboten ist, dann geht das eindeutig zu weit. Vor allem wenn man in einem deutschen Zug im Raucherabteil sitzt, durch Oesterreich faehrt und schon eine ganze Stunde nicht geraucht hat, weil man sich ja ein bisschen zusammenreissen will nachdem man die ganze Fahrt lang das Abteil vollgequalmt hat, und sich daher eine genuessliche Zigarette aufhebt, fuer den Moment an dem man vom Brenner hinunterfaehrt in das sonnige Suedtirol. Ein freudiger Moment den man nur mit einer Zigarette teilen kann. Jedoch macht es jegliche Freude kaputt, wenn nach dem Drehen der Zigarette eine unglaublich unfreuliche Frauenstimme mit dem Klang einer Kaffeemuehle aus dem Lautspreche ratert, dass das Rauchen in italienischen Zuegen verboten sei.
Pft, dachte ich, ich zuende sie mir an, ich habe ein Ticket aus Deutschland, ich kann so tun, als spraeche ich kein italienisch. Aber natuerlich konnte die Lautsprecherzicke auch Deutsch, wir sind schliesslich ja in Suedtirol. Und dann kam mir der Einfall, dass ich mich ja als Englaender oder irgendwas auslaendisches ausgeben kann, und ja, natuerlich kam nach der deutschen Ansage auch die englische Ansage und ich liess es einfach sein. War mir doch wurscht, die Stunde bis nach Bozen wuerde ich schon ueberleben.
Dass die Lautsprecherzicke allerdings auch ermahnte, dass lautes Sprechen oder laute Klingeltoene, die Mitreisenden stoeren koennte, nervte mich viel mehr.
Spaeter musste ich jedoch wieder darueber lachen. Eine europaeische Erziehungsmassnahme fuer Italiener. Das lernen die eh nie.

Und jetzt in Bozen hoere ich erstmal vom Zugstreik. Genau heute wo es weitergeht nach Rom. Es gibt einen einzigen Zug der heute faehrt, also sechs Stunden zwischen Koffern im Gang und kreuz und quer sitzenden Reisenden und Schweiss und Hitze, und das alles in einem Nichtraucherzug. Sechs Stunden lag. Da muss ich erstmal eine rauchen…

Manche Züge fahren nach Rom

Jetzt verabschiede ich mich mal für ein paar Tage. Ich wurde nach Rom gerufen, die Vatikanstadt zu inspizieren, wegen meines besonderen Gespürs für Illuminaten. Seine Eminenz Ratzinger ist derzeit etwas überfordert um selbst nach dem Rechten zu gucken, und da ich innerhalb dem vatikanischen Gemäuer ja ein bekannter Name bin, hat man nach mir verlangt.
Ich werde mit dem Kammerchor im Vatikan den Messias aufführen, für den ich die letzte Monate geprobt habe, aber das ist bloss die Tarnung. In Wahrheit trage ich meine komplette aufklappbare Illuminatus-Buster Ausrüstung bei mir und ich werde ohne Erbarmen jagen. Den Filz zerschneiden und dem gierigen Gesindel an die Kehle greifen.
Ich werde davon berichten.

Auf dem Rückweg werde ich eine Woche in meiner Heimat verbringen. Knödel essen, Berge runterrollen und endlich mal wieder so richtig trinken, mit richtigen trinkfesten Bergmenschen und nicht mehr mit den laschen Flachlandmemmen wie sie man hierzulande findet.

…dabei fällt mir auf, dass ich nun schon fast 2 Jahre nicht mehr in Südtirol gewesen bin. Es wurde Zeit.

Zurück

Marie Anne schreibt wieder. Und zwar hier. Sehr erfreulich.

Weltallreisen

Als ich ein kleiner Junge war, und noch Meki hiess, anstatt des weitaus grösseren “Mek”, der ich heute bin, wollte ich Astronaut werden. Oder Kaminkehrer, so genau konnte ich mich nicht entscheiden. Ich war sechs Jahre alt als mich der Lehrer nach meinem Berufswunsch fragte. Meine Schulkameraden wollten Bauer werden, oder Automechaniker, oder Metzger, für mich hingegen hatte das Schicksal schon lange festgelegt, dass ich Astronaut werden würde. In meiner silberblauen Rakete würde ich von Alpha Centauri bis zum Wassermann düsen, unter dem grossen Wagen hindurch, und die Marsmenschen auf Pollux würde ich mit meinen blinkenden Scheinwerfern im Vorbeirauschen grüssen. Ich hatte zwar keine Ahnung wie man Pollux schrieb, aber ich wusste genau wie ich dorthin kam. Nämlich unter dem grossen Wagen hindurch.
Meine Banknachbarin hiess Valeria. Es war zwar sehr ungewöhnlich, dass ein Junge und ein Mädchen zusammen in einer Schulbank sassen, aber Valeria und ich waren vom ersten Schultag an verliebt ineinander und hatten uns ohne viele Worte zu verlieren zusammen in die Bank gesetzt. Ob sie auch in mich verliebt gewesen ist, weiss ich bis heute nicht genau, wir haben kaum miteinander gesprochen, aber an jenem Tag, an dem ich vom Lehrer nach meinem Berufswunsch fragte, antwortete ich: “Ich will Astronaut werden und ich werde Valeria heiraten”.
Weil sie das ohne zu protestieren akzeptierte, schloss ich, dass sie auch in mich verliebt sein musste, und dass sie die Frage nach dem Berufswunsch mit “Hausfrau” beantwortete, stimmte mich überaus glücklich.
Ich malte mir Bilder von unserer gemeinsamen Zukunft in die Luft, wie ich frühmorgens nach einem Kuss auf Valerias Wange, in meine silberblaue Rakete stieg, zur Milchstrasse düste, abends wieder nach Hause kam und ihr einen rosaroten, lächelnden Ausserirdischendackel mit langen Antennen mitbrachte, der ihr tagsüber bei ihrer Hausfrauenarbeit behilflich sein konnte, oder ihr einfach Gesellschaft leisten würde, während ich die intergalaktischen Missionen erfüllte.

Gestern, also viele Jahre später, war ich im Planetarium, eingeladen von der Dame des Hauses. Vielleicht weil sie mir nicht meinen Kindheitstraum der Hausfrau an meiner Seite, erfüllen wollte, und mir deshalb einen Kurzausflug ins Weltall schenkte? Wer weiss. Ich sage euch aber: die Vorstellung im Hamburger Planetarium hat mich geradeaus ins All katapultiert! Der Hammer. Ein runder Saal mit etwa 200 Sitzplätzen, und Stühlen, die man weeeit nach hinten kippen kann und über dem Kopf eine riiiiiiesige Kuppel, auf der eine Weltraumdoku abgespielt wurde. Reisen durch den Andromedanebel, hunderte und tausende sich drehende Galaxien, in sekundenschnelle explodierende Supernovae, schwarze Löcher, die ganze Sternenhaufen absorbierten.
Ich lag da, starrte an die Decke, um mich herum nur Weltall soweit ich sehen konnte, verfolgte einige Sterne die an mir vorbeiflogen, oder eine sich merkürdig bewegende Galaxie rechts oben in meinem Blickwinkel und dachte an meine Hausfrau zuhause, die auf mein Heimkommen warten würde. Ich würde heute keine Zeit haben für rosarote Dackel, aber bestimmt ein andermal. So flog der kleine Meki und düste vor sich hin, in die unendlichen Weiten des Weltalls.

Bis von links ein kleiner Meteorit in meine Rakete knallte. “Du hast geschnarcht.” sagte der Meteorit. Ziemlich schnell realisierte ich jedoch, dass Meteoriten nicht sprechen können und blickte sogleich in die Augen meiner Begleiterin. Sie trug keinen Hausfrauenschurz.

Ich kann das Planetarium nur empfehlen. Momentan zeigen sie die Aufnahmen des Hubble Weltraumteleskopes, zu seinem fünzehnjährigen Jubiläum. Wirklich wunderschön.

Blogmichnicht05

Nachdem Mark793 mich schonungslos auf mein dahingeschmissenes Versprechen gewiesen hat, hab ich nun ein kleines Chatprogramm installiert, damit wir zuhausegebliebenen Blogger auch das Gefühl haben irgendwo dazuzugehören ein soziales Leben zu haben mitzufeiern. Man klicke dafür hier, gebe einen Namen ein und und stosse die Gläser an.

Ob es Spass macht weiss ich nicht, überdies bin ich ein miserabler Chatter, aber die Installation ging so schnell, dass ich jetzt auch wissen will ob das wirklich funktioniert.

EDIT: Jetzt ist das Chatdings wieder weg. Blogmich ist ja schon vorbei.

blogmich06 oder meinetwegen 09

Achja, Blogmich05. Nein ich komme nicht. Ich habe oft darüber nachgedacht, und sicherlich würde ich einige der dort anwesenden Leute gerne kennenlernen, aber ich werde auf solchen massiven und szenigen Veranstalungen oft ganz furchtbar launisch. Ich bin ein wahrhaftig netter Mensch, wirklich wahr, aber wenn ich launisch bin, dann mutiere ich zu einem furchtbaren Monster aus Schlangenhaar und Fledermausflügeln.

Manchmal trage ich Schlangenhaar jedoch gerne, deshalb überlegte ich, ob ich nicht doch nach Berlin fahren sollte. Und so wiegte ich ab, hin und her und auf und ab, wollte mich aber nicht so recht entscheiden, obwohl ich mich normalerweise recht einfach für etwas entscheiden kann. Bis mich dann ein Kollege auf der Arbeit fragte, ob ich für ihn an einem gewissen Samstag im Mai einspringen könne.
“Natürlich mach ich das” sagte ich, was eigentlich sehr unnatürlich ist, weil Samstags arbeite ich ganz und gar nicht gerne. Nachdem mein Samstag in den Arbeitsplan eingetragen wurde, stellte ich fest, dass der getauschte Samstag, der Blogmich-Samstag ist.

Es ist schon schön, wenn einem die Entscheidungen abgenommen werden. Ich mag das ganze rumgezweifle nicht.

Wenn die Katze auf das Weblog kackt

“…Meine Mutter hat mit dem Eintrag aus Versehen den Vogelkäfig ausgelegt…”

Sehr schön von der Frau Anke. Es wundert mich immer wieder, warum diese Kreativlöcher immer bei so vielen gleichzeitig auftreten. Bei mir haben sich die Einträge von gestern und heute jedenfalls schonmal in ein langes Wochenende verabschiedet. Kein Wunder bei dem Wetter. Dafür bleib ich halt da und passe auf das Weblog auf.

Die Vorgesetzten…

Da guckt man schon komisch drein, wenn man von der etwas spröden, sehr langweiligen und spiessig anmutenden Vorgesetzten, die dauernd nur auf Zahlen guckt und nicht zu wirklichen sozialen Gesprächen fähig scheint, und auch sonst wirklich nichts an sich hat, was auch nur ansatzweise Interesse an ihrer Person erwecken würde, plötzlich zu hören bekommt, dass sie bei Beate U*se gearbeitet hat und in ihrer Freizeit Fantasy-Rollenspiele spielt. Also so richtige Rollenspiele, wo man raus ins Feld geht und sich die Köpfe einhaut und wahrscheinlich auch noch in andere perverse Rollen schlüpft, bei denen man mit Zangen und Peitschen und Ketten nächtelange Orgien mit Blut und kopflosen Hühnern zelebriert.

Jetzt ist sie in meinen Augen eine sexbesessene Hexe, das erleichtert den Umgang erheblich.