[Montag, 18.7.2022 – Lesen, Stabskirche, Supermarktkette, Abwege]

Es regnete. Den ganzen Vormittag. Gerade so sehr, dass man noch rausgehen konnte.

Nach dem Frühstück gingen wir hinauf, zurück ins Bett. Meine Frau las. Ich möchte auch wieder lesen, ich habe jegliches Interesse an Fiction verloren. Aber gegen meinen Willen. Ich finde Fiction durchaus ein valides, sogar wichtiges Erzählmittel empfinde. Ich schaue ja auch Serien und Filme, die sind größtenteils immer Fiction. Bei Büchern fühle ich mich manchmal der Autorin zu nahe, alle diese Wörter, Satz für Satz hingeschrieben, jedes Wort zum Anfassen und umzudrehen und jeder Satz erfunden. Ich habe zu viel Einblick ins Handwerk. Dabei stört mich das Handwerk nicht, aber ich habe das Gefühl, dass ich sehe, wie der Text entstanden ist und sehe die erfundenen Gedanken regelrecht auf dem Papier vor mir. Nach drei Seiten gebe ich auf. Ich lese fast nur noch Essays, Blogs. Ich hasse es.

Bewegtbilder überwältigen mich besser. Vielleicht, weil ich das Handwerk nicht so kenne, ich weniger seziere. Vermutlich habe ich auch einfach zu viele schlechte Bücher gelesen. Dabei habe ich noch ein paar Bücher von Freunden, die ich unbedingt lesen will. Aber es kommt schon seit einigen Jahren nicht mehr über mich, dieses Bedürfnis, das Buch in die Hand zu nehmen. Romane. Ganz schlimm. Viel theoretische Lust darauf, vor allem, wenn ich Buchrezensionen lese, aber nach drei Seiten muss ich mir sehr viel Mühe geben und nur wenige Bücher schaffen diese Schwelle.

Heute wollte ich Joseph Conrads Herz der Finsternis weiterlesen. Immerhin ein Klassiker. Ich habe meinen Ereader in Berlin vergessen, aber ich kann Bücher ja auch auf dem Telelefon lesen. Jetzt spinnt diese Tolino App. Ich kann kein einziges Buch öffnen. Nur Fehlermeldungen. Und aufgrund des dämlichen Kopierschutzsystems kann ich das Buch nirgendwo anders lesen, ohne es neu kaufen zu müssen.

Am frühen Nachmittag fuhren wir nach Hedared. Dort gibt es diese mittelalterliche Holzkirche. In Schweden ist es die einzige verbiebene ihrer Art. Alle anderen wurden Laufe der Zeit abgerissen. Nur in Norwegen gibt es noch viele davon. Dort sehen sie meist auch spektakulärer aus. Die Holzkirche in Hedared sieht eher wie ein kleines Hexenbauernhaus aus. Aus schwarzem Holz. Ich war vor zwei Jahren zum ertsen Mal da, allerdings war die Kirche aufgrund Corona geschlossen. Heute sollte sie aber offen sein. Als wir ankamen war die Tür allerdings verschlossen. Davor stand ein Schild: Guide kommt gleich.
Der Guide kam aber nicht gleich. Also warteten wir vor der Kirche. Ich lief ein bisschen um die Kirche herum und schoss Fotos, meine Frau sass auf einer gemütliuchen Bank und las aus ihrem Buch. Nach zwanzig Minuten kam der Guide, eine junge Frau anfang zwanzig, und liess uns in die Kirche. Sie führte uns nicht im Sinne eines Guides, aber sie konnte Fragen beantworten. Zum Alter der Bilder etc etc usw.
Ich bin mit Kirchen gross geworden und finde diese kleinen bemalten Holzkirchen zum Umfallen beeindruckend. Meine Frau kann mit Kirchen wenig anfangen und empfindet das alles eher bedrückend. Das düstere Äußere der Kirche gefällt ihr allerdings.

#
Danach fahren wir einen kleinen Umweg nach Töllsjö, dort gibt es eine Brauerei, dessen Bier ich mal getrunken habe. Offenbar haben sie vor Ort einen Ausschank, ausserdem kann man die Brauerei besichtigen. Wir wollen einfach nur wissen, wie es da aussieht und ich liebe es, durch diese kleinen, abgelegenen Ortschaften zu fahren.
Die Strasse von Hedared nach Tollsjö ist eine einspurige Asphaltstrasse, auf der es alle paarhundert Meter Einbuchtungen gibt, die zum Ausweichen bzw Überholen gedacht sind. Man darf auf dieser hügeligen, kurvigen Strasse 70 fahren. Nachdem uns zweimal Geländewagen auf Steroiden entgegenkamen, bewog sich mein Tacho aber der Null näher als der Siebzig.

Die Brauerei befand sich gerade im Umbau, wir konnten also nicht hinein.

In Töllsjö gibt es auch einen normalen Lebensmittelladen. Wir brauchten noch Kohlebriketts, für den Grill am Abend.
Schweden wird ja dominiert von den riesigen ICA Supermärkten. Auch wenn ich ICA Spitze finde, weil es dort soo viele Produkte gibt, die ich aus Deutschland nicht kenne, aber ich ahne schon, dass es wirtschaftspolitik eher problematisch ist, wenn der Lebensmittelmarkt von einer einzigen Supermarktkette dominiert wird. Auf dem Parkplatz des Ladens steht eine Schild, das darauf hinweist, dass dies ein kleiner Lebensmittelladen ist, dass der Kunde hier im Mittelpunkt steht, und dass man sich dafür bedankt, ein vielfältiges Wirtschaftsleben aufrecht zu erhalten.
Mit diesem Spirit betreten wir den Laden. Dummerweise kommen wir uns vor wie in einem Zoo. Danach ist die Kasse nicht besetzt. Eine andere Kundin wird etwas ungehalten und brüllt etwas nach hinten, den ich als unfreundlichen Aufruf, die Kasse zu besetzen, interpretiere. Daraufhin kommt eine junge (natürlich) blonde Frau nach vorne und rechnet ab. Es klingt jetzt etwas klischeehaftig, wenn ich sage, sie wirkte lustlos. Die Kassiererinnen bei ICA sind immer freundlich. Ich würde jetzt gerne auf der richtigen Seite der Welt stehen, aber.

Danach fahren wir entlegene Waldwege zurück nach Hause. Ich wollte nicht den gleichen Weg zurückfahren, ich liess das Navi die hellen, fast undurchsichtigen Wege kalkulieren. Wir fanden uns dann auf löchrigen, unasphaltierten Schotterwegen wieder. Ich fands gut. Ich weiss, dass mein Schwiegervater einmal die ausgeklügelte Federungstechnik bei Citroens lobte. Unser neuer C3 zeigte nun seine ganze Ausgeklügeltheit.

Hedared Stavskyrka

[Sonntag, 17.7.2022 – Imker, Pronomen der Hündin, flüssiges Fliegen]

Sonntags haben ja viele Läden in Schweden geöffnet. Vor allem Lebensmittelgeschäfte. Heute am Abend würden wir grillen, mein Schwager fuhr also ins Dorf und kaufte ein. Fleisch. Wurst. Und Halloumi.

Mal kurz nachdenken, was heute so passiert ist. Eigentlich nichts. Wie gestern auch schon nicht. Ich habe viel draussen gesessen und Dinge aufgeschrieben. Und mit dem Tier gespielt. Tennisbälle geworfen. Das Tier läuft gerne geworfenen Gegenständen hinterher. Vor allem Tennisbällen. Aber zurückbringen ist noch nicht ihr Ding.

Ich weiss, ich bringe hier schon seit Monaten die Artikel durcheinander. DAS Tier und DIE Hündin. Wenn ich von DEM Tier rede, aber danach SIE referenziere. Ist halt so. Falsch, aber es fühlt sich richtig an, ich nenne das Freiheit der Kunst. Es gibt Leute, die bezeichnen sie mit einem männlichen Pronomen. Weil sie DEN Hund meinen. Dann rede ich gleich von IHR. ER geht bei meiner Hündin so ziemlich gar nicht.

Am Nachmittag kam der Pächter mit seiner Ehefrau. Seine Ehefrau ist Imkerin und sie haben an der Südseite des Hauses mehrere Bienenstöcke aufgestellt. Wegen der Linde auf dem Grundstück. Linden seien in der Gegend so selten, das mache ihren Honig sehr speziell. Ich würde denen gerne mal beim Arbeiten zusehen, aber sie sprechen beide nicht besonders gut englisch, das wird nix. Zum einen stünde ich denen nur im Weg und zum anderen würden sie mir ohnehin nichts erklären können. Zudem müsste ich das ganze über meine Schwiegereltern organisieren, das ist mir zu viel Gewese.
Heute haben sie Luftpumpen dabei. Sie pusten damit irgendwelche Platten aus, die sie aus den Stöcken ziehen. Vielleicht ist das der Honig. Die Bienen scheinen aufgeregt. Wäre ich aber auch.

Ich beherrsche die Steuerung der Drohne immer besser. Die Flüge werden immer flüssiger. Heute flog ich auf einem halben Kilometer Abstand über ein großes, offenes Feld mit hohem Gras. Ich versuchte, wenige Meter über dem Gras zu fliegen, weil das als Video ungemein gut aussieht. Dabei kann ich nur das sehen, was mir das Display meines Telefones zeigt. Im letzten Moment sehe ich ein Stromkabel, das über das Feld gespannt ist, ich schaffe es nicht, auszuweichen, aber ich flog tief genug, sodass ich es unterquerte. Nachher flog ich hinunter zum Fluss, nur wenige Meter überm Wasser und folgte dem Flussverlauf. Ich bin die ganze Zeit nervös, ich sehe nur das, was ich auf dem Display sehe, die Drohne ist so weit weg, dass ich sie längst nicht mehr höre.

Aber immer wenn ich nervös bin, steuere ich nicht mehr flüssig. Ich habe wirkliche Probleme.

[Samstag, 16.7.2022 – Katzensitting, Mähmaschine]

Eigentlich sollte heute ein guter Freund meines Schwagers zu uns in den Wald kommen. Der Freund kommt aus Italien, er konnte aber keine Katzensitterin finden. Er hat drei Katzen, dabei war der Plan, alle drei zu einem Katzensitter zu bringen. Eine der drei Katzen geriet bei ihrer Umsiedelung aber in Panik und da sich kein Ersatz dafür finden liess, musste er kurzfristig die Reise abblasen. Jetzt weiss ich nicht, welche Alternativen auf dem Plan standen. Nur jemanden zum Füttern finden, oder jemanden finden, der in seiner Wohnung wohnt. Katzen sind ja ein bisschen anders und jede Katze noch einmal eigen.

Gegen Mittag fuhren wir dann ins Dorf. Das Dorf ist eine sogenannte Marktgemeinde. Die abgelegenen, schwedischen Gegenden sind in sogenannten Marktgemeinden organisiert. In der Marktgemeinde gibt es Einkaufsmöglichkeiten, Restaurants, Kneipen. Ziemlich alles, was man braucht. Die Dörfer hingegen, die keine Marktgemeinden sind, dienen nur zum Leben.

Wir fuhren also ins Dorf und kauften ein. Es gibt dort einen riesigen Supermarkt, den man größenmäßig mit einem durchschnittlichen Kaufland in Berlin vergleichen kann. Eigentlich wollte ich auch eine Mähmaschine kaufen, aber ich hatte keine Lust auf die Diskussionen mit meiner Frau. Sie findet eine Mähmaschine Käse, da der Pächter ab und zu vorbei kommt und das Gras mäht, aber weil ich ständig und überall über das hohe Gras lamentiere, akzeptiert sie immerhin, dass wir mittelfristig nicht um eine Mähmaschine herum kommen. Ausserdem lässt der Pächter immer die Waldwege aus und er interessiert sich nicht für die Pfade zum Fluss, zudem ist die Südseite des Hauses ein faktisch ein unzugängliches Grasland. Meine Frau findet, dass solch ein Kauf Wohlüberlegt sein soll. Wenn ich aber eine Mähmaschine kaufen will, dann will ich das ohne Wohlüberlegenheit machen. Ich weiss ziemlich genau, was ich will, aber nicht genau genug: sie soll mehr als nur Rasen mähen können, ich möchte damit auch Schneisen in hohem Gras schlagen können. Ich brauche aber kein richtig schweres Gerät, weil ich ja keine großen Flächen von hohem Gras befreien will. Eher so ein Mittelding. Da ich selber nicht so genau weiss, was ich brauche und dann die Aussicht, dass meine Frau es eigentlich Käse findet und mindestens Wohlüberlegtheit von mir fordert, raubt mir den Elan.
Mähmaschinenkauf. Das ist bei mir offenbar ein Impulskauf. Wie der Kauf eine Tshirts.

Was ich allerdings bereits weiss, ist die Marke. Ryobi. Ich sammle Maschinen aus dem Ryobi System. Dafür gibt es ein standardisiertes Akkusystem, mit dem man alle Akkumaschinen von Ryobi betreiben kann. Mein Akkuschrauber ist von Ryobi, auch der Handstaubsauger. Hier in Schweden haben wir eine Heckenschere von Ryobi und auch den Handmäher, mit dem man kleine Flächen ausmähen kann (siehe meine mühseligen Mäharbeiten vom letzten Sommer in diesem Blog) Ich habe alle meine Akkus dabei, ich bin bereit zu arbeiten.

Was ich gestern nicht erwähnte: ich mähte mit diesem umständlichen Handmäher bereits das Ufer bei der Badestelle und auch die ersten 20 Meter vom Waldweg im Norden. Aber das ist mühselig. Ich brauche eben schwereres Gerät.

So. Was sonst so?

Ich wollte dieses Jahr wieder zum Fussball. Elfsborg IF ist der naheste beheimatete Fussballclub. Aber an beiden Wochenenden an denen ich hier bin, spielt der Verein auswärts. In Göteborg gäbe es ein Heimspiel, aber das ist mir dann doch zu weit weg.

Ich habe wieder die Drohne bei mir. Ich finde die Landschaft im Sommer allerdings nicht so schön. Alles ist grün und zugewachsen, alles so satt und fertig. Man sieht den Fluss von oben kaum, auch die tollen Perspektiven auf das Häuschen gibt es nicht, wegen der Blätter in den Bäumen. Ich muss noch das Rohmaterial aus dem Mai sortieren, vielleicht ein Vergleichsvideo Mai/Juli machen.

[Freitag, 15.7.2022 – Licht, Wasser, Statistik]

Wir gehen jeden Tag früh ins Schlafzimmer. Auch heute. Quatschen und lesen. Um zehn Uhr kann ich die sinkende Sonne von meinem Bett aus sehen, sie zieht sich langsam am Horizont entlang und verschwindet irgendwo im Nordosten,

Nachts wird der Himmel nicht richtig dunkel. Um 1 Uhr schimmert noch ein Viertel des Himmels. Ganz leicht nur. Es ist dunkel, aber es schimmert. Um drei Uhr ziehe ich immer die Rollos runter, damit ich nicht ständig wach werde.

Am Vormittag geht meine Frau ins Wasser. Die Luft ist frisch, das Wasser auch. Sie macht es dennoch. Ich halte die Hündin an der Leine, sie ist sehr aufgeregt, die Holztreppe ist zu steil für sie, also versucht sie über die Uferböschung einen Zugang zum Wasser zu finden. Aber auch das will nicht gelingen. Ehrlicherweise halte ich sie ein wenig zurück. Wir wollen für ihre Wassertaufe auf einen besseren Moment warten, welcher Moment das auch immer sein mag.
Ich bleibe draussen, ich steige nur die Stufen der Holztreppe hinunter und halte die Füsse ins Wasser. Das Wasser ist kalt.

Heute mass ich die große Waldrunde. Ich liess den Geotracker mitlaufen. Es sind 3,72 Kilometer. Dabei überbrücken wir eine Höhe von 25 Metern. Wir laufen die Strecke in etwas unter einer Runde. Dabei lerne ich, dass wir uns hier auf 200m Meereshöhe befinden. Man weiss nie, wozu dieses Wissen gut ist.

Nachher wollten wir ins Dorf. Ich war dieses Jahr noch nicht im Dorf. Der Biervorrat ist aber noch vorhanden und auch sonst gab es nichts dringendes zu kaufen. Ich werde dieses Jahr eine akkubetriebene Mähmaschine kaufen, aber das eilt ja nicht. AUsserdem will ich jedes Jahr eine Mähmaschine kaufen und vermutlich blogge ich jeden Sommer darüber, langsam wird es peinlich.

Wir fahren also nicht ins Dorf, aber trotzdem ist der Tag plötzlich vorbei. Die Tage gehen so schnell vorüber. Am Abend backen wir Pizza und dann gehen wir ins Bett.

[Donnerstag, 14.7.2022 – Wasser, Pächer, Bieroclock]

Der Akku meiner Uhr ist alle und ich habe das Ladegerät zuhause vergessen. Vielleicht besser so. Dann erfahre ich nicht, ob ich gut oder schlecht geschlafen habe.

Heute war ein etwas kühler Tag. Den halben Tag lief ich im Tshirt herum und hatte das Gefühl, etwas anziehen zu müssen. Dann zog ich mir einen Pullover an und merkte: das Gefühl ist nicht mehr da.
Das Thermometer sackte auf 16 Grad ab. Mir soll es recht sein. Lieber zehn Grad zu wenig als zehn Grad zu viel. Nur zum Schwimmen im Fluss wird es bei diesen Temperaturen nicht kommen. Ich habe mich mit verschiedenen Badeutensilien eingedeckt. Luftmatratze, Wasserball und eine Wasserhängematte. All dies, damit ich in den Fluss kann, ohne zu ertrinken. Ich bin ja eher ein Schlechtschwimmer und einem tiefen Fluss mit Strömung begegne ich mit Respekt. Aber wenn das Tier das erste Mal ins Wasser springt und feststellt, dass es ein Wasserhund ist, will ich natürlich dabei sein. Das wird sicherlich spassig.

Später regnete es auch ein wenig. Wir gingen wieder die lange Waldrunde spazieren. Dabei begegneten wir dem Pächter, mit dem wir uns eine Weile unterhielten. Der Pächter kann eigentlich nur schwedisch. Ich stehe immer ein wenig verdattert daneben, während er mit meiner Frau spricht. Wenn Schweden sich miteinander unterhalten, verstehe ich etwa 20 Prozent. Wenn er mit meiner Frau redet, verstehe ich ziemlich genau 0,0001 Prozent. Das ist ausreichend um ab und und mal zu nicken.

Meine Frau und ihre Mutter schauen die Pilotfolge von „Only Murders in the Building“. Ich sitze vorm Kamin, das Tier an meinen Füßen und wir schlafen ein. Wird werden wach, weil jemand Bier o‘ Clock sagt. Wir haben Bieroclock auf fünf Uhr abends verschoben. In den letzten Jahren, fing Bieroclock bereits um vier Uhr an. Fünf Uhr ist aber etwas vernünftiger.

Heute gab es simplen Reis mit Curry und Hähnchen. Reis. Ich glaube, ich könnte mich von Reis alleine ernähren.

[Mittwoch, 13.7.2022 – Reise, Regen, Musik, Tier, Platt]

Laut meiner Uhr habe ich nur etwa 3h geschlafen. Ich fühle mich aber wesentlich ausgeschlafener, als die drei Stunden. Was ich mich von der Nacht erinnern kann: ich schloss die Augen als es gerade dunkel geworden war. Kurz darauf öffnete ich sie wieder und da war es wieder hell. Das müssen mindestens 4 oder 5 Stunden gewesen sein. Allerding schaute ich nicht auf die Uhr.

Nach dem Frühstück um halb acht führ ich los. Es regnete. Ich fahre total gerne, wenn es regnet. Zum einen, weil es mir gefällt, dabei im Trockenen zu sitzen und Musik zu hören, aber auch, weil die anderen Verkehrsteilnehmerinnen wesentlich entspannter fahren. Ob sie auch tatsächlich entspannt dabei sind, weiss ich natürlich nicht, ich vermute eher nicht, aber niemand hastet oder drängelt auf der Autobahn, es entsteht ein Flow. Und es gibt wenig schöneres als den Tempomat auf 130 einzustellen und einfach zu lenken, wie mit einem Raumschiff im Weltall.

Ich fahre bis Helsingör zur Fähre bis nach Helsingborg und dort an der Küste in Richtung Göteborg nach Norden. Ich hörte auch die No More Shall We Part von Nick Cave. Ich dachte ja, ich hatte das Album damals ignoriert, aber es fällt mir auf, dass ich alle Songs mehr oder weniger kenne und teilweise sogar diet Texte mitsingen kann. Das überraschte mich doch ein wenig. Obwohl ich mich neulich negativ über Caves Werk nach ’97 äusserte, muss ich jetzt zugeben, dass die Platte musikalisch schon ziemlich gut ist, es gab aber zwei Faktoren, die mich dennoch störten und dies immer noch tun. Zum einen dieser Religions- und Hallelujakrempel, mit dem ich überhaupt nichts anfangen kann und der zweite Faktor ist: Nick sing immer eine halbe bis ganze Oktave zu hoch. Seine Stimme erreicht in dieser Tonlage nicht diesen vollen Klang und wirkt immer ein bisschen angestrengt. Ich bekomme davon verkrampfte Kiefern, wenn ich zu lange zuhöre.
Auf der Rückfahrt werde ich die noch späteren Albums hören. Kurz vor Ankunft hörte ich in „Ghosteen“ hinein. Die war sehr anders. Psychedelisch sogar.

Am Nachmittag kam ich an. Die Hündin kam herangestürmt. Sie begrüßte mich auf sehr seltsame Weise. Sie sprang, legte sich mit dem Kopf vor mir ins Gras, legte sich hin, sprang wieder auf, japste, legte sich wieder mit dem Kopf ins Gras und das alles in Daurschleife. Keine Ahnung wie das zu interpretieren ist, ich fands dennoch lustig. Es wirkte, als sei sie mit der Situation gänzlich überfordert.

Es misst hier 22 Grad und die Sonne ist mild. Es ist das perfekte Wetter. Ab und zu gibt es WIndstösse. Die Windböen sind so stark, dass die Biergläser umzufallen drohen. Später machen wir die lange Waldrunde. Einmal ziehen sich schwarze Wolken zusammen und es kommen Wassermassen herunter. Zehn Sekunden lang nur. Meine Frau lässt mich unter ihre Jeansjacke. Wir werden dennoch nass. Vor allem das Tier. Es ist uns aber egal.

Nach dem Abendessen und drei Bieren bin ich so platt wie eine Flunder. Es ist 9 Uhr abends, die Sonne scheint noch auf das Bett. Ich lege mich hin und schlafe ein.

[Dienstag, 12.7.2022 – Fähre, Dänemark]

Ich sage in der Firma schon seit Tagen, dass ich am heutigen Dienstag um 14:30 den Hammer fallen lassen werde, weil ich um 18Uhr die Fähre in Rostock erreichen muss. Dem entsprechend wurde ich heute nicht müde, dies den ganzen Tag zu wiederholen. Und natürlich ist mein letzter Arbeisttag vor dem Urlaub ein vollgepackter Tag, wie immer. Zu allem Überfluss findet um 14Uhr auch noch ein sehr wichtiges Meeting statt. Um 5 vor halb beende ich es. Meine Tasche ist schon bereit, ich schiebe den Laptop hinein und fahre in die Garage hinunter.

Mein Navi sagt: um 17:18 erreiche ich den Terminal der Überseefähren. Also fahre ich los. Tatsächlich fahre ich schon um 17:09 beim Checkin ein. Ich hatte den ganzen Tag auf diesen einen Moment hingearbeitet. Die Einfahrt in den sicheren Fährhafen. Vom Land her.

Nach der zweistündigen Überfahrt kontrolliert mich die dänische Polizei. Sie stellen die üblichen dämlichen Fragen. Wohin genau ich fahre und warum. Und warum meine Frau in Schweden ist und nicht bei mir im Auto und dann die immergleiche Frage: warum ich einen italienischen Pass habe und in Deutschland wohne.

Sie wirken gereizt, ich weiss nicht, was los ist. Mir kommt vor, sie hätten mich aufgrund meines deutschen Kennzeichens herausgewunken, aber das ist eine Vermutung. Der Wortführende spricht auch deutsch. Der Kontrollierende nur englisch. Es ist das erste Mal, dass ich die Polizei in Dänemark so gereizt erlebe. Es gab im skandinavischen Raum neuerdings einige Attentate, aber ich folge die Nachrichtenlage nicht so genau.

Gegen neun Uhr komme ich im B&B an. Die Besitzerin sieht aus wie auf den Fotos. Sie wirkt aber genervt. Weiss nicht, vielleicht liegt es heute auch an mir. Sie zeigt mir das Zimmer, wir klären das Frühstück und dann geht sie. Eigentlich wollte ich noch einen Soaziergang machen, ich merke aber: es gibt hier nichts. Nur ein Feld mit einem Windrad und ein unspektakuläres Dorf. Dann merke ich erst, dass ich kein eigenes Badezimmer habe, sondern mir eines mit Gästen aus dem gleichen Stockwerk teile. Jetzt weiss ich auch warum das Zimmer so günstig war.

Dafür ist das B&B sehr schön. Und ich übernachte hier nur auf dem Weg nach Norden.

[Montag, 11.7.2022 – Radwerkstatt, Dauerkarte, Reisebereit]

Als ich am Morgen ins Büro fahren wollte, fand ich mein Fahrrad nicht im Hinterhof vor. Dann fiel mir ein, dass ich es am Samstagvormittag in die Werkstatt gebracht und der Werkstatt versprochen hatte, es gegen sechs Uhr abends abzuholen. Jetzt war ich am Samstagnachmittag wohl dermassen beschäftigt, dass ich nicht mehr an das Fahrrad gedacht habe. Der Fakt, dass das Rad auch nicht den Weg in den Blogeintrag gefunden hat, bestätigt diese Theorie.
Der Laden öffnet erst am Mittwoch wieder, ich fahre aber schon am Dienstag. Das kriege ich jetzt nicht gelöst. Muss ich mich nach dem Urlaub damit beschäftigen.
Ich lieh mir also eines der Edeka Leihräder aus.

In der Mittagspause ging ich in den Hertha Fanshop in der Mall am Leipziger Platz. Ich hatte eine Mail bekommen, dass meine Dauerkarte abholbereit sei. Yay. Nachher postete ich ein Foto der Karte überall in den sozialen Medien. Es war mir danach.

Montagabend. Das Gepäck steht fertig im Flur. Der Küchenboden ist gewischt.

[Sonntag, 10.7.2022 – Reifen, O, Reisevorbereitungen, Liebevollität]

Ich fuhr dann die Reifen abholen. Mein Freund hatte sie zwischenzeitlich in seiner Garage für mich aufbewahrt. Möglicherweise werde ich sie beim nächsten Reifenwechsel im Oktober wieder in einer dieser Reifenbuden einlagern, wo ich sie dann bei jedem O’s (Ostern und Oktober) wechseln lasse. Das kostet Geld, ich weiss nicht mehr wie viel, aber ich habe gelernt, dass man sich beim Besitz eines Autos nicht zu viele Gedanken um Geld machen darf, weil es ständig etwas zu zahlen gibt.

Als Alternative könnte sie auch bei mir im Keller lagern und müsste dafür nur für den eigentlichen Wechsel zahlen. Mal sehen, wie sich das mit meinem Leben verbinden lässt. Mein Kellerverschlag ist der allerletzte Verschlag in den Katakomben eines wilhelminischen Altbaus. Eine Teilstrecke dieser Kellergänge muss ich zudem gebückt laufen.
Es dauerte ewig, diese 4 Reifen von der Strasse, bis in den Verschlag zu bringen. Weiss jetzt nicht, ob ich das bei jedem „O“ im Kalender so machen will. Und meine Hände sowie meine Hose waren danach schwarz.

Den Rest des Tages bereitete ich die Reise vor. Ich packte, spielte die neue Firmware im Auto ein, wusch Wäsche, räumte die Wohnung auf. Dienstagnachmittag werde ich losfahren, ich werde morgen und übermorgen kaum noch Zeit haben mich um die Reisevorbereitung zu kümmern.

Am Abend buchte ich dann Fähre und das Hotel. Die Hinreise fahre ich neuerdings lieber in zwei Etappen. Ich fahre am Nachmittag vom Büro aus los, nehme die Fähre in Rostock und schlafe dann dahinter irgendwo in Dänemark. Bisher schlief ich noch nie am selben Ort. Das hat vor allem damit zu tun, dass ich auf meinen Reisen nie sehr konsistent bin. Wenn ich zB früher unterwegs bin, dann fahre ich gerne länger und fast bis nach Kopenhagen, bin ich spät unterwegs, dann einfach irgendwo hinter der Fähre. Manchmal fahre ich auch über Fehmarn, aber die Strecke mag ich nicht so. Letztes Jahr schlief ich in einem furchtbaren Hotel in Vordingsborg, das von seinem Manager als schrottiges, altes Hotel bezeichnet wurde. Das war nicht charmant gemeint.
Diesmal werde ich in einem kleinen B&B auf Falster übernachten. Das B&B ist nach der Besitzerin benannt, die auf den Fotos bei Bookingcom auf jedem zweiten Foto in die Kamera strahlt. Ich weiss nicht, ob das gut ist, ich denke aber, es sagt etwas über liebevölle aus. Liebevolligkeit, Liebevollheit, Liebevollität. Nunja. Etwas halt, das liebevoll ist.

[Samstag, 9.7.2022 – Keller, Reifen, Schleifmaschine, Westcoast Pils]

Den ganzen Vormittag versucht, Ordnung in meinen Keller zu bringen. Ich werde morgen nach Moabit fahren um meine Winterreifen abzuholen, die muss ich dann irgendwie im Keller unterkriegen. Beim Platzschaffen bin ich nicht sonderlich erfolgreich, eventuell verkeile ich sie einfach provisorisch, da ich sie beim Reifenwechsel im Winter ohnehin bei einem Reifenwechsler einlagern werde.

Diese lichtlosen Kellerverschläge in Altbauten. Eigentlich will man da nie wirklich rein. In den dunklen Bauch des Hauses.

Mein Nachbar von unten fragte mich wieder nach meiner Schleifmaschine. Er hatte sich die Maschine schon im Winter von mir ausgeliehen. Damals schleifte er unzählige Wochenenden lang seinen Fussboden. Das ist nur ein kleiner, elektrischer Handschleifer, der dafür gebaut wurde um kleine Flächen zu schleifen, vielleicht mal einen Tisch. Der Nachbar aber schleift damit seine ganze Wohnung. Wochenlang. Jetzt brauchte er sie wieder. Er meinte, er könne sich natürlich auch eine Bodenschleifmaschine vom Baumarkt mieten, aber die kostet ihm 100€ und das wolle er dafür nicht ausgeben. Lieber wochenlang mit einem Handschleifer. Also der letzte Satz ist von mir.
Die Schleifmaschine bewahrte ich im Keller. Ich war noch nie so oft im Keller, wie heute. Natürlich leihte ich sie ihm. Der wird mir die Maschine aber demolieren. Das weiss ich jetzt schon.

Am Abend traf ich mich mit einem Freund im Birra an der Prenzlauer Allee. Das Birra ist eine kleine Bierbar von der mailänder Brauerei „Lambrate“. Üblicherweise trinke ich dort deren mit kalifornischem Hopfen gebrautes „Westcoast Pils“. Das ist ein phantastisches Bier. Sie hatten heute aber kein Westcoast Pils. Ich finde, dieser Umstand sollte hier Erwähnung finden.