[Fr, 24.4.2026 – Beautytempel]

Meine Frau möchte das Tages-WC etwas aufgeräumter gestalten, in ihr gärte daher die Idee, einen kleinen Einbauschrank darin zu verbauen. Mit meinen neuerdings entwickelten handwerklichen Fähigkeiten, würde ich diesen natürlich bauen, also tranken wir heute unser Freitagabendbierchen im 2qm großen Tages-WC, besprachen gemeinsam die Gestaltung und nahmen schließlich auch das Aufmaß ab.

Das Tages-WC ist eigentlich mein Beautytempel. Das wusste meine Frau bisher nicht. Ich wusste das auch nicht. Aber jetzt wissen wir es beide. Das Tages-WC befindet sich nämlich genau neben der Wohnungseingangstür. Es ist die letzte Etappe vor der Außenwelt. Deswegen haben sich dort mein Bartöl, meine Parfüms und meine Pomaden angesammelt. Das große Badezimmer befindet sich hingegen ganz hinten am anderen Ende der Wohnung. Ich will da nicht jedes Mal hin, wenn ich das Haus verlasse. Im Tages-WC vorn hängt ein Spiegel, für mich reicht in der Regel ein kurzer Blick hinein. Sitzt das Haar? Habe ich Haferflocken im Bart? Habe ich Flecken auf dem Hemd? Zwar wasche ich mich im hinteren Badezimmer, aber meine Beautyroutine kommt erst vor Verlassen der Wohnung und sie ist üblicherweise sehr kurz: ein erbsengroßes Knäuel Pomade in den Händen, das ich in den Haaren verreibe, und dann zweimal Pfft Pfft mit einem der Parfüme (zurzeit „Leder 6“ von Schwarzlose Berlin). Danach verlasse ich das Haus.

Zugegebenermaßen ist die Ablage, auf der sich meine Beautyutensilien befinden, ziemlich zugemüllt. Es befinden sich Einkaufstüten, Reinigungsprodukte und sogar ein Ast darin, den meine Hündin einmal nach Hause geschleppt hat. Dass ein Teil davon ein Beautyaltar ist, lässt sich auf den ersten Blick nicht erkennen. Auch nicht auf den zweiten Blick, wenn ich ehrlich bin.

Meine Frau wollte nun alle Tüten, losen Fläschchen und Döschen in einem Schrank verstauen. Aber. Sie wusste es nicht. Ich wusste es auch nicht. Der Gedanke daran, dass meine Utensilien in einem Schrank verschwinden würden, störte meinen Beautyvibe. Ein wesentlicher Bestandteil meines Beautytempels sind nämlich die schönen Fläschchen und Döschen. Auf den metallenen Pomadendosen von Reuzel prangt ein schönes Schwein und auf den Pomaden von Tenax ein Nashorn. Ich mag die schwarze Kugel auf der Molton-Brown-Flasche und das mysteriöse Schwarzlose-Fläschchen. Ich will das alles nicht hinter einer Schranktür verstaut haben. Es gehört zu meiner Beautyroutine, wie kurz sie auch sein mag, dass ich auf schöne Döschen und Fläschchen schaue.

Deswegen haben wir das jetzt umgeplant. Unter dem Schrank spare ich 22cm aus. Dort lege ich einen dunklen Korkstreifen aus und beleuchte ihn dahinter mit einem LED-Strip. Das Ganze wird dann wahrscheinlich ziemlich religiös aussehen, aber so ist das eben mit Tempeln.

Immerhin weiß ich jetzt auch, dass ich einen Beautytempel und eine Beautyroutine habe.

[Sa, 25.4.2026 – Bauprojekt, Rudelkontrolle]

Zwei Tage nachdem ich den Rasenmäher bestellt hatte, konnte ich 22 Tabs in meinem Browser schließen. Produktvergleiche, Produktdokumentationen, Baumarktseiten, Bewertungen, Fachforen, Fanforen. Der Blick auf die noch offenen Tabs fühlte sich an, wie ein Blick in eine fiebrige Vergangenheit.

Aber jetzt Projekt Beautytempel. Das neue Projekt begann damit, dass ich ein Vorher-Bild machte, um später ein Nachher-Bild zu schießen. Cool wäre es auch, ein Zeitraffervideo zu drehen, aber die Arbeit findet hauptsächlich außerhalb des kleinen WCs statt, wo ich säge, zuschneide, bohre. Im WC montiere ich das Ganze nur zusammen. In Schweden drehten wir einmal ein Zeitraffervideo davon, wie wir das Wohnzimmer malten. Die Kamera stand in einer Ecke und filmte uns stundenlang. Das Ergebnis gefiel mir aber nicht. Weil zu wenig passierte. Man sah wenig vom neuen Weiß auf dem alten Weiß.

Danach verbrachten wir drei Stunden im Baumarkt. Ich brauchte auch ein neues Kreissägeblatt, da wir auf verschiedenen Oberflächen Korkplatten verlegen wollen. Letztendlich schnitt ich den Kork aber händisch mit einem simplen Cutter.

Der Tag endete mit einem Feierabendbierchen unten auf der Straße. Wir haben auch eines dieser sogenannten Parklets aus Holz, also diese Bankkästen, die in Berlin überall anstelle von Autoparkplätzen gebaut wurden. Dort lässt es sich vortrefflich sitzen, um einen Feierabenddrink zu sich zu nehmen. Letztes Jahr saß ich im Sommer manchmal da, um etwas zu lesen. Aber Feierabendbierchen kann man darin auch trinken.

Die Hündin mag es nicht, wenn wir zwei Biere intus haben. Sie merkt, wie unseriös wir werden. Die Hündin nimmt das Leben ernst und hält den Wachposten inne. Während wir mit lockerer Zunge im Parklet sitzen, und uns über sie lustig machen, steht sie mitten auf dem Bürgersteig und hält die ganze Straße im Blick, wobei sie immer wieder abfällige Blicke zu uns herüberwirft. Sie kann nicht verstehen, wie wir so leichtsinnig die Kontrolle über das Rudel verlieren können.