der Vorrat

Täglich verlangsame ich meine Schritte, wenn ich an dem kleinen Kleefeld zwischen der U-Bahnhaltestelle und meinem Fahrrad vorbeilaufe. Es könnte ja sein, dass über Nacht ein kleines Vierblättriges gesprossen ist. Weil ein bisschen Glück, das könnte ich gerade gut gebrauchen. Ich würde es einstecken und mir denken, dass alles gut wird, was nicht mehr gut ist.

Das letzte Mal als ich ein vierblättriges Kleeblatt gefunden habe, ist gar nicht so lange her. Einige Jahre, ich war weg von zuhause und lag im Gras, spielte mit einer Nichte und als ich mich auf den Bauch drehte, guckte mich ohne jegliche Vorankündigung ein vierblättriges Kleeblatt an. Ich glaube es war sogar das einzige Mal, dass ich ein vierblättriges Kleeblatt gefunden habe, das Glück musste ich mir immer anderswo herholen, aber darüber bin ich mir gar nicht mehr so sicher. Ich pflückte es und ich war froh, im Glück zu sein.
Dann sah ich, genau neben dem Fundort ein weiteres Vierblättriges. Soviel Glück, dachte ich mir, das muss eine wunderbare Zeit werden.
Noch verblüffter war ich allerdings, als ich an derselben Fundstelle noch weitere vierblättrige Kleeblätter fand. Ich pflückte sie alle, sieben an der Zahl, und konnte mich vor lauter Glück gar nicht fassen. Einen ganzen Vorrat an Glück hielt ich da in der Hand, daran konnte ich ganze Jahre lang zehren.

Ich war damals verliebt, schnitt deshalb ein rechteckiges Stück Karton zurecht, legte die sieben Kleeblätter darauf und überzog es mit einer durchsichtigen Klebefolie. Das ärgerliche waren bloss die Luftbläschen, die ich nie wirklich rausbekommen hatte, obwohl ich die Folie mit einem Lineal aufgetragen hatte. Ich war eben schon immer ein etwas schlampiger Bastler. Zurück zuhause wollte ich den Karton mit den Blättern, meiner Geliebten schenken, sie solle es als Lesezeichen verwenden, weil sie immer Bücher las, im Bus, in der Pause und am Bahnhof, und somit würde auch ein ganzer Vorrat Glück, immer bei ihr sein. Ein Lesezeichen machte bei ihr sowieso mehr Sinn als eine Halskette, weil sie genauso oft ein Buch bei sich trug, wie andere etwas um den Hals. Sie bekam meinen ganzen Vorrat Glück, weil ich lebte doch schon vom nie enden wollenden Glück, sie lieben zu dürfen.

Etwas mehr als eine Woche später hat sie mich verlassen. Es muss ein sehr grosses Glück für sie gewesen sein. Aber vielleicht hab ich das mit dem Glück auch bloss falsch verstanden.

immer die gleichen Trottel

Es ist immer das gleiche. Dabei sind meine Wünsche doch sehr bescheiden. Was heisst Wünsche, ich möchte bloss meine Ruhe haben wenn ich nach der Arbeit in der U-Bahn sitze. Ich möchte mir entspannt die Landschaft angucken, weil die U3 immer so eine schöne, überirdische Route fährt die mich auch beim fünfhundertsten Male nicht langweilt, oder mich in Ruhe in die Zeitung vertiefen, sogar ein Gespräch empfinde ich als beruhigend, ob es nun mit einem Wildfremden in der Bahn ist, oder mit einem netten Kollegen, der den gleichen Nachhauseweg fährt, meinetwegen auch einen ganzen Ubahnwagen voller schreiender Kinder, ich finde das auch nicht so schlimm, hat ja schliesslich etwas abentuerliches.
Aber dass ich mir den Weg von der Arbeit nach Hause, und übrigens auch auf dem Weg zur Arbeit hin, immer mit den paar Trotteln von meiner Firma teilen muss, die in einem unaufhörlichen Buchstabenschwall zu anderen Leuten reden, ohne sich unterbrechen zu lassen, sondern nur eine Belanglosigkeit nach der anderen erzählen und keine Lücke zur Gegensprache erlauben, die es einfach nicht merken, dass ich sie ignoriere, Trottel, die mich, sogar wenn ich mich am Bahngleis geschickt verstecke, oder meinen Blick ganz tief in die Zeitung bohre, trotzdem noch entdecken und mir aus der Ferne schon fröhlich zurufen und dann in grossen Sätzen herantreten, um mir meine wohlverdiente, ruhige Bahnfahrt komplett versauen, dann finde ich das ungerecht.

Noch einen Monat Woche Tag lang will ich das aushalten, dann schiesse rede ich zurück. Aber so richtig.

Wenn der Blog- zum Tisch-

Wenn virtuelle Welt und die Reale da draussen, sich auf eine witzige Art treffen, dann ist das, wenn der Nachbar da drüben bei Antville, plötzlich auch zum Tischnachbarn wird, man sich kurz, überrascht und schüchtern begrüsst, weil Hilfe, so spontan kriege ich dann auch kein gescheites Wort mehr heraus, und jeder sich dann seiner Begleitung und der Pizza widmet, man selbst dann beim gehen “Tschüss, Herr Paulsen” sagt, aber gleich realisiert, ach nee, der heisst ja gar nicht so, sondern Stevan, oder Paul, wie war das nochmal, der andere aber auch nur “Tschüss Herr Mequito” sagt, und dann weiss man wieder wie witzig das heutzutage alles ist, mit diesen neuen Medien.

Das nächste Mal nehme ich aber auch die Pizza die er hatte. Sah irgendwie leckerer aus.

Internet Explorer ist so achtziger.

Kochlöffel

Wenn Frau Mai mir den Kochlöffel zuwirft und dabei solch schmeichelnde Worte spricht, dann kann ich natürlich nicht gar nicht anders als auffangen.
Gleich am Anfang die Kandidaten, die den Kochlöffel wiederum von mir verabreicht bekommen, sonst verschwinden die ganz nach unten. Erstens der Traumdieb, weil der immer so schöne, runde Sätze macht und sich das ja irgendwie positiv auf die Kocherei auswirken muss. Dann soll auch der Herr Paulsen den Kochlöffel in die Hand nehmen, weil der ja sozusagen vom Fach ist und unter anderem so schön vom Essen erzählen kann. Und Axelk vom Apfelstrudelrestaurant bekommt ihn auch, auch wenn der mich jetzt dafür hassen wird, jedoch hat er mir einmal einen wunderbaren Römertopf gekocht, bei dem ich nur noch gestaunt und stillschweigend gegessen habe. So überrascht war ich. Bis dahin liess mich die Kunst der Fotografie und des Kochens einfach nicht vereinen. Ich wurde eines Besseren belehrt.

So und nun:

1. Was fällt dir zu deinem ersten Kochversuch ein?

Welche von den hunderttausend Spaghettatas mitten in der Nacht die Erste war, weiss ich nicht mehr. Da sie aber ungefähr alle gleich verliefen, nämlich, wie es bei uns in den südlichen Alpen Brauch ist, nach einer durchzechten Nacht, mit einer ganzen Meute Menschen zu jemanden nach Hause zu gehen und Spaghetti a la Irgendwas zu kochen essen, kann ich auch ohne weiteres jene Nacht der Spaghetti a la gar nichts mit Olivenöl nehmen. Vielleicht kann man das einen guten, weil vorsichtigen, Anfang nennen. Viel kann ja nicht schiefgehen, wenn man beim Aufreissen des Kühlschranks nur mehr saure Milch vorfindet, und die Thunfischdose vom Mitbewohner aufgegessen wurde. Dann kann man ja nur noch Spaghetti essen, und Spaghetti gab es immer auf Vorrat, und das würde ich wohl hinbekommen. Dachte ich.
Natürlich stand man bei diesen nächtlichen Frassorgien, die hauptsächlich dazu dienten, im Magen wieder festen Boden zum Weiterfeiern zu schaffen, nicht am Herd und wartete ab bis die Spaghetti richtig al dente geworden waren, sondern goss man das Glas nach, und führte endlose Diskussionen über ganz viel und noch viel mehr.
Dieser Geschichte fehlt jegliche Pointe, jedoch will ich sagen, dass man Spaghetti a la gar nichts sehr wohl vermasseln kann indem man sie zu einer Weizenpaste zerkochen lässt. Natürlich könnte man noch so einiges retten, wenn man die ganze Pampe, mit viel heissem Olivenöl in eine Pfanne schmeisst, und das ganze saftig aufbrät. Ich würde niemanden für sowas einladen, aber eine feiernde Horde Menschen braucht nur festen Boden im Magen. Weil man sich beim Braten jedoch wieder an den hitzigen Diskussionen beteiligt, kann man die Weizenpaste auch anbrennen lassen, und das ist was mir passiert ist. Eine feiernde Horde Menschen die einen festen Boden im Magen braucht, kann in solchen Momenten sehr böse werden.

2 . Wer hatte größten Einfluss auf deinen Kochstil?

Ich glaube meine Mutter. Die Küche war allerdings zu klein, als dass ich ihr über die Schulter hätte zugucken können um ihre herrlichen Kochkünste zu erlernen. Ich kopiere ihre Speisen, ohne genau zu wissen wie sie das immer machte.
Ich muss dazu sagen, dass ihr Kochstil jedoch nachgelassen hat. Die fettbewusste Zubereitung der Speisen hat mittlerweile auch das hinterste Dolomitenkaff erreicht, und damit ist nichts mehr wie es früher mal war.

3. Gibt es ein altes Foto als Beweis für frühes kulinarisches Interesse?

ja.

4. Leidest du an irgendeiner Art von kulinarischer Phobie? Gibt es ein Essen, dessen Zubereitung dich zum Schwitzen bringt?

Kulinarische Phobie? Hirnsuppe. Südtiroler Spezialität.
Ins Schwitzen bringt mich eigentlich nichts, Bevor ich Stress in der Küche bekomme fange ich an Chaos zu produzieren und parke alles mit Pfannen und Töpfen zu. Das gibt mir das Gefühl Freiraum zu haben.

5. Welches technische Hilfsmittel in der Küche schätzt du am meisten und/oder was war der größte Reinfall?

Ich bin sehr angetan von meinem neuen Kochtopf. Eigentlich eine Topf/Pfanne-Kombo. ToPFanne (ist das Wort schon patentiert?). Je grösser die Pfannen desto lieber hab ich sie. Ich liebe es wenn ich ungehemmt rühren kann ohne auf Flecken und Spritzen achten zu müssen.
Reinfall gibt es eigentlich keinen so weit ich jetzt zu denken vermag.

6. Nenne einige seltsame oder verrückte Essenszusammenstellungen, die du wirklich magst - und wahrscheinlich niemand sonst!

Ich glaube nicht, dass es besonders verrückt ist, da es in Frankreich eigentlich ziemlich üblich ist, aber ich werde in Deutschland oft komisch angeguckt wenn ich Apfel mit Käse (ein Biss Apfel und ein Biss Käse, etc.) esse. Das ist eine Kombination die im Mund wahrliche Wunder tuht. Oft esse ich auch rohen Knoblauch dazu. Aber wenn man zuviel Knoblauch ist, wird man hierzulande oft geächtet, deshalb unterlasse ich dies in letzter Zeit.

7. Auf welche drei Zutaten oder Gerichte kannst du einfach nicht verzichten?

Olivenöl und Zwiebel. Meinetwegen kann das sogar in das Dessert.(Wohl deshalb wir mir die Zubereitung der Nachspeise immer abgenommen)

8. Gibt es eine Frage, die du hier vermisst, die du gerne beantworten würdest? Wenn ja, füge sie einfach hinzu!

Oha, jetzt muss ich auch noch kreativ sein. OK, hier: “Was geht in deinen Augen nicht zusammen?”
Antwort: Obst in Salat. Obstsalat ist natürlich was anderes, aber Obst in herzhaftem Salat geht einfach nicht. Das ist wie Schnitzel mit Nutella, oder Bier mit Sahne. Und man bekommt Sodbrennen noch dazu.

9. Dein Lieblingseis…

Ich habe es nicht so mit Süssigkeiten, aber vorgestern hat uns die Fabrik Eis spendiert, und da gab es dieses Eis mit quadratischer Waffel drumrum, das war vielleicht ein erotisches Erlebnis. Ganz anders als Olivenöl mit Knoblauch, aber auch erotisch.

10. Du wirst wahrscheinlich nie essen…

Hinrsuppe. Jedoch weiss ich nicht wie stark ich mit meinen Vorsätzen bin. Ich kann nicht ausschliessen, dass in mich, nach einem Wirtschaftkollaps, in einer allgemeinen Hungersnot, über Hirne hermache. Obwohl, ich frage mich, ob ich dann noch Lust dazu hätte mir eine Suppe daraus zu kochen, oder mich nicht gleich aufs Hirn werfe. Schwierig.

11. Dein Spezialgericht…

Jegliche Art von Risotto. Wenn ich ihn nicht anbrennen lasse.

Keinen (schwarzen) Bock

Mal so, zwischendurch: Heute Nacht ist ein sehr bemerkenswertes Datum. Sommersonnenwende, gleichzeitig Vollmond, und zusätzlich ist uns der Mond seit einigen Jahrhunderten nicht mehr so nahe gewesen wie er es heute Nacht sein wird.

Kein Wunder dass ich so furchtbar schlecht schlafe, die letzten Tage.
Das mit dem Ziegenbock wird schwierig heutenacht, die Fleischabteilung im Supermarkt ist wertlos und verkauft Ziegenböcke nur in Stücken. Und obendrein kann mir niemand garantieren, dass es auch wirklich ein Bock ist und keine Geiss, schliesslich hält man sich so schlecht auf dem Besen, wenn man nachts mit einer Geiss im Magen über die Elbe zischt. Das ist ungutes Zeug, gleich wie italienisches Bier. Und wenn rohes Fleisch von schwarzgefiederten Hühnern nicht solch eine Gefahr für das Leben wäre, gäbe es noch eine Sorge weniger. Weil ich Salmonellen ganz und gar nicht vertrage (das ist noch viel schlimmer als italienisches Bier), habe ich das dieses Jahr völlig von den Ritualutensilien gestrichen. Seufz, im Mittelalter war das Leben wirklich ein Stück einfacher.
Aber wenigstens das mit dem Sex sollte klappen. Vielleicht.

Und wenn jetzt Papa Ratzinger mein Weblog liest, dann bin ich auch meinen Job los.

I came along,

and I wrote this song for you,
about all the things that you do,
And it was called “Yellow”.

Ich bin zwar kein grosser Fan von Coldplay und eigentlich hab ich wenig emotionalen Zugang zu britischer Popmusik, ausser vielleicht, dass die Musik ganz nett in den Ohren liegt, und manchmal zum Mitsingen anregt, oder eine entspannte Athomspäre verbreitet, was jedoch nicht gerade das ist, was ich in der Musik suche, aber dieses eine Lied fand ich immer sehr schön. Vor allem dieser Anfangsvers, der eine wunderbare, romantische Melancholie vermittelt. Romantisch vielleicht, weil kein Arsch weiss was Yellow sein soll. Vielleicht mag ich das so sehr, weil ich oft das Bedürfnis habe die Liebe unergründet zu lassen, nicht zuviel darüber nachzudenken, die Liebe einfach ihren Lauf nehmen lassen. Vielleicht weil ich mir selbst viel zu viele Gedanken darüber mache.

Und heute gehe ich zu Coldplay im Volkspark. Weil ich mich überreden habe lassen. Für saftige 52 Euro. Vielleicht weil ich das Bedürfnis habe nicht zuviel über Geld nachzudenken, das Geld einfach auszugeben wie es kommt. Vielleicht weil ich mir selbst viel zu wenig Gedanken darüber mache.

And all you do is Yellow, weiss eh kein Arsch was ich soll. Obwohl Geldsparen dringend nötig wäre.

Der Segen der Moderne

Beim Besuch meiner Heimat in den Bergen, vor einigen Wochen, wurde ich gleich zu allen aufgestauten Computerproblemen herangezogen, die schon seit meinem letzten Besuch vor zwei Jahren auf mich warteten. Es hilft nichts wenn ich der Tante sage, dass ich keinerlei Ahnung von Windows habe. Darauf bekomme ich dann höchstens zu hören, dass sie jemanden kenne, der einen Mäckintosch habe, der sich auch merkwürdig verhalte, dann könne ich mir ja den mal angucken. Dass ich von solchen Macintoshen noch viel weniger Ahnung habe, kümmert sie reichlich wenig. Computer ist halt Computer und ich habe mich damit auszukennen. Schliesslich sei das mein Fach.
Ich sollte mir hauptsächlich Computer angucken, die angeblich nicht mehr funktionieren würden. Als ich mich dann dransetzte und erstmal überall den Staub davon abwischte, weil er schon seit über einem Jahr nicht mehr angefasst wurde, drückte ich auf den Powerknopf, der Rechner startete und lief auch sonst einwandfrei.
“Na wie komisch” hörte ich dann “also letztes Jahr wollte der einfach nicht mehr.”
Ich musste wohl Wunderhände haben.

Auch mein Vater hat sich jetzt einen Computer gekauft. Ein Rechner ist für ihn eigentlich Geldverschwendung, da er absolut nicht weiss was er damit anfangen soll. Jedoch hatte er das Gefühl einen kaufen zu müssen, weil heutzutage einfach jeder einen Rechner samt Monitor, zuhause rumstehen hat und man von allen Seiten zu hören bekommt, dass man sich mit diesen neuen Technologien eben anfreunden muss, weil man sonst den Anschluss verpasse und nicht mehr mitreden kann. Er hat es vor einigen Jahren immerhin einmal geschafft mir eine Email zu schicken. Vom Account seines Kollegen aus, der einen PC auf der Arbeit hatte. Alles in Grossbuchstaben geschrieben natürlich, weil es auch deutlich rüberkommen musste, ist ja schliesslich wichtig, was er mir schrieb, dass das Wetter trübe sei und er bald Schluss machen müsse, und sich auf eine Antwort freue. Da er meine Email nicht beantwortete, sagte ich ihm am Telefon einmal, dass er sich auf der Arbeit doch einen Rechner und eine Emailadresse zulegen solle, er sei doch schliesslich Abteilungsleiter, worauf er antwortete, dass man ihm das schonmal angeboten habe, er aber nicht so recht wusste, was er damit anstellen solle, sodass er das lieber gleich habe sein lassen. Und die jungen Zivis, die alle mit den Rechnern umgehen konnten, schauten sich eh nur nackige Frauen an, vielmehr gebe das Internet nicht her, das habe er alles schon gesehen. Wenn er mal eine Email schicken müsse, dann könne er auch seinen Kollegen fragen, der kenne sich damit ja aus.
Aber Papa, leg dir wenigstens ein eigenes Postfach an, das ist wie mit der Post, nur dass es halt schneller geht, sagte ich ihm.
“Aha?” war seine Antwort, und dann redeten wir über das Wetter.

Die Zeiten haben sich im Laufe der Zeit aber verändert, jetzt ist er in Rente gegangen und hat sich nun einen gebrauchten PC mit Windows98 ergattert. Über Beziehungen, wie er mir geheimnisvoll und mit leiser, verschwörerischer Stimme, mitteilt. Eine alte Kiste, aber für ihn eigentlich mehr als genug. Wenigstens hat er sich nicht von Fachmännern beraten lassen, sonst hätte er wahrscheinlich das Vierfache ausgegeben.
Ich sollte ihm helfen, er kam damit nicht weiter. Ich bekam erstmal Pasta mit selbstgemachtem Ragu, und nach dem zweiten Glas Wein führte er mich zu seinen Computer. Dieser stand im Wohnzimmer, genau hinter der Tür, in Öffnungsrichtung, in der Ecke zwischen Mauer und dem riesigen Wandschrank, die hinterste und unzugänglichste Ecke. Der Rechner befand sich auf einem Stuhl. Der Monitor auf dem Rechner und die Tastatur in einem Holhlraum zwischen der Hardware und der Stuhllehne reingeschoben.
Ich sass mich davor, zog die Tastatur heraus und fragte erstmal was nun genau nicht ginge. Er gab mir nur die vage Antwort, dass er halt nicht wisse wie es ging.
“Wie es geht also.” sagte ich, und nickte ihm zu. Ich drückte auf den Powerknopf. Aber nichts geschah. Ich stand auf guckte auf die Hinterseite des Rechners und sah, dass der Strom nicht angeschlossen war. Ich steckte also den Strom ein, drückte auf den Powerknopf, der Rechner piepte und das Startlogo kam auf den Bildschirm.
“Wo hast du da gedrückt?” fragte er mich ganz aufgeregt.
“Auf den Powerknopf. Der da mit dem selben Zeichen wie deine Stereoanlage auch hat”.
Er staunte und so betrachteten wir das Starten des Betriebsystems. Es schien ewig zu dauern und nebenher erzählte er was von seiner Stereoanlage die ich mir auch mal angucken sollte, ach ich sei docg so geschickt mit der Technik, die Anlage habe so bewegende Lichter wenn er sie anschaltete, das wolle er nicht haben. Zumindest nicht die ganze Zeit. Das ganze Gezappele dieser Lichter sei nichts Gescheites, und mache ihn verrückt. Er meinte den Equalizer.
Als der Rechner dann endlich hochgefahren war und der Desktop vor uns stand, fragte ich ihn, was er nun genau machen wollte, oder was nun genau nicht ginge.
Er fuchtelte mit der Hand in Richtung Rechner und sagte: “Nun wie das geht halt”.
“Wie das geht?”
“Ja wie das geht halt”
Er meinte was er nun tun müsse. Der Rechner lief und jetzt wollte er etwas damit machen. Ich begriff, und fragte was er nun genau, also genau im Sinne von exact, tun wolle. Nach einer kurzen Denkpause sagte er, er wolle wissen wie man einen Brief schreibt. Ich will an dieser Stelle erwähnen, dass mein Vater noch niemals einen Brief geschrieben hat, und ich ihn eigentlich überhaupt nie etwas schreiben habe sehen, ausser vielleicht beim Kartenspielen die Punktezahlen, oder wenn er meine Fünfer aus der Schule unterschreiben musste. Bei uns war die Mutter diejenige die schrieb und las. Zwar las sie nur Konsalik und Simmel, aber immerhin mit Freude. (Ich frage mich oft wie aus diesem Nest, meine zwei überaus feinsinnigen und intelligenten Schwestern hervorkommen konnten, aber den Gedanken will ich hier mal zur Seite schieben).

Ohne ihn auf seine Briefevergangenheit hinzuweisen, ging ich schliesslich, ganz diplomatisch, auf seinen Wunsch ein, ihm das Briefeschreiben zu erklären. Ich klickte auf Word, das kleine, blaue W, erklärte, dass das das Programm sei womit er Briefe schreiben konnte. Als es geöffnet war, schrieb hinein, hallo Papa, das ist ein Brief, das Wetter ist trübe, ich muss aber gleich Schluss machen, freue mich auf eine Antwort, dein Sohn.
Ihm schien das zu gefallen, er legte die Arme übereinander und fragte “So, und was jetzt?”
Ich verstand nicht genau was er meinte, da ich aber schon wusste, dass er auf meine Frage, was er damit meine, bloss seine Frage wiederholen würde, zeigte ich ihm, wie er den Brief speichern könne. Immer schön auf die Diskette klicken. Beim ersten Mal öffnet sich dann ein Fenster und will dass man dem Brief einen Namen gibt (Einen Namen? Wie, ich muss das benennen? Ja wie nenne ich das jetzt? - Komm Papa, ich nenne es einfach mal “Papa lernt briefeschreiben.doc” - Punkt Dok? - Jaja, egal, auch ohne Punkt Dok, auch ohne Papa meinetwegen) dann zeigte ich ihm dass man bei dem Kreuz rechts oben, dieses Word wieder schliessen kann (Oh jetzt ist der Brief weg!) und zeigte ihm daraufhin wie er den gespeicherten Brief wieder öffnen kann (Warum in Dokumente? Das ist doch ein Brief.)
“Und wie kann ich den Brief ausdrucken?” wollte er wissen.
“Ja klar, wo ist der Drucker? Dann schliess ich ihn dir an.”
Er hatte natürlich keinen Drucker.
“Aha” sagte er als ich ihm erklärte, dass er dafür einen Drucker bräuchte.
Kurz darauf kam er noch mit dem, in meinen Augen brillianten, weil selbstgedachten, Gedanken, dass er doch den Brief ins Internet schicken könne. Ich war begeistert davon, nicht nur weil er doch tatsächlich etwas über die Funktionsweise des Computerzeitalters gelernt zu haben schien, sondern auch, weil ich durch das Internet, nach tagelanger Abstinenz, wiedermal meine Emails lesen konnte. Der Gedanke wurde aber gleich verworfen, da erstens der Rechner kein Modem hatte und zweitens fiel mir auch ein, dass dort oben auf den Bergen, kaum einer noch einen Telefonanschluss hatte. Von DSL oder Kabel ganz zu schweigen. Man hat in den Bergen zwar kein Telefon, aber jeder Bauer rennt in seinem blauen Schurz mit einem Handy am Ohr herum. Selbst im Wirtshaus werden die schlafenden Weintrinker von deren polyphonen Klingeltönen aus dem Schlaf gerissen. Dass immer nur die erzürnte Ehefrau am anderen Ende der Leitung schreit, hat aus dem Segen der Moderne wohl nur einen Fluch gemacht. Da hilft auch nichts, dass man theoretisch, den Kumpel immer erreichen kann, dass er doch zum Kartenspielen vorbeikommen solle. Weil der Kumpel schnarcht ja sowieso immer am Tisch nebenan, beim halbvollen Weinglas.

Ich liess die Sache mit dem Computer sein, sagte ihm, das wäre jetzt alles was er wissen müsse, den Rest würde er schon während dem Briefeschreiben erlernen, es sei ja bloss wie Fahrradfahren, je mehr man es mache, desto besser würde man es beherrschen, und forderte ihn auf, eine Runde Karten zu spielen.
Er gewann. Wie immer.

Schaufensterbeleuchtung

Auf dem obersten Parkdeck

Hui, morgen ist Kaffee.Satz.Lesen auf dem obersten Parkdeck des Parkhauses neben dem Altonaer Bahnhof. Um 16Uhr, Eintritt 5EUR.

Dazu sagt die Seite: Die Veranstaltung findet bei jedem Wetter statt!

Gut so, das ist die richtige Einstellung.

Hausmannsfreuden

Weil ich ja gerne tue alsob ich ein hartgesottener Bursche bin, der weder Feuer noch Flammen fürchtet und als siebenjähriges Kind schon einen Dreitausender bestiegen hat, erschrecke ich immer wieder, wenn ich an einem freien Tag wie heute aufstehe, die Wäsche in die Waschmaschine stopfe, die Getrocknete vom Kleiderständer nehme und sorgfältig gefaltet in den Schrank lege. Eigentlich geht das ja noch, aber sobald ich gleich darauf zu Musik von Milva das Geschirr abwasche und nachher beim zweiten Abspielen der CD, fröhlich mitsingend die Wohnung aufräume, dann kommt mir langsam ein mulmiges Gefühl herauf.
Die nächsten paar Stunden machte ich mir dann mal keine weiteren Gedanken, weil ich gerade freudig beschlossen hatte, einen grösseren Topf zu kaufen, da mich der Alte, beim Kochen von Unmengen Eintopf, immer so einschränkt. Das ist immer ein furchtbares Gekleckere und Gestopfe und Herumgespritze und das macht mich fuchsteufelswild. So lief ich leichten Herzens los und malte mir einen herrlichen Eintopf aus, während ich einen 7-Litertopf fand, für sage und schreibe, nur achtzehn Euro.
Erschrocken war ich aber erst wirklich, als ich, wieder zuhause angekommen, nach dem erneuten Auflegen der Milva CD, meiner arbeitenden Schnitte eine Mail schrieb in der ich ihr in 25 euphorischen Zeilen von meinem neuen Topf vorschwärmte.

Ma quando brucia il sole della passione, io vedo te (Milva - Mediterraneo)

Heute ein Starwarsfreier Tag

(Wenn die Dame des Hauses nur noch in Episoden denkt und man nachts beim Anblick von leuchtenden Neonröhren gleich an Laserschwerte denkt, dann wird es Zeit eine Pause einzulegen. Überdies, so kommt mir vor, gefallen mir die Filme nicht so besonders. Mir fehlt der tiefgang bei den Charakteren. Neben den ganzen Effekten verliert man schon mal die Story aus den Augen, das passiert bei diesen technischen Filmen ja oft, aber die Charaktere sollen schon ausgereift sein, da bestehe ich drauf. So macht das keinen Spass. Dieser Kenobi spielt nicht diese natürliche Authorität die zu sein er vorgibt, Skywalker ist nicht der tragische Held, den er spielen soll, und Darth Vader ist viel zu wenig mysteriös und furchterregend, sondern eher eine Karikatur neben Jar Jar Binks. Alles kommt mir so hingeschmissen vor. Aber jetzt bin ich schon bei Episode 4. Episode 5 muss ich gucken, weil der laut meinen Kollegen der Beste sein soll, und wenn ich den schonmal gesehen habe, dann kann ich auch gleich Episode 6 angucken und bin die ganze Reihe durch. Und damit ein moderner junger Mann.)

*röchel röchel*

Ich will mich jetzt nicht ins Gebiet von Franziska und Anke vorwagen und mir anmassen den dritten Teil von Star Wars zu rezensieren. Das überlasse ich lieber den beiden, die können das tausendmal besser, aber trotzdem will ich zum Film sagen, wie abscheulich ich es finde, dass die Ärzte der dunklen Seite den verkrüppelten und beinahe toten Skywalker samt Kleidungsfetzen und versengter Haut, ohne seine Wunden zu säubern in dieses Kostüm einbauen. Ob man ihn nun für einen tragischen Helden hält oder für den gefährlichen Imperator der dunklen Seite, das ganze geht sich doch fürchterlich entzünden wenn man nicht ein bisschen sauber macht.
Ich meine, das juckt doch!

Moderne Assozationen

Und dann habe ich diese Kollegin die aussieht wie Jar Jar Bings.

(Wenn ich so weiter mache, und durch mein ausweitendes Allgemeines Wissen nun auch richtig coole, moderne Assozationen wie diese oben ziehen kann, dann werde ich vielleicht doch nochmal ein guter Schreiberling)

Ich will auch ein Laserschwert

Langsam aber stetig, erreiche ich den Bildungsstandard eines durchschnittlichen Norddeutschen jungen Mannes. Nächsten Herbst wohne ich nun schon seit zwei Jahren in Deutschland, und deswegen wird es an der Zeit, dass ich in Gesellschaft mehrerer Leute auch mal mitreden kann, anstatt bloss mürrisch vor mich hin zu trinken.
Es mag vielleicht witzig sein, als ich vor zwei Jahren auf Wohnungssuche war und der etwas übertrieben coole Vormieter der sich beliebt machen wollte weil er seinen Abstand im Wert von 500EUR zurückbekommen wollte, (obwohl der Makler ihn mehrmals darauf hinwies, dass er keinerlei Anspruch darauf habe) mich ansprach, dass ich doch so sehr seinem Freund ähnle, vielleicht würde ich ihn ja kennen, seinen besten Freund, Fatih Akin, der mache Filme. “Nee, kenn ich nicht, tut mir leid”. Die anwesenden Menschen guckten mich erst etwas verstört an, und fingen dann alle gleichzeitig an zu lachen.
Jaja, das mag witzig sein, aber das nächste Mal würde ich gerne wissen wer Fatih Akin ist, weil ich würde ihm gerne sagen, dass er doch endlich Ruhe geben solle, dass er sich nicht bei mir populär machen solle, und, dass die paar Lampen die er aufgehangen hatte, niemals 500EUR gekostet haben können.

Eine andere grosse Bildungslücke ist Star Wars. Im Laufe der Jahre habe ich zwar mitbekommen was Star Wars ist, und auch kenne ich Fotos von dem kleinen grünen Zwerg mit den langen Ohren, und dass der so eine Art Übervater der Jedis ist (auch wenn ich nicht wusste was ein Jedi sein soll, so eine grüne, kleine ausserirdische Rasse wahrscheinlich), und ja, auch die Laserschwerte kenne ich, jedoch habe ich noch nie einen der Filme gesehen. Nicht weil ich mich vielleicht zu gut fühlte um mir diesen Weltallkrams anzugucken, nein, ganz und gar nicht, ich wollte als Kind schliesslich immer Astronaut werden, aber es gab in unserem Dolomitendorf schlichtweg kein Kino, und auch keines im Umkreis von vielen vielen Kilometern. Und Fernsehen war in meiner Kindheit auch nicht so das Wahre, vor allem abends, wenn es drüben im Wald etwas dunkler wurde. Und irgendwann wurden die Starwarsfilme alter Käse, weil wir guckten dann Rambo und Rocky, und vor allem den Terminator.

Am Sonntag fing ich an, eine dreissigjährige Kulturlücke aufzufüllen: Starwars Episode 1. Gestern war der zweite Teil dran, und heute Abend im Kino, der dritte Teil, die Rache der Sith. Mittwoch, Donnerstag und Freitag kommen der vierte, fünfte und sechste Teil an der Reihe. Die ganze Saga im Schnelldurchlauf sozusagen.
Ich träume jetzt von Laserschwerten und wenn ich mich von der Dame des Hauses verabschiede, dann sage ich “Möge die Kraft mit dir sein”. Ihr Blick verrät mir dann immer, dass es der Kuss war, auf den sie wartete und nicht die Kraft. Ich verwechsle da immer noch was.
Spätestens am Samstag werde ich wissen wie man Darth Vader ausspricht, und warum mich eine Freundin ausgelacht hat, als ich den Namen ihres Rechners, den sie nach diesem Vater genannt hat, ausgesprochen hatte.

Ich küsse euch.

Edelweisspunk

Und sowas verkaufen achtjährige Mädels heutzutage auf Flohmärkten.

Hätte es damals so etwas gegeben, wäre ich wohl immer noch ein Alpenpunker. Jetzt hab ich mal die Crass wieder aus der Ecke geholt. Hört sich verdammt gut an, die Band, mit so einem Armband um.

Im Gespräch mit der Altistin

A: “Ich finde aber, dass es bei dir nicht auffällt”
M: “Was denn?”
A: “Dass du klein bist”
M: “Ich bin nicht klein!”
A: “Ich mein auch nicht klein, sondern halt nicht so gross”
M: “Ich bin auch nicht nicht so gross
A: “Nunja, ich meine halt verglichen mit-”
M: “Ich bin weder klein, noch nicht besonders gross!”
A: “Nun, so Einsfünfundsiebzig halt”
M: “Ich bin ein Meter sechsundsiebzig! OK?”
A: “Ja gut, das ist schon was anderes.”
M: “So, und was wolltest du sagen?”
A: “Dass es bei dir nicht auffällt, dass du einssechsundsiebzig bist, weil-”
M: “Was nun, einssechsundsiebzig? Ist das jetzt sowas wie 0815?
A: Nein, natürlich nicht.
M: Also was?
A: Du machst einen viel grösseren Eindruck als du bist.
M: Du unterstellst mir ein aufgeblasener Zwerg zu sein.
A: Nein, du bist halt ein stattlicher Mann.

Na also. Geht doch.

Note to myself:

Lieber Mek, wenn du gerade mit dem Mund voller schaumiger Zahnpasta im Badezimmer stehst und merkst, dass ein Niesreiz hochkommt, dann sollst du dich nicht wieder so doof im Spiegel angucken und dir überlegen was du nun am Besten tun könntest, und nein, du sollst dann auch keine Grimassen schneiden, weil das sieht erstens sowieso blöd aus, und zweitens besänftigt das auch nicht den Niesreiz, also lieber Mek, denke das nächste Mal einfach daran, dass du nachher den Spiegel putzen musst, wenn du nicht schnell genug reagierst, und denke an die vielen kleinen Fläschchen und winzige Dosen der Dame des Hauses, da auf dem Waschbecken, welch eine Ameisenfickerei es ist, diese von den unzähligen Spritzern zu befreien, und denke jetzt nicht, dass du all den Kram einfach unters Wasser halten kannst, nein, weil Puderdosen und Sprühfläschchen legt man nicht ins Wasser, das ist nicht wie Besteck das man abwaschen kann.
Nein Mek, nächstes Mal wenn du dich mit Hamsterbacken voller Zahnpasta im Spiegel anguckst und es irgendwie lustig findest, dass der Niesreiz hochkommt, dann spuckst du den Inhalt einfach sofort aus.