Gestern muss ich wohl zu oft die deutsche Nationalhymne angestimmt haben, weil ich sie heute den ganzen Tag lang im Ohr hatte und sie vor mich hin summte. Es war mir nicht bewusst, wie sehr sie sich als Ohrwurm eignet. Besonders die Passage „Blüh im Glanze“ und blabla, jene Stelle ist musikalisch wirklich schön. Den Text könnte man aber echt einmal umdichten, um positivere Gefühle für dieses Land anzuregen. So etwas spricht doch niemanden mehr an.
Als echter Passdeutscher habe ich jetzt schließlich ein Wörtchen mitzureden.
Am Samstag fliege ich nach Belgrad. Diese Reise werde ich aber noch als Italiener antreten. Ich kann es mir jetzt eigentlich immer aussuchen, mit welcher Identität ich unterwegs bin. Auch ein schöner Gedanke.
Ich habe mich aber nie als Italiener gefühlt. Auch nicht wirklich als Deutscher. Erst recht nicht als Österreicher, der ich ethnisch bzw. historisch eigentlich sein müsste. Seltsamerweise fühlte ich mich in den Niederlanden immer sehr zugehörig. Es wäre mir leicht gefallen, die niederländische Nationalität anzunehmen, sage ich mit dem Gefühl, mit dem ich jetzt so und weiß, dass ich das verkläre. Würde es einen Südtiroler Reisepass geben, würde ich mir den wahrscheinlich schon zulegen, aber mittlerweile wohne ich bereits über die Hälfte meines Lebens nicht mehr da, ich weiß gar nicht, was überhaupt noch südtirolerisch an mir ist. Südtiroler und ihre Sache mit der Nation. Fast alle hadern da herum. Es zählt eigentlich nur: Heimat. Und selbst die ist verhandelbar. Wir leben alle verstreut.
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Heute früh startete ich um 5 Uhr in Berlin. Es ist beachtlich, wie viele Autos um diese Uhrzeit bereits auf den Straßen unterwegs sind. Eigentlich hatte ich mich auf eine schöne, einsame Fahrt durch die nächtliche Tiefebene eingestellt, stattdessen manövrierte ich mein Auto an LKW Kolonnen vorbei, um dann auf Hamburger Stadtgebiet im Stau festzustecken.
Heute war ich dann den ganzen Tag müde. In der Mittagspause bin ich schnell in die Firmenwohnung hinübergerannt und legte mich für einen dreissigminütigen Powernap hin. Das half ein wenig.
Das nächste Mal werde ich das aber wieder so handhaben. Also die letzte Nacht in Berlin verbringen und erst frühmorgens losfahren. Mal sehen, ob die Müdigkeit von heute nur dem Umstand geschuldet ist, dass ich gestern noch ordentlich was getrunken hatte. Ich musste ja meine neue Nationalzugehörigkeit befeiern,












