Tapezieren ist echt eine Kackarbeit. Machen wir nie wieder. Glücklicherweise half uns die Berliner Nachbarin dabei, die das schon oft gemacht hat und regelrecht routiniert darin war. Es kostete uns den ganzen Tag. Am Ende fehlten uns aber einige Quadratmeter Tapete, die wir nachkaufen müssen. In diesem Zuge fanden wir heraus, dass es so etwas wie den Pfingstsamstag gibt und dieser in Schweden ein Feiertag ist, an dem die Geschäfte geschlossen haben. Pfingstmontag ist hingegen ein gewöhnlicher Arbeitstag, aber am Pfingstmontag fahren wir wieder zurück nach Berlin. Wir können also keine Tapete mehr nachkaufen. Unsere Nachbarn bleiben aber noch eine Woche länger hier, sie werden dankenswerterweise für uns die letzten Meter tapezieren.
Am Abend kam unser Freund Max zu Besuch. Max ist der Sohn des Försters. Er wohnt 15 Minuten von uns entfernt und wir sind seit einigen Jahren befreundet. Ich schrieb schon in den letzten Jahren über ihn. Guter Typ. Muss ich nicht alles wiederholen.
Es gab Pizza. Unser Berliner Nachbar (ich nenne ihn: den Zeichner) ist so etwas wie ein Teig-Experte und bäckt Pizzateig wie ein römischer Halbgott. Letztes Jahr kauften wir uns diesen völlig überflüssigen, aber von uns heißgeliebten Pizzaofen, den wir nur in Schweden verwenden können, weil wir in Berlin nicht über einen Balkon verfügen. Der Ofen steht also den ganzen Winter über hier in der Scheune und wird dann fünfmal im Jahr herausgeholt, wenn die gnädigen Städter in die Wildnis ziehen. Danach waren wir alle glücklich, vollgefressen und angetrunken.
Heute räumte ich den Holzschuppen auf. Wir müssen den zersägten Baum in den Schuppen bekommen. Die Zeit wird nicht ausreichen, um die Stämme rechtzeitig in zu trocknende Einheiten zu zerkleinern. Das werde ich dann im Juli nachholen, wenn ich drei Wochen am Stück hier bin. Die Nachbarn werden allerdings noch eine Woche länger hierbleiben und der Sohn will sich noch die Zeit nehmen, ein wenig von dem Holz zu verarbeiten. Nachdem ich den Schuppen aufgeräumt hatte, stellte ich allerdings fest, dass ich keine Lust habe, all das Holz (zwei mittelgroße Bäume) in den Schuppen zu tragen, im Juli wieder alles zurück auf die Wiese zu schleppen, dort zu zerhacken und wieder in den Schuppen zu transportieren.
Alles sehr ineffizient.
Vermutlich werde ich einfach alles abdecken. Wir haben noch Malerplane vom letzten Jahr. Das müsste ausreichen. Besser lief es hingegen bei der Scherung der Hündin. Sie ähnelte wieder einem schwarzen Schaf. Wir hatten die Schermaschine extra dafür mit nach Schweden genommen. Hier können wir sie besser unter freiem Himmel scheren und man muss nachher nicht die ganze Wohnung saugen. Ich hatte mich wieder auf einen Nahkampf eingestellt. Heute blieb die Hündin aber sehr entspannt, sie legte sich sogar flach auf die Seite und ließ alles über sich ergehen. Das machen wir jetzt öfter, wenn das so gut geht. Ich finde, das ist eine Erwähnung wert.
Auch erwähnenswert: Campari. Was ich nämlich nach unserer Campari-Erfahrung von neulich nicht erwähnte, ist der Umstand, dass ich gar nicht mehr richtig wusste, was Campari eigentlich ist. Also natürlich kannte ich Campari aus meiner Jugend, aber wir tranken früher alles aus Flaschen, und meist ziemlich wahllos. Seit ich Bitterliköre mit Mitte dreißig wiederentdeckte, blieb ich jedoch vor allem am Aperol hängen. Weil das halt alle immer und überall trinken. Was ich jetzt aber weiß: Campari ist wesentlich nuancierter und weniger süß. Der Zeichner ist nicht nur ein hervorragender Pizza-Halbgott, sondern trägt auch den Segen eines Cocktail-Priesters in sich und mixte uns mehrere Abende lang Campari-Drinks mit viel Eis. Ich wollte eigentlich weniger trinken, aber das gelang mir nicht so recht.



















