Was ich jetzt weiß: Das, was wir Berlinerinnen landläufig als die Halbinsel Darß bezeichnen, sind in Wahrheit drei ehemalige Inseln, wovon nur eine Darß hieß. Die anderen beiden waren Zingst und Fischland. Fischland und Darß wurden schon im 14. Jahrhundert zu einer Halbinsel aufgeschüttet. Sechshundert Jahre später erst verband man Zingst. Warum wir ignoranten Städter die Gegend immer Darß nennen, weiß ich nicht. Wenn schon einen einzigen Namen, dann doch lieber Fischland. Ich würde gerne Fischland in meiner Adresse tragen. Apropos Fischland: Am 20. dieses Monates werde ich eingebürgert. Ich werde eine Urkunde erhalten und stolzer Bürger dieses Landes sein. Deutschland. Als ich vor ein paar Tagen aber das Schild „Fischland“ am Ortsausgang von Ahrenshoop sah, dachte ich: Wie schön wäre es, Staatsbürger eines Landes mit dem Namen Fischland zu sein. Alle würden uns lieben.
Währenddessen verüben linksradikale Spinner einen Anschlag auf das Stromnetz in Südwestberlin und erwarten ernsthaft Verständnis von der Bevölkerung. Mein Freund Benny ist ohne Strom. Er heizt und kocht allerdings mit Gas, also ist die Lage für ihn und seine Familie nur halb so schlimm. Ich suche sofort meine drei Powerbanks und lade sie auf. Sie waren natürlich fast leer. Powerbanks sind ja immer fast leer. Jetzt sind sie aufgeladen und ich komme mir ein wenig albern vor.
Im Südwesten scheinen die Menschen größtenteils gut gelaunt und gut versorgt. Es gibt doch noch eine Art soziales Unterstützungsnetzwerk. Ich finde es dennoch erstaunlich wie wenig öffentliches Entsetzen es darüber gibt, dass einfach mehrere Stadtteile einer westeuropäischen Industrienation lahmgelegt werden können. Zumal der Ausfall möglicherweise erst am Donnerstag gelöst wird.
Auf der anderen Seite des Atlantiks greifen rechtsradikale Spinner einen souveränen Staat an und verhaften dessen Präsidenten. Es wird spannend, wie man jetzt in den Friedensgesprächen mit Russland mit dem Völkerrecht argumentieren will. Mit der Betonung auf „will“. Wollen tut man ja ohnehin nicht. Nur wir Europäer reden noch vom Völkerrecht. Manchmal kommt es mir vor, wir glauben immer noch an den Weihnachtsmann.
It’s a mess.
Heute Morgen war draußen unfassbar schönes Licht. Meine Hündin streunte über die schneebedeckte Wiese. Die Wintersonne hing zögerlich am Himmel. Ein bisschen Wärme kam zu uns herüber.
Weil das Jahr vorbei ist, habe ich auch gleich das Jahr 2025 als Blogbuch aufgearbeitet und zum Drucken in Auftrag gegeben. Das Blogbuch des Jahres 2025 wird 857 Seiten haben. Das sind 100 mehr als das Jahr davor. Es liegt möglicherweise an den Bildern. Ich habe in diesem Jahr zu jedem Blogeintrag ein Foto hinzugefügt. Von der Textmenge müsste es ungefähr gleich viel gewesen sein. Etwas weniger vielleicht, da ich neuerdings auch mal den einen oder anderen Tag ausfallen lasse.
Am Abend fuhr ich wieder nach Hamburg. Nach zwei Wochen des Unterwegsseins, wäre ich noch gerne ein paar Tage in Berlin geblieben. Nächstes Jahr fahre ich über Weihnachten nicht weg. Nur zu Silvester werden wir wieder die Stadt verlassen, aber Weihnachten in Südtirol finde ich etwas stressig. Ich fahre da erst seit fünf oder sechs Jahren wieder hin. Ich glaube, ich mache das wegen meiner beiden Neffen und meiner Nichte. Aber das sind jetzt große Teenies. Weihnachten bekommt in dem Alter ohnehin eine andere Bedeutung. Davor war ich sicherlich zwanzig oder mehr Jahre nicht zu Weihnachten da. Weihnachten in der Heimat hat mich immer deprimiert. Dafür habe ich eine richtige Weihnachtsliebe in der sogenannten Fremde entwickelt. Alleine zu Hause, oder mit wenigen anderen in einer Bar. Das sind immer die schönsten Weihnachten gewesen. Mittlerweile auch mit meiner Frau.
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