[Springweg brennt. deleted scenes]

Ich sortiere gerade alte Romanfragmente und Texte. Dabei stieß ich auf dieses Fragment, das ursprünglich einer ganz frühen Fassung aus „Springweg brennt“ entstammt. Da die Passage inhaltlich und stylistisch nicht ganz passte, nahm ich sie raus und verarbeitete sie in ein späteres Romanprojekt. Aus dem Projekt wurden aber nur 40 Seiten und ich werde nicht mehr daran arbeiten. Aber für diejenigen, die die Novelle mochten, hier ein Bonustrack, oder ein Deleted Scenes. Die Episode spielt zwischen der ersten und zweiten Besetzung des Springweg-Hauses, als wir kurz nach der freiwilligen Räumung wenige Wochen später die Lange Nieuwstraat besetzten und wohnen blieben.

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Saskia lernte ich im März kennen, als eine späte Winterperiode über das kleine Königreich hereinbrach. Ich saß mit Maarten und einem anderen Bekannten in der Kneipe „Dorstig Hart“ am Fenster, als ich draußen eine junge, etwas dicke Frau auf allen Vieren über den Bürgersteig kriechen sah. Es war wirklich eisig geworden. Zuvor hatte es einige Tage geregnet und danach war so etwas wie ein dritter Winter über das Land hereingebrochen. Fahrradfahren war nicht mehr möglich und auch die Bürgersteige waren von einer Eisschicht überzogen, und vor allem auf den holprigen und schiefen Bürgersteigen der südlichen Altstadt, in der wir uns befanden, war es fast schon lebensgefährlich, wenn man nicht sonderlich sicher auf den Beinen stand. Das Dorstig Hart lag etwa fünfzig Meter von meinem Haus entfernt, daher saß ich dort vor allem, um warme Abende zu verbringen. Unser Haus war bei zweistelligen Minusgraden kaum warmzukriegen, da ging ich lieber in die Kneipe.

Saskia kroch bis zur Tür heran, wo einige junge Männer ihr laut lachend die Hand reichten und ihr in die Kneipe hinein halfen. Ich saß am Fenster und beobachtete die Szenerie. Sie fluchte. Die Männer lachten. Sie fluchte weiter, machte aber Witze über sich selbst. Saskia war laut. Sie setzte sich an unseren langen Tisch, an dem ein gutes Dutzend Männer saßen. Männer, die eigentlich nichts miteinander zu tun hatten. Man kannte sich halt im Dorstig Hart, das „Hart“ war eine kleine Kneipe mit einem stets wiederkehrenden Publikum. Neunzig Prozent der Besucher bestanden aus Männern. Die Frauen, die da einkehrten, waren tätowierte Frauen. Waren sie hübsch, dann kamen sie nur in Begleitung von großen, bärtigen Männern. Waren sie nicht hübsch, wirkten sie meist verbraucht, oder sie waren offensiv unangenehm. Letztere wurden von den Männern meist in Ruhe gelassen. Saskia konnte ich keiner der beiden Frauengruppen zuordnen. Sie war hübsch, wobei hübsch nicht ein Adjektiv ist, mit dem man sie sofort versehen würde, sie war aber attraktiv, begehrenswert, jedoch nicht der Typus Frau, der Schutz bedarf, im Gegenteil, sie war so unmittelbar, so direkt und mit einem kräftigen Stimmorgan gesegnet, dass die Männer wie von selbst eine gesunde Distanz zu wahren schienen. Mir imponierte das. Mir imponierte auch, wie viel Bier sie trinken konnte und immer noch die Fäden der Gespräche am Tisch in den Händen hielt. Sie trug einen dicken, schwarzen Mantel aus Kunstpelz. Als sie ihn auszog, hatte sie nur ein kurzes, giftgrünes Kleid an. Sie war eher dick und hatte einen riesigen, rundgeformten Po und auch riesige Brüste. Das kurze Kleid spannte sich an ihrem Körper. Ich dachte an Sex. Sie wurde umschwärmt, jeder buhlte um Aufmerksamkeit, wollte bei ihr punkten, ein Witz folgte dem nächsten, weitere Männer setzten sich an den Tisch. Es drehte sich alles um sie: wie sie die nackten Beine zur Schau stellte, wie sie ihre Brüste hochdrückte, wie sie die Männer kontrollierte, selektierte. Sie war auf Männerfang ausgerichtet, ein Typ wie Saskia hatte es leicht.

Ich nahm nicht so sehr an den Gesprächen teil. Mir war das Gewitzel zuwider. Außerdem wollte ich an diesem Anbiedern nicht teilnehmen. Zudem kannte ich kaum jemanden wirklich gut. Der gemeinsame Nenner war wohl eine Vorliebe für schrammelige Gitarrenmusik, Metalbands aus den Achtzigern. Ich nehme mich da natürlich nicht aus, ich fand die Musik gut, das Schummerige, das Verrauchte. Der dominierende Farbton an der Kleidung war schwarz. Die Gesichter unrasiert. Ich weiß nicht, ob das etwas aussagt. Saskia saß am Kopf des Tisches, und mit ihren erdbeerroten Haaren und ihrem grünen Kleid stach sie hervor wie ein Ufo. Es lief Black Sabbath, die Leute lachten, es ging ein bisschen an mir vorbei, ich hatte schon einige Biere zu viel in mich hineingeschüttet, mein Blick war möglicherweise glasig, als plötzlich Saskias Finger auf mich zeigte. Alle verstummten. Sie sagte erst mal eine halbe Ewigkeit lang nichts. Als die halbe Ewigkeit vorbei war, sagte sie: Und wer bist du? Du schwarzhaariger Knabe?

Man muss wissen, dass sie tatsächlich ein gutes Stück älter als ich war. Sechs Jahre. Das sah man ihr an. Und ich war gerade zwanzig geworden. Mir sah man das auch an. So saß ich dann da, hatte glasige Augen, war widerwillig in einen Knaben verwandelt worden und war auf einmal der Mittelpunkt des Geschehens. Ich habe mal in einem schlauen Buch gelesen, dass man unangenehme Situationen, die man nicht zu beherrschen vermag, am besten einfach aussitzt, weil dies das Risiko eines Fehlers durch eigene Inkompetenz verringert. Das tat ich dann auch. Ich saß es einfach aus. Als der Finger auf mich zeigte und alle zwanzig Männer sich nach mir umdrehten, wusste ich sofort, diese Situation nicht meistern zu können. So schwieg ich. Ich saß da, schaute Saskias Finger an und schwieg. Es ist nicht auszuschließen, dass ich entsetzt gewirkt haben musste. Da Saskia ihren Finger aber nicht senkte, ihre feurigen Augen nicht von mir ließen und die versammelten Männer nicht wieder anfingen zu reden, schritt ich doch zur Tat und wiederholte einfach den letzten Gedanken, den ich hatte, bevor jeglicher weitere Gedanke in mir durch den Schreck zu Eis erfroren war. Ich sagte: Ich habe in einem schlauen Buch gelesen, wenn man eine Situation nicht beherrschen kann, dann soll man die Situation am besten einfach aussitzen.

Damit senkte sich ihr Finger und sie schien zufrieden. Die Männer begannen wieder zu reden, vereinzelt wurde über meine komische Antwort gelacht, aber nur zögerlich, man wusste es offenbar nicht einzuordnen, ob es ein Witz war, oder eine Aussage oder eine Entschuldigung oder was auch immer. Maarten gab mir ein schräges Lächeln. Aber seine Augen waren noch viel glasiger als meine. Die Spannung am Tisch löste sich schnell, man wandte sich wieder anderen Dingen zu.

Saskia hingegen hatte es wohl keine Ruhe gelassen. Eine halbe Stunde später (die Musik war lauter geworden, die Stimmung diverser) kam sie vom Tresen mit zwei Bieren zurück und setzte mir eines davon vor meine Nase.

Soso, aussitzen also, sagte sie. Woher kommst du denn mit deinem komischen Akzentchen?

Ich sagte: Bozen. Norditalien.

Bozen kannte sie nicht, jedoch kannte sie Italien. Es folgte der obligatorische rhetorische Austausch über Sonne, Essen und das gute Leben.

Sie sagte, sie ginge nachher tanzen, in einen dieser besetzten Schuppen am Merwedekanal. Sie sagte, ich solle mitkommen.

Dann holte sie ihre Brieftasche hervor, öffnete eines der Fächer und hielt es mir vor mein Gesicht. Da lagen ein paar Pillen drin. Es war die Zeit von Ecstasy. Sie sagte: zwei für mich, zwei für dich. Ich sagte: ok.

Sie schien zufrieden.

Es gab viele Männer an jenem Abend, die ihr den Hof gemacht hatten. Auch gut aussehende und auch coole Typen. Aber an jenem Abend hatte sie offenbar am ehesten Interesse an jemandem, der so komische Sachen sagte wie „aussitzen“. So ging der Zufall. Sie sagte, ich solle austrinken. Jochem gab ich Bescheid, dass ich ohne ihn ginge. So laut und auffällig sie gekommen war, so leise war ihr Abgang. Sie ließ sich ein Taxi rufen, dann nahm sie ihren schwarzen Kunstpelzmantel und ging, ohne jemanden eines Blickes zu würdigen. Ihre Effizienz fand ich bemerkenswert. Als wir im Taxi saßen, thematisierte ich das: Deine Schlagkraft ist gut, du hast zielstrebig geangelt.

Sie sagte, ich weiß doch noch gar nicht, ob du ein guter Fang bist.

Wir lachten. Ich sagte, gib mir mal die Pillen her, damit es sich wenigstens für mich gelohnt hat. Sie sagte, ich solle nicht frech werden, ich versprach, nur frech zu sein, wenn es sich lohnen würde. Wir teilten uns die vier Pillen und sie sagte: lauf mir ja nicht weg. Ich sagte: Sicher nicht, wenn wir nachher noch zu dir gehen.

Ich fand mich sehr mutig für diesen Satz.

Die Party fand in einem ziemlich beengenden Kellerraum in einem dieser besetzten Schuppen am Veilinghaven statt. Eine Gruppe von Ravern hielt da ein gutes Dutzend backsteinerne, garagenartige Gebäude besetzt, die vermutlich zum Jaarbeurs gehörten und perspektivisch abgerissen werden sollten. Die Decken im Keller hingen sehr niedrig. Selbst ich mit meiner durchschnittlichen Körpergröße fühlte mich ein wenig eingeengt. Es gab Leute, die mussten ihren Kopf einziehen, um stehen zu können. Tanzen war auf diese Weise natürlich eine ungute Angelegenheit. Zudem waren die Decken morsch oder wirkten zumindest so, man wollte da nicht mit dem Kopf dagegenstoßen, wer weiß, was da mit herunterkommen würde. Saskia war eher klein, einssechzig um genau zu sein. Die Pillen hatten zu wirken begonnen. Sie schwenkte ihre Brüste und hob ihre Arme, sie erreichte die Decke nicht, es beschäftigte sie nicht, sie schmieg sich an mich, wir küssten uns. Wenn das Ecstasy in mir hochkommt, dann werde ich immer zu einem Glühwürmchen. Ich laufe mit einem Lichtkörper in meiner Brust durch die Gegend. Das meine ich so gut wie wörtlich. Alles konzentriert sich um dieses Licht-Ding in meiner Brust herum. Ich laufe durch die Gegend und spüre nur: Liebe.

Scheiß Drogen, immer. Ich war auf einmal so verliebt. Eigentlich verliebte ich mich an jenem Abend in jedes Gesicht, in das ich schaute, aber ganz besonders verliebte ich mich in Saskia. In ihre roten Haare, in die Art, wie sie ihre Hüfte wiegte, in ihr grünes Kleid, in die Art, wie sie lächelte, und in ihren dicken Po. Ich will es jetzt nicht auf die Drogen schieben, ich will also nicht sagen, dass ich nur vernebelt war, ich hätte mich auch ohne die Pillen in sie verliebt, meine Gefühle waren auch nachher noch echt, sie hatte mir imponiert, ich fand ihre Art attraktiv, sexy, sie wirkte von Anfang an offen auf mich, und offene Leute bekommen immer einen Freundschaftsvorschuss von mir, und natürlich fand ich sie auch schön, wenngleich sie nicht im klassischen Sinne schön war, sie wirkte etwas streng und ihre Nase war vielleicht zu klein, zudem hatte sie für ihr Alter bereits ordentliche Augenringe. Wobei ich gestehen muss, dass mir ihre Augenringe gefielen, das hatte etwas Verlebtes, das ich als sehr authentisch betrachtete, oder zumindest mochte ich diese am Abgefucktsein angelehnte Ästhetik.

Danach gingen wir zu ihr nach Hause, wir zogen uns sofort aus und ich versenkte meinen Penis in ihrem Po.

Ich blieb über das Wochenende. Wir fickten, schauten im Bett fern und krümelten das ganze Bett voll. Am Montag zog ich mir die Kleider an und ging nach Hause. Am Freitag kam ich wieder. Wir schluckten Ecstasy, gingen tanzen und danach fickten wir das ganze Wochenende lang, während wir fernsahen und Käsetoasts aßen. Am Montag ging ich wieder. So machten wir das ein paar Wochen lang. Irgendwann kam ich schon am Donnerstag und nach einige Zeit ging ich erst am Dienstag wieder. Die Partys ließen wir bald aus und fickten nur noch.

Als das Ficken weniger wurde, stellte sie mich ihren Eltern vor.

Das war im späten Herbst. Den Eltern war ich suspekt. Hausbesetzer und dunkelhaarig. Die Eltern wohnten im katholischen Süden. Genauer verortet: im Land der Flüsse, also der lange Streifen zwischen den Rhein- und Maasarmen. Ihre Eltern betrieben eine kleine Werft. Aber die Hunde (eine dänische Dogge, ein buschiger Bouvier und 3 kleine, kläffende Irgendwas-Terrier) mochten mich offenbar, was die Eltern dazu veranlasste, mir direkt mitzuteilen, dass ich wohl kein schlechter Mensch sein könne. Das war nicht als Kompliment gedacht, auch nicht als Eisbrecher, es war lediglich eine Feststellung. Die Hunde mochten mich, also konnte ich kein schlechter Mensch sein. Ein okayer Mensch war ich deswegen noch lange nicht.

Saskia und ich hatten nie über unseren Beziehungsstatus gesprochen. Die Verliebtheit ließ erstaunlich schnell nach, aber wir hatten eine wirklich gute Zeit miteinander. Wir hatten nicht sehr viel Leidenschaft füreinander, aber wir waren ständig an etwas in Leidenschaft verbunden und begeisterten darin einander. Ich hatte vorher noch nie eine Beziehung gehabt, deshalb wusste ich nicht so genau, was ich zu erwarten hatte. Die Beziehung meiner Eltern oder der Familien aus meinen katholischen Gefilden wollte ich mir nicht als Vorbild nehmen, und so viele Beziehungen gab es in meinem persönlichen Umfeld damals noch nicht, zumindest keine Art von Beziehung, die ich für mich als erstrebenswert empfand. Ich wollte vielleicht nur ficken und verliebt sein. Verliebt war ich vielleicht schon ein bisschen. Aber wir unternahmen viel zusammen. Ich war sehr neugierig auf dieses Land, ich wollte alle komischen Winkel kennenlernen, die Gebiete unter dem Meeresspiegel, die speziellen Deiche, Ortschaften, die Namen wie Monster oder Duurwijk trugen, mittelalterliche Schlösser, Orte, an denen Schlachten ausgetragen wurden. Je mehr ich mich mit der Thematik beschäftigte, desto mehr Fragen warfen sich mir auf. Das Fruchtbare an diesem Interesse war, dass Saskia eine passionierte Autofahrerin war und sich von meiner Unternehmungslust anstecken ließ. An den Wochenenden fuhr sie mich an wirklich jeden noch so entlegenen Winkel dieses Landes.

[Sa, 6.7.2026 – Beim Drink und mit Sonnenblumen]

Gestern Abend traf ich einen ehemaligen Mitarbeiter auf ein paar Drinks. Wir arbeiteten ’18-’19 zusammen in einem ursprünglich mit DHL-Geld gegründeten E-Commerce-Unternehmen, mit dem die DHL vornehmlich Prototypen für Kühl-Lieferungen testen wollte. Ein Jahr, nachdem ich an Bord gekommen war, wurde die Firma an einen autoritären Logistiker aus Niedersachsen verkauft, der zuerst die ganze Geschäftsführung rausschmiss und danach den Marketingchef und mich in die erste Führungsebene nachrücken ließ. Der neue Geldgeber wollte sein eigenes Logistiksystem testen, das für unsere Zwecke völlig unausgereift war, und forderte entgegen unserer Ratschläge Änderungen am Geschäft, wonach wir ein halbes Jahr später 120 Leute entlassen und die Firma schließen mussten.

Mit den meisten aus meinem Team blieb ich noch lange in Kontakt. Wir trafen uns weiterhin gelegentlich auf ein Bierchen, die Treffen wurden dann aber seltener und die Runden kleiner. Irgendwann waren alle in neuen Firmen untergekommen und hatten wieder neue Teams, mit denen sie Bier trinken gingen. Ich treffe bisweilen noch einzelne. So auch ihn. Er kommt aus dem Iran und natürlich beschäftigt ihn der Krieg. Anfangs gab es viele Trumpfans unter den Exiliranern, das hat sich aber rasch wieder gelegt. Seine Familie lebt glücklicherweise im fernen Osten des Landes, dort findet der Krieg nicht statt.

Wir redeten über eine App, die er entwickelt hat. Er erzählte mir von seiner Geschäftsidee. Technisch ist das Projekt abgeschlossen, die Schwierigkeit ist jetzt, Kunden zu finden. Ich empfahl ihm, sich einen Partner zu suchen, der Sales oder Marketing kann. Am besten beides. Jemand, der von Restaurant zu Restaurant geht und die Menschen von der App überzeugt. Er fragte mich, ob nicht ich sein Partner werden möchte. Ich entgegnete aber, dass ich kein guter Vertriebler bin. Es liegt nicht in meiner Persönlichkeit, etwas zu verkaufen. Am Ende verblieben wir aber so, dass ich mir Gedanken dazu machen würde.

Heute feierte Sabine ihren 60. Geburtstag. Bei sich zu Hause im Märkischen Viertel, mit Freunden und einem kleinen Buffet. Sehr nett. Benny und seine Frau waren da und Tanja mit ihrem Freund. Und viele andere Menschen, die ich aber alle nicht kannte. Sabine wollte keine Geschenke, falls aber jemand nicht ohne Geschenke kommen wolle, dann könne man ihr Pflanzen für den etwas leeren Balkon mitbringen. Natürlich standen auf dem Balkon dann ungefähr so viele Pflanzen wie Menschenpaare. Ich entschied mich für Sonnenblumen. Der Winter war schließlich lang und dunkel gewesen.

Gegen 16:00 Uhr machten wir einen Rundgang durchs Viertel. Das Märkische Viertel kennen die meisten Menschen ja nur aus der Zeitung oder von Sido. Ich hatte sie letztes Jahr schon einmal besucht und natürlich entspricht das Viertel den vielen Klischees. Was man mit dem MV allerdings nicht so direkt in Verbindung bringt, sind die vielen, direkt daran angrenzenden Grünflächen. Eigentlich liegt das MV in einer Art grünem Biotop. Wir spazierten durch Feuchtgebiete und verwachsene Landschaften mit Schilf oder Eichen.

Am frühen Abend kam ich dann wieder zurück. In meiner Straße erkannte ich am Straßenrand meine Frau. Sie saß in einem dieser hölzernen Parklets, die man in Berlin überall gebaut hat. Sie saß dort mit der Hündin in der frühen Abendsonne. Dort hatte sie auf mich gewartet, weil sie ja wusste, dass ich kommen würde. Sie sagte, ich solle das Auto parken, und dann würden wir einen Aperitif trinken gehen.

[Do, 4.6.2026 – Wikingerkunde]

Eigentlich wollte ich heute saufen gehen. Ich hatte einfach Lust zweidreivier Bierchen zu trinken. Es fand sich aber niemand. Also schaute ich eine Doku über Wikinger und trank Sprudelwasser dazu. Es wunderte mich immer, dass Wikinger nie deutsches Gebiet eroberten, dafür aber ständig England und Frankreich überfielen. Sogar die Niederlande wurden großflächig attackiert. Und auf der anderen Seite hinter dem heutigen Polen begründeten sie das, was heute Russland und die Ukraine sind, und sie kamen bis nach Konstantinopel. Aber deutsche Lande: nicht. Ja, es gab Überfälle auf Trier und auch Hamburg. Aber sie siedelten nie an. Anders als überall anders. Jetzt weiß ich, warum. Das ostfränkische Reich (also das, was man heute grob zu Deutschland zählen kann) hatte um 800 herum einfach ein gutes Militär. Es zahlte sich nicht aus, die zu überfallen.

Aha.

Man hätte denken können, das Desinteresse lag am schlechten Essen, das man hier vorfand, schließlich war die Nahrung in Skandinavien noch viel schlechter. Aber in England und Schottland gab es damals auch noch kein Curry. Jaja, ich finde den Witz auch nur mittelmäßig.

Später zogen sie nach Island und Grönland. Unterhielten dort ziemlich prosperierende Siedlungen. Sie zogen weiter nach Nordamerika, wo sie allerdings durch äußerst feindlich gesinnte Bewohner bekämpft und vertrieben wurden. Später gaben sie auch Grönland wieder auf. Niemand weiß, warum. Obwohl dort niemand wohnte, denn wie ich letzten Herbst in Nuuk gelernt habe: Die heutigen Inuit sind nämlich auch eher neu auf der Insel, sie kamen erst nach den Wikingern.

So. Kleiner Geschichtsunterricht.

[Mi, 3.6.2026 – Hundeghosting]

Die Hündin schlief letzte Nacht wieder alleine. Das dritte Mal in vier Jahren, wenn ich richtig gezählt habe. Also. Prinzipiell finde ich das ja gut. Ich finde ohnehin, dass sie zu sehr an mir hängt. Sie ist dauernd bei mir, macht immer das, was ich auch mache. Sitze ich irgendwo, sitzt sie auch, lege ich mich ins Bett, legt sie sich auch schlafen. Arbeite ich in der Küche, liegt sie da und schaut mich an. Gehe ich durch die Wohnung, geht sie mit, gehe ich aufs Klo, kommt sie auch. Ich unterbinde es schon seit Langem, dass sie mitkommen darf, ich sage dann, dass sie liegen bleiben soll, bin ich aber zu lange weg, kommt sie irgendwann trotzdem. Beim Schlafen liegt sie immer am Boden vor meinem Bett. Mitten in der Nacht wechselt sie dann in ihr Bettchen, das zwei Meter weiter liegt.

Sie ist jetzt viereinhalb. In Menschenjahren ist sie Anfang dreißig, eigentlich ist ein Auszug aus der Wohnung längst überfällig, aber so sind wir Daddys nun mal, wir wollen das ja nicht forcieren.

Jetzt schlief sie die ganze Nacht alleine. Die letzten beiden Male war ich betrunken gewesen. Schon damals empfand ich es als Liebesentzug. Allerdings war ich nachsichtig, ich würde auch nicht neben so einem stinkenden Kerl liegen wollen. Aber gestern hatte ich Salat und Wasser.

Wie gesagt. Eigentlich finde ich es gut, wenn sie ein wenig selbstständig ist. Aber dieses anlasslose Geghoste ist schon kindisch.

[Mo, 1.6.2026 – Flagge, DI.DAY]

Letzten Herbst in Grönland kaufte ich eine Grönlandunterhose. Also eine Unterhose in den Farben der grönländischen Nationalflagge. Die ist total instagrammable. Heute trug ich diese Hose und jedes Mal auf der Toilette dachte ich: Mensch, total instagrammable. Jedoch bin ich von der Persönlichkeit her nicht jemand, der sich in Unterhose auf Instagram darstellt. Glücklicherweise kaufte ich damals auch eine Tasche, die dasselbe darstellt, aber eben nicht als Unterhose.

Ich war heute wieder im Büro. Es ging mir wieder besser.

Am Sonntag ist wieder DI.DAY (Digital Independence Day – Wikipedia Link). Ich habe jetzt alle Big-Tech-Software ersetzt, auf die ich 1. eher leicht und auf die ich 2. mittelschwer verzichten kann. Der nächste große Schritt wäre, Facebook, Insta und WhatsApp von meinem Telefon zu entfernen, damit sie wenigstens auf meinem Telefon nicht mehr mitschneiden. Auf dem Desktop kann ich sie etwas kontrollierter weiterverwenden. Oder ich schmeiße komplett WhatsApp raus und verwende nur noch Signal. Eigentlich muss ich nur noch meine Familie überzeugen. Andererseits bekomme ich Ende Juni das Jolla-Phone aus Finnland, damit entledige ich mich auf einen Schlag des gesamten Google-Ökosystems. Zudem stelle ich gerade die Firma auf digital souveräne Beine um. Damit befülle ich mein DI.DAY-Karmakonto für die nächsten Jahrzehnte.

Ich müsste mal eine Tabelle erstellen, um das alles zu tracken. Am Ende des Lebens stehe ich dann vor den Toren des Souveränitätshimmels und kann stolz eine ODF-Tabelle vorzeigen und muss nicht lang herumdiskutieren.

[So, 31.5.2026 – Pasta al bianco]

Am Freitag war es nur Darm. Gestern war es Magen. Heute wurde es Magen-Darm. Seit dem Abend geht es mir aber geringfügig besser. Immerhin verlor ich ganze vier Kilo als Gewicht. Es kommt aber sicherlich wieder hoch. Das Gewicht. Das Essen vielleicht nicht mehr.

Am frühen Abend saßen wir draußen auf dem Balkon im Schatten. Ich war fast unbekleidet, meine Frau hatte mir die Bettdecke mitgebracht. Dieser Mix aus warm und kalt. Sie trank ein Glas Weißwein. Ich trank Wasser.

Am Morgen sagte sie, sie würde mir am Abend eine Pasta al bianco machen. Also weiße Nudeln mit Parmesan und etwas Olivenöl. Darauf freute ich mich den ganzen Tag lang. Obwohl ich sonst nichts hinunterbekam. Als ich am Abend die Nudeln aß, waren die richtig lecker. Ich fragte mich allerdings, wie ich mich den ganzen Tag auf weiße Nudeln mit Parmesankäse freuen konnte. Ich sagte zu meiner Frau: Wie hast du es eigentlich hinbekommen, dass ich mich den ganzen Tag auf weiße Nudeln mit Parmesan freuen konnte? Sie sagte: Schmeckt gut, oder? Ich nickte.

[Sa, 30.5.2026 – Simona]

Magen-Darm. Vor allem Darm. Schon seit Freitag. Aber Freitag ging ich noch ins Büro. Vielleicht nur eine Verstimmung. Heute kamen dann Müdigkeit und kleines Fieber dazu. Immerhin ein triftiger Grund, viel Zeit im Bett oder auf dem Sofa zu verbringen. Wobei ich so müde war, dass ich immer nach wenigen Seiten einschlief. Mir war warm und kalt zur selben Zeit. Ich war leidlich.

Meine Frau musste auf ihrem Telefon irgendein Verifikationsverfahren durchführen. Dabei saß ich ihr schräg gegenüber. Ich saß dort schwitzend, nur in Unterhose bekleidet, auf einem Sessel. Beim Verifikationsverfahren musste sie einen Videocall starten. Es meldete sich eine osteuropäisch klingende Frau namens Simona. Beim Videocall öffnete sich allerdings nicht die Selfie-Kamera, sondern die normale Kamera, und damit erschien ich in voller Pracht mit haarigem Bauch auf Simonas Bildschirm. Simona sagte „There’s somebody else in the room with you.“ Meine Frau stammelte „Yes it is my husband.“ während sie versuchte, die Kamera umzuschalten. Ich musste den Raum verlassen. Die Kamera ließ sich nicht steuern, vermutlich hatte Simona die Kontrolle darüber, also stand ich auf und verließ den Raum. Danach ging die Kamera auch in den Selfie-Modus.

Seitdem muss ich oft an Simona denken.

[Fr, 29.5.2026 – Mähmaschine, Haar, attackierende Nebelkrähen]

Nur eine Woche weg gewesen und das Gras im Park ist plötzlich kniehoch geworden. Vorletzte Woche ähnelte die Wiese noch einem Tundraboden. Heute kam dann schon die große Mähmaschine. Das ist eine beeindruckende Maschine mit einem tiefen Sound. Ein ganz anderes Kaliber als mein 300-€-Mäher. Die Maschine vom Grünflächenamt ist eher ein kleiner Lastwagen mit eingebautem Schneidewerk und auf der Ladefläche befindet sich der Sammelbehälter für geschnittenes Gras. Ich schaute der Maschine eine ganze Weile bei der Arbeit zu, vor allem das Entleerungsmanöver fesselte mich. Wie die Maschine ihren Sammelbehälter in einen großen Baucontainer umlud. Neben mir standen zwei Schuljungs, die auch ziemlich beeindruckt waren. Sogar meine Hündin machte große Augen.

Abends war ich dann bei der Friseurin. Weil ich in meine Haare so viel Pomade eingearbeitet hatte, wollte ich vorher nach Hause, um sie zu waschen, aber ich kam so spät aus dem Büro raus, dass ich mich verspätete, also fuhr ich direkt zu ihr. Ich weiß nie so gut, ob es moralisch verwerflich ist, mit schmutzigen Haaren zur Friseurin zu gehen, zumal mich diese Friseurin nie zu ihrem Waschbecken bittet. Sie schneidet die Haare einfach im trockenen Zustand. Vor vielen Jahren war ich einmal bei einer Friseurin, die zog sich Plastikhandschuhe an, als sie mir die Haare schnitt. Ich glaube, es lag nicht an mir, weil sie die Handschuhbox prominent auf ihrem Wägelchen platziert hatte und ich an jenem Tag mit frisch gewaschenen Haaren erschienen war. Wie eigentlich immer. Ich fühlte mich dennoch komisch. Aber nachvollziehbar. Ich hätte echt keine Lust, den ganzen Tag mit meinen feuchten Händen in der Kopfbehaarung von anderen Menschen herumzufummeln. Aber ich habe auch einen anderen Beruf gewählt.

Meine Frau wurde heute von zwei Krähen angegriffen. Sie hatte bereits von ihrem Büro aus einen länger währenden Vogellärm wahrgenommen, es gab aber keinen Anlass, sich darüber Gedanken zu machen. Beim Verlassen des Büros wurde sie dann von zwei großen Nebelkrähen attackiert, die es gezielt auf ihren Kopf abgesehen hatten und zwei Mal richtig fest darauf einhackten. Danach legte sie sich schützend ihre Tasche über ihren Kopf.

Nun ist es nichts Ungewöhnliches, in Berlin von Nebelkrähen attackiert zu werden. Aber die Vögel konnten nicht wissen, dass meine Frau ungefähr die größte Krähenliebhaberin südlich von Westeros (Västerås) ist. Lustigerweise passt meine Frau optisch in die Riege der Hitchcock-Schauspielerinnen und hätte die Rolle von Tippi Hedren in Hitchcocks Film „Das Federvieh“ locker übernehmen können. Ich stellte mir die Szene heute ungemein ästhetisch vor.

Seltsam offene Enden heute.

[Mi, 27.5.2026 – Zivilisation, Dragon NaturallySpeaking]

Ich sehe wieder zivilisiert aus. Es brauchte eigentlich nur eine Stutzung des Bartes. Und eine ordentliche Dusche. Das Hemd und eine gescheite Hose waren auch hilfreich. Nur meine Frisur ist noch ziemlich verwuchert. Das war sie aber auch schon vorher. Morgen habe ich einen Termin bei der Friseurin, bis dahin muss ich sie mit viel Pomade bändigen.

Seit dem ersten Tag im Büro habe ich mich wieder völlig in Arbeit aufgelöst. Ein bisschen wie in Flusssäure. Zugegebenermaßen empfinde ich das gerade als sehr positiv. Nicht die Flusssäure, sondern die Arbeit. Während des Urlaubs war ich mental sehr weit von der Firma entfernt, seit der Rückkehr bin ich wieder mit voller Lust dabei. Als hätte ich einen Schalter. Ist nicht immer so.

Heute kam jemand in die Abteilung und fragte nach der Software „Dragon“. Eine Weile lang rätselten wir herum, bis sich herausstellte, dass „Dragon“ eine Spracherkennungssoftware ist, die früher „Dragon NaturallySpeaking“ hieß und in niederländischen (vermutlich auch deutschen) Computerzeitschriften als CD beigelegt wurde. Ich wurde augenblicklich in eine in Retrofarben getünchte Vergangenheit zurückgeworfen und fing an, von einer märchenähnlichen Zeit zu erzählen, wie ich 1999 diese Software mit meiner Stimme trainierte. Man musste nämlich stundenlang Texte einsprechen, damit sich die Software an die Stimme gewöhnte und so für die Diktierfunktion immer präziser wurde. Als Dragon das schließlich einigermaßen gut zu beherrschen begann, lief aber die kostenlose Trial-Lizenz wieder aus. Weil die CDs monatelang überall beilagen, hätte ich das Training monatelang wiederholen können. Was natürlich quatsch ist.

Ich dachte, wir würden uns alle gemeinsam ein bisschen in Erinnerungen schwelgen. Aber dann sagte einer meiner Mitarbeiter: „Neunzehn Neunundneunzig! Das war drei Jahre vor meiner Geburt.“

[Mo, 25.5.2026 – Bäume, Arbeitshund, Rückfahrt]

Dieser Vogellärm. Um 6 Uhr schloss ich das Fenster, weil ich von dem Lärm nicht mehr schlafen konnte. Gebt mir doch eine Autobahn.

Am letzten Tag besuchten wir Max, der uns zeigte, wie er seine Downhill-Radbahn weitergebaut hat. Es schreitet nicht mehr mit dem Tempo voran, mit dem sein Projekt das erste Jahr vorankam. Weiter unten im Wald ist das Gelände sehr unwegsam, da kommt er mit dem Bagger nicht mehr gut hin. Dafür hat er ein paar alternative Routen gebaut.

Mittlerweile konnte er das kleinere Haus kaufen, das Haus, in dem er wohnt, und wird zur Miete in das untere, große Haus ziehen, in dem viele Jahrzehnte lang eine Frau wohnte, die alle Zimmer mit Jesusbildern ausgeschmückt hatte. Das kleine Haus wird er dann Touristen vermieten, die die Radbahn benutzen wollen, oder auch einfach so, zur Miete in einem Holzhaus leben wollen.

Später räume ich noch den Wald auf. Die Flächen, auf denen der umgestürzte Baum lag und wo ich die Bank bauen will, waren nun voll von altem Geäst und abgeschnittenen Jungbäumen. Weil die Fläche eher weitläufig ist, sammelte ich sie an mehreren Stellen, wodurch sich jetzt verschiedene Anhäufungen Altholz durch den Wald unter das Haus verteilen. Das sieht nicht gut aus. Also brachte ich alles Holz zusammen auf einen Haufen. Sieht auch nicht gut aus, aber ein wenig besser. Viel von dem Holz schmiss ich auch einfach weiter den Hang hinunter ins Gestrüpp, dort, wo man es nicht sieht und es die nächsten Jahre friedlich rotten darf.

Meine Hündin liebt es, wenn wir im Wald beschäftigt sind. Sie ist ein Arbeitstier und half fleißig mit. Irgendwann, als sie meine Betätigung verstand, zog sie sogar eigenständig einen Jungbaum samt Wurzel aus der Erde. Ansonsten war sie aber keine Hilfe. Die Äste und Bäume, die ich den Hang hinunterwarf, missverstand sie als Aufforderung zum Apportieren und brachte sie wieder zurück. Ich musste daher schnell werfen, damit sie mit dem Apportieren nicht hinterherkam und dadurch bei jedem neuen Wurf abgelenkt wurde.

Unten am Fluss sabotierte sie sogar unabsichtlich meine Arbeit. Es gab diesen umgefallenen Baum, der den Fluss überspannte. Wenn ich den nicht wegbekomme, werde ich auf dem Abschnitt im Sommer nicht mit Kajak fahren können. Ich zog Teile des Baumes daher flussabwärts. Ich hoffte, dass ich den oberen Teil dadurch abknicken könnte, oder ihn zumindest dermaßen unter Spannung setzen, dass er in den nächsten Wochen knickt oder gar abbricht. Der Stamm liegt auf der anderen Seite des Flusses, aber der Fluss ist etwa 15 Meter breit und sehr tief und das Wasser in dieser Jahreszeit noch kalt. Auf meinem Ufer habe ich jedoch dicke Äste, mit denen ich hantieren kann. Tatsächlich schaffte ich es, den Baum um etwa zehn Meter zu bewegen. Die Hündin half dabei mit dermaßen fanatischem Einsatz mit, dass der Ast, an dem sie zog, abbrach und wieder zurückschnellte. Danach blieben die Äste unerreichbar für mich. An dieser Stelle gab es nämlich matschigen Uferschlamm, darin wollte ich mich nicht festtreten.

Nun.

Die ganze Woche lang kam ich nicht zum Lesen. Ich las ziemlich genau eine Seite. Eigentlich las ich drei, aber weil ich immer einschlief und neu anfangen musste, erinnere ich mich nur an eine Seite. Einmal ging ich sogar früher ins Bett. Ich schlief dann aber einfach früher ein. Aber jetzt in der letzten Nacht wollte ich früh einschlafen, weil ich am nächsten Tag eine lange Autofahrt vor mir hatte. Da las ich natürlich 30 Seiten. Ich schlief trotzdem genug. Ich träumte davon, dass ich ein fester Podcast-Gast von Micky Beisenherz war. Er gab mir Anweisungen, dass ich das Mikro weiter von meinem Bart weghalten solle. Er sähe auf seiner Tonspur nämlich die Kratzer, die mein Bart verursache. Ich habe nämlich wirklich einen wildgewachsenen Bart und auch wildgewachsene Haare. Mittlerweile sehe ich echt nicht mehr aus.

Heute standen wir früh auf und fuhren um 7 Uhr los, damit wir die Dänemark-Fähre um 13:00 Uhr schaffen. In Berlin würden uns 27 Grad erwarten, morgen soll die Temperatur sogar auf 31 Grad anwachsen. In Schweden hatten wir immer zwischen 18 und 20 Grad. Zu Hause hatten wir einen unangebrochenen Abend, daher schauten wir „The Boroughs“, diese neue Netflixserie mit Rentnern, die in einer Art Seniorenresidenz zusammenleben. Stephen King lobte die Serie und es spielt Geena Davis mit, sowie Alfre Woodard, die mit ihren 73 Jahren seit 20 Jahren keinen Tag gealtert zu sein scheint. Allein wegen dieser beiden Schauspielerinnen lohnt es sich, den Fernseher anzuschalten. Bill Pullman spielt auch mit. Er stirbt aber schon in der ersten Folge.