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Podcast: es regnet

[Porsche]

Posted on September 29, 2019Juli 7, 2021

Neulich bin ich im Prenzlauer Berg mit einem Porsche gefahren. Ein alter Freund von mir besitzt einen alten Porsche 924. Das ist kein teures Auto. Auch kein schönes Auto. Auch kein gutes Auto. Aber er hat es vor vielen Jahren einmal billig kaufen können und seitdem fährt er damit herum. Über den Porsche 924 muss man wissen, dass er in den Siebzigern gebaut wurde und von Autokennern abfällig Hausfrauenporsche genannt wurde. Auch damals besaß die Hausfrau keinen hohen sozialen Stellenwert, obwohl die Zeiten damals besser waren.
Da ich jetzt ja auch einen Führerschein besitze wollte ich unbedingt wissen wie es sich anfühlt mit einem Wagen dieser Sorte zu fahren. Sonst kenne ich ja nur meinen kleinen UP oder die üblichen glatten Mietwagen.

Wir trafen uns im Bötzowkiez in der Hufelandstraße bei einem Vietnamesen zum Mittagessen. Danach setzten wir uns in den Porsche, ich an der Fahrerseite. Ich saß so tief, dass ich das Gefühl hatte ich wäre in eine Luke in der Straße gestiegen. Der Freund wies mich ein. Man könne bei diesem Auto nicht einfach Motor einschalten und losfahren. Man müsse ihn erst aufwärmen. Das bedeutet: Zündschlüssel umdrehen, Kupplung halten und alle zwei Sekunden ordentlich auf das Gaspedal drücken. Ungefähr eine Minute lang. Man fühle dann schon wann der Motor zum Losfahren bereit sei.
Nun hat dieser Porsche lediglich 125PS. Aber die akustische Terrorizität eines Düsentriebwerks.

Wir alle kennen die gängigen Klisches des Prenzlauer Bergs. Die oft etwas unwuchtig wirkende Liebe für Kinderwagen und des darin liegenden Nachwuches, das grüne Herz auf dem rechten Fleck und die Frisur sitzt immer.
So saß ich da in diesem basslastigen Düsenjäger und pumpte alle zwei Sekunden auf das Gaspedal.
Ich habe natürlich ein grünes Herz (allerdings eine etwas schlecht sitzende Frisur) deshalb pumpte ich das Gaspedal nicht tief genug durch. In der achten Sekunde starb mir der Bolide ab.
Überall um uns herum schauten Menschen etwas ratlos in die Gegend. Wo war dieser Lärm hergekommen? Mein Freund sagte mir vorwurfsvoll ich müssen mehr pumpen, mehr Gas geben, dabei imitierte er Motorengeräusche, wrumm wrumm. Ich schaute etwas bedrückt auf die Straße hinaus. Was würde der Prenzlauer Berg von mir denken? Dann drehte ich wieder den Zündschlüssel um und pumpte auf das Gaspedal. Alle zwei Sekunden. Aus den Augenwinkel merkte ich, dass der ganze Kiez die Quelle des Lärms identifiziert hatte und die Blicke auf mich richtete. Neben mir saß mein Freund und schrie „Pumpen, pumpen, mehr, mehr“. Ich pumpte und beschloss eigenmächtig, dass der Motor jetzt warm genug sei und legte den ersten Gang ein. Der Motor starb ab.
Das sei zu früh gewesen, hörte ich von der Beifahrerseite, nochmal, ich schloß die Augen und drehte wieder den Zündschlüssel.

Etc. etc. Um es abuzschließen: ich brauchte fast eine Viertelstunde bis ich es schaffte loszufahren.

Vermutlich habe ich einen Beitrag dazu geleistet unbescholtene Bürger in die Fänge umweltfreundlicher Politiker zu treiben. Wenn ich dafür mal als Hassfigur meinen Kopf hinhalten muss, ist es schon okay.

https://mequito.org/podcast-player/2810/porsche.mp3

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[nachtigall]

Posted on April 28, 2019Juli 8, 2021

Es lebt wieder eine verliebte Nachtigall in unserem Innenhof. Letztes Jahr war auch schon eine da. Und auch im Jahr davor. Dieses Jahr fing das mit der Verliebtheit schon Ende März an. Meist beginnt die Nachtigall gegen Mitternacht mit ihren dopamingetränkten Triolen. Danach geht es die ganze Nacht lang. Die ganze Nacht lang.

Ich versuche immer vor Mitternacht eingeschlafen zu sein. Oft gelingt es mir aber nicht rechtzeitig. Manchmal werde ich von ihr geweckt. Ich kann dann nur schwer wieder einschlafen. Insbesondere seit ich weiß, dass Nachtigallen einen komplexen Gesang haben, seitdem liege ich nur noch mit offenen Augen da und denke mir: komplexer Gesang, komplexer Gesang, komplexer Gesang. Ich weiß auch schon was die diesjährige Nachtigall von der Letztjährigen unterscheidet. Die Neue hängt nach jedem zweiten Vers eine etwas exzentrische Moll-Kadenz hintendran. Das machte die andere nicht, die trällerte aber hinter jedem Satz ein hohes Schleifchen, wie wenn man ein „W“ zeichnet und hintenraus ein kapriziös verziert.

Letztes Jahr habe ich die Nachtigall einmal aufgenommen. Mitten in der Nacht stellte ich ein Nierenmikrophon ins Fenster und schnitt etwa zwei Minuten lang mit. Danach stellte ich die Boxen ins Fenster und spielte es ihr vor.
Ich weiß nicht, was ich mir von der Aktion genau erwartet hatte, vielleicht, dass es sie verwirrt und einen Konkurrenten um den Nestbau wittert, der sie mit den eigenen künstlerischen Fähigkeiten zu übertrumpfen versucht, eine plagiierende Nachtigall sozusagen, die es aufzustöbern und aus dem Werttbewerb zu kicken gilt. Ja, vielleicht erhoffte ich mir einfach, dass sie etwas anderes macht als ihre Verliebtheit in den Innenhof herumzuträllern. Ich wollte schließĺich schlafen.

Sie zwitscherte aber einfach weiter. Unbeirrt. Das hatte mich schon etwas ratlos gemacht. Dass sie so überhaupt nicht darauf reagierte. So viel Aufwand betrieben um komplett ignoriert zu werden, das war ich nicht gewohnt.

In unserem Haus haben wir einen Emailverteiler. Ich weiß nicht ob es vernünftig ist, die Nachbarn wegen der Nachtigall anzuschreiben. Das kann auch nach hinten losgehen. Eine Nachtigall zu verschmähen ist vermutlich eine ähnliche Kategorie Kinderfresser zu sein.
Immerhin habe ich nie „Ruhe“ in den Hof hineingeschrien, wie andere Leute das machen, wenn Menschen im Sommer zu laut, achtung, vögeln. Insofern bin ich auf meine seltsame Aktion mit den Lautsprechern im Nachhinein schon ein bisschen stolz.

Wenn ich nach zwei Stunden immer noch nicht schlafen kann, dann ziehe ich mein Schlaflager auf die Straßenseite der Wohnung um. Von der Nachbarin auf der anderen Seite weiß ich, dass in deren Innenhof Krähen leben. Sie beneidet mich um die Nachtigall, ich beneide sie um die Krähen. Immerhin gibt es in Berlin kaum noch gurrende Tauben, das ist eine gute Sache, darin sind wir uns einig.

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[am Halleschen Tor]

Posted on Februar 15, 2019Juli 8, 2021

Letzte Woche gab ich dem Obdachlosen fünzig Euro. Ich lief schon einige Wochen an ihm vorbei. Er sitzt nur vormittags da, in dem Durchgang zwischen der U1 und der U6 am Halleschen Tor. Er ist ein älterer Mann, er sitzt mit Decke und einem Pappschild auf dem Boden, auf dem Pappschild steht: ich bin Obdachlos und habe Krebs.
Mittlerweile bin ich ja ziemlich abgestumpft. Wenn mich Leute anbetteln sage ich meistens nein. Oder ich mache mir Gedanken dazu. Warum ich ausgerechnet ihm oder ihr die eine oder andere Münze geben sollte. Dabei habe ich gemerkt, dass ich im Laufe der Zeit sehr nach Sympathie oder Bauchgefühl vorgegangen bin. Aus dem Bauchgefühl heraus habe ich immer jene Leute belohnt, die nett geschnorrt haben oder diejenigen die tolle Musik gespielt haben, also Leute die etwas in mir auslösen oder Leute die trotz Armut etwas bewegen oder etwas können.
Aber das ist natürlich falsch. Obdachlos wird man in der Regel weil man gar nichts kann, weil man unsympathisch ist oder weil man nichts auf die Reihe kriegt, nicht mal ein nettes Lächeln, ich bin der Meinung, dass man denjenigen Geld geben muss, die nichts können, die schlecht drauf sind, und auch Trinkern, Holgi sprach in einer seiner WRINT-Sendungen mal darüber, dass man auch Trinkern einfach Geld geben soll, auch wenn man weiß, dass sie es eh versaufen werden. Um sie von diesem Stress zu erlösen den Obdachlosigkeit mit sich bringt, damit sie einfach trinken können, damit es ihnen kurzfristig besser geht, Obdachlosen Geld zu geben ist schließlich keine Investition, sondern man gibt einem Obdachlosen Geld um ihn für eine kurze Zeit vom Stress seines unheimlich anstrengenden Lebens zu lösen. Das klingt so sinnvoll: es ist keine Investition.

Der Obdachlose mit dem Krebsschild hat mich in Gedanken bis nach Hause verfolgt. Mehrere Wochen lang. Krebs zu haben in diesem Scheißleben zwischen zugigen Ubahndurchgängen und was weiß ich wie verkackten Schlafstätten, mit einer Decke und einem Pappschild. Boah. Ich stand unter der Dusche und dachte daran, wie schnell und ohne mit der Wimper zu zucken ich manchmal fünfzig Euro ausgebe wenn ich aus essen gehe oder wenn ich in Mediamarkt herumlungere. Kant hat einmal gesagt, dass man beim Geben von Almosen ja eigentlich nicht dem Bettler etwas Gutes tun will sondern es für sich selbst tut, entweder um sich ein gutes Gewissen herzustellen oder auch einfach nur um dankbare Blicke zu ernten. So ähnlich sagte Kant das jedenfalls, vermutlich klang es bei ihm etwas klüger.
Am nächsten Tag gab ich dem Obdachlosen mit Krebs fünzig Euro. Im Vorbeigehen steckte ich den Schein in den Joghurtbecher und sagte etwas wie „Hab nen schönen Tag“ und ging gleich weiter. Ich schaute mich nicht um, es wäre mir wirklich zu blöd gewesen einen gerührten oder übermäßig dankbaren Blick zu bekommen, denn ich war der andere Typ den Kant meinte, ich war mir sicher: ich würde den Rest des Tages ein gutes Gefühl, ein gutes Gewissen haben.
Aber das gute Gefühl stellte sich den ganzen Tag nicht ein. Abends stand ich wieder unter dem warmen Wasserstrahl der Dusche und dachte an dieses Scheißleben in den zugigen Ubahndurchgängen. Keine Ahnung wie Kant das meinte.

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[in meinem alternativen Leben]

Posted on September 29, 2009Juli 6, 2021
[Dieser Text war ursprünglich für das  Opak Magazin verfasst worden. Das Magazin ist mittlerweile eingestellt. In einer überarbeiteten Version war der Text Teil einer Anthologie der Leipziger Text-Manufaktur. Ursprünglich hatte der Text mal Fotos. Unscharfe Fotos meiner früheren Wohnung. Kein großes Ding.]

In meinem alternativen Leben wäre ich Lehrer. Lehrer von etwas älteren Jugendlichen, Lehrer an einer Berufsschule beispielsweise, kein Gymnasium, kein höheres Niveau, sondern Lehrer einfacher Schüler mit einem direkten, konkreten Ziel; Lehrer von Schülern, die Fleischer werden wollen oder Automonteur oder Drucker, Gärtner, Maurer, Koch. Schüler, denen ich die Liebe zu meinen Themen nahebringen muss, sie zu etwas verführen, weil sich der Automonteur in meinen klischeebeladenen Bildern der sozialen Schichten nur schwer für Stoff wie Geschichte, Geografie, Deutsch begeistern lässt. Es ist der Bildungsauftrag der mich weckt, dem ich in meinem echten Leben als Löwenzähmer nicht nachgeben kann.

Meine Frau, drei-vier Jahre jünger als ich und in der Werbebranche tätig, leitete Projekte, redete vor allem mit Kunden und müsste ihren Teams deren Wünsche aufdrücken und sie zu Überstunden verpflichten. Ich will gar nicht näher auf ihren Beruf eingehen, es ärgert mich alles, was sie macht, wir haben uns schon oft darüber gestritten, wie sie sich ausbeuten lässt, wie sie andere ausbeutet und wie letztendlich nur Beute gemacht wird. Sie verteidigt ihre Position, weiß allerdings um die Probleme, doch wird dies in der Schnelllebigkeit ihres Berufes nun mal gefordert und von außen viel negativer wahrgenommen als es in Wirklichkeit ist. Sagt sie. Aber ich kenne die Wirklichkeit, ich höre das Fußvolk der Werbehierarchie unentwegt klagen, über die wenige Zeit, über die gescheiterten Beziehungen, darüber, wie nachts der Kopf brummt und die Hände zittern; aber lassen wir das, ich werde ganz emotional, es regt mich auf.

Ich liebe sie aber, schon seit beinahe dreißig Jahren, und auch wenn die Liebe nicht mehr so frisch ist, so leidenschaftlich, wie wir sie uns in den jungen Jahren immer erträumt haben, so ist doch eine tiefe Aufrichtigkeit geblieben, ein tiefes Verständnis, eine tiefe Verbundenheit, mit der wir bisher alle Hürden unseres Lebens überwinden konnten. Wie plakativ das jetzt auch klingen mag, aber so ist es tatsächlich, man überwindet Hürden, manchmal spielerisch, manchmal geht es an die Nieren, und am Ende versteht man sich in der Retrospektive als Gespann. Man mag sagen, dass das wenig hoffnungsvoll klingt, beinahe schon resigniert: als effizientes Gespann durchs Leben zu gehen. Als würde ich mich jetzt mit meiner Situation abfinden und würde die Dinge nur nicht weiter auseinanderpflücken um nicht auf die vielen Stacheln und Krallen, die sich in den dunklen Ecken meiner Existenz versteckt halten, zu stoßen. Nein, das ist nicht so. Meine Frau und ich, wir führen nach wie vor ein Liebesleben, das von einer gewissen Neugierde füreinander geprägt ist, als gäbe es noch düstere Ecken des anderen zu erforschen. Wir sind dabei auch nicht in Gewohnheiten verfallen, nicht die regelmäßige Bumserei, die lediglich den Trieb befriedigt, sondern haben eine Sexualität, die darauf beruht, den anderen zu begehren, ihm den Hof zu machen, nur um ihn abschleppen zu können, die aktive Verführung, die ausschließlich dem Sex dient – und hier will ich mich rühmen, denn dieses Verhalten ist vielen Paaren in unserem Freundeskreis abhanden gekommen, und das fände ich erst einen wirklichen Grund, resigniert zu sein. Ich merke schon, wie sehr ich den Erfolg unserer Ehe an der Sexualität messe, doch bin ich der Meinung, dass das einen Urinstinkt aufzeigt, das Urverlangen füreinander, das gewissermaßen die eingeschlichene Routine kompensiert, die Glut unterm Gehölz noch mit Sauerstoff versorgt. Die Sache mit dem Herzen regelt.

Aber es hapert natürlich in unserer Ehe. Keine großen Sachen. Mehr so im Kleinen. Der Umgang miteinander, der Wunsch, die Dinge zu klären, ist oft verschwunden, wenn es Schwierigkeiten gibt, lassen wir sie lieber schleifen, bis wir sie nicht mehr wiedererkennen, zu groß oft die Mühe, sich den unüberwindbaren Eigenheiten des anderen zu stellen, und ich neige dazu, dies zu sehr zu werten, behauptet jedenfalls meine Frau. Sie sagt hingegen, einer guten Ehe läge das Talent des Wegschauens zugrunde, ein pragmatischer Ansatz, der mich ärgert, gar traurig macht, machen würde, wenn ich nicht immer wieder durch ihre Leidenschaft ein anderes Bild aufgedrängt bekäme, aber sie fängt dann immer wieder damit an: Man müsse nicht alles auseinander nehmen, man müsse nicht immer reden. Ich werte es als Vorstufe zum Desinteresse, zumindest an jenen Tagen, an denen alles düster wird.

Meist haben wir nachher Sex, und alle Worte, die es zu sagen galt, werden damit gesprochen.

Mein Beruf würde mich nicht erfüllen. Doch übte ich ihn gerne aus, bis zu einem gewissen Grad jedenfalls. Natürlich gibt es die Tage an denen ich keinerlei Lust verspüre, das Bett zu verlassen, um mich wieder mit den jungen Erwachsenen abzumühen. Denn sie sind sehr anstrengend zuweilen, was allerdings kein Wunder ist, da das Alter nach der Pubertät ein ziemlich aufregender Abschnitt ist, in dem gerade die ersten persönlichen Krisen durchstanden wurden und man nun noch dieses lange Leben vor sich hat, von dem man sich so vieles erwartet, im Gutem wie im Schlechten. Diese Erwartungshaltung – manchmal ist sie regelrecht ansteckend, die von einem gewissen Kampfgeist geprägte Haltung oder von einer eigenartigen Melancholie, die ich selbst noch zu kennen glaube, dabei erwähne ich die Melancholie jetzt mit Nachdruck, da die Melancholie bei diesen jungen Menschen so viel erfrischender ist als unsere Melancholie im Alter, die immer von dieser pessimistischen Basslinie begleitet wird. Beinahe möchte ich dem einen oder anderen melancholischen Jungen oder Mädchen manchmal ins Ohr Flüstern: Hey, freue Dich, es werden viele tolle Sachen passieren in den nächsten Jahren. Wobei ich natürlich weiß, dass ich falsche Hoffnungen schüren würde, aber man ahnt die Vorfreude, das Aufblühen, die Sehnsucht die sich in diese Melancholie schleichen würde. Im Alter kennen wir das nicht mehr, die Sehnsüchte sind abgewetzt, zu kleinen Statuen stilisiert und in die Ecke gestellt. Und man redet darüber portioniert und abgeklärt, wie man auch über das Leben mit einer abweisenden Geste spricht.

Ich rede jetzt so eigenartig positiv über den Aufbruch der Jugend, ich lasse mich wirklich leicht anstecken, das macht mein Leben in der Schule auch so reizvoll. Andererseits bricht für einen anderen Teil meiner Schüler mit der Pubertät ein Zeitalter an, in dem die Gefühle die Existenz vollends in den Abgrund kippen. Und sie werden sich erst in späteren Jahren davon erholen. Wenn überhaupt.

Meine Schüler sind im Grunde aber alle von einem erschreckenden Optimismus geprägt, was mich anfangs sehr überrascht hat, so werden Berufsschüler doch eher der unteren bis mittleren sozialen Schicht zugeordnet, und, mich in der Sicherheit von Vorurteilen wiegend, dachte ich natürlich, dass das automatisch eine gewisse Perspektivlosigkeit mit sich bringen würde, aber Himmel, nein, wie ich irrte. Anna zum Beispiel. Anna ist wunderbar. Sie ist 17 Jahre alt, will Friseurin werden, und bei dem Gedanken muss ich mir immer an den Kopf fassen: Friseurin! Wie kommt man in diesen Zeiten, in denen unterbezahlte Friseurinnen als Sinnbild der Krisenberufe gelten, auf diesen Beruf? Doch Anna hat diesen Weg unbeirrt eingeschlagen, auch wenn sie um die Mühen weiß, die ihr entgegenschlagen werden. Sie begegnet diesen Zweifeln mit einem rebellischen Selbstbewusstsein, indem sie schlichtweg die Ungerechtigkeit anprangert, anstatt ihren eigenen Weg zu überdenken, dieses rebellische Selbstbewusstsein, ich frage mich, wo es herkommt, gerade, wenn man von der sogenannten Krisengeneration redet, die so unsicher im Leben steht und immerzu zweifelt und wackelt. Doch ist Anna keine Rebellin im klassischen Sinne, wie man sie an den Gymnasien findet, sie schließt sich keinen politischen Arbeitsgruppen an, hat keine Attitüde, rebelliert nicht gegen das Elternhaus, sagt nicht, der Staat sei ein faschistischer Staat, sondern sie sagt: Friseurin ist eine anständige Sache. Sie sagt das, ohne überzeugen zu wollen, sondern stellt es als Faktum in den Raum, ohne Rechthaberei, ohne Manifestation, sondern als eine Art Zustand mit einer gewissen Tragik, den es zur Kenntnis zu nehmen gilt, weil es nicht notwendigerweise tragisch ist, sondern tragisch gemacht wurde.

In Anna würde ich mich schließlich verlieben. Das hat mich eine ganze Zeit gewundert, denn ich stand gewöhnlich nicht auf junge Mädchen. Ich verspürte in all den Jahren niemals den Wunsch, mit einem jungen Mädchen zu schlafen. Ich sage das nicht ohne Stolz, wenn Männer in meinem Alter den jungen, freizügig gekleideten Mädchen nachschauten, dass mich die jungen Mädels nicht interessierten, da sei noch so wenig Reife drin, sie seien noch zu manipulierbar, zu wenig eigen geworden, zu flatterhaft, die Körper so unangetastet, ungelebt, das war zwar schön, als ich selber zwanzig war, als wir gemeinsam alles entdeckten, ertasteten, erlebten, uns fürchteten, aber das sei eben damals gewesen. Ich bin mit den Frauen mitgewachsen, es spielen jetzt ungeahnte charakterliche Schichten die wichtigere Rolle, auch an einem gelebten Körper kann ich mich mehr erfreuen, die geweiteten Bauchmuskeln einer älteren Frau, der man ihre Schwangerschaften ansieht, weil sie eben Kinder geboren hat und daher schlichtweg nicht mehr auszusehen hat wie ein zwanzigjähriges Mädchen, sondern wunderbar gezeichnet, wie eine Frau eben gelebt hat. Sex mit einem Mädchen wäre eine Wiederholung, das wäre wie Anfangen von vorne, an der Oberfläche schaben. Bis die Tiefen sich auftun, dauert es lange.

Trotzdem verliebte ich mich in Anna.

Es war ihre optimistische Art, die mir das Herz erweichte, die Unbefangenheit, die mich an jungen Mädchen gerade so wenig interessierte. Sie war sehr aufmerksam, wollte stets alles wissen. Wie sie mit offensichtlicher Freude meiner Lehrerei zuhörte, alles als Tatsache annahm, erst in späteren Jahren würde sie sich eine Meinung dazu bilden, das Gelernte verstehen und Zusammenhänge erkennen. Ich erlag hier keineswegs der verführerischen Rolle des intellektuell Überlegenen, des Angebetenen, das wäre zu leicht gewesen. Ich war ihr altersbedingt überlegen, wegen meiner Erfahrung, die sich schlicht mit der Zahl meiner Lebensjahre angesammelt hatte, die mich rhetorisch immer in die dominante Rolle versetzte, das durfte ich nicht ausnutzen, mich nicht in einer selbstverliebten Haltung über das beeindruckte Mädchen hermachen. Mich ekelte der Gedanke, das Bild davon, aber dieser Blick, wie sie immer in der zweiten Reihe saß, ihre gerade Haltung, edel irgendwie, edel auch ihre Gesichtszüge, und dann dieser verträumte Blick, immerzu dieser verträumte Blick, der so viel Optimismus ausstrahlte und gleichzeitig in einer unendlichen Tiefe traurig war, dieser Blick der mich verliebt anzustrahlen schien, dieses Licht in ihren Augen, so unbefangen und auch unbeirrbar, wie ich tagein tagaus diesem Blick ausgeliefert war, der mich mit der Zeit regelrecht zu blenden begann, mich nervös machte. Manchmal hielt ich eine Doppelstunde kaum aus, konnte mich schlecht auf den Stoff konzentrieren, oder ich gab den Schülern eine Aufgabe, bei der sie in ihre Hefte schreiben mussten, nur um diesen Blick von mir abzuwenden. Nachts lag ich oft wach im Bett, wartete auf meine Frau bis sie schlief, und dann masturbierte ich und dachte dabei an Anna. Der Wunsch, mit meiner Frau zu schlafen, ließ nach, sie merkte es nicht, da wir trotzdem noch miteinander schliefen, weil auch sie oft die Initiative ergriff, aber von meiner Seite kam nichts mehr. So ließ ich mich von ihr einstimmen, und ich dachte dabei an Anna. Ich war erledigt. Ich vögelte meine Frau und dachte dabei an Anna, das kam mir so krank vor. Wobei ich mir Anna nicht einmal so konkret in sexuellen Posen vorstellte; zu dünnhäutig war mein Gefühl für sie, als dass ich sie irgendwelchen perversen Gedanken aussetzen würde, es war eher ein Gefühl ihr ganz nahe zu sein, dass ich sie festhielt und sie nackt an mich drückte, während ich sie behutsam penetrierte, meine Ehefrau stöhnte, Anna hingegen schaute nur mit ihrem leuchtenden Blick und schien mich zu fragen: Denkst Du auch an mich in diesen dunklen Nächten, wenn ich alleine bin?

In meinem alternativen Leben würde mich nicht rühren. Mich Anna zu nähern, kam nicht in Frage. Ich lehrte, fuhr nach Hause, traf Freunde, traf Bekannte, schlief mit meiner Frau, ging mit ihr ins Kino, besprach die Dinge des Lebens, ging wieder in die Schule, unterrichtete die jungen Leute, schaute weg, ging wieder nach hause, ging wieder in die Schule, und konnte mich dann doch nicht diesem Blick entziehen, der alles um mich herum regnen ließ und die Blätter von den Bäumen fallen machte, und. Undsoweiter. Sinnbilder eines vergessenen Selbsts.

Ich konnte es meiner Frau nicht erzählen, was hätte das gebracht, es hätte alles kaputt gemacht, was wir in den Jahrzehnten an Nähe gewonnen hätten, diese aufrichtige Vertrautheit, die es zwischen uns gab, dieses Vertrauen auch, dieses Vertrauen in die Stärke der Gefühle, das sich nie von einer unreifen Handlung erschüttern ließ, doch meine Liebe zu Anna war zwar ein Gefühl der Unreife, aber kein unreifes Gefühl, eine Beziehung zu Anna oder ein eingestandenes Gefühl für sie wäre für meine Ehefrau das einzige gewesen, womit sie nicht hätte leben können. Mit jeder Affäre hätte sie umzugehen gewusst, mit jedem Abgrund; sie war eine stolze Frau, die wusste, was ich an ihr hatte, die auch genau wusste, warum ich mit ihr verheiratet war, und nicht mit irgendeiner anderen Frau den ganzen Weg zum Traualtar gelaufen war. Sie stand über den Dingen und wusste um die flüchtigen Begierden, doch meine Liebe zu einem 17-jährigen Mädchen hätte sie nicht zu handhaben gewusst. Die Liebe eines erwachsenen Mannes zu einem jungen Mädchen trifft das Selbstbildnis der Frau, ein Bild der Jugend, an dem sie immer noch gemessen wird, nicht notwendigerweise von sich selbst, aber von allen anderen und wenn sie sich aus deren Augen betrachtet.

Natürlich würde es krachen. Natürlich würde alles in die Hose gehen. Es war dieses Gedicht, das mich verriet, ein Gedicht, Himmel, wenn ich jetzt noch daran denke, dann kommt es mir so banal vor, ein Gedicht, das ich einmal auf unserem Balkon nach zwei Gläsern Wein geschrieben hatte. Ich saß alleine draußen, schaute den Mond an, fand mich in einer merkwürdig selbstmitleidigen Stimmung wieder und schrieb zwei Dutzend Zeilen auf, triefendes Pathos, als wäre ich selbst ein siebzehnjähriger Junge, der mit seinem starken Gefühl für dieses Mädchen nicht umzugehen weiß. Ich hatte es nur für mich geschrieben, und doch nannte ich es „Für Anna“, vielleicht, weil es der einzige Weg war, mein Gefühl an sie zu richten, nicht allein damit zu sein, indem ich ihren Namen auf Papier setzte, und aus dem selben Grund trug ich das Gedicht stets mit mir, um meinem Gefühl etwas Haptisches zu geben; wenn ich sie schon nicht berühren konnte, so gab es wenigstens dieses Stück Papier, das ich in Händen mit mir herumtrug.

Man fand das Gedicht in einem unbeaufsichtigten Moment. Habe ich schon erwähnt, dass ich keinerlei Autorität hatte? Dass ich die Klasse nicht im Griff hatte, dass ich oft verspottet wurde, sogar einmal zusammengeschlagen? Das mit den Schlägen ist schon lange her, ich habe es verziehen und nicht mehr weiter verfolgt, ich bin nie dahinter gekommen, wer das war. Ich hatte einen Sack über dem Kopf und kam erst im Krankenhaus wieder zu mir. Aber vergessen tut man so etwas nicht, vor allem nicht die Angst, die einen danach eine ganze Zeit begleitet, doch beschloss ich, nichts dagegen zu unternehmen. Ich zog es vor, keine Hilfe zu suchen, das hätte mich weiter geschwächt in deren Augen. Ich wollte stehen. Und doch weiß ich nicht, ob es meiner Lage geholfen hat, sie besserte sich jedenfalls nicht, wurde aber auch nicht schlechter, es war einfach ein Fakt geworden: Ich war der Lehrer, den man zusammengeschlagen hatte, der aber danach aufrecht stand. Bei diesem Bild denkt man, die Luft stünde still. Ich habe nie der Lehrer sein können, der ich sein wollte, niemals nahm man mich ernst genug, um der Lehrer zu sein, der ich hätte sein können, weil es mir im Grunde wirklich Spaß machte, den jungen Menschen mein Wissen näherzubringen, meine Versuche, sie für meine Themen zu erwärmen, indem ich versuchte, auf sie einzugehen, zu verstehen was die jungen Leute bewegte, ihre Sprache zu sprechen, doch die Klasse tobte, jemand griff nach meinen Heften, schmiss sie zu Boden, und eine der Rotznasen, der Klassenlauteste, entdeckte dieses Stück Papier, das zwischen Buchseiten herausgerutscht war. Er bewegte sich zielstrebig darauf zu, als hätte er gerochen, dass da etwas liegt, das nicht gefunden werden will. Die Klasse war auf einmal still geworden, als er das Blatt grinsend vor sein Gesicht hielt und laut las: „Für Anna Walther“.

Ich wusste, wie wenig ich dagegen unternehmen konnte, ein erster Versuch auf ihn zuzulaufen um ihm das Papier zu entreißen, würde nur dazu führen, dass er mir in seiner jugendlichen Wendigkeit entwich und noch lauter las, hoch amüsiert den Ton aufdrehte und diese zwanzig Zeilen triefender Grütze in die Klasse trompetete.

Die Klasse verstummte. Am Ende verstummte sogar die Rotznase. Die Rotznase errötete, die Sache ging ihm wohl ans Gewissen, in die Scham, zudem hatte er es ja laut vorgelesen, in den Mund genommen, sozusagen. Eigentlich hätte ich lachen müssen, aber das weiß man auch nur in der Retrospektive. Vor allem aber verstummte auch Anna, und das war bitter, auch wenn sie schon vorher nichts gesagt hatte, so sagte sie jetzt so wenig, dass es ein regelrechtes Verstummen war, ein Zuklappen; der Glanz in ihren Augen erlosch, eine tiefe Enttäuschung legte sich über ihr Gesicht. Also verstummte auch ich. Bis heute irgendwie.

Ich kann mich nicht erinnern wie ich die Stunde zu Ende gebracht habe, jedenfalls hatte sich wenigstens die Klasse beruhigt, oder: Es hatte ihr die Sprache verschlagen. Das ist der Ausdruck, der die Stimmung nach dem Vorfall am ehesten trifft, was es mir vermutlich ermöglichte, die Nerven noch beisammenzuhalten und die Stunde zu Ende zu lehren, ein Standardprogramm an der Leier herunterzubeten, während alles um uns erfroren war, gruselig eisig. Aber sonst weiß ich nicht mehr viel. Am Ende der Stunde war Mittagspause, Anna blieb lange sitzen, sie stand als letzte auf, und als alle weg waren, kam sie nach vorne, ohne mich eines Blickes zu würdigen, und ohrfeigte mich. Dann ging auch sie.

Die Bengel wussten sich natürlich nicht zu organisieren, aber deren Eltern wussten das, weil eines der Kinder die ganze Geschichte zu Hause gepetzt hatte, und schon am nächsten Vormittag wurde ich zum Schuldirektor zitiert. Ja, das, was die Kinder sagten, sei wahr, ja, ich hätte das Gedicht geschrieben, ja, das junge Mädchen sei damit gemeint. Ob ich ein Verhältnis zu dem Mädchen habe? Nein, das habe ich nicht. Gut, das mache die Sache nur unwesentlich besser, ich sei nicht mehr tragbar. Okay, ich habe Verständnis dafür.

Würde. Mit meiner Ehe war es schlagartig vorbei. Ein siebzehnjähriges Mädchen, das kränke sie, dieses Gefühl würde sie nie beiseite legen können, damit wolle sie nicht konkurrieren, das sei ein Maßstab, dem sie entwachsen sei und deshalb würde sie zwangsläufig als Verliererin hervorgehen, es sei vorbei, einen Vorfall dieser Art habe sie nicht erwartet. Das sagte sie so, das war so endgültig, wie gemeißelt, dem konnte ich auch nicht entgegenwirken. Ich spürte, wie meine Bittstellungen, meine Erklärungen, und letztendlich auch das Flehen, vollkommen an ihr abprallten. Anfangs versuchte ich noch zu erklären, dass ich sie niemals in Konkurrenz gesehen hätte, dass es ein törichtes Gefühl gewesen sei, mit dem ich mir vermutlich meine lange vergangene Jugend zurückträumen zu können glaubte, so erklärte ich das, und war selbst davon überzeugt, wobei ich heute weiß, dass es gerade nicht ein törichtes Gefühl gewesen ist, aber ich wollte meine Frau nicht verlieren. Zudem kannte ich auch die pragmatischen Ansätze und ich wusste, wie Gefühle mit der Zeit wieder verblassen können und in den Hintergrund treten.

Ich spürte, wie es an ihr abprallte, doch ich merkte lange nicht, dass ich aufzugeben hatte. Es spielte mit, dass sie eine beiläufige Geschichte mit einem Arbeitskollegen hatte, das erleichterte womöglich ihren Entschluss. Unter normalen Umständen wäre das eine Geschichte geblieben, ich bin mir gar nicht sicher, ob sie zu jenem Zeitpunkt miteinander im Bett gewesen waren, aber das spielte auch keine Rolle, wir führten eine protestantische Ehe, so nannten wir sie manchmal zum Spaß, wir waren vernünftig, die paar Geschichten, die es gegeben hatte in den Jahren unserer Ehe, waren immer unbedeutende Geschichten geblieben, wir liebten womöglich mehr einander die Köpfe als unsere Herzen.

Diese letzte beiläufige Geschichte wird sie dann später heiraten.

Aber das war mir dann egal, an ihrem Hochzeitstag hatte ich mich längst schon im Olivenhain erhängt. Das war kein wirklicher Olivenhain, sondern eine Wiese mit Apfelbäumen, aber wir nannten sie immer Olivenhain, wegen dieser Toskana-Romantik die die Apfelwiese hatte. Also nicht, dass wir große Freunde der Toskana gewesen wären, das war uns immer schon zu sehr ein klischeebeladenes Sehnsuchtsbild, noch bevor solche Wendungen definiert wurden wie: Toskana-Fraktion, die eine ganze Gesellschaftsschicht zu bezeichnen vermag, aber man kann sich dem Reiz der Toskana dann doch nicht entziehen, wenn man ihn in Fahrradentfernung liegen hat. Man schlendert ja auch durch Parks. Wir waren jedenfalls in unseren Jugendjahren oft dort spazieren gegangen, und an jenem Tag kam mir das so romantisch vor, mich in einem Olivenhain zu erhängen, ein bisschen Trotz vielleicht, ein bisschen Übermut, aber vor allem unsägliches Elend, in dem ich mir erhoffte, wenigstens in unserem Olivenhain einen Kreis schließen zu können, den ich rücksichtslos gesprengt hatte.

Man würde mich erst vier Tage später finden. Herrje, vier Tage würde ich da baumeln, in einer großen Stadt wie dieser. Ich hatte mir unseren Baum ausgesucht, unseren Baum, unter dem wir uns so oft ungesehen glaubten, und das ist jetzt schon ziemlich witzig, dass ich da genauso ungesehen vier Tage lang hängenblieb. Meine Frau hatte mich nicht vermisst, ich wohnte ja nicht mehr bei ihr, zudem war der Kontakt ein elender kleiner Wurm geworden, aber auch sonst, ich pflegte keine wirklich tiefen Kontakte mehr, der große Teil meiner Zeit ist in den vielen Stunden mit meiner Ehefrau aufgegangen, viele tausende Stunden voller Glück, von denen auf einmal nichts mehr übrig geblieben ist als ein Schmerz, den ich irgendwann zu meiner Vergangenheit zählen werden müsste, und den Bekanntschaften irgendwann dann sagen, ich wäre schon mal verheiratet gewesen, ja, länger her. Der Gedanke daran, dass das wirklich einmal alles so sein wird, in Stein gemeißelt.

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