[was schön war, KW13]

Nach Tegel um 5:00 Uhr früh, wenn Berlins Straßen leer sind, alle Ampeln auf grün stehen und man kilometerlang einfach durch die Stadt fährt, schwebt, dieses Gefühl ein Raumfschiff durch das berliner Straßensystem zu steuern.

Schwiegermutter war zu Besuch. Wir kochten Pasta und tranken dabei Bier. In jungen Jahren sind sowohl K und ich mit einem ähnlichen Musikgeschmack sozialisiert gewesen. Unter anderen hörten wir beide The Pogues. Eines der Lieder von denen wir beide immer noch den Text auswendig kennen ist and the band played Waltzing Matilda. Wir kochten Pasta und tranken dabei Bier. Währenddessen hörten wir dieses Lied und lasen den Text mit. Von einem australischen Landstreicher, der 1915 in den Krieg gerufen wird. Der davon erzählt wie er in einen türkischen Kugelhagel gerät, wie sein Arse over tits geblowd wird, wie er beinlos zurück nach Australien gebracht wird, wie froh er darüber war, dass niemand auf ihn wartete um ihn zu bemitleiden und wie Jahre später die Veteranen marschierend an einen Krieg erinnern wollen, wo die jungen Leute am Straßenrand fragten, wofür die alten Leute eigentlich genau marschierten. And I ask myself the same question.

Danach war uns fast nach Weinen zumute.

War trotzdem schön.

Wir schauten Mystic Pizza und aßen dabei Pizza von Domino’s. Das fanden wir witzig. Dieser Film aus den achtzigern ist mit vielen positiven Erinnerungen geladen. Seltsam nur, dass er uns überhaupt nicht mehr gefiel. Bei Rotten Tomatoes schneidet er auch nicht gut ab, das hätten wir vorher prüfen sollen.
Damals galt Julia Roberts als der kommende Stern über den Wäldern von Beverly Hills. Ist dann auch so gekommen. Ich konnte mit Julia Robert ja nie etwas anfangen. Ich weiß nicht. Ist sie eine gute Schauspielerin? Das Attribut mit dem sie meist versehen wurde (aber das betrifft ja immer alle erfolgreichen Schauspielerinnen) ist Schönheit. Dass sie schön ist. Dass sie so strahlend lachen kann. Bei mir löste sie immer eine Zurkenntnisnahme aus, ein aha: schöne Schauspielerin, Haken dran. Dummerweise hat das nie richtig funktioniert, ich konnte mich nie richtig für sie begeistern und ich habe wirklich eine Schwäche für schöne Frauen, vor allem ungewöhnliche Frauen, auch seltsame Frauen, aber eben auch für mainstreamig schöne Frauen. In der Regel filtere ich nach langweilig aussehenden Frauen und nach spannend aussehenden Frauen. Es ist mir schon aufgefallen, dass ich spannend aussehende Frauen sehr attraktiv fand, die andere Männer oder Frauen als tendenziell hässlich bezeichnen. Umgekehrt passiert aber etwas anderes, Frauen, die als schön gelten können entweder schön sein, oder sie sind langweilig. Mit langweilig meine ich eine bestimmte Rehhaftigkeit, eine Art von Schönheit die grazil durch den Bonduelle-Frischgemüsefilter gestakst ist. Fand man sie selbstbewusst oder stark? Sie war ja immerhin die bestbezahlteste Schauspielerin der Welt, insofern natürlich auch ein Rollenmodell für Frauenlaufbahnen, aber dennoch, wenn ich an starke Frauen denke die vordergründig schön sind, dann fallen mir eher Gillian Anderson ein, Julianne Moore, oder um die jüngere Generation zu beschwören: Scarlett Johansson und Jennifer Lawrence. Aber Julia Roberts? Passt da irgendwie nicht rein.
Die Pizza war jedenfalls super.

[was schön war, KW12&13]

Besuch aus Wien gehabt. Zum ersten mal in den Preussenpark zur sogenannten Thaiwiese gefahren. Nicht nur um den Besuch zu beeindrucken, ich wollte da schon immer hin, aber ohne Besuch kriegt man in Berlin ja nix gebacken.
Was auf dieser Thaiwiese passiert ist ja unglaublich charmant. Verschiedene thailändische Familien bereiten vor Ort im Park und ohne Genehmigung ihre Speisen zu und verkaufen sie den Besuchern. Mit Kleinen Töpfen und Campingzubehör. Schon seit mehr als zwanzig Jahren. Niemand verbietet es, weil sich einfach  niemand  beschwert. Außerdem räumen sie nachher immer alles auf.
Ich fand es allerdings  ein wenig enttäuschend. Ich stand dreimal in einer langen Schlange an und halber Strecke hieß es jedes mal, das Essen sei alle. Aber an Bier bin ich gekommen, da waren die Schlangen kürzer. Ich werde sicherlich wieder hingehen, aber ich muss mich besser organisieren um an Essen zu kommen. Ich habe nur noch keinen Plan.

Zum ersten Mal in diesem Jahr auf dem Balkon gesessen. Mit Sonnenbrille und Doppelrippunterhemd. Und Bier. Das war schön.

Tebe gegen Lichtenberg47 geschaut. Fünfte Liga. Vierhundert Zuschauer. In der prallen Sonne, auf einer Böschung am Spielfeldrand. Hinter mir die Meckeropis. Immer wenn ich zu Spielen in die fünfte oder sechste Liga gehe, setze ich mich in die Nähe der Meckeropis. Die reden das ganze Spiel über, über die Spieler, zum Beispiel, dass die Nummer zehn von seiner Freundin verlassen wurde und seitdem nicht mehr so gut kicke, warum er sich denn nicht erhole, das sei ja schon drei Monate her, und dass der alte Trainer viel besser mit den jungen Spielern konnte und überhaupt, wie er damals einen Spieler vor dem Knast bewahrt hatte. Das ganze Spiel geht das so. Alle Meckeropis sind gleich. Ich setze mich immer so hin, dass ich das alles mithören kann. Besser als jeder Fußballkommentator.

[was schön war, KW11]

Man mag mich Kulturbanause nennen, aber für mich war Chuck Berry ja immer nur der Cousin von Marvin. Marvin Berry. Der, der in 1955 beherzt zum Telefonhörer griff.

Meinen alten Telekom Receiver auf Ebay Kleinanzeigen zum Kauf angeboten. Ich stelle da manchmal alte Dinge ein. Meist Technik die ich nicht mehr brauche und die ich auch in meinem Freundeskreis nicht mehr los werde. Alte Monitore oder alte Notebooks, etc. Immer für 10 Euro. Als ich den Receiver einstellte begann eine Frau mit mir zu handeln. Ob sie den Receiver auch für 5 haben könne. Ich antwortete, Sie wollen jetzt nicht ernsthaft bei 10 Euro herumfeilschen, oder? Sie sagte: ja. Daraufhin schrieb ich ihr, okay, Receiver für 5 Euro, dafür bringen Sie mir zwei Flaschen meines Lieblingsbieres mitzubringen. Ich schrieb ihr die Marke, die Sorte und den Späti, wo sie zwei Flaschen kaufen könne.
Sie war einverstanden. Ihr Sohn würde kommen und mir das Bier mitbringen.
Am nächsten Tag stand der Sohn vor der Tür. Ein junger, frisch aussehender Mann. Eher ein großer Junge, als ein Mann. Ich überreiche ihm den Receiver, er überreichte mir 10 Euro. Er habe kein Bier, sagte er. Der Spätverkäufer verkaufe ihm keinen Alkohol.
Wenn man das aufschreibt ist das nicht mehr so lustig, aber ich habe danach wirklich lachen müssen. Wie er da ein wenig bedröppelt im Treppenhaus stand, von einem Bein auf das andere trat und sagte, der Spätverkäufer habe ihm kein Bier verkaufen wollen. Wenn Feilschen am Jugenschutz scheitert.

Wiedermal einen Film geguckt. Total ungewohnt. Wie kurz Filme sind. Eigentlich sind Filme Kurzgeschichten. Es ist mir schon vor einiger Zeit aufgefallen, dass Literaturverfilmungen am besten in Serienform funktionieren, Filme bieten den zeitlichen Rahmen nicht, ich meine wirklich die zeitliche Komponente, wenn man beispielsweise ein Buch liest ist man gewöhnlich mehrere Tage damit beschäftigt, die Figuren die einen über mehrere Tage begleiten, die Geschichte die immer so ein bisschen mitläuft, als würde eine Geschichte mitreifen, über die Tage hinweg. Bei Serien gibt es einen ähnlichen Effekt, dieses Begleiten der Geschichte und der Figuren. Was mich bei Verfilmungen von Lieblingsbüchern immer gestört hat ist dieser fehlende emotionale Faktor, dass mich die Geschichte nie so einnimmt wie das Buch, und ich bin mir sicher, dass das nur mit der Zeit zu tun hat, dass der Film alles, alles auf die zwei Stunden herunterkomprimiert, ich meine, Gefühle sind ja immer ein bisschen träge, die fangen bei mir nach zwei Stunden erst richtig an.

[was schön war, KW10]

Ich tanze zwei mal pro Jahr. Immer auf der Firmenfeier. Wenn wir drei Firmenfeiern pro Jahr hätten, würde ich dreimal im Jahr tanzen. Diesesmal habe ich es leider vergessen. Am Ende dieses Jahres werde ich also nur einmal getanzt haben.

Bei Sonnenuntergang mit dem Fahrrad über die Warschauer Brücke gefahren. Rechts von mir eine Wand von Leuten, die ganze Brücke lang, neben dem Fahrradweg, alle nebeneinander, alle dem roten Abendhimmel zugewandt, wie sie mit gezückten Telefonen den Alex zu erfassen versuchen, der dramatisch im Rot zu versinken scheint. Ich bin der Fahrradfahrer der durch das Bild fährt. Ich drehe mich nach links und auch ich erstarre kurz zu einer Säule aus Erfurcht.

[Was schön war, KW9]

Vorletzte Woche vor neun Jahren habe ich K kennengelernt. Das heißt, wir haben uns in Wirklichkeit in 1995 oder 1996 kennengelernt. Das war in Wien. Sie trug ausschließlich schwarz, ich hingegen hatte grüne Haare. Es erklärt sich vonselbst: wir hatten Vorbehalte voreinander.
Viele Jahre später, in 2008, trafen wir einander zufällig wieder. Diesmal in Berlin. Sie trug Jeans und ich hatte an Gewicht zugelegt. Das ist keine missglückte Metapher, aber es erleichterte den Umgang ungemein.

Das Wiedersehen ergab sich im Viva Mexico in der Chausseestraße, diesem ziemlich improvisierten Restaurant mit den fantastischsten Quesadillas und den zwei tollsten Mexikanerinnen (der Welt). Weil es so kalt war, saßen wir neben einem Gasradiator. Das war in einer Zeit in der es noch echte Geheimtipps gab und das Viva Mexico ist in den Jahren seines Bestehens ein richtiger Geheimtipp geblieben. Ab und zu begegne ich noch Menschen die das Viva Mexico kannten und bei der Nennung dieses Lokals leuchtende Augen bekommen. Wir reden wohlgemerkt nicht von einem magischen Club oder einem fernen Urlaubsort, wir reden hier von einem so gut wie heizungslosen Restaurant in diesem damals ziemlich brachen und verlorenen Teil von Mitte zwischen Tankstellen und Brandwänden kurz vorm Wedding. Heute sieht es da natürlich ganz anders aus.
Ein Jahr später waren wir was das, was man allgemein ein Paar nennt und wir kehrten an diesem speziellen Tag ins Viva Mexico zurück. Manche Leute feiern den Hochzeitstag, manche das erste Knutschen oder den ersten Sex, also das symbolische “Zusammenkommen”, wir aber zelebrieren Jahr für Jahr diesen seltsamen Tag des Wiedersehens nach 13 Jahren.
Zwei Jahre später schloss das Viva Mexico für immer. Ich hatte Rosis Nummer noch. Im ersten März nach der Schließung rief ich sie an, ich fragte, ob sie irgendwo wiedereröffnet habe, meine Freundin und ich müssten nämlich unseren Jahrestag zelebrieren und eigentlich könnten wir unseren Jahrestag nur im Viva Mexico zelebrieren. Sie wusste zwar nicht wer ich war, sie war aber hörbar erfreut, sie ermutigte mich, es im nächsten Jahr wieder zu probieren, sie suche gerade nach neuen Räumlichkeiten, es sei ja nicht mehr so einfach, usw.
Und so tat ich. Immer im März rief ich an. Ich wurde immer vertröstet. Das ging zwei Jahre so. Danach funktionierte die Nummer nicht mehr.

Wir sind dann auf andere Mexikaner ausgewichen. Seitdem suchen wir jedes Jahr nach dem perfekten Mexikaner. Wenn man so will ist das auch eine schöne Aufgabe. Wir haben uns damit abgefunden. Immer das perfekte Viva Mexico finden.

Vorletztes Wochenende war ich in Prag und das ging so:
Frau Modestes Mann J hatte Geburtstag. J ist mein Freund. Auch My und ihr Sven sind meine Freunde. Und Frau Modeste natürlich auch. Sie schenkte ihrem J zum Geburtstag eine Reise nach Prag. Sie verschwieg die ziemlich relevante Info, dass auch drei Freunde mitfahren würden. My, Sven und ich waren eingeweiht und so freuten wir uns schon seit Wochen diebisch auf die Reise.
Am Hauptbahnhof beobachteten wir drei Eingeweihten wie das pragreisende Ehepaar von den SBahnen bis hinunter zu den Ferngleisen ging. Wir kannten die Ankunftszeit und hatten eine Uhrzeit an den Gleisen abgesprochen. Wir kamen unerkannt nahe an den zu Überraschenden heran, und grüßten plötzlich von hinten, hallo, und sagten so lustig blöde Dinge wie, was macht ihr da und wir fahren zum Karel Gott Konzert etc. So kindisch gefreut habe ich mich seit Ewigkeiten nicht mehr.
Noch schöner war, dass das dem Überraschten eine wirkliche Freude bereitet hatte und sich der ganzen Überraschung ein sehr tolles Wochenende in Prag anschloss, das wir um zehn Uhr morgens in einem tschechischen Speisewagen mit Pilsner Urquell begannen und nicht mehr beenden wollten.

[was schön war, KW7]

Ich habe lange Unterhosen gekauft. Letzten Herbst schon. Für die winterlichen Stadionbesuche. Hat uns zweimal einen Heimsieg beschert. Das ist zwar nicht schön und auch nicht lustig, aber ich muss das irgendwo unterkriegen. Lange Unterhosen. Super Sache, das.

Eine andere super Sache: Improtheater. Nach der Arbeit gehen ein paar von uns zum Improtheater. Zu dritt Geschichten erzählen, wobei jeder nur ein Wort sagen darf und der nächste mit einem Wort den Satz weiterführen soll etc. Ärgerlich wie mein Plot immer zerstört wird und wie man ihn neu aufnimmt. Oder die interessanteste Übung: es dürfen nur zwei laufen. Auf einer Gruppe von 10 dürfen nur zwei Personen gleichzeitig laufen. Wenn jemand stehen bleibt muss jemand anders beginnen. Wie sich das alles vonselbst reguliert. Könnte ich ewig drüber nachdenken.

Auf der Berlinale Berlin Syndrome gesehen. Der Film handelt von einer australischen Touristin die von einem jungen berliner Mann wochenlang eingesperrt wird. Nachdem ich vor einigen Wochen die Serie The OA geschaut habe, in der vier Personen neun Folgen lang in einem Keller eingesperrt sind, nahm ich mir vor, nie wieder etwas zu schauen wo Leute eingesperrt sind, weil ich dann immer mit diesem eingeschnürten Hals herumsitze und Rachegelüste hege. Berlin Syndrome habe ich dann doch geschaut. Weiß nicht warum. Ich schaue sowas nie wieder.

Toll auch: Bov Bjergs Buchpremiere. “Die Modernisierung meiner Mutter“. Ich war bisher auf allen drei Bovschen Buchpremieren. Das mache ich jetzt einfach so weiter.
Toll auch: vor der Lesung habe ich mit Frau Modeste Hummus gegessen. Im Kanaan an der Kopenhagener Straße. Nachher las ich, das sei der beste Hummus ganz Berlins. So kann das gehen.

Eine Woche voller Fazite.

[was schön war; KW6]

Was letzte Woche schön war, war vor allem Bier.

Abends mal in den Salami Social Club gegangen. Da gibt es gute Pizza und Bier. Ich hatte Gutes darüber gelesen. Das Salami Social Club ist natürlich kein Club und in Wirklichkeit auch kein Restaurant sondern eher ein Pizzaimbiss mit vier Tischen an denen man auch essen kann. Die meisten Kunden warten lediglich am Tresen um die Pizza mit nach hause zu nehmen. K und ich setzten uns aber an den Tisch und bestellten uns zwei große Biere. Ich aß Pizza mit Blutwurst und Pizza mit Kürbis. Halb Halb. Pizzasnobs werden die Nase rümpfen. Ich aber sage euch: da machen sie die beste Pizza der Welt. Der Laden wird von typischen berliner Amerikanern, die es mittlerweile überall gibt, betrieben. Ich liebe ja dieses Scheißen auf Traditionen und mit ein bisschen Glück kommt meistens etwas gutes dabei heraus.

An einem anderen Abend in die gerade eröffnete Brewdog Bar gegangen. Die Leute von Brewdog sind Punks aus Schottland die mit ihrem Brauprojekt und einer ziemlich lauten Marketingstrategie zu Millionären geworden sind. Die Bar in der Ackerstraße ist ihre erste in Deutschland. Ich mag den Raum, es ist ein einziger großer und hoher, etwas kahler Raum, vorne am Fenster gibt es typische Booths in denen man zu sechst sitzen kann und im Raum selber stehen bierbankartige Tische. Warum ich das alles aufschreibe? Weil K und ich da einen tollen Abend hatten. Ein paar Tage später bin ich noch einmal alleine hingegangen, da ich zwischen Arbeit und dem Pokalspiel von Hertha gegen den BVB zwei Stunden zu vertrödeln hatte. Es gibt keinen besseren Rahmen als eine Bierbank und frisches, gutes Bier, wenn man ein paar Sachen ins Notizbuch schreiben muss.

NEIPA. New England IPA. Puh. Bier. Es ist ja immer so eine Sache mit der Nerdigkeit. Wenn man über Bierstile redet, hört man manchmal: können wir nicht einfach wieder Helles oder Pils trinken? Ja, kann man. Vor allem gut gemachtes Pils finde ich super. Helles finde ich meist eher langweilig, aber das ist eine andere Sache. Dennoch ist die Rückbesinnung auf charaktervolle Aromahopfen eines der besten Dinge die dem Bier passieren konnte. Was aber entsteht wenn Brauer in New England aus Jux beginnen Bitterhopfen zu minimieren und das Bier dermaßen mit Aromahopfen vollzustopfen und es dann nicht filtrieren oder pasteurisieren, dann ensteht ein Bier das im Glas aussieht wie Mangosaft, aber so ungefähr das süffigste und frischeste Bier wird, das ich je getrunken habe.
Ich trank den ersten New England IPA-Probesud einer Berliner Brauerei und sah direkt dem Sommer ins Auge. Direkt. Patzbumm: Sommer.

Und letzten Sonntag natürlich auf der Wurst und Bier 2017 in der Markthalle IX gewesen. Mit Frau Modeste und ihrem J samt kleinem Sohn. Auf der Wurst und Bier haben wir Wurst gegessen und Bier getrunken. Wir haben auch Pulled Pork gegessen aber nicht so viel wie Wurst. Und Bier.

Nicht Bier, aber tolle Frau mit der ich schon mal Bier getrunken habe. Steffi ist vor einigen Tagen auf Reisen gegangen. Die Travelinglady.

[piet]

Was weniger schön war. Piet ist gestorben. Letzen August tanzten wir noch zusammen auf einer Hochzeit in Meran, vorletzte Woche hieß es, er habe Krebs, letzte Woche: tot. Piet habe ich vor fünfundzwanzig Jahren kennegelernt als er eine wirre Theatheridee koordiniert und inszeniert hat. Die wirre Idee kam nicht von ihm, sondern von meinem Freundeskreis, oder eher ein loser Bekanntenkreis von jungen Menschen die Punkmusik hörten und viel zu viel kifften und Alkohol tranken. In jenen konservativen, katholischen Zeiten gab es den ungemein starken Drang sich auszudrücken. Wir wollten also Theater spielen, wussten aber nicht wie, vor allem wussten wir aber auch nicht was wir da spielen wollten. Dann tauchte Piet auf. Piet war älter als wir alle und er war Regisseur. Er lenkte die ganze Theateridee, inszenierte das was wir zu wollen glaubten und tourte mit uns durch die südtiroler Dörfer. Das Stück war total schräg, aber alle unsere Vorstellungen waren ausverkauft.
Peter Oberdörfer, Autor, Schauspieler, Regisseur.
Es dauerte mehr als zwanzig Jahre bis ich ihn wiedersah. Das war vor einigen Jahren in Meran auf dem Literaturfestival von dem ich bloggte. Man kann dort u.a. über Piet nachlesen (immer die “Exilposts” weiterklicken). Wie er immer mit seinem Pferdeschwanz, Vollbart und seinem Rucksack herumlief. Seine wachen dunklen Augen. Vermutlich ist es genau das, was mir von ihm in Erinnerung bleiben wird. Seine Wachheit. Seine Präsenz. Dieses genau hier sein. Es gibt Leute die sind richtig intelligent. Ich meine nicht notwendigerweise Intellektuell, sondern intelligent. Leute die allumfassend Bescheid wissen, Leute die genau beobachten, die Dinge richtig einschätzen können, über den Tellerrand hinausgucken. Und am Ende auch Visionen entwickeln. Als ich ihn letzten August auf der Hochzeit wiedertraf, redeten wir zufällig über Fußball. Er hatte keine Ahnung von Fußball. In Südtirol spielt dieser Sport keine Rolle. Man kennt dort allenthalben den FC Bayern und Juventus. Vielleicht noch Inter, Milan und den BVB. Er fragte, Berlin, war habt ihr da, ist das Hertha BSC? Ich sagte: ja. Er sagte, die spielen ja ganz gut zur Zeit. Was sind sie geworden? Siebter? Ich sagte, ich dachte du hast keine Ahnung von Fußball. Er sagte, ich habe das in der Zeitung gelesen.
Das meine ich, wenn ich von Intelligenz rede.
Dem südtiroler Kulturleben wird er sehr fehlen.

[letzte Woche hatte ich Geburtstag]

Letzte Woche hatte ich Geburtstag. Normalerweise stehe ich samstags um sieben Uhr auf, verbringe meinen schönen einsamen Samstagmorgen. Gegen 10 oder 11 Uhr wecke ich K mit einem Kaffee.
An diesem Geburtstag war es anders. Ich schlief bis neun. Warum auch immer. Als ich in die Küche ging war der Tisch mit einem Tischtuch gedeckt. Darauf lagen Teller und Tassen und Schinken und Käse und Butter und Marmelade. Und Geschenke.
Wie ich in meiner Unterhose dastand. Ich war total underdressed.

Toll auch die Facebookbenachrichtigungen und die Benachrichtigungen über alle Kanäle die es so erst seit wenigen Jahren gibt. Ich pflege ja eher einen kleinen Freundeskreis, über Facebook gibt es so etwas wie einen weiteren sozialen Ring. Das heißt, der Ring war früher schon da, aber durch das Internet ist dieser Ring viel näher herangerückt. Berufliche Kontakte über Xing und Linkedin, Whatsappgruppen. Die Menge an Glückwünschen die darüber hereinkommen. Geburtstage müssen früher eine einsame Veranstaltung gewesen sein. Ich freue mich wirklich über jeden einzelnen Gruß. Ein irres Einprasseln von Liebe. Das ist so komprimiert, der nächste Tag ist dann nur noch ein finsteres und schwarzes Loch. Bis auf die üblichen paar, die entschuldigend am nächsten Tag noch die Glückwünsche nachreichen. Fast möchte man sie umarmen.