[a-z]

Lustiges Spielchen. Da werde ich ganz kindisch. Via Jens, Kaltmamsell, Anke, etc. Gib das Alpabeth in den Browser ein.

a — Airdroid. Lokale Seite um auf mein Handy zuzugreifen (SMS etc)
bBerliner Zeitung
cCloud.feedly.com. Da wo die Blogs sind.
dDas Deutsche Architekturforum. Steh ich drauf. Wirklich.
eEbay. Komisch. Eigentlich bin ich da selten. Weitere E’s in der Top 3 sind Eurosport.se (.se, wegen Hertha-Gucken auf Island) und epubli.de. Allesamt unrepräsentativ. Möglicherweise mangelt es an guten Seiten mit E.
fFacebook. Mja.
gGoogle. Mja.
hHertha TV
iImmer Hertha
jJoeys. Pizza Conchita mit BBQ-Sauce. Nennt mich Italiener.
kKicktipp Brennerpass. The weekly kick. Ich tippe diese Saison so schäßlich.
lLinuxmint. Da wo die Software ist.
mBerliner Morgenpost
nNews.Google
oOnline Schrauben. Das ist lustig. Merkwürdig. Aber lustig. Es fehlt allerdings an wirklich guten O-Seiten, sonst käme dieser Eintrag nicht als erster.
pPlants vs. Zombies 2. Ich habe etwa zwei Monate jeden Tag auf diese Seite geschaut, in Erwartung auf die Fortsetzung des ersten Teiles für Android. Spiele ich ständig.
qQype. Wird jetzt wohl bald unter “Y” auftauchen.
rRuntastic. Da schaue ich meine Statistiken an. Irgendwann rahme ich sie ein (oder vergolde sie). Wenn ich denn weiter laufen würde.
sSPON
tTagesspiegel
uUbuntu
vRestaurant Volta. Ich habe Tischreservierungsnummer immer noch nicht abgespeichert.
wWetter.de
xXing. Schaut man da überhaupt noch rein?
yYoutube
zZeit Online.

Blogs tauchen in der Liste überhaupt nicht auf. Ich lese Blogs offenbar ausschließlich über den Reader.

[klockan]

Also: ich finde die Zeitumstellung ja super. Ich kann diese ganze Meckerei nicht nachvollziehen. Dabei habe ich nicht einmal eine Lieblingsuhrzeit, ich mag die Winterzeit, wie auch die Sommerzeit, ich denke regelmäßig an die Zeitumstellung, rechne mir die Wochen aus und wenn die Umstellung dann da ist, schlafe ich kürzer oder länger. So simpel. Ich mag es sogar, dass mein Biodings ein wenig durcheinander gerät. Ein Problem ist in meinem Haushalt lediglich, dass die Uhren nicht alle konsequent in der richtigen Zeit laufen. Die Küchenuhr tickt immer in der Winterzeit. Die Uhr im Badezimmer auch. Der Wecker hingegen in der Sommerzeit. Die Handyuhr und der Laptop laufen natürlich richtig, da diese sich automatisch umstellen. Die Inkonsistenz rührt zum einen daher, dass die Zeit auf der Badezimmeruhr umzustellen unheimlich umständlich ist und die Küchenuhr schlichtweg zu hoch hängt. Den Wecker vergesse ich stes. Auf der anderen Seite ist das ständige Umrechnen so einfach, dass mir der Aufwand des Umstellens wiederum zu groß ist. Als Folge dessen, vergesse ich nach der Umstellung tagelang richtig umzurechnen. Ich weiß sonst immer an welcher Uhr ich wie rechnen muss. Auch beim nächtlichen Toilettengang. Egal wie schlaftrunken. Aber nach der Zeitumstellung rechne ich erstmal nur Brei zusammen. Ich finde das super.

[fungu]

Vorletzte Woche war ich mit meinem Vater im Wald, da er mir zeigte, wieviel Holz er diesen Sommer heruntergearbeitet hatte. Als wir uns am Waldrand unterhielten und ich neben einem Kuhfladen den oben abgelichteten Pilz sah, fiel mir wieder diese Geschichte auf D’s Geburtstagsparty ein. Die Geschichte geht so: am Vorabend rief mich D an und fragte, ob ich nicht ein paar von den Psylo-Pilzen mitbringen könnte. Er meinte, das wäre echt ein Highlight, alle stünden momentan auf Pilze, er wolle zu seinem achtzehnten Geburtstag gebührend feiern. Er würde mir dafür ewig dankbar sein und außerdem einen Kasten Bier spendieren. Ich sagte, das sei kein Problem. D war ein guter Gastgeber, er stand gerne im Mittelpunkt und unterhielt die Menschen, ich konnte mir richtig vorstellen, wie eine Ladung frischer Psylocibinpilze zu seinem Glück beitragen würde. Ich wohnte damals in einem kleinen Dorf auf 1400m Meereshöhe, die Psylos wuchsen auf Kuhweiden und die Kuhweiden begannen fünfzig Meter vor meinem elterlichen Haus. Für eine super Sache war ich immer zu haben.

Anfang der Neunziger gab es diese verrückte Zeit, in der ein reger Handel mit Psylos blühte. Einige meiner Freunde verkauften lieber Pilze als sich das Geld mit ehrlichem Äpfelpflücken zu verdienen, die Jahreszeit war schließlich die gleiche, nur war der Pilzverkauf wesentlich lukrativer, vor allem, wenn man Wochenends zu den Techno-Diskos an den Gardasee fuhr oder über den Brenner nach Innsbruck und sie dort an das Partyvolk verhökerte. Im Gegensatz zu Acid hatten Pilze einen ungemein besseren Ruf. Sie seien gnädiger, gemütlicher, das Risiko, auf einen schlechten Trip zu geraten, war kleiner. Das hing vermutlich mit der Herkunft zusammen, wegen der Naturbelassenheit, die Niedlichkeit, you know, die Hüte, unter denen kleine, bärtige Männchen Schutz suchen, wenn es regnet oder wegen der sprechenden Würmer, etc. Während Acid ja eher immer die Bummbumm Droge war. Was sicherlich nur mit der Musik zusammenhing, zu der man Acid üblicherweise nahm.

Am nächsten Tag zu Mittag kam M. M hatte ein Auto und mit ihm fuhr ich überall herum, zum Kiffen in den Wald, zu den Parties in Bozen, zur Dorfdisko usw. Auch M kannte sich mit Drogen aus. Die Psylos haben einen braunen Hut, der zur Mitte hin dunkler wird, der Stiel ist eher gelblich und die Lamellen auf der Unterseite haben dunkel zu sein. Oder hell. So genau wussten wir das nicht. Eine lustige Besonderheit war auch, dass sie bevorzugt in der Nähe von Kuhfladen gedeihen. Also gingen wir auf die Wiesen und fanden ziemlich schnell ziemlich viele solcher Pilze. Besser gesagt: wir fanden sehr viele. Eine ganze Plastiktüte voll.

Man muss an dieser Stelle wissen, dass ich ein lausiger Pilzesammler bin. Ich kenne eigentlich nur Pfifferlinge, Steinpilze und Fliegenpilze. Champignons würde ich vermutlich auch erkennen, wenn man mich durch eine Champignon-Farm schickt. Und ein bisschen kannte ich auch die Psylocibin-Pilze. Zumindest vom Essen her. Dummerweise hatte M noch viel weniger Ahnung als ich und so beurteilten wir die Pilze anhand der uns bekannten Kriterien. Die Lamellen an der Unterseite sollten dunkel oder hell sein. In unserem Fall waren die Lamellen dunkel. Also zu 50% richtig. Nach kurzer Beratung waren wir uns einig, dass wir unmöglich ohne Pilze in Bozen aufkreuzen konnten und daher lieber die Falschen mitbrachten als gar keine.

Auf der Party angekommen feierte man uns wie Helden. Die Stimmung war gut, man hatte schon das ein oder andere getrunken und geraucht. Etwa 80 Leute saßen im Weinkeller von D’s Vater. Der Weinkeller war nicht ein kleiner Keller eines Hobbytrinkers, sondern der Weinkeller eines Bauernhofes, auf dem unter anderem auch Wein angebaut wurde. Ein kühler, staubiger aber sehr weitläufiger, mit riesigen Bottichen ausgestatteter Keller. Ein paar Musiker hatten sich zu einer Jam-Session zusammengesetzt, die Menschen lachten, oder sie wippten zur Musik.
Bevor wir die mitgebrachte Ware unter das drogenfreudige Partyvolk verteilten, kamen uns dann allerdings doch Skrupel. Was, wenn sie giftig waren. Mit giftig meine ich richtig giftig. Also giftig im Sinne von Leberschäden oder Hirnschäden. Wir warfen ein, dass wir uns der Pilze nicht hundertprozentig sicher seien. Ich leerte die Tüte auf einem Bottich aus. Es waren richtig viele. Meinungsfrohe Laien scharten sich um uns. Wir diskutierten. Man war sich einig, dass der braune Hut nicht falsch sei, ob die Lamellen dunkel oder hell zu sein hatten, wusste man aber auch nicht. Der Stiel kam einigen jedoch bekannt vor. Die Größe stimmte wohl. Auch dass wir sie an den Rändern von Kuhfladen gefunden hatten, war richtig. Jemand nahm eine handvoll und schluckte sie. Er sagte, für ihr seien sie richtig. Er öffnete sich ein Bier und ging zurück zur Musik. Damit schienen die Pilze freigegeben. Fast alle machten sich darüber her. D fand das spitze, er sagte, der Kasten Bier sei mir sicher.

Am Ende dieser Geschichte bekamen wir fast alle Bauchschmerzen. Es hatte etwa eine Stunde gedauert, als die Stimmung innerhalb weniger Minuten dumpf wurde. Zwar musste niemand ins Krankenhaus, es musste nicht einmal jemand kotzen, es war keine richtige Übelkeit, eher so ein latentes Unwohlsein, ein Magendrücken. Die Gäste wurden einsilbiger. Die Musiker spielten nicht mehr, alles wurde stumpf. Man saß, schaute. Auch das Bier und der Wein schmeckte nicht mehr. Nur einige wenige fragten irgendwann, was los sei. Sie lachten. Sie hatten offensichtlich nichts davon gegessen. Es schien allen augenblicklich klar, was passiert war. Ich weiß nicht mehr, wie wir damit umgingen, ich blieb noch einige Zeit da, schließlich war ich auf einer Party und es war vielleicht zehn Uhr, vielleicht elf, höchstens Mitternacht und ich verstand nicht so recht, dass es eigentlich gelaufen war. Was ich noch weiß ist die Musik aus den Boxen, die mich nervte. Musik war damals immer blechern, immer schrammel und mir war latent unwohl.

Wenn man D später darauf ansprach, fand er das trotzdem lustig. Er wird achtzehn und seine Gäste vergiften sich mit Pilzen, das ist natürlich Stoff für Anekdoten. Er bemängelte nur die Pointe. Schließlich ist am Ende nichts passiert. Nicht dramatisches, nichts spektakuläres, nichts lustiges, niemand hat sich auf den Tisch gestellt und sich geteert (und gefedert). Es hat ja nicht mal jemand gekotzt. Nein, die Gäste sind nur “irgendwie latent” übel geworden und sind deswegen nach hause gegangen. Wenn ich es recht betrachte ist das schon wieder lustig. Was aus dem Kasten Bier geworden ist, kann ich mich allerdings nicht mehr erinnern.

[HF]

In dieser Miniserie von Stephen King wird eine Leiche vergraben. Vergraben. Himmel, wer macht denn noch sowas? Seit Breaking Bad kann man Leichen doch nur noch in Flußsäure auflösen, oder? Oder in Schwefelsäure. Abflussreiniger.
Und überhaupt. Begraben wollte ich auch nie werden, kremiert auch nie, aber hey, da ich sterben muss: legt mich in ein Flußsäurebad.

[ís]

Es gibt hier eine Straße die heißt Sæbraut.

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Wenn ich “Island” erwähnte, sagten immer alle, ich müsse viele Fotos schießen. Ich antwortete immer: mach ich.
Daraus enstand eine dermaßen große Erfurcht, dass ich zum ersten Mal ständig eine schwere Fotokamera mitschleppte, aus Angst, vor Landschaften zu stehen, die ich ohne Kamera nicht verarbeiten kann.

Bei den schönen Landschaften bin ich dann jedesmal so erfürchtig geworden, dass ich vergaß die Kamera zu zücken.

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Sehnsüchtig nach Raben Ausschau gehalten. Leider keinen gesehen.

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Die gezückten Kameras vor den Geysiren. Eine Wand von Menschen hinter Telefonen und Kameras. Die Gegenwart durch den Sucher. (Ich natürlich auch.)

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Schwarze Strände.

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Im Tourbus durch die Mondlandschaften ergibt es sich, dass der Bus zum Einen beinahe leer ist und zum Anderen sitzen K und ich vorne beim Fahrer, der sich als sehr gesprächig erweist, wodurch wir so etwas wie einen persönlichen Guide für uns haben. Ein Herr um die sechzig, den ich mit den Attributen “junger Opa” und “gemütlich” versehen möchte. Er kennt jedes Fischerdorf, er weiß, wer gerade gut wirtschaftet. Er erzählt uns, in welchem Dorf gerade ein Supermarkt geschlossen und wo ein neuer geöffnet hat. Und er sagt immer warum. Wir hängen an seinen Lippen.

Er sichtet Pilze an den Wiesenhängen an denen wir entlangfahren. Er fragt uns, ob wir die kennen würden (er nennt einen Namen), wir verneinen. Er sagt, wenn man diese esse, dann würde man stark, man fühle sich größer. Als er das sagt, baut er sich hinter dem Lenkrad auf. Ich lache. Ich sage, ich kenne nur jene Pilze, bei denen man Elfen sähe. Wir lachen. Dann wird er ernst. Er fragt, ob ich an Elfen glaube. Ich will nein sagen, entscheide mich aber für ein dämlich ironisches “sometimes”. Er sagt, es sei oft schwierig, die Ruhe zu finden richtig hinzuhören, schwieriger noch sei es, die Energie der Steine zu spüren und zu wissen, wo die “Hidden People” wohnen. Er fragt, ob wir von den “Hidden People” gehört hätten. Wir verneinen. Er redet mit uns direkt, hat aber sein Headset auf, die restlichen 8 Leute im Bus hören mit.
Er macht einen Vorschlag. Er will uns das Zentrum der Feeen und der “Hidden People” zeigen. Der Vorschlag ist keine Frage. Wir fahren einen Umweg durch ein Dorf. In diesem Dorf gibt es einen dicht verwachsenen, etwa hundert Meter langen Grünstreifen neben der Straße. Unser Busfahrer sagt, würde es nicht regnen, könnten wir uns dort zwischen die Bäume und Steine legen. Es dauere höchstens zehn Minuten bis die ersten “Hidden People” kämen.

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Gratis WLAN überall. Sogar in den Bussen. Im Ausland schalte ich das Internet auf dem Handy aus kostengründen natürlich aus. Manchmal bimmelte mein Telefon aber wenn ich in Reykjavík durch die Straßen lief. Eine Mail, oder eine Facebookbenachrichtigung. Immer diese Kneipen und Läden mit den offenen WLANs, die mein Handy sofort nutzte um automatisch einzudingsen. Super Land. Echt jetzt. Noch supererer: man kann jeden Käse mit EC Karte bezahlen. Käse, Wurst, Bier, jeden Scheiß, in der Kneipe, Centbeträge, überall stehen Kartenlesegeräte. Super Land. Echt jetzt.

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[...] Später sagte er, Isländer verstünden nichts vom Essen. Es werde nur Schrott gegessen. Aber wir in Deutschland (er zeigte auf K und mich), wir hätten Ahnung von gutem Essen sei. Das wisse er über uns.

Aus unseren Köpfen gingen etwa zwei Dutzend Fragezeichen in den isländischen Himmel hoch.

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Dampfende Böden.

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Ich schreibe Reykjavík jetzt ohne immer nachzuschlagen. Zuerst das y, dann das j und dann das í. Ganz easy, das.

= rauchige Bucht.

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[...]

Die Wahlsaison hat eröffnet. Die Wettbüro geben erste Quoten ab.

Dass ich von den FDP- und CDU-Ständen nie angesprochen werde, wertete ich immer als Erfolg. Mittlerweile ignorieren mich auch die Grünen. Das empfinde ich als persönlichen Sieg.

[...]

Die letzten schrumpeligen Pflaumen entkernt und in einen Topf gegeben. So lange gekocht bis sie tot waren. Kann ich schon lange, dieses Kochbloggen.

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So. Erledigt.

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Weil ich schon am Thema dran war. Matussek kann nicht lockerlassen. In jeder Sekunde dieses Filmchens strahlt mich die gekränkte Eitelkeit eines humorlosen Mannes an. Ganz schlimm. Warum macht er das bloß?

Aber vielleicht läutet das auch nur das Ende der Leithammelkultur ein. Boah, das war jetzt ein Satz.

#

[...]

Wäre ich kein Computerfritze würde ich wohl etwas mit Baustellen machen. Wenn ich alleine bin, stelle ich mich an Baustellen und schaue den Arbeitern zu. Es gibt nichts Schöneres, als sinnvoler Arbeit zuzusehen. Wie die Leute Straßen Bauen, wie sie Häuser bauen. Weil das doof aussieht, wenn ein Erwachsener Mann arbeitenden Männern zusieht, kaufe ich mir ein Eis. Damit stelle ich mich an den Bauzaun und schlecke. So kann ich den Anschein erwecken, ich würde eigentlich nur Eis essen. Ich kaufe Eis nicht auf der Waffel sondern im Becher. Dann bin ich nämlich mit zwei Händen beschäftigt. Das verstärkt den Anschein.
Baustellen sind wie Lego, oder wie Sandburgen. Nur Größer und Echter. Ich könnte da stundenlang stehen. Aber vom Eis wird man so dick.

[the show must go on]

Wenn man Matthias Matussek in Krömers Late Night sieht, dann merkt man vor allem, dass Matussek sich selbst schwer zurücknehmen kann. Es tat weh, mit anzusehen, wie er sich ständig in den Vordergrund drängen und witziger sein wollte oder zu kontern oder zu versuchen, das Geschehen zu beeinflussen. Krömers Late Night ist eine Art anarchisches Kabarettstück, das die Erwartungen an Show und Stars und deren Klischees parodiert bzw. auf die Probe stellt. Wie beim Ansagen der Gäste, deren Auftritt er ständig wiederholen lässt und damit Inszenierungen in die Lächerlichkeit zieht, oder die Wasserflasche, die sich die Gäste teilen müssen (nachdem er den Flaschenhals abgeleckt hat), etc. Kurt Krömers Show ist destruktiv, sie sucht keinen Dialog, es ist eine Walze, die ein bisschen planlos über allem hinweg rollt. Inklusive über sich selbst.

Matussek wollte nun die Ausstrahlung der Sendung unterbinden. Was ist passiert?

Matussek wird Backstage von Krömer (händchenhaltend und singend) abgeholt, sie kommen raus, Krömer stellt Matussek vor, Krömers Hemd ist mit Cola-Flecken besudelt. In Verkürzter Form:
- Matthias Matussek, wie soll ich dich ansagen?
- Pff, Journalist, Autor…
- …und Pöbelhans
- hm, nein, ja, hm, wird behauptet, aber eigentlich bin ich ein ganz Sensibler
- Nee, du bist ein Pöbler, ein hinterfotziges Arschloch

Matussek lacht angestrengt, er versucht das Gespräch an sich zu reißen, aber Krömer macht alles kaputt, wiederholt den Auftritt nochmal (diesmal ohne Matussek, der unten an der Treppe steht), wiederholt genüsslich “Pöbler” und “hinterfotziges Arschloch”, Matussek lacht angestrengt, versucht weiterhin irgendwie Oberwasser zu kriegen, Krömer redet darüber hinweg, er lässt sich nicht dazwischenreden, sagt am Ende es sei anstrengend, wenn in einer Show zwei Leute durcheinander reden, Matussek hört auf.

Sie setzen sich auf das Sofa, das Gespräch geht in diesem Stil weiter. Dummerweise hat Matussek sein neu erschienenes Buch mitgebracht. Krömer: als Geschenk? Du bringst dein eigenes Buch als Geschenk mit und machst Schleichwerbung, damit zwei Leute aus dem Saal in den Buchladen gehen und dich bereichern?

Ich hatte zu keinem Zeitpunkt das Gefühl, Matussek sei beleidigt worden, auch wenn ich durchaus nachvollziehen kann, dass er sich beleidigt gefühlt hat und das Gefühl der Beleidigung ist natürlich immer subjektiv. Allerdings ist in Wirklichkeit etwas ganz anderes passiert: seine Vernunft und seine Professionalität wurde auseinandergenommen, ein bisschen wurde auch seine Humorlosigkeit und Eitelkeit entlarvt. Hätte er einfach alles über sich ergehen lassen, wäre alles OK gewesen. Da Alphatiere sich aber nicht zurücknehmen können, ist genau das passiert, was passieren musste.

The Show must go on auf Rasierklingen. Ich fand es super. Es ist nicht immer witzig, aber es ist radikal.

[...]

Übrigens:
Die Bundesliga beginnt in wenigen Wochen wieder. Eine Saison ohne Tippspiel ist wie ein Sommer ohne Regen. Deswegen gibt es dieses Jahr wieder die Tipprunde von Burnster. Zur Anmeldung: Brennerpass

Übrigens 2:
Katy Derbyshire von Lovegermanbooks (Übersetzerstar #2, nach Isa) führt auch das Blog GoingDutchWithGermanWriters. Sie geht mit Autoren saufen trinken und am Ende zahlt jeder seine Rechnung. Zusammengefasst werden folgende Punkte:

Who?
Where?
What?
What did we talk about?
Hangover?

Großartig. Das erste mal, dass ich mir wünschte, eine Blogidee wäre meine gewesen.

[blue]

Seit ich ein Teil der joggenden Welt bin, habe ich mich natürlich mit dem Thema Musik auseinandergesetzt, man hört ja ständig von der euphorisierenden und stimulierenden Wirkung der richtigen Musik. Jeder hat so seine Tips. Man kann sie ergooglen. Besonders beliebt ist Heavy Metal und die klassischen Hardrock-Bands aus den Neunzigern. Jeder hat dazu Tips. Jeder. Ich habe anfangs nicht verstanden, dass mich aufpeitschende Musik nicht sonderlich anpeitscht, sondern auspeitscht ungemein an meinen Nerven sägt. Das wirkte sehr demotivierend. Da ich allerdings uneinsichtig weiterhin Musik hörte, versprang meine Playlist einmal von der Peitschenmusik auf die eher so opiumverrauchten Lieder von Lana del Rey. Da habe ich es verstanden. Ich stellte eine Playlist von diesen langsamen (laaaangsamen) und düsteren und erleuchteten Nummern zusammen.
Seitdem laufe ich wie ein seltsam verstrahltes Huhn über die Tartanbahn im Jahnstadion. Euphorisiert und elektrisiert.

Bluuuuuuuuuue Veeeeeelvet….

Ich will nicht wissen was das über meinen Charakter aussagt.

1. Blue Velvet
2. Soap&Skin – Boat Turns Toward The Port
3. Gustav – Verlass die Stadt
4. David Lynch – I Know
5. Lana del Rey – Born To Die

[...]

Natürlich hatte Zé do Rock beim Bachmann-Wettlesen nur das “s” ein bisschen hart ausgesprochen als er von den Ruckzackturis sprach, aber ich so, sofort einen Ruckzack-Touristen vor Augen gehabt, der zackzack-mäßig mit GPS und der politisch korrekten Alpenliebe über die Alpen wandert und den Alpenländern die Alpen erklärt.

(bin ja selber ein Zackzackturi)

#

Heute. Beim täglichen Blick auf meine Hopfenpflanze: Läuse. Ich so: noch die Sache mit dem Seifenwasser im Gedächtnis, also die gesamte Pflanze mit Geschirrspülmittel besprüht. Ein paar Stunden später erst gegoogelt. Dann gelesen, dass man danach ziemlich bald nach dem Einseifen die Pflanze mit Wasser wieder saubersprühen muss, ich also sofort mit Wasser saubergesprüht, dann gleich ergoogelt, dass man, nachdem die Läuse weg sind, die Pflanze düngen soll, damit sie wieder zu Kräften kommt, ich also sofort gedüngt. Danach habe ich auch gegoogelt, dass man beim Einseifen die Erde mit Plastikfolie abdecken soll, bei mir so natürlich das ganze Geschirrspülmittel in die Erde gegangen, deshalb dann ordentlich den Hopfen gegossen, um das Spülmittel irgendwie nunja, eben zu verdünnen, also durch die Erde hinauszuwaschen. Oderso. Danach gegoogelt, dass man mit dem Düngen überhaupt ein bisschen warten soll und am besten Abends, um die Pflanze nicht zu verbrennen. Ich dann überhaupt mal nachgeschaut, ob ich denn das richtige Düngverhältnis in das Wasser gemischt habe. Habe ich natürlich nicht. Viel zu viel Dung in das Wasser gekippt. Also nochmal nachgegossen um den Dung, nunja, durch die Erde hinauszuwaschen.

Jetzt irgendwie alles braun und schrumpelig. Scheiß Läuse.

[...]

Als meine Freundin Frau neulich am Telefon mit einem Freund über ihren Mann redete und ich mich im Nebenzimmer wunderte, von welchem Mann sie da, achso, ja.

Eigentlich schade, dass der voreheliche Sex nun vorbei ist.

#

Morgens gehe ich auf den Balkon und schaue meinen Pflanzen zu. Ob sie über Nacht gewachsen sind. Ich würde momentan nichts lieber tun: morgens auf dem Balkon stehen und mit dem Rücken zur Sonne meinen Pflanzen beim Wachsen zusehen. Leider ist nicht den ganzen Tag lang Morgen.

Ich ziehe auf dem Balkon drei Hopfenpflanzen groß. Sie sollen zehn Meter hoch werden, sie ranken sich an Stangen hinauf, an Kabeln, am Regenrohr. Wie sie das machen, das mit dem Ranken, das ist so schön, ich könnte mich mit dem Gesicht nach unten in den Schlamm legen vor Ehrfurcht.

#

Eigentümlich auch diese Gelähmtheit nach Prism. Als würden wir warten, dass etwas passiert. Wie wir in unserem “Google und Facebook” sitzen und eigentlich immer wussten, dass die Sache nach Schwefel riecht. Wie wir da jetzt sitzen und warten, auf dass es vonselbst verschwindet. Ich lösche aus Protest keine Accounts mehr aus Protest. Die haben uns eh längst durchschaut, wir kommen ja wieder.

[...]

Gestern dann noch aus dem Haus gegangen um das Relegationsspiel zwischen Lautern und Hoffenheim zu sehen. Das hatte etwas heilsames. Es war ein kühler Abend, die Stadt wirkte leer, in der FC Magnetbar saßen Lauternfans. Nach den unsäglichen Relegationsspielen im letzten Jahr, als Hertha unter lautem Getöse in die zweite Liga abstieg, war mir dieses Spiel so heilsam egal. Relegationsspiele schauen und das Gefühl von Egalheit zu haben. Ich saß alleine am Tresen, trank ein großes Bier und meine Wunden heilten ganz von alleine.

[how I work]

Ich wurde nicht gefragt, aber dieses Stöckchen gefällt mir sehr.

Bloggerinnen-Typ:
Ich mache alles. Außer stricken, das dauert zu lange.

Gerätschaften digital:
Laptop mit Linux (Mint) und ein Nexus 4 Telefon mit Android. Zum Lesen verwende ich auch einen Sony Ebook Reader. Neulich habe ich mir eine Bluetooth Tastatur gekauft, damit ich notfalls auch über das Telefon größere Textmengen tippen kann. Der Notfall ist nie eingetreten. Aber ich fühle mich gewappnet (das Teil läuft zudem mit Sonnenstrom).

Gerätschaften analog:
Notizbücher von Leuchtturm1917. Ich ziehe die Leuchtturm-Bücher den üblichen Moleskines vor, da sie erstens Seitenzahlen haben (unerlässlich für mich, da ich ins Notizbuch weniger Notizen schreibe, sondern eher große Textpassagen, die ich ständig miteinander verknüpfen/referenzieren muss) und zweitens sind sie ein bisschen schmäler, dafür höher. Das sieht besser aus, passt aber auch in jede Jackeninnentasche. In wirklich jede. Mein Notizbuch muss auch als Brieftasche herhalten (in der hinteren Klappe befinden sich Bankkarten, Führerschein, Bahncard, Stempelkarte des Friseures, Treueherzen von Kaiser’s, etc.).

Arbeitsweise:
Ich blogge eigentlich nur, wenn etwas ins Blog muss. Das ist völlig stimmungsabhängig. Manchmal blogge ich über Monate hinweg wenig. Manchmal täglich. In den letzten Jahren hat das “wenig” überwogen. Das ist aber nur so, weil mir die Zeit fehlt, weil mein Kopf dann anderswo ist. Ich habe kein Pensum im Blog das ich zu erfüllen habe. Früher war das manchmal so. Das fand ich gut. Aber ich ändere manchmal meine Prioritäten.
Konkret bedeutet das: wenn mich etwas bewegt, das ins Blog gehört, setze ich mich hin und schreibe es auf. Manchmal dauert das mehrere Stunden und am Ende kommen drei Zeilen heraus. Manchmal ist es umgekehrt.

Welche Tools nutzt du zum Bloggen, Recherchieren und Bookmark-Verwaltung?
Ich schreibe immer alles in Textdateien. Alles. Simple, einfache, flache Textdateien. Diese strukturiere ich dann thematisch in Ordner.
Neuerdings habe ich Excel entdeckt. Zum erstellen von Listen mit mehr als drei Spalten. Dafür sind Komma-Separierte Textdateien doch nicht so geschickt.
Zu Bookmarks. Ich habe genau sechs Bookmarks. Alles andere tippe ich täglich brav in die Adresszeile ein.
Zum Blogslesen habe ich natürlich einen RSS-Reader. Neuerdings Feedly. Ohne Feedly würde ich möglicherweise sterben.
Mein Blog läuft auf WordPress.

Wo sammelst du deine Blogideen?
Ich sammle sie nicht. Das mag daran liegen, dass dieses Blog für mich kein definiertes Projekt ist, mit dem ich ein spezifisches Ziel verfolge. Es ist eher so etwas wie ein geduldiger Lebenspartner, der sich vieles von mir anhören muss. Dass dieser Partner so sympathisch ist, färbt auf mich ab.

Was ist dein bester Zeitspar-Trick/Shortcut fürs Bloggen/im Internet?
Feedly. Siehe oben. Ohne RSS-Reader würde ich möglicherweise… achso, habe ich schon gesagt.

Benutzt du eine To-Do List-App? Welche?
Textdateien.

Gibt es neben Telefon und Computer ein Gerät ohne das du nicht leben kannst?
Ein Notizbuch vermutlich.

Gibt es etwas, das du besser kannst als andere?
Ich sehe Fehler. Ich sehe ständig Fehler. Überall. Baumängel, wie Menschen miteinander umgehen, Denkfehler, wie Menschen arbeiten. Kein Fehler entgeht mir. Ausnahme: Fehler bei mir selbst und Rechtschreibfehler.
Ich kann die richtigen Leute zusammenbringen, damit sie miteinander reden. Ich kann guten Pesto machen und offenbar mache ich auch die besten Spaghetti mit Tomatensauce. Ich kann gut schreiben. Ich kann sogar Musik komponieren, die mir und anderen gefällt. Ich kann singen. Ich kann das alles besser als viele andere. Es gibt aber auch Menschen, die das alles wesentlich besser können (außer Spaghetti mit Tomatensauce).

Was begleitet dich musikalisch beim Bloggen?
Ich höre nie Musik beim Schreiben. Schreiben ist bei mir eine emotionale Angelegenheit. Musik auch. Aber anders als das Wetter. Das Wetter ist ja auch eine emotionale Angelegenheit, aber das ist nicht so intensiv. Sagen wir so: Musik ist zu intensiv. Schreiben ist auch zu intensiv. Das verträgt sich nicht. Vielleicht höre ich aber auch nur unerträgliche Musik.

Wie ist dein Schlafrhythmus – Eule oder Nachtigall?
Beides. Ich kann nicht so gut mit Nachmittagen.

Eher introvertiert oder extrovertiert?
Manche sagen so, andere sagen so. Ich sage so und so.

Wer sollte diese Fragen auch beantworten?
Percanta, da ich damals ihren Buchschreibefragebogen nicht öffentlich beantwortet habe. Ich habe ihr das damals in einer Mail erklärt. Nun kann sie meine Anfrage öffentlich ignorieren.
Und auch Kassandra deren gleichen Fragebogen ich nicht öffentlich beantwortet habe. Allerdings bin ich nie dazu gekommen, ihr den Grund zu erklären. Grund genug, es jetzt gleich zu tun.

Der beste Rat den du je bekommen hast?
Richtig zuhören, damit man die richtigen Antworten geben kann. Richtig zu antworten ist unerlässlich.
Das hat Karl Lagerfeld mal der Zeitung gesagt.

Noch irgendwas wichtiges?
Öfter mal tief durchatmen. Hat Katharina Borchert mal in ihr altes Blog geschrieben. Das fand ich so Dalai-Lama-mäßig super.

Und hier steht, wie andere worken.

[...]

An unseren ersten Dates sahen wir immer ein bisschen aus, als würden wir Begräbnisse schwänzen. Letztes Wochenende haben wir dann geheiratet. Four faked funerals, aber ein ordentliches wedding.

Wegen der vielen Jahre, die wir nun schon zusammen sind, auch weil wir jetzt alt genug für solche Sachen wie Hochzeiten sind, vielleicht auch, weil es wichtig ist, so etwas wie die Liebe zu unterstreichen, zu zelebrieren, besiegeln, initiieren. Zusammen mit den uns liebgewordenen Menschen die bösen Geister ausräuchern.



[v]

Am letzten Sonntag war das Wetter so schön und ich ein bisschen planlos, weshalb ich im Netz die Spielpläne der unteren Ligen durchsuchte. So sah ich, dass Viktoria89 um 14 Uhr ein Heimspiel gegen Pommern Greifwald austrug. Dazu muss man wissen, dass Viktoria89 vor hundert Jahren einer der deutschen Topclubs war. Zwei mal gewannen sie die deutsche Meisterschaft (1908 und 1911) und in den fünfzigern spielten sie noch gegen Real Madrid. Bis der Club in finanzielle Schwierigkeiten und in die dunklen Kellergeschosse der unteren Ligen abstieg. Und dort fünfzig Jahre lang blieb. Seit zwei Jahren kickt der Verein immerhin wieder in der Oberliga Nordost (5. Liga) und führt dort die Tabelle an, und wenn alles weiter so läuft wie bisher, dann steigen sie im Juni vielleicht in die Regionalliga auf. Die Regionalliga ist so etwas wie die Grenze zum Profifußball. Ab Regionalliga aufwärts gilt der Fußballsport offiziell nicht mehr als Amateursport.

Ich setzte mich also ins Friedrich-Ebert-Stadion in Tempelhof zwischen alten Männern, Familien und vereinzelten jungen Paaren und sah eine ziemlich ansehnliche Fußballpartie. Dazwischen kam eine junge Frau, die Apfelschorle und Bier verkaufte, hinter mir unterhielten sich zwei Männer (vermutlich Oberliga Spezialisten) während des gesamten Spiels über die Fußballspieler auf dem Platz, sozusagen live-Kommentatoren mit dem nötigen Insiderwissen und einer unheimlich unterhaltsamen Subjektivität.

Am Ende gewann Viktoria 2:1 und sicherte sich die Tabellenführung. Nächsten Samstag geht es gegen den Malchower SV.

Beim Gedanken an deutscher Meister, Real Madrid und Olympiastadion ist so eine Spielkulisse natürlich super:

[es blüht, es blüht]

Als ich heute bei 11 Grad nachhause kam, zog ich die Winterjacke aus, holte die Frühlingsjacke aus dem Schrank, zog sie an und ging hinunter auf die Straße. Dort rief ich K an. Ich fragte sie, ob sie noch im Büro säße, oder ob sie schon auf dem Weg sei, ich möchte sie nämlich in meinem frühlingshaften Outfit auf der Straße in Empfang nehmen, es sei mir ein Bedürfnis. Sie sagte, sie sei noch nicht losgegangen, das würde also noch eine halbe Stunde dauern. Ich sagte, das sei bedauernswert, ich könne jetzt nicht einfach eine halbe Stunde auf der Straße herumstehen. Das fand sie auch bedauernswert. Also ging ich wieder in die Wohnung hoch. Hätte ich natürlich besser planen können.

#

Ich habe letzte Woche mit dem Joggen begonnen. Zum ersten mal in meinem Leben. Das erste mal bin ich losgerannt bis ich nicht mehr atmen konnte (0,8km). Vor dem zweiten mal habe ich mich im Internet aufgeschlaut. Einfach losrennen ist offenbar total doof. Jetzt habe ich einen Plan. Zwei Minuten laufen, zwei Minuten gehen. Etcetera. 16 Minuten am Stück. Danach spüre ich meine Beine nicht mehr. Der Laufanteil wird wöchentlich erhöht.
In zehn Wochen laufe ich 30 Minuten am Stück und atme dabei durch die Nase.

Immerhin habe ich mir Turnschuhe und einen Trainingsanug (Nike. Oder war es Adidas?) angeschafft. Sieht gut aus. Doof sind nur die Leute, die mir beim Joggen zusehen. Das war ehrlich gesagt der Grund, warum ich nie joggen wollte. Doofe Leute, die doof schauen. Okay, ich war auch jahrzehnte lang zu faul dafür. Aber doofschauende Leute sind die Pest.

[zehn Jahre]

Ende März fing ich mit dem Bloggen an. Das war vor genau 10 Jahren, in 2003. Ich wohnte damals in Madrid und begann auf meinem Webspace mit einer simplen Seite namens tagebuch.shtml. Ich setzte das Datum oben dran und schrieb darunter, was an jenem Tag passiert war. Es war nichts besonderes geschehen, aber ich wollte es aufschreiben. Ich kannte damals antville und blogger nicht, und damit will ich jetzt nicht sagen, dass ich avantgardistisch unterwegs gewesen sei und an meinem eigenen finnischen Klub gezimmert hätte, damit will ich nur sagen, dass das Bloggen nicht erfunden zu werden brauchte, sondern es nichts weiter ist, als Dinge irgendwo hinzuschreiben. Leute, die eitel, extrovertiert oder verliebt sind, machen sowas, die schreiben ihre Sachen immer irgendwo hin. Als das Internet zu uns kam, schrieben wir es eben ins Internet. Ich fand die Bedeutungsschwere, die dem Bloggen eine zeitlang anhaftete, oft ein bisschen affig. Später verlief sich das glücklicherweise, es kamen ein paar Blogs, die als wichtig und gut und relevant angesehen wurden. Und der Rest tat weiter so, wie sie es gewohnt waren. Dadurch schlief es aber auch wieder ein wenig ein. Die Euphorie war raus. Oder die Leute waren weniger verliebt, ich weiß es nicht.

In diesen zehn Jahren ist natürlich unheimlich viel passiert. Ich bin jetzt 38 Jahre alt. Damals war ich 28. (Ahem). Ich zog nach Deutschland, Hamburg, dann nach Berlin. In Hamburg lernte ich über Blogs viele Menschen kennen, die mir wichtig wurden. Dann wurde ich zu Lesungen eingeladen, weil gewisse Leute gut fanden, was ich hier so schrieb. Als ich nach Berlin kam, landete ich in einen voll funktionierenden Freundeskreis, der sich gänzlich aus Blog-Bekanntschaften zusammensetzte. Menschen, die ich vorher drei oder vier mal gesehen hatte, kannte ich über das Internet bereits so gut, dass sie nach meinem Umzug sofort zu vollwertigen Freundschaften wurden. Das fand ich gut. Witzig auch. Andererseits ebbt diese Entwicklung aber auch wieder ab. Neuerdings lerne ich hauptsächlich Leute kennen, die mit Blogs überhaupt nichts anzufangen wissen. Vielleicht, weil die Euphorie der Blogs vorbei, schließlich verwenden sie Facebook und vermutlich sind sie nicht extrovertiert/eitel/verliebt genug. Vielleicht ist das der Erfolg von Facebook. Facebook ist vielleicht für Blogger, die nicht extrovertiert/eitel/verliebt genug sind.
Und dann meine Freundin. K habe ich in einem Restaurant kennengelernt. Na sowas. K konnte mit Blogs nichts anfangen und Facebook misstraut sie sowieso. K sagt aber ständig twitterwürdige Sätze. Da sie nicht twittern mag, habe ich einmal darüber nachgedacht in ihrem Namen ein Twitteraccount zu öffnen um ihre mündlichen Tweets ins Netz zu bringen. Damit ich beliebt werden würde. Habe ich aber sein lassen. Fand ich gleich blöd, als ich den Gedanken zu Ende gedacht hatte.

Für Twitter bin ich nicht ungeniert genug. Ich verwerfe Tweets ständig, weil sie mir vor dem Posten immer albern vorkommen. Oder zu gewollt. Oder aufdrängend. Ich dränge mich damit in die Timeline anderer. Das ist mir unerträglich. Bloglesen ist eher ein Holen. Wobei das mit durch RSS-Feeds faktisch auch nicht stimmt. Aber es fühlt sich eben so an. Twitter ist ein Freundeskreis, das mag ich daran. Wenn man sich beispielsweise Abends auf dem Sofa mit dem Handy live über Serien austauscht oder wenn man sich einfach Gute Nacht wünscht. Mir liegen im Freundeskreis eher die eins-zu-eins Gespräche, oder die Gespräche am Esstisch, was sich wiederum in meinem Twitterverhalten wiederspiegelt. (Leider. Ich finde Twitter nämlich total genial.)

Aber zurück zu den zehn Jahren Weblog. Als ich irgendwann verstand, dass ich bloggte, fiel mir auf, dass ich mir nicht mehr vorstellen konnte, es NICHT zu tun. Vermutlich werde ich in zehn Jahren also wieder einen ähnlichen Eintrag schreiben.

(Okay, dem Ende fehlt jetzt irgendwie der Schwung.)

[...]

Neulich: mit Frau Casino auf einer Party. Wir standen in der Küche herum, jemand wollte wissen, wie das so ist mit den Blogs, ob das nun nicht ein bisschen tot sei. Wir aber sagten: NEIN, wir haben jetzt Montez! Wir sind jetzt alle verliebt in Montez. (So ähnlich sagten wir das).

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WhenyouliveinBerlin — Tumblr GIFs.

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“It was always you, Helen”. Abgelegt in meine Liste der romantischsten Songtitel. In diesem Fall: aus dem Soundtrack für einen etwas trashigen Horrofilm aus den Neunzigern. Musik von Philip Glass. Dieser Titel!