Die Präsentation ging gut. Vor solchen Präsentationen kann man aufgrund von Nervosität wenig mit mir anfangen. Ich bin Bühnen nicht gewohnt und mag sie auch nicht unbedingt. Ich wäre ein schlechter Redner, ich hätte immer Lampenfieber. Früher, als ich noch öfter Lesungen gab, konnte ich vor Aufregung den ganzen Tag nichts essen. Lesungen fanden immer abends statt, das waren immer viele Stunden ohne Nahrung. Nur Alkohol vertrug ich. Aber der Alkohol tat meinem Sprachzentrum nicht gut. Was ich allerdings lange nicht verstand.
Immerhin fand die heutige Präsentation um 11:30 statt, das brachte meinen Ernährungshaushalt also kaum durcheinander.
Nach Feierabend gingen wir mit der Datenschutzbeauftragten aus Amsterdam etwas essen. Ich bat einige der Jungs mitzugehen, weil ich es irgendwie daneben fand, alleine mit einer attraktiven Mittezwanzigjährigen essen zu gehen. Ich finde sie wirklich super, sie ist sehr kompetent und wir hatten auch schon viel Spass auf der Canal Pride in Amsterdam, aber dennoch wollte ich, dass die anderen Jungs mitkommem. Zum einen, weil ich nicht der Typ Manager bin, dem es gut gelegen kommt, in seiner Machtfülle junge Frauen auszuführen und sich bezirzen zu lassen, aber ich mag es auch schlichtweg nicht, von jungen Frauen bezirzt zu werden. Junge Frauen flirten oft aus Höflichkeit und ich will nicht alleine mit einer Frau ausgehen, die sich irgendwie verpflichtet fühlt, höflich nett zu mir zu sein. Ausserdem gebe mich bei attraktiven, jungen Frauen immer betont desinteressiert, einfach weil ich es nicht mag, wenn junge Frauen ihre Junge-Frauen-Waffen ausfahren. Einerseits weil das bei mir ohnehin nicht besonders Anklang findet, aber ich will mich schlichtweg nicht dazu verhalten müssen.
Frauen ab Mitte vierzig hingegen können das gerne tun, die haben raffiniertere Waffen, für die bin ich wesentlich empfänglicher.
Der Officemanager wählte das Sticks ’n‘ Sushi in der Potsdamer Strasse direkt gegenüber dem Wintergarten. Das soll das beste Sushirestaurant der Stadt sein. Das waren wirklich sehr gute Speisen mit saurem Reis. Offenbar gehört das Lokal zu einer dänischen Kette, die sich als Mischung aus japanischer Tradition und dänischem Anarchismus definiert. Dem Gedanken kann ich folgen.


