Wäre jemand so nett mir ein/e/n Ostdeutsche/n/s Autor/in/Buch zu empfehlen?
Ich suche erzählende Prosa über den Alltag in der DDR, vorzugsweise Berlin. Alltag, also Einkaufen, Arbeiten, gerne auch Liebe, Aufstand etc.
Der beste Tip kriegt aufrichtigen Dank.

bis die Motten kommen

Jette öffnet ihren Schrank und will das selbe u.a. von mir. Natürlich folge ich dem Ruf, schließlich habe ich seit zwei Wochen einen Kleiderschrank, was ich schon lange erwähnen wollte, aber nicht wußte wie. Und weil das so schön ist, erwähne ich dies in der ersten Frage gleich nochmal.

Hast Du einen normalen Kasten oder z.B. einen begehbaren Kleiderschrank? Wie groß ist er?
Ich besitze seit etwa zwei Wochen einen Kleiderschrank.

Wieviele und welche T-Shirts sind darin?
Ich finde darin fünf Tshirts. Schwarz. Drei davon trage ich.

Und wie sieht’s mit den Tops aus?
Das habe ich mir abgewöhnt.

Wieviele und welche Kleider?
Stehen mir irgendwie nicht. Vor allem nicht die Kurzen.

Auch Röcke?
Kilt sieht nur mit den richtigen Socken gut aus.

Wieviele und welche Pullover besitzt Du?
In meinem Kleiderschrank liegt ein Pullover. Er ist dunkelgrau. Getragen habe ich ihn zum letzten mal vor — das liegt bestimmt zehn Jahre zurück.
Aber früher, ja früher, trug ich immer einen gelbschwarzen Bienemaja-Pullover. Immer. Auch wenn er nicht mehr so gut roch. Und dazu trug ich immer eine grüne Hose die ich zu kurz abgeschnitten hatte (Immer. Auch wenn sie nicht mehr so gut roch). An den Füßen baumelten schwere, Schweizer Armeeschuhe aus den waswassich-zigern. Mein Haar war damals Sparkassenrot, und dermaßen verfilzt, dass es aufrecht stand.
Als ich eines abends durch die Bozner Erbsengasse spazierte, kamen mir eine Mutter und ihre kleine Tochter entgegen. Und die Erbsengasse war immer schon ein wenig düster. Die Mutter wechselte unmittelbar die Gassenseite als sie mich sah. Die kleine Tochter, eine etwa siebenjährige Rotznase, die von diesem etwas unglücklichen Manöver ihrer Mutter (die Erbsengasse ist auch sehr schmall) nichts mitbekommen hatte, zeigte auf mich und schrie: “Schau Mama, der Pumuckl!”.
Am nächsten Tag trug ich schwarz. Seitdem nur noch.

Und Westen?
Sieben. Davon sechs Schwarze und eine Graue. Ich trage sie allerdings nicht mehr seit ich so dick geworden bin, da ich darin aussehe wie ein Onkel der sich auf Hochzeiten besäuft und sabbernd junge Mädchen anlächelt.
Dabei will ich doch nur nett sein.

Wieviele und welche Jacken?
Etwa zehn identische, schwarze Samtjackets, zwei schwarze Cordjackets, drei verdammt gut sitzende Anzugsjackets und eine Jacke für drüber wenns mal kalt ist. Ohja und eine Lederjacke die ich dringend mal zum Schuster bringen muss.

Und Mäntel?
Ich sehe darin aus als trüge ich nichts darunter.

Wieviele und welche Jeans hast Du?
Ein Paar. Trage ich allerdings nur bei Umzügen.

Auch andere Hosen?
Ja. Die restlichen zehn, zwanzig, sind Nadelstreifen. Mit Bügelfalte.

Wie sieht’s mit Accessoires aus (Gürtel, Schals, etc)?
Hosenträger.
Und ein stählerner Bergbursche wie ich trägt natürlich keine Schals.

Was ist sonst noch in Deinem Kasten bzw. begehbaren Kleiderschrank?
Unterhosen!. Eine sogar in rot.

Welche sind Deine Lieblings-Klamotten?
Viel Auswahl habe ich ja nicht. Alles gleich, da.

Was machst Du, wenn Dir etwas zu gross / zu klein geworden ist?
So lange anziehen bis mir die Luft wegbleibt.

Knöpfe annähen etc. – Machst Du das selbst?
Klar doch. Kurz bevor ich ersticke, platzen glücklicherweise meine Hosen. Weil das immer öfter passiert bin ich sozusagen ein Knopfannähweltmeister geworden.

Wieviele und welche Schuhe hast Du in Deinem Schuhschrank?
5 Paar schwarze Lederschuhe. Ein Paar schwarze Lederschuhe aus 1939. Ein Paar Bergschuhe (um den Prenzlauer Berg hochzuklettern). Ahja und ein Paar Sportschuhe zum Völkerballspielen.

Und ich werfe weiter. Erst will ich von Maestro37 wissen welche Art Socken er in seinem Kleiderschrank versteckt, dann soll mir Burnster mal seine Tops zeigen.

Und immer wieder dieses wunderbare Gefühl. Leider geht es wegen meteorologischen Einschränkungen nur einmal im Jahr. Aber es ist immer wieder ein unbeschreiblich schönes Gefühl: rausgehen zu den Mitrauchern, bedeutungsschwanger in den Himmel schauen, den Mund ein wenig verziehen und sagen: Das wars jetzt mit dem Sommer.

Gestern, mangels anderer Momente des Glücks, gleich dreimal gemacht.

mit halben Sinnen

I

ch laufe wackeligen Schrittes durch den finsteren Hinterhof. Es gab Flensburger Pils und Flens macht merkwürdige Dinge mit meinen Beinen. Ich merke, dass sich noch jemand im Hof befindet. Es ist das Geräusch einer Fahrradkette wodurch ich darauf aufmerksam werde und einen Augenblick lang meine ich, die Umrisse eines Mannes erkannt zu haben. Ich stöhne gespielt und grummle etwas von Finsternis und Scheiße während ich umständlich mein Feuerzeug aus der Hosentasche puhle um mir den Weg zu leuchten. Ich ignoriere den Mann absichtlich, er soll sich unbemerkt wähnen, das verschafft mir den Vorteil auf einen Überfall gefaßt zu sein während er sich sicher glaubt und mögliche Fehler begeht. Später werde ich mir an den Kopf fassen und denken, Menschmek, der Rambo in Dir .
Doch wider Erwartung spricht er mich an. Er klingt friedlich, auch wenn ich das Gesagte nicht verstehe. Er sagt etwas von Finsternis und Scheiße, das macht vertraut. Langsam gewöhnen sich die Augen an die Dunkelheit und ich kann den Umriss seines Kopfes sehen. Er hat sehr kurze Haare, sein Kopf ist rund. Er sagt ich solle auf seiner Seite gehen, da stecken die Pflastersteine nicht so hervor, im Dunkeln könne man hier ganz schön stolpern. Ich folge ihm zur Tür. Er sperrt sie auf und schaltet das Licht an. Die Lampe im Hauseingang knallt und geht aus. Doch habe ich ihn in diesem kurzen Augenblick sehen können und er mich auch. Er trägt eine schwarze Bomberjacke und hat ein unglückliches Gesicht. Ich frage mich ob man Unglück wirklich erkennen kann, ist ja immer so eine komische Sache, die Sache mit dem Glück, man soll es nicht mit Müdigkeit verwechseln, es ist ja mitten in der Nacht und die paar Worte die er gesprochen hat, zeugen davon, dass er womöglich ein wenig getrunken hat, was ich daraus schließe, dass ich ihn schlecht verstanden habe. Ich mag diesen Schluß, ich mag es wenn ich mir zu später Stunde die Welt einfach erkläre.
Er sagt: Scheiße. Das kaputte Licht. Doch dringt ein wenig Licht von den Lampen aus dem restlichen Treppenhaus nach unten zu uns. Ich sage auch: Scheiße.
Er sagt es werde alles immer schlimmer hier, die Miete würden sie wohl auch bald erhöhen. Wir steigen nebeneinander die Treppen hoch und ich frage ihn ein wenig verwundert ob dem wirklich so wäre, ich hätte den Eindruck die Hausverwaltung erledige meine Anliegen eigentlich immer recht zügig.
Aber ich sei ja auch neu, schiebe ich hinterher. Vielleicht habe sich die Hausverwaltung ja gute Vorsätze gemacht, neue Mieter, neues Leben sozusagen.
Er bleibt kurz stehen und ich meine zu erkennen, dass er sich zu mir umdreht und Augenkontakt sucht. Auch ich bleibe stehen. Ich gebe zu, dass ich das selbst nicht glaube. Er lacht.
Er fragt mich ob ich der Neue sei, der aus dem dritten Stock. Ich nicke. Doch als ich merke, dass es vermutlich zu dunkel ist um mein Nicken zu erkennen, sage ich: ja.
Martha, so sagt er, habe schon von mir erzählt. Ich sei ja ganz OK.
Ja wenn Martha das sagt, erwidere ich, dann müsse es wohl so sein. Martha sei ja auch ganz OK. Er nickt. Oh, er nickt, denke ich, dann ist es gar nicht so dunkel wie ich dachte. Ich hebe meinen Arm und sage, dass auch die Lampe im ersten Stock kaputt sei.
Issjanding, sagt er, wie die alten Leute. Stirbt einer, schluckt der andere gleich ne Schachtel Pillen.
Ja, sage ich, es sei schon schön.
Ich gehe weiter. Er folgt mir.
Ich bin wackelig auf den Beinen. Und meine Beine sind wie Blei. Auch er. Wackelig jedenfalls. Er hält sich am Treppengeländer fest. Wäre Licht, dann wären wir ein altes Ehepaar, das sich die Treppen hochkämpft.
Wer er denn sei, frage ich ihn. Sven aus dem vierten Oh-Geh, bekomme ich zurück. Je höher wir kommen desto heller wird es. Aus dem zweiten Stock erreicht uns das Licht.
Er sei ja der einzige hier der ein ANTIFA-Poster an der Türe hängen habe. Er sagt das als gehöre das zum Wohnen in diesem Haus dazu. Soso, sage ich. Antifa also. Es laufe ja auch viel von dem rechten Grölgesindel rum hier.
Jaja, erwidert er, hier umme Ecke fange gleich Braundeutschland an, ganz übel. Bei der Kneipe an der Ecke fange es an.
Das sei schade, sage ich, ich habe nämlich vorgehabt dort zu fragen ob sie auch Paulispiele zeigen würden. Die haben ja Premiere und Pauli sei jetzt schließlich wieder zweite Liga, also richtiges Fernsehfußball.
Paulispiele! ruft er und lacht. Sollte ich in jener Kneipe je St.Pauli erwähnen dann dampfe da braune Kacke.
Komischer Ausdruck, das mit der Farbe, sage ich.
Jaja, sagt er, schon wahr.
Wir erreichen den zweiten Stock und es ist hell. Hell hier, sage ich. Ja, antwortet er, so soll es auch sein. Hausverwaltung Scheiße, sage ich. Er nickt. Er fragt mich wo ich denn herkäme, ich sage Südtirol und er sagt, aha. Und dann sagt er Österreich sei gar nicht so übel. Ich sage: nee, Südtirol ist nicht Österreich. Und er sagt, dochdoch, er sei schonmal in Tirol zum Schifahren gewesen und das war eindeutig Ösiland gewesen.
Tirol, sage ich und will irgendwo ansetzen, doch ich finde den Ansatz nicht und seufze. Dann füge ich hinzu, dass das sei schon OK sei, ein Antifaschist müsse solche Dinge nicht wissen. Ich wisse viele Dinge auch noch nicht lange.
Welche Dinge, will er wissen.
Nunja, erwidere ich, wie das mit Preußen so war.
Komische Sache das mit Preussen, sagt er. Ich nicke. Doch weil er mich nicht ansieht, gebe ich ein zustimmendes mhm von mir, das aber eher wie ein müdes mmm klingt, und hoffe dabei, er möge das versteckte h gehört haben. Zustimmung täte ihm durchaus gut, denke ich mir so.
Wir haben inzwischen den dritten Stock erreicht und ich frage ihn woher er käme. Leipzig sagt er. Ich antworte, dass ich Leipzig möge, dass es dann aber kein Wunder sei. Ich bin stehengeblieben da ich im dritten Stock wohne. Er hat schon zum Weitergehen angesetzt, doch als ich stehenbleibe scheint ihm einzufallen, dass mein Weg hier zu Ende sei. Auch er hält inne.
Wunder? fragt er mich.
Ja, Wunder. Die Sache mit Österreich und Preußen.
Ahso, antwortet er und scheint nachzudenken. Dann macht er eine Geste mit dem Kopf, mit dem Kinn eher, und weisst auf die drei Wohnungstüren hinter mir. In welcher ich wohnen würde. Mitte, sage ich.
Ahso, sagte er. Er wohne links. Er sei leise. Aber das Pärchen über mir sei auch OK. Sie würden nur manchmal laut ficken, aber das ginge schon. Lautes Kochen, also Pfannenscheppern, sei schlimmer.
Lautes Pfannenscheppern? frage ich. So mitten in der Nacht?
Weiß ich nicht, antwortet er.
Das Licht im Treppenhaus geht aus. Es ist wieder Finster. Ich schaue hinter mich um das kleine rote Lämpchen des Lichtschalters zu finden. Doch ich sehe es nicht. Er sagt, da, bei meiner Wohnungstür, da müsse der Lichtschalter sein, das sei oben bei ihm jedenfalls so. Ich grummle. Ich taste mich in der Finsternis voran, sehe aber immer noch kein rotes Lämpchen. Ich stoße meine ausgestreckten Finger an der Tür der Nachbarin. Dann geht das Licht an. Der Nachbar hat den Schalter bei der Treppe gefunden.
Er fragt mich ob och sein Poster sehen wolle. Ja klar, sage ich. Und das freut mich wirklich. Auch noch zu später Stunde. Ich sehe mir immer gerne fremde Wohnungen an. Die Rückzugsorte, Nester, wo die Leute die immer anwesende Anpassung abwerfen.
Wir gehen hoch ins vierte OG, vor der linken Tür machen wir halt. Er zeigt auf das Poster. Das Poster ist sehr dunkel und es steht viel darauf geschrieben. In rot das Großgedruckte, in weiß das Kleingedruckte. Ich lese was darauf steht und vergesse es sofort wieder. Ich seufze, dass das schon ein Elend sei mit der Ostdeutschen Jugend. Ich sage Sozialneid sei eine komische Sache. Er nickt und schaut dabei bitterernst. Ich referiere über Sozialneid, ich bin aber zu müde um wirklich tiefschürfende Formulierungen zu finden. Oder nein, es sind nicht so sehr die Formulierungen die mir fehlen, sondern die klugen Gedanken. Er nickt aber. Das freut mich.
Sozialneid ist komisch, sagt er.
Dann nicke ich.
Er müsse nun schlafengehen. Man sehe sich bestimmt mal wieder. Ich bin ein wenig verwirrt. Das Poster wollte er mir also zeigen, nicht die Wohnung.
Stimmt, hatte er ja auch gesagt.
Stimmt, sage ich, ich auch.

W

enn ich Diktator von Berlin wäre, dann würde ich den Großen Bunkerberg im Volkspark Friedrichshain kahlschlagen. Alle Bäume weg und meinetwegen in die Gärten der Bäumeschützer verpflanzen und dann am Südwesthang des Berges mehrere breite, ineinander verschlungene Steintreppen bauen lassen, mit einzeln, von Künstlern entworfenen Laternen an vielen Ecken. Die Treppen wären immer wieder von kleinen Terrassen unterbrochen wo Liebespärchen knutschen, und dicke Italiener Eis verkaufen. Abends säßen auf den Treppen Leute beim Schachspiel oder die Dorfjugend beim Umwerben der angereisten Weltenbummler. Es säßen dort natürlich auch die unvermeidbaren Gitarrenspieler die sich bei Wein und Hanf in die Herzen der gutgläubigen Mädchen einspielen, und auch die Landschaftsmaler, die, die den Abendhimmel rosapinkorange malen. Und die älteren Ehepaare oder frisch Verliebten, den Blick gen Westen, man sähe die Abendsonne hinterm Brandenburger Tor verglühen, die breiten Alleen, die Spitzen der Türme und nachts die Lichter der Stadt die den Wein aus der Flasche versüßen. Und oben auf dem Gipfel auf der Plattform stünden natürlich Skulpturen. Jeden Monat neue.

Aber nein, Berlin hat diesen 78 Meter hohen Berg, mitten in der Stadt, eigentlich eine Sensation, dann kommt man außer Atem auf dem Gipfel an, und alles was man sieht: Bäume. Dichte, hohe, dunkelgrüne Bäume. Langweilige, weitsichttötende, bäh, Bäume.

Wenige Monate bräuchte ich nur. Als Berliner Diktator würde man mich natürlich bald stürzen, ich wäre grottenschlecht, ich würde die Stadt vermutlich in ein wirtschaftliches Desaster steuern, aber wenige Monate bräuchte ich nur um den Bunkerberg kahlzuschlagen, die Baumfreunde mundtot zu machen und diese Treppen zu bauen. Wenige Monate nur.

leibesmüh’

Gründe, diese Fragmente und Anekdötchen und ab und zu eine kurze Geschichte ins Netz zu stellen gibt es viele. Viele kleine Gründe, neben all den Großen. Derzeit halten mich kleine Gründe davon ab, die großen Texte – also die Großen in Termen der Länge und nicht der Größe – hier reinzuparken. Es paßt nicht, und die kürzeren Sachen sind zu lang, dass sie es vermutlich nicht schaffen die kurze Aufmerksamkeitsspanne der Bildschirmleser festzuhalten, letztendlich will ich halt auch nur, dass das Zeug auch gelesen wird, so richtig gelesen eben, innehalten und mitschwitzen, ich will ja nicht fiesen Nieselregen schreiben.
Dann kommen die Leute die sagen es sei vergeudete Müh’ die Texte ins Netz zu kippen, ja auch das Kurze, man solle es verschließen bis es verlegbar werde, nur dann sei es wirklich ernsthaft und wirklich wirklich. Hamse natürlich recht auf der einen Seite, aber das ist so unwichtig, aber sowas von.

Und dann kommt jemand völlig Fremdes aus dem Netz, gibt in der Suchmaschine seiner Wahl Judith Hermann 2007 ein, landet bei dieser Anekdote und unternimmt dann etwas, bei dem ich mir dann denke, ja genau, ja genau dafür tuh ich es (neben dem Nobelpreis natürlich).

arno schmidt ist unterwegs.
für die jh geschichte.
gruss aus berlin

(Blöd nur, dass Amazon lediglich meine alte Adresse hat)

dem Genitiv sein Tod

“Und warum ist der Dativ ‘sein Tod’?”
  “Weil ungebildete Leute wie wir, der Einfachlichkeit wegen, den Dativ benutzen”
“Wie geht Genitiv? Mach mal ein Beispiel bitte.”
  “Die Mutter des Vaters”
“Und Dativ?”
  “Oma”

[klatschen, Abgang, Vorhang zu, Currywurst]

Leibeszüchtigung

Auf die Gefahr hin, dass dieses Blögchen nun vollkommen der Leibeszüchtigung zu Diensten steht, hier noch einmal der nächste Völkerballtermin. Der Link ist jetzt fest in der Seitenleiste verankert und wird wöchentlich mit dem jeweiligen Datum aktualisiert. Hach, Technik.

das Spiel der Internationalen

Die Filmaufnahme des gestrigen Spieles.

Weil Muskelkater so schön ist und Bier bei Sport und Sonne so lustige Dinge mit dem Kreislauf macht, wollen wir das jetzt öfter machen. Was ist besser: Wochentags, Samstags, Sonntags?

dann die Lichter

Ich könnte jetzt hunderte Fotos hochladen. Vom letzten Wochenende. Als ich für zwei Tage in meine Heimat fuhr. Auf den Tschögglberg, um die Gläser zu heben, auf meine Schwester, die diese nimmerendenwollende Studienjahre in Wien mit Bestnote abgeschlossen hat. Ich könnte Fotos hochladen von diesem einzigartigen Ort, das Wirtshaus am Tschaufen, auf diesem lichten Hügel oberhalb der Klippen die steil und tief ins breite Etschtal abstürzen. Wie Julietta und ich draußen auf der Wiese saßen, die Spitze des Penegal suchten, ich ihr die Burgen zeigte und benannte, die man zu unseren Füssen im ausgestreckten Tal den Jahrhunderten trotzen sah. Man kann das ganze Überetsch überblicken, die Dörfer wie Flecken auf einem Teppich, und von Bozen nur den allgegenwärtigen sommerlichen Dunst der sich ins Etschtal hineinstreckt.
Später der lange, gedeckte Tisch auf der Wiese. Wie wir alle da saßen, Familie, Schwiegerfamilie, Großeltern, Enkel, die Nachbarn. Das Essen in 5 Gängen vom jungen Pater, der stundenlang in der Küche kleine Kunstwerke fabrizierte. Wie es mich faszinierte in dieses liebevoll zubereitete Fleisch zu beissen, mich den fleischigen Freuden dieses zutiefst geistigen Menschen hinzugeben. Dann der Guate Rotwein der uns in der Nachmittagssone ganz sanft auf die Augenlider drückte. All die rotbackigen Kinder die dort gerade aufwachsen, von denen man später mal sagen wird, die seien nie krank, die haben ja ihre ganze Kindheit im Schlamm gewühlt. Wie unbeholfen die kleinen Mädchen in ihren Kleidchen wirken in die man sie gesteckt hat. Rosa Kleidchen und auf dem Hintern natürlich der obligatorische Schmutzfleck. Die Knie verbeult.
Und wie nachher die Freunde aus den Tälern und aus den Städten kamen. Atemlos, weil man auf den Tschaufen nicht mit dem Auto hinauffahren kann. Die Freude des Wiedersehens bei Grillwurst, Grillauberginen und Kartoffelsalat. Wir spielten Karten, ich lernte das Wattn. Und verlor natürlich. Als ich kurz davor war zu gewinnen wurde ich vom rauchenden Brotofen abgelenkt. Brotofen, dachte ich und staunte als mir bewusst wurde, dass da ein eigenes, kleines Gebäude neben unseren Tischen stand in denen Brot gebacken wurde.
Wie die Nacht hereinbrach, ohne dass ich es wirklich merkte, weil der Rotwein schon lange Schatten über mich geworfen hatte, wie wir wieder zu zweit auf der Wiese saßen, nur diesmal die Sterne über uns, und im Etschtal die Lichter der Überetscher Dörfer schillerten und die Lampen der Strassen die diese wie eine Lichterkette verbanden, als würden sie wachen. Im Hintergrund der Penegal, die Mendel, weiter links das Weiß- und das Schwarzhorn, dunkel hervorgehoben im vom Mond erleuchteten Alpenhimmel. Während oben am Haus die Leute feierten. Später sangen meine Schwestern und Schwiegerschwestern die Beatles. Und Schlaflieder. Ich war gerührt und dachte für einige Momente es seien Engel, so klar waren ihre Stimmen und so seelig sangen sie. Ich habe sie alle fotografiert. Und den Engelchor habe ich sogar gefilmt.

Nachts schliefen wir alle im Heustadel. Einige legten ihren Schlafsack auf die Wiese. Beim Einschlafen knisterte es. Als ich morgens das Stadeltor öffnete, schien mir die Sonne ins verschlafene Gesicht und unter mir waren im breiten Etschtal die Lichterketten dem neuen Tag gewichen.

Ich könnte auch Fotos hochladen vom Abschied am Bozner Bahnhof, wie ungerne wir uns alle trennten, sogar in Gruppen vor der Kamera posierten, wie man sagte, man sähe sich bestimmt bald wieder, und wie man dann doch immer weiß, dass es wieder viel zu lange dauern wird.

Aber ihr ahnt es. Es hängt über diesen Text wie diese altmodische Stichwaffe jenes unsympatischen Griechen: Ich habe im Zug die Fotokamera verloren.