[final destination]

Der Flug sollte letzten Donnerstag um vier Uhr abheben. Wir waren in Amsterdam zum Essen verabredet, im Blauw am Amstelveenseweg, manche sagen, es sei der beste Indonesier der Stadt, wir waren schon letztes Jahr da und freuten uns schon sehr auf die Reistafel. Ich hatte einen Tisch für vier Personen um acht Uhr reserviert. Wir waren nur mit einem kleinen Koffer unterwegs, am nächsten Tag würden wir wieder zurückfliegen, ich fuhr praktisch mit den Händen in den Hosentaschen nach Schönefeld. Nun hatte unsere Begleitung aus krankheitsgründen abgesagt, K und ich entschieden uns aber trotzdem den Flieger zu nehmen, wir freuten uns auf das Essen und danach wollten wir in die Bierfabriek gehen und dann in einem nächtlichen Spaziergang an den Grachten zum Hotel laufen.

Wir waren viel zu früh in Schönefeld, wir setzten uns mit zwei Bieren an einen Tisch. K las ein Buch, ich hantierte mit dem Handy auf Facebook herum und las Nachrichten. Als es Zeit zu boarden war, gingen wir zum Gate, schauten auf die Abflugtafel und da stand auf einmal nicht mehr 16:00 Uhr sondern 19:00 Uhr. Da wir nur diesen kleinen Koffer hatten, fehlte uns die große Geste, das schwere Gepäck enttäuscht abzustellen und zu fluchen. Wir standen daher einfach da und sagten “hm”.
Das war blöd. Wir fingen an zu rechnen. Flugzeit, Taxi, wir kämen frühestens gegen neun Uhr im Restaurant an, allerfrühestens, bei Flugverspätungen kann es locker passieren, dass man noch eine halbe Stunde über Schiphol kreist, wir hätten keine Zeit gehabt uns aufzufrischen und das bisschen Gepäck ins Hotel zu bringen. Ich schaute auf mein Handy. In Amsterdam regnete es, Schauer, bei vier Grad und Wind. Auch am Tag darauf. Wir informierten uns. Das Flugzeug habe einen technischen Defekt, es müsse ein anderer Flieger aus Tel Aviv eingeflogen werden. Ich sagte, boah technischer Defekt, Regenschauer, die Krankheit unserer Freunde, das Essen im Blauw ist hin, das alles ist mir zu viel Omen. K sagte, wirst du jetzt etwa religiös. Ich sagte nein, aber nach dem ausgefallenen Essen kann nur noch ein Absturz kommen. Gut, zuerst kommen stinkende Sitznachbarn, danach erst der Absturz.
Wir zählten das Geld zusammen, das wir umsonst ausgeben würden, wir wiegten es mit der Wartezeit in Schönefeld auf, mit dem verpassten Essen, mit dem Schlechtwetter in Noord-Holland, mit dem Spaziergang, der keinen Spaß machen würde.
Kurz gesagt: wir schlenderten durch die Sicherheitsschleuse in die umgekehrte Richtung. Muss man auch einmal gemacht haben im Leben.

Doch wir waren im Urlaub. Wir fuhren in die Yorckstraße. Direkt. Nicht zuerst nach hause. Wir behielten das Gepäck bei uns, wir waren schließlich auf Reisen, wir fuhren mit der Sbahn zur Yorckstraße in ein indonesisches Restaurant, tranken indonesisches Bier und aßen indonesische Reistafel. Es war siebzehn Uhr. Wir blieben lange. Ich schaute auf mein Handy und studierte die Flughafenseite, ich wollte wissen, wie es mit unserem parallelen Schicksal aussah. Der Flieger hob dann tatsächlich um neunzehn Uhr ab. Stell dir vor, er stürzt ab, sagte ich, ich meine, wir sitzen hier in der Yorckstraße und unser Flugzeug stürzt ab, dann können wir sagen, dass wir nicht in den Flieger gestiegen sind, weil wir ein schlechtes Gefühl hatten. Die Medien machen Schlagzeilen daraus und die ganze Welt wird esoterisch. K sagte: dann kann ich eine Woche lang nicht mehr einschlafen. Kennst du Final Destination? Der Film in dem die Typen ein Flugzeug verpassen, das dann abstürzt? Wo dann das Schicksal zurückkommt und sie sich alle der Reihe nach holt? Alberner Film. Ja, alberner Film, war aber trotzdem gut. Ja, stimmt.
Was machen wir mit unserem Urlaub jetzt? Lass uns Morgen nach Potsdam fahren. Schlösser schauen. Und heute? Heute gehen wir ein paar Cocktails trinken. Oder wir gehen nach Hause und schauen diese neue Netflix Serie. Bloodline. Soll ja supergut sein.
Wir tranken ein paar billige Cocktails. Ich schaute immer noch auf die Flughafenseite. Du schaust immer noch auf die Flughafenseite, sagte K. Ich gestand, ich könne von meinem alternativen Schicksal nicht ablassen, es ließ mich nicht los, dass ich auf meinem Handy einer möglichen Gegenwart folgen konnte. Sobald das Flugzeug in Amsterdam gelandet ist, würde das Schicksal sich verlaufen, ich wüsste nicht mehr, was passieren würde, aber diesen Flug in dem ich eigentlich drin sitzen sollte, verfolgen zu können, verfolgte mich.

Das Flugzeug landete um neun.
Wir standen auf und fuhren nach Hause. Wir schauten Bloodline. Mehrere Folgen, bis in die Nacht. Zu allem Überfluss trinken sie in Bloodline Amstel Bier. Und Heineken. Ich habe noch nie Amstel in einem Film gesehen. Höchstens in holländischen Produktionen. Ich wusste gar nicht, dass außerhalb Amsterdams überhaupt Amstel getrunken wird. Sitzt man mal zuhause, während man in Amsterdam sein sollte, trinken die Leute im Fernsehen Amstel. Ich sagte, boah, das ist jetzt Final Destination, das Schicksal holt uns ein und zeigt uns Amstel Bier.

[Uh]

Gestern im Tik in der Boxhagener, Theater junger Radikaler, fünf wilde Frauen auf der Bühne, am Ende ziehen sie sich aus, Brüste, Po, ich weiß gar nicht wo ich hinschauen soll, verklemmt wegschauen geht nicht, interessierte Künstlermiene aufzusetzen ist heuchlerisch und so lächerlich, ich sehe Brüste und Po und denke tolle Brüste toller Po. Kunst. Billige Provokation.  Außerdem im Voyeurismus beraubt unter all den Leuten.

[wie das mit dem Trinken so ist]

Der Fragebogen der Bildungstrinker.

1. Was ist dein liebster Drink?
Das Pale Ale von Johannes Heidenpeters. Ein obergäriges, helles Bier, gleichermaßen stark blumig wie sehr bitter, ich könnte in sowas baden, wenn es nicht so schade drum wär.

2. Wann hast du das erste mal Alkohol getrunken?
Es wird immer diese Geschichte erzählt, wo ich als Vierjähriger mit den großen Männern auf der Alm beim Kegeln war. Ich war natürlich fürs Aufstellen der Kegel zuständig und durfte sonst nur zuschauen. Möglicherweise hat mich das gelangweilt, denn offenbar habe ich meinem Vater dann das Bier ausgetrunken. Der wunderte sich noch, dass sein Bier so schnell fertig war. Beim Gehen war ich dann der einzige der bleiben wollte. Ich war wohl sehr gut gelaunt.

3. Welchen Drink hast du am meisten bereut?
Ich würde nicht sagen, dass ich es bereue, schließlich kann mich zu wenig daran erinnern, aber es fühlt sich im Nachhinein etwas sinnlos an. Das war irgendwann Anfang der Neunziger, auf einer Wohnungsparty mit vielen Leuten und Punkmusik. Ich unterhielt mich nett. Dann reichte man mir eine volle Flasche Schwedenbitter und ich trank sie einfach aus.

4. Bar oder Kneipe?
Gibt es den Unterschied noch?

5. Champagner oder Schaumwein?
Prosecco.

6. Mit wem würdest du gerne trinken?
Mit Patricia Arquette. Und Julianne Moore. Und Emma Stone. Und Kate Winslet. Aber die trinkt nicht, glaube ich.

7. Bei wem würdest du gerne trinken?
Da war ich schon. Bei Sven Knoch. Wenn der den Stift niederlegt und seine Cocktails mixt.

8. Wie sieht deine Home Bar aus?

9. Beschreib deine Eiswürfel.
Das sind längliche Stäbe. Sieben Zentimeter lang, einen Zentimeter dick. Eigentlich total unpraktisch, sehen aber albern lustig aus.

10. Was ist deine Gin-&-Tonic-Empfehlung?
Ich habe keine wirkliche Vorliebe. Neulich in der Kreuzberger Markthalle 9 stand aber dieser Mann, der dem Tonic Chininsirup einrührte. Boah, ich sach euch.

11. Wie bekämpfst du deinen Hangover?
Schlafen. Und Wasser trinken. Ein bisschen Käse essen. Und schlafen.

[fb #6]

Mein Plan war, morgens zwei Stunden früher in die Firma zu gehen. Haken dabei ist, ich komme deswegen nicht zwei Stunden früher aus der Firma raus.
Immerhin: 50% des Planes erfüllt.

#

Schwiegermutter strickt mir einen Herthaschal. Klassenerhalt kann kommen.

#
Hotelzimmerblick. London.

#
Diesmal mit Prosecco. VIP Tribüne. (es war Luhukays letztes Spiel. Merkwürdige Stimmung.)

[humptydumpty]

Am gestrigen Samstagmorgen war ich früh unterwegs. Sogar die Geschäfte hatten noch geschlossen. Ich gehe Morgens eigentlich nie in ein Geschäft. Daher wusste ich gar nicht, wie spät Geschäfte überhaupt öffnen. Während ich vor dem Eingang des Galeria Kaufhof am Alex stand und zusammen mit einigen wenigen Schicksalsgenossen auf die Türöffner wartete, sah ich dann Humptydumpty wieder.

Humptydumpty heißt natürlich nicht so. Aber so nannten wir ihn damals, weil er dem richtigen Humptydumpty aus Alice in Wunderland so ähnlich sieht. Remember? Das Ei mit Armen und Beinen? Wobei der Vergleich natürlich seltsam ist. Der Humptydumpty vom Alex hat keine Beine mehr. AUßerdem sitzt er in einem Rollstuhl. Aber es liegt vermutlich an seinem kahlen, auffallend eiförmigen Kopf und seiner langen, rutschbahnartigen Nase. Vermutlich liegt es auch an diesem schelmischen Grinsen, das mich immer an Wesen aus meiner Kindheit denken ließ. Keine wohlgesinnten Gestalten. Solche die nachts durch die Wälder streunen oder im Unterholz leben. Also so, wie ich sie mir immer vorstellte. Als wir ihn vor vielen Jahren das erste mal sahen, sagte jemand, schaut der sieht aus wie Humptydumpty und wir schienen alle den gleichen Gedanken gehabt zu haben.

Er wohnte in dieser Seniorenresidenz unweit des Alex direkt gegenüber meiner ehemaligen Firma. Es wohnten dort auffallend viele Menschen ohne Beine. Ich konnte sie von meinem Schreibtisch im ersten Stock aus sehen. Humptydumpty und seine beinlosen Heimgenossen saßen meist den ganzen Tag draußen und rauchten Zigaretten. Sie schauten gerne den jungen Frauen nach. Sie redeten nie viel, aber sie saßen da vorm Heim in ihren Rollstühlen und rauchten.
Damals rauchte ich selber noch. Wir hatten kein Raucherzimmer, deshalb rauchten wir unten auf der Straße. Wir hatten diesen großen Aschenständer. Humptydumpty rollte oft auf unsere Straßenseite herüber und puhlte die Kippen aus den Ascher. Er hatte sich am kleinen Finger den Nagel wachsen lassen. Etwa drei Zentimeter lang. Der Nagel war braun und hatte sich gekrümmt, er sah aus wie eine Kralle. Mit dieser Kralle kratzte er die Kohle von den Kippen und krümelte den Tabak in seinen Schoß. Wenn er genug Tabak darin versammelt hatte, zog er Drehpapier hervor und drehte sich eine Zigarette. Anfangs bot ich ihm immer ungefragt eine Zigarette an. Ich fand das so arm. Anfangs nahm er sie stets an. Es wirkte widerwillig, doch er nahm sie an, er bedankte sich nie. Irgendwann lehnte er ab. Er grummelte etwas in sich hinein und winkte ab. Dann hörte ich damit auf.

Manchmal sah ich Humptydumpty mit seinen Kumpels durch das neue, glitzernde Alexa düsen. Ihre Urinbeutel baumelten immer unter den Sitzen ihrer Rollsessel. Sie waren so schnell, es wirkte als würden sie Rennen fahren.

Das mit den fehlenden Beinen beschäftigte mich. Ich googelte das einmal. Man kann Beine durch übermäßiges Rauchen verlieren. Wenn man Pech hat. Das ist ein schleichender Prozess. Man merkt es zuerst daran, dass man keine langen Strecken mehr laufen kann. Die Strecken werden immer kürzer. Bis die Beine weg müssen. Es kann aber auch ganz anders ablaufen. Es war jedenfalls das Jahr als ich zu rauchen aufhörte. Sage ich jetzt mal so dazu. Auch wenn es nicht damit zusammenhing. Klingt nur gut.

An diesem Samstag wirkte er glücklich. Er saß auf dem Alex, in seinem Rollstuhl und war der Morgensonne zugedreht. Er hielt die Augen geschlossen und rauchte.

[wenn wir reisen]

Was wir auf unseren Städtereisen so machen? Eigentlich so gut wie gar nichts. Wir besuchen keine Museen, keine Kirchen, keine Sehenswürdigkeiten von Innen, wir haben kein Programm. Wir spazieren eigentlich nur. Und wenn wir vom Spazieren müde sind, dann essen wir und wenn wir gegessen haben trinken wir. Wir spazieren eigentlich nur herum und essen und trinken. Wir spazieren stundenlang. Eher langsam, schauen in die Fenster hinein, reden über die Dinge die wir sehen, vergleichen sie, versuchen alles was wir sehen zu verstehen, oder auch nicht. Die Routen sind nicht unbedingt geplant, allerdings auch nicht willkürlich, wir suchen uns ein paar Ziele aus, einen Platz, ein Hochhaus, eine Bar, ein Stadtteil, wir lesen im Hotelbett darüber, dann gehen wir hin, manchmal erreichen wir die meisten dieser Ziele, manchmal nur wenige. Manchmal folgen wir den Massen, manchmal sehen wir etwas, das unsere Aufmerksamkeit einfängt, eine Sichtachse oder ein Dach aus der Ferne, dem folgen wir dann. K hängt sich gerne bei mir ein, wir sind dann oft ein bisschen ungelenk beim Laufen, dafür aber langsam und ein wenig vertiefter vielleicht. In die Dinge die uns beschäftigen. Vielleicht sind wir aber auch einfach nur langsam.
Wenn wir uns irgendwo zum Trinken hineinsetzen, steigt uns das erste Bier sofort in den Kopf und wir werden cremig. Dann essen wir meist herzhafte Sachen, Burger oder Steaks und trinken noch ein zweites, drittes, viertes Bier und werden noch viel cremiger. So cremig, dass man uns auf eine Stulle schmieren kann.  So machen wir das auf unseren Reisen. Nur falls sich jemand fragt.

[Vanilleeis mit salzigem Karamell und Popcorn]

Letzten November saß ich in New York in einem koreanischen Grillrestaurant und wählte diesen eigenartigen Nachtisch von der Dessertkarte. Ich neige immer zu Experimenten, sehe ich etwas komisches oder etwas ausgefallenes, muss ich es immer probieren. Dummerweise ist das meist nicht zum Vorteil. Aber manchmal gibt es diese Lichtblicke. Als ich an jenem Novemberabend dieses Vanilleeis mit salzigem Karamell und Popcorn aß, war ich dermaßen verzaubert, dass ich glaubte, mich in ein Glühwürmchen zu verwandeln. Das Eis und das Salz zerliefen auf meiner Zunge und mein ganzen Glühwürmchendasein zerlief darin mit und in mich hinein. Ich bestellte sofort eine zweite Portion nach.

Gestern Abend habe ich es für meine Gäste nachgekocht. Der Geburtstagsnachtisch geht so:

Zutaten für acht Personen:

150g Butter
200g Sahne
250g Zucker
1,5 TL Salz

Vanilleeis
Popcornmais

Schwierigkeitsgrad: nicht schwierig

Vorbereitung:
Man nimmt am besten einen hohen Topf, beispielsweise einen Spargeltopf oder ähnliches. Karamell wird sehr heiß und sobald man die Sahne hinzufügt, entwickelt sich ein äußerst lebhafter Blubb, der heißen Dampf ausstößt, das kann ins Auge gehen. Außerdem soll man einen Kochlöffel aus Holz nehmen, nicht aus Kunststoff. Einer der Gäste erzählte, wie beim Karamellkochen einmal nur noch der Metallstiel übrigblieb. Sowas wollen wir nicht.

Los gehts:
Als erstes muss der Zucker in den Topf. Gebt Wasser dazu, gerade so viel, dass sich der Zucker vollgesogen hat. Er soll gleichmäßig über den Boden verteilt sein. Dann erhitzen und warten bis es braun wird. Am besten fasst man es zu diesem Zeitpunkt nicht an, man lässt es nur Blasen machen, bis alles braun geworden ist. Es soll nicht dunkelbraun werden, da das Karamell dann bitter wird.
Sobald man den gewünschten Braunton hat, zieht man den Top von der Hitze und gibt die Sahne dazu. Achtung, jetzt kommt ordentlich Dampf aus dem Kessel. Die Sahne gleich gut unterrühren, den Topf wieder zurück auf die Hitze und unter kleiner Flamme solange rühren bis sich die Sahne richtig in den Zucker aufgegangen ist. Gleichzeitig kann (unter ständigem Rühren) auch die Butter hinzugegeben werden.
Als letztes kommt das Salz. Das Salz so lange einrühren, bis man es nicht mehr kratzen hört.

Jetzt kann man das Karamell vom Herd nehmen. Es bleibt weich. Deswegen kann man sich in aller Ruhe dem Popcorn widmen. Also den Popcornmais entweder in einer Pfanne mit ein bisschen Öl, oder in der Mikrowelle erhitzen und ordentlich ploppen lassen. Man kann das Popcorn auch ein wenig salzen, der Effekt ist gut.

Dann das Eis in eine Schüssel geben, mit dem Karamell übergießen und das Popcorn als Deko drüberstreuen.

[…]

Diese Ohrwürmer, für die ich so anfällig bin. Es sind wirklich viele und sie sind alle furchtbar albern und repetitiv. Ich summe sie dann immer ein wenig vor mich hin. Manchmal ist es peinlich, manchmal nur ein bisschen komisch. Am achtundzwanzigsten Januar ertappe ich mich immer wieder mit dem gleichen Lied. Wenn ich ein wenig gedankenverloren in der Küche stehe und Dinge schnipsle. Wenn ich Happy Birthday summe. Vor allem das hohe Finale, wie beim Happy birthday, mister president. Immer wieder und wieder. Dann weiß ich, dass ich definitiv zu viel Geburtstag hatte.

[…]

Diese kluge Entscheidung am 24.1. vor dem Abflug nach London zu bloggen und sich fünf Euro für den Ironbloggertopf zu ersparen.

[von wegen Religion]

Die Attentate in Paris waren kein Angriff auf die Freiheit. Sie waren auch kein religiöses Attentat. Und wenn man in Frankreich derzeit von einem kulturellen Attentat spricht — auch das war es nicht. Es war ein Attentat von unausgelasteten, gelangweilten oder ausgeschlossenen jungen Männern, die nach etwas Sinnvollem suchten und der Sexyness einer wütenden und radikalen Bewegung erlegen sind.
Es sind fast immer die gleichen Muster. Die Jungs hätten genau so gut einer rechtsradikalen Lichtgestalt folgen können, einem Guru mit einer Sexsekte oder einem Guru, der zu Massenmord anstiftet. Vor fünfundvierzig Jahren bewaffneten sich die jungen, weißen Männer gegen den amerikanischen Imperialismus. Zwanzig Jahre lang. Harmloser ist es, wenn sie Kleinkriminelle werden, oder die ganz Blöden landen als Gewalttäter bei Fußballfanclubs. Früher waren sie Söldner. Piraten auch. Oder die Männergruppen, die in den Zwanzigern für jene kleine Partei namens NSDAP durch die Straßen patrouillierten. Alles in gutem Glauben. Für junge Männer mit einem muslimischen Hintergrund drängen sich seit einigen Jahren die zahlreichen, mit relgiöser Mystik überladenen Gruppierungen auf. Sie werden gebraucht, ein Gott, der ruft, eine schlechte, vom Geld regierte Welt und diese ganze Welt, die vor ihnen zittert.
Was ist geiler für junge, unausgelastete und ausgeschlossene Männer, als ordentlich den Rocknroll abgehen zu lassen.

Da ist nichts Religiöses oder Politisches oder Kulturelles dran. Es geht um junge Männer die auf Sinnsuche sind.

Was es jetzt nicht besser macht.